Kulturelle Aneignung

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Hass Zorn Maßlosigkeit Gesellschaft

Kulturelle Aneignung
Ich (m) arbeite in einem Büro einer Organisation, die im sozialen Bereich tätig ist. Im Großen und Ganzen macht mir mein Job auch viel Spaß, wären da nicht die miese Bezahlung und diese ewige Philosophie, die quasi bei jedem Wort betrieben wird. Bei regelmäßig stattfindenden Seminaren werden wir quasi jährlich dazu gezwungen, uns ewig mit Wörtern wie "Frieden" oder "Entwicklung" auseinanderzusetzen. Versteht mich nicht falsch, ich bin durchaus jemand der sich gerne mit gesellschaftlichen oder politischen Themen befasst. Aber diese theoretische Ausschlachtung von Worten verabscheue ich nur noch. Das bringt keinem Schwein der Welt etwas. Mein syrischer Freund würde sich halbtot lachen, es gibt einfach ganz andere Probleme!

In den letzten Wochen ist die ganze Sache bei einigen Betreuern auf einem der Seminare allerdings eskaliert. Gott sei Dank war ich nicht dabei, es ist aber noch heute Gesprächsstoff Nummer 1 im Büro. Eine für das Seminar extra eingestellte Mitarbeiterin hat(te) Dreadlocks, was einer anderen Mitarbeiterin (dunkelhäutig) scheinbar negativ aufgestoßen ist. Die Kurzfassung: Ein Großteil der engagierten Betreuer hat sich gegen diese Mitarbeiterin gestellt und sie dermaßen zur Sau gemacht, dass diese heulend in der Ecke saß. Der konkrete Vorwurf - und jetzt kommt es: kulturelle Aneignung. Das bedeutet so viel wie: Angehörige einer privilegierten Mehrheit übernehmen Elemente einer unterprivilegierten Minderheit, beispielsweise von Schwarzen. Durch diese "kulturelle Aneignung" hat sich die dunkelhäutige Kollegin also rassistisch angegriffen gefühlt.

Bei allem Verständnis - und politisch komme ich definitiv aus der linken Ecke und engagiere mich aktiv gegen Rassismus - das geht mir so etwas von zu weit. Ich kann da null Verständnis aufbringen, und wenn mich eine der Personen darauf ansprechen würde, die oben genannte Mitarbeiterin förmlich gemobbt haben, wegen ihrer Haare - die würde ich wahrscheinlich körperlich oder zumindest verbal heftig angehen. Die haben doch den Schuss nicht gehört! Ich habe so viele farbige Freunde, aber die kämpfen für wichtige Dinge. Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, was ihm oder ihr wichtig ist. Aber meine Devise ist leben und leben lassen. Bei bestimmten Dingen kann man seine persönlichen Macken einfach mal zurückstellen. Für mich sind solche Leute einfach nur extrem verbohrt und verkrampfen sich mit der Thematik so derart, dass sie das Wesentliche völlig aus dem Blick verlieren und total durchknallen. Viele Kulturen leben hier in Deutschland - wenn jeder so am Rad drehen würde, gäbe es Tausende Tote mehr, als wir eh schon durch kulturelle und rassistische Auseinandersetzungen haben, um es mal drastisch zu sagen.

Dass so etwas in einer Organisation passiert, die Offenheit, Toleranz und Frieden predigt, finde ich wirklich pure Heuchelei! Meine Beichte: Ich habe gar keinen Bock, mich noch mehr mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ich werde schon aggressiv, wenn ich die Bezeichnung höre: Kulturelle Aneignung...

Beichthaus.com Beichte #00038623 vom 12.08.2016 um 15:55:21 Uhr (48 Kommentare).

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Intelligente Menschen betrachten sich selbstkritisch!

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Dummheit Hochmut Verzweiflung Gesellschaft

Ich möchte etwas beichten, das hier nicht auf allgemeines Verständnis stoßen wird. Ich bin hochbegabt (medizinisch nachgewiesener IQ von über 150) und ich verstehe die meisten "normalen" Menschen nicht. Ständig frage ich mich, wie man bloß so ein beschränktes und egozentrisches Weltbild haben kann. Jeder fühlt sich als etwas Besonderes. Als das Wichtigste auf der Welt. Aber kaum jemand macht sich bewusst, dass hinter jedem Gesicht, welches man sieht oder jemals gesehen hat, eine eigene Geschichte steht, die genauso reich an Wünschen, Hoffnung, Leid und Liebe ist, wie die eigene. So wird bei Diskussionen von den "Normalen" kaum über den eigenen Tellerrand geblickt. Die Auswirkungen der Entscheidung auf das Leben von anderen und die Umwelt (nicht zwingend im ökologischen Sinne) wird für die eigene Entscheidung nicht herangezogen. Aber trotzdem wird die durch oberflächliche Fakten gebildete Meinung fröhlich und vor allem sehr laut in die Welt gerufen.

Und wenn man auf eine fragliche Meinung mit tiefer gehenden Fakten versucht vorzugehen, blickt man nur in leere tote verständnislose Augen, und erntet im besten Falle ein patziges "Aber trotzdem!" Anfangs dachte ich, es wäre Ignoranz. Mittlerweile habe ich das Gefühl, dass es bloß Unvermögen ist. Das Unvermögen, mehr als eine Handvoll Faktoren in eine Entscheidung einzubeziehen. Im Laufe der Zeit hat sich meine anfängliche Verachtung über die begrenzte Wahrnehmung der meisten Menschen in eine unangenehme Mischung aus Mitleid und Verzweiflung gewandelt. Da es jedoch einige "Normale" gibt, die nicht nur an sich denken, sondern durchaus einen Blick und ein Gefühl von Verantwortung für das "große Ganze" haben, lässt mich noch an meiner Theorie über die Beschränktheit meiner Mitmenschen zweifeln und hoffen. Diese Menschen haben nach meiner Beobachtung interessanterweise allesamt einen Charakterzug, der für gewöhnlich ausgeprägter ist, je intelligenter man ist: Selbstkritische Betrachtung.

Beichthaus.com Beichte #00038611 vom 10.08.2016 um 10:36:38 Uhr (45 Kommentare).

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Auszuwandern war die beste Entscheidung meines Lebens!

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Begehrlichkeit Falschheit Geld

Auszuwandern war die beste Entscheidung meines Lebens!
Vor etwa einem Jahr bin ich nach Ostasien ausgewandert, weil ich mit knapp 30 Jahren keine Festanstellung in Deutschland finden konnte, mich von Job zu Job hangelte und es einfach leid war, trotz eines abgeschlossenen Studiums einen Lebensstandard wie ein Hartz-IV-Empfänger zu haben. Außerdem war ich in Deutschland Dauer-Single und litt sehr unter meiner Einsamkeit, auch wenn ich eine tolle Familie hatte und einige sehr gute Freunde. Alles in allem war es aber einfach kein Zustand mehr, in dem ich weiterleben wollte. Also habe ich den einzigen Ausweg genommen, der mir abgesehen von Selbstmord einfiel: Ich habe meine Sachen gepackt und bin in ein tropisches Entwicklungsland gegangen, wo ich eine Stelle bei einer internationalen Firma angenommen habe.

Mittlerweile verdiene ich etwa fünf bis sechs Mal mehr als der Durchschnitt der Bevölkerung, muss nur zehn bis fünfzehn Prozent meines Lohns für Steuern abdrücken und habe daher netto genau so viel übrig, wie ich in Europa übrig hätte. Es gibt bloß einen Unterschied: Die Lebenshaltungskosten sind hier viel niedriger, sodass ich von allen Menschen hier als stinkreicher weißer Mann aus dem Westen wahrgenommen werde, obwohl das überhaupt nicht stimmt. Ich bin nur mäßig gut krankenversichert und habe keine Sozialversicherung, dafür kann ich es mir leisten, jeden Tag in feinen Restaurants essen zu gehen, mir ständig schicke Klamotten zu kaufen und fast nach Lust und Laune ganz Südostasien zu bereisen.

Auch privat hat sich bei mir etwas verändert - ich habe eine wunderbare Frau kennengelernt und denke gar nicht daran, sie für irgendetwas auf der Welt zu verlassen. Vielleicht wird sie irgendwann von sich aus den Wunsch haben, mit mir nach Deutschland zu gehen, aber solange das nicht der Fall ist, bleibt nur eines zu sagen: Liebe Eltern, liebe Familie, liebe Freunde - außer um Urlaub zu machen, werde ich nicht mehr nach Deutschland zurückkehren. Ich bin hier zwar schlecht abgesichert, fühle mich aber dafür frei, glücklich und genieße es, mich an jedem Tag selbst zu verwirklichen, neue Dinge zu essen, eine neue Sprache zu lernen, neue Aktivitäten auszuprobieren, neue Orte zu bereisen, Zeit mit meiner Freundin zu verbringen und mein Leben zu genießen.

Und sollte ich mit 60 oder 65, nach 30 oder 35 erfüllten Jahren nicht mehr arbeiten können und wegen der Entscheidung, die ich jetzt getroffen habe, nicht genug Geld haben, um mich um mein eigenes Wohl zu kümmern, und sollte es auch niemanden geben, der das für mich tut, wie z. B. meine Kinder oder Kindeskinder, dann werde ich nicht verzweifelt in irgendwelchen Müllcontainern nach Essen suchen. Eher würde ich mir, mit 60, 65 oder 70 nach 3-4 erfüllten Jahrzehnten aufrecht stehend selbst in den Kopf schießen, um meinem wunderbaren Leben ein würdiges selbstbestimmtes Ende zu setzen, als mit 90 in irgendeinem Heim in Deutschland dahinzuvegetieren und unglücklich darüber zu sein, dass ich nie die Chance ergriffen habe, mich auszuleben.

Ich bin glücklich hier und bereit, notfalls den Preis für das Risiko zu bezahlen, das ich auf mich nehme, wenn ich langfristig bleibe. Auch bin ich bereit, für mein neues Leben meine langjährigen Freundschaften in Deutschland zu opfern und meine Eltern, außer im Video-Chat, nur noch alle zwei Jahre zu Weihnachten oder zum runden Geburtstag zu sehen.

Beichthaus.com Beichte #00038596 vom 06.08.2016 um 20:15:35 Uhr (25 Kommentare).

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Ihr mögt Japan eigentlich gar nicht!

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Zorn Dummheit Hochmut Gesellschaft

Ich (m/30) möchte hiermit beichten, dass ich die heutige, sich selbst als Japan-liebend bezeichnende Jugend nicht ab kann. Insbesondere gilt das für Otakus und Visual Kei, Gothic Lolitas und den ganzen Müll. Warum? Ganz einfach, diese Gören meinen alles über Japan zu wissen und plappern einen, wenn man nachfragt, über J-Rock usw. voll. Fragt man aber, wann Tokugawa Ieasu die Abschließung Japans beschlossen hat, sehen sie einen an wie eine Kuh, wenn es blitzt. Das war übrigens genau im Jahr 1600, also leicht zu merken, falls euch mal jemand fragt. Der Unterschied zwischen Nija (Shinobi) und Samurai (Bushi)? Fehlanzeige. Die 47 Ronin? Okay, da gibt es einen Manga von, den kennen manche sogar. Selbst Hideki Tojo kennen die nicht. Aber dafür die dürren, androgynen Kerle irgendwelcher Bands anschmachten, denn die sind ja so anders als andere Männer, sagen sie ja in ihren Texten, gell?

Mädels, ihr seid nicht japanophil, ihr kennt dieses Land kaum, sondern nur eine völlig kaputte Populärkultur, die sowohl echt nur durch Verstrahlung entstanden sein kann. Das Beste ist, wenn ihr dann 2-4 Jahre für eure zwei Wochen Tokyo gespart habt und völlig enttäuscht zurückkommt, weil erstens eben nicht dauernd lebensgroße Pikachu und Doreamon (den ihr ja auch nicht kennt, weil zu alt) rumrennen, zweitens die Japaner eben NICHT begeistert und mit offenen Armen auf Europäer reagieren, die einen Teil ihrer Popkultur zum Lebensstil erhoben haben. Im Gegenteil, die ignorieren euch in der Öffentlichkeit (Höflichkeit!) und lachen euch zu Hause aus (aber das mit den drei Gesichtern sagt euch bestimmt auch nichts).

Klar sind das dort Teile der Popkultur, nur mit dem Unterschied, dass erwachsene Japaner nicht die Zeit und die Lust haben, sich damit abzugeben. Die sind also 15-18 Jahre alt, wenn sie sich verkleiden. Ihr seid aber allesamt 20+ und meint, von der Welt enttäuscht zu sein, weil ihr ja so anders seid. Seid ihr nicht, wacht einfach auf. Ihr werdet hier wie dort ausgelacht. Punkt.

Beichthaus.com Beichte #00038594 vom 06.08.2016 um 14:33:07 Uhr (28 Kommentare).

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“Beichte

Ich genieße mein Leben mit Hartz-IV

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Feigheit Vorurteile Gesundheit

Ich bin 25 Jahre alt und habe trotz meiner Sozialphobie (und dadurch sieben stationäre Therapien, je drei bis sieben Monate) meine Fachhochschulreife erworben und studierte bis zuletzt noch Produktdesign an einer Kunsthochschule (habe fast immer 30 CP erreicht). Als ich Panikattacken während der Vorlesungen und in meinen Kursen bekommen habe, habe ich mich dazu entschlossen, mich beurlauben zu lassen und beziehe nun seit drei Monaten Hartz-IV. Mein Vater wurde so erzogen, dass er davon ausgeht, dass es einem gut geht, wenn man arbeitet. Deshalb (und wahrscheinlich auch wegen der von der Gesellschaft eher negativen Einstellung gegenüber Hartz-IV-Empfänger) empfinde ich es wohl als Beichte, Folgendes zuzugeben:

Wenn ich sage: "Ich will gesund werden", bedeutet das nicht "Ich will wieder arbeiten/studieren können". Was ich sagen will, ist: Ich arbeite nicht darauf hin, dass die Panikattacken weggehen, um wieder arbeiten zu können. Wenn ich in zwei Jahren immer noch Panikattacken bekomme, wenn ich Leistungen erbringen muss und bewertet werde, ist mir das ganz recht. Damit kann ich mich aus der Arbeitswelt entziehen. Ich bin kein fauler Mensch. Ich bin eigentlich auch ziemlich diszipliniert. Ich bin mit der Einstellung meines Dads groß geworden und würde ohne die Panikattacken wohl heute noch studieren, trotz Depressionen, Schlaflosigkeit, Suizidgedanken, usw.

Da ich schon über 10 Jahre Erfahrungen in Therapien gemacht habe und sehr kreativ bin, habe ich eine große Selbstwirksamkeit. Ich brauche Arbeit weder um mich zu beschäftigen, um das Gefühl zu bekommen gebraucht zu werden, um Anerkennung und Rückmeldung zu erhalten, noch für das viele Geld. Meine höchsten Ausgaben im Monat sind die vegetarische und die glutenfreie Ernährung und das monatliche Internet. Ich habe am Monatsende sogar noch Geld übrig, was ohne einen bestimmten Zweck automatisch gespart wird. Das liegt nicht daran, dass man mit Hartz-IV viel Geld bekommt. Sondern schlicht weg daran, dass ich mir bewusst geworden bin, dass ich nur für eine sehr kurze Zeit scheinglücklich wäre, wenn ich mir etwas kaufe oder in den Urlaub fahre. Ich brauche weder ein cooles Styling, um es auf Instagram zu posten, noch brauche ich das neuste Handy. Klar, ich kaufe mir auch Sachen. Aber recht selten - und das war auch schon vor dem Hartz-IV-Bezug. Und als Student hatte ich auch mehr Geld als jetzt.

Ich wohne mit meiner Freundin zusammen, sie ist 27 Jahre alt und auch Hartz-IV-Empfängerin. Sie arbeitet seit einem Jahr nicht, mehr wegen ihrer Essstörung. Nimmt aber an Maßnahmen des Amts teil, da sie gerne wieder arbeiten möchte. Seitdem ich den Druck vom Studium los bin, geht es mir um einiges besser. Und ich bin immer offen für Veränderungen in mir, auch bezüglich der Arbeit und der Panikattacken. Aber solange meine Attacken noch da sind, danke ich meinem Körper dafür, dass er nicht auf meinen "Ich muss doch etwas tun"-Verstand hört und mir somit Zeit gibt, um das Leben genießen zu können.

Beichthaus.com Beichte #00038589 vom 05.08.2016 um 06:22:13 Uhr (24 Kommentare).

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