Die Streiche meiner Mutter

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Verzweiflung Tod Familie Hohenmocker

Die Streiche meiner Mutter
Das ist keine lustige Beichte. Jedenfalls nicht für mich. Der 24. September 1999 war der schlimmste Tag meines Lebens. Meine Mutter war bekannt für ihren skurrilen Humor und hat mir und meinem Bruder sehr oft den ein- oder anderen Streich gespielt. Sie hat mit uns mal einen Horrorfilm geschaut und danach so getan, als würde sie im Türrahmen von einer Fremden Hand erwürgt werden und so weiter. Oft ging es meistens darum, uns zu erschrecken. Am besagten Tag war ich 14 Jahre alt, mein Bruder war 12. Ich kam von der Schule nach Hause und hörte leise Hilferufe. Ich habe natürlich die Stimme meiner Mutter erkannt und tat das, wofür ich mich noch heute, 14 Jahre später, schäme: Ich habe laut zurückgerufen: "Na Mama, wer bringt dich jetzt wieder um?" Dann hörte ich wieder einen Hilferuf: "Hole einen Notarzt, ich liege im Badezimmer." Ich habe am Tonfall erkannt, dass etwas nicht stimmt und rannte ins Badezimmer. Dort lag meine Mutter auf dem Boden und sagte, ich solle den Notarzt und den Papa anrufen. Natürlich habe ich da den Ernst der Lage erkannt und alles in die Wege geleitet. Während der Notarzt sich um meine Mutter kümmerte, habe ich mir nur Gedanken darüber gemacht, wie ich mich bei meiner Mutter für die Bemerkung entschuldigen könnte. Ich musste mich nie entschuldigen. Der 24. September 1999 war der Tag, an dem meine Mutter in den Händen des Notarztes starb. Sie hatte einen Herzinfarkt.

Beichthaus.com Beichte #00031034 vom 15.04.2013 um 18:27:20 Uhr in Hohenmocker (46 Kommentare).

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Meine Angst vor dem Tod

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Drogen Verzweiflung Gesellschaft Neurosen Tod Potsdam

Nachdem ich (m/23) mittlerweile hunderte Beichten hier gelesen habe, möchte ich nun auch einmal etwas los werden, was mich seit Jahren bedrückt. Wenn mich jemand fragt, würde ich mich als Normalo bezeichnen. Normale Kindheit, normale Schulzeit, durchschnittliches Abi, danach Zivildienst und nun Studium. Am Ende meiner Zeit im Gymnasium, also in der elften und zwölften Klasse, fand ich Gefallen an Bewusstseinserweiterung, nicht zu verwechseln mit Bewusstseinsveränderung. Egal ob Alkohol, Gras oder psychedelische Sachen. Eigentlich wurde einmal in der Woche, meist Freitag oder Samstag, exzessiv gekifft und getrunken und alle paar Wochen durfte das Bewusstsein eine andere Dimension erleben. In dieser Zeit habe ich viel über mich gelernt. Das nur nebenbei. Ich schreibe davon, weil es eventuell meine jetzige Situation erklärt. Auch heute rauche ich noch gerne mal was Grünes, dabei bleibt es dann aber auch. Alkohol oder härtere Drogen sind die absolute Seltenheit. Jedenfalls ging alles seinen Gang und eines Abends, ich weiß nicht, wie lange das schon her ist, aber mindestens zwei Jahre, legte ich mich nüchtern schlafen und auf einmal wurde mir die eigene Sterblichkeit bewusst. Bähm. Das warf mich für ein paar Tage völlig aus der Bahn. Zu realisieren, dass ganz greifbar irgendwann der Tag da ist, irgendwann die Situation, der Moment kommt, wo ich mich plötzlich im Prozess des Sterbens, im Übergang zum Tod befinde und es kurz danach auch bin, war und ist für mich kaum zu ertragen. Klar, jeder stirbt irgendwann, das wisst ihr genauso gut wie ich, aber sich dem Thema Tod in all seiner Gänze bewusst zu werden, ist eine andere Geschichte.


Ich musste beispielsweise während einer Autofahrt plötzlich anfangen zu weinen, als ich einen Song von Pink Floyd hörte, den ich mit körperlichem Verfall in Verbindung bringe. Wenn Leute sterben, auch wenn ich sie nur flüchtig kannte, nimmt mich das schon extremst mit. Die Angst vor tödlichen Krankheiten treibt mich dazu, bestimmte Dinge zu essen oder nicht zu essen, zu tun oder nicht zu tun. Und so weiter. Ich kann mir vorstellen, dass viele mich in diesem Punkt nicht verstehen, daher habe ich diese Angst auch noch mit niemandem außer meiner Freundin und meinem besten Kumpel geteilt, aber es endlich mal aufzuschreiben und loszuwerden, hilft mir ungemein. Das Schlimme am Tod ist meiner Meinung nach die Ausweglosigkeit. Religiöse Menschen glauben wenigstens an irgendeine Art Weiterleben oder Wiedergeburt, für mich aber ist das alles Humbug, erfunden von Menschen wie mir, die wahnsinnige Angst vor dem unendlichen Nichts haben. Ich versuche mir einzureden, dass der Tod das Letzte im Leben sein wird, was ich erfahren darf, aber auch das ist kein Trost. Ich beichte also, dass ich als gestandener Mann und baldiger Familienvater wahnsinnig ängstlich bin und es wahrscheinlich auch noch bis zu meinem Ableben sein werde. Die Entwicklungspsychologie lehrt, dass die Angst vor dem Tod mit dem Alter abnimmt. Bei mir besteht da aber, glaube ich, keine Hoffnung.

Beichthaus.com Beichte #00030900 vom 19.03.2013 um 14:56:10 Uhr in Potsdam (Brauhausberg) (36 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Lachen über die Trauer

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Engherzigkeit Morallosigkeit Schule Tod Hagen

Ich (m/30) schäme und hasse mich immer noch für mein Verhalten in der siebten Klasse. Unser Lehrer hatte sich das Leben genommen. Ein paar Lehrer und viele Schüler haben dann, nachdem sie es erfuhren, schrecklich getrauert. In der Klasse wurde viel geweint, Unterricht war kaum möglich in den ersten Tagen. Und was mache ich? Ich habe mich darüber kaputtgelacht. Über die Trauer anderer. Ich fand das so witzig damals. Es tut mir immer noch so leid.

Beichthaus.com Beichte #00030661 vom 09.01.2013 um 18:30:27 Uhr in Hagen (Hammerstraße) (12 Kommentare).

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Nicht hartnäckig genug

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Ignoranz Gesundheit Freunde Tod

Vor Kurzem ist meine beste Freundin gestorben. Wir kannten uns so viele Jahre, hatten keine Geheimnisse voreinander, haben so viel miteinander erlebt und durchgestanden. Wir haben uns gegenseitig gestützt und geholfen, wenn Not am Mann bzw. an der Frau war. So viele Abende haben wir gemeinsam verbracht, uns über Gott und die Welt unterhalten, gerne auch mal ein gutes Glas Wein zusammen getrunken. Gemeinsam waren wir bei tollen Konzerten, haben den neusten In-Laden unter die Lupe genommen. Dann kam dieser dumme Streit, es ging um einen größeren Geldbetrag. Danach war unsere Beziehung nie wieder so eng und schön wie früher.
Vor einem Jahr kamen dann keine Anrufe mehr, sie kam nicht mehr spontan auf einen kleinen Plausch vorbei. Da sie manchmal sehr kratzbürstig sein konnte und Wert auf ihre Privatsphäre legte, habe ich sie dann einfach in Ruhe gelassen, dachte, das gibt sich schon wieder. Im Nachhinein habe ich erfahren, dass sie um diesen Zeitpunk herum den Kontakt zu allen Freunden und Bekannten abgebrochen hatte. Drei Monate vor ihrem Tod begegnete ich ihr zufällig. Wir unterhielten uns nur kurz, mir fiel auf, dass sie abgenommen hatte, und sprach sie darauf an, aber sie meinte, sie hätte erfolgreich eine Diät gemacht.

Vor einigen Wochen erfuhr ich, dass sie als Notfall ins Krankenhaus gekommen war. Natürlich besuchte ich sie sofort, sie war in einem erbarmungswürdigen Zustand, kaum ansprechbar. Vier Tage später war sie tot, gestorben an Krebs, den sie aus Furcht vor Ärzten und Krankenhäusern nicht hatte behandeln lassen. Vielleicht wäre Sie mit meiner Hilfe heute noch am Leben. Ich war nicht hartnäckig genug, habe mich nicht genug gekümmert.

Beichthaus.com Beichte #00029413 vom 06.10.2011 um 16:22:21 Uhr (8 Kommentare).

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Gestörte Totenruhe

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Morallosigkeit Dummheit Schamlosigkeit Gesundheit Arbeit Tod

Vor einigen Jahren musste ich mit einer Auszubildenden einen gerade verstorbenen Patienten frisch machen und für die Angehörigen vorbereiten. Als wir dann im Zimmer waren, kam meine Kollegin, um mir zu sagen, dass sie sich kurz von der Station entfernen müsste. Ich nahm daraufhin die Hand des Verstorbenen und machte eine Art "Winke-Winke" zu ihr. In jenem kurzen Moment erschien es vielleicht als lustig, aber im Nachhinein hätte ich mir in den Arsch beißen können. Ich möchte beichten, dass ich die Totenruhe gestört habe und es mir sehr leidtut.

Beichthaus.com Beichte #00026941 vom 02.09.2009 um 07:07:06 Uhr (58 Kommentare).

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