Die böse Oma

42

anhören

Verzweiflung Kinder Faulheit

Die böse Oma
Ich habe eine riesige Wut auf meinen Enkel. Er wird in wenigen Wochen vier Jahre alt. Er bemüht sich nicht richtig zu sprechen. Er mag fast nichts allein machen, will ständig bedient werden. Er konzentriert sich auf fast nichts. Er sagt nicht, wenn er mal muss und macht immer noch in die Windeln. Seine Unfähigkeiten werden von seinem Großvater - meinem Ex-Mann - noch unterstützt. Dieser macht sich vor dem Kind zum Affen und nimmt ihm alles ab. Wir bekommen deswegen ständig Streit. Ich bin gegen eine antiautoritäre Erziehung und ich weiß, dass Kinder einen Rahmen brauchen. Bis hier hin und nicht weiter. So habe ich es selbst gelernt und so hat es immer funktioniert. Doch mein Ex-Mann unterstützt mich nicht, sondern hält dagegen und meint, ich sei eine schlechte Oma. Weil ich zeige, wenn ich verärgert bin, weil ich Dinge einfordere, weil ich auch mal richtig böse werden kann. Ich kann jedoch auch lieb sein, belohne ihn, wenn ich sehe, dass Bemühungen stattgefunden haben. Ich unterstütze auch, wenn ich Fortschritte bemerke. Doch das wird permanent kaputt gemacht, von eben diesem Großvater.
Ich kann es nicht ändern, dass er sich in die Erziehung mit einmischt. Die Eltern des Kindes sind gänzlich außerstande, für das Kind da zu sein. So liegt die Hauptlast auf mir und meinem Ex-Mann. Wenn ich ihn allein erziehen würde, wäre er schon windelfrei, würde er richtig reden, wäre vieles altersgerechter. Aber so? Ständig muss ich kämpfen. Mein Enkel macht es mir nicht leicht. Er will das S nicht sprechen, das R nicht, das T nicht, das K nicht. Und dann soll ich verstehen, was er da vor sich hin brabbelt. Mein Ex-Mann verbessert ihn andauernd. Das halte ich für komplett verkehrt. Denn so lernt er es nie, da er ja weiß, das sich die Erwachsenen bemühen, aus seinem Kauderwelsch schlau zu werden. Wenn ich ihn nicht verstehe, sage ich ihm das und überlasse es ihm, mir zu erklären, was er meint. Wenn er mir zeigt, was er will, dann frage ich ihn: "meinst du dies (Objekt)?" Und bitte ihn, diese Frage mündlich zu formulieren. Gerne helfe ich ihm dabei, damit er den richtigen Wortlaut hört. Das Entscheidende bei der Geschichte ist aber die Zeit. Man muss sich als Erwachsener Zeit für das Kind nehmen, sich mit ihm beschäftigen. Aber das tut außer mir keiner. Alle haben es eilig und deswegen geht keiner auf ihn ein und es wird für ihn geredet, für ihn gehandelt und er muss nichts selbst tun. Das bringt mich zur Raserei, denn so wird er nicht selbstständig und aalt sich in seiner Faulheit und Bequemlichkeit.
Meine Nerven liegen dann oft blank. Ich habe gemerkt, dass alte Regeln aus meiner Kindheit auch heute noch fruchten. Wo ein Opa oder Mama oder Papa eine Million Mal das Gleiche sagen und es eine Million Mal mehr ignoriert wird, reicht bei mir der Satz: "Ich zähle bis drei, dann hast du dieses oder jenes gemacht" und Ähnliches. Und siehe da, es funktioniert. Durch mich hat er leidlich gelernt zu reden, weil ich täglich mit ihm das ABC durchrede, weil ich mit ihm überall hin gehe, Dinge beim Namen nenne. Weil ich mir die Zeit nehme, ihm vorzulesen, weil ich oft Gespräche mit ihm singe, ihn dabei den Sinnen aussetze, die Dinge fühlen und spüren lasse. Aber die anderen machen das alles kaputt. Weil ich nicht permanent für ihn da sein kann, da ich schwer und unheilbar krank bin und oft unter Schmerzen leide, die einen Rückzug von mir erforderlich machen. Dann muss er zu den anderen. Das macht mich ohnmächtig, denn die zaghaften Erfolge werden in wenigen Tagen zunichte gemacht. Ja - ich bin oft eine böse Oma, eine, die den Kochlöffel vor sich hinlegt und damit droht, bislang ihn jedoch noch niemals eingesetzt habe. Ja - ich bin eine böse Oma, die schreit und schimpft und böse guckt. Ich bin aber auch die Oma, die liebt, die Oma, die sich Sorgen macht, die Oma, der es nicht egal ist, was passiert. Die Oma, die etwas ändern und helfen will, die Oma, die auch belohnt und die Oma, die ihm mit allen Sinnen und mit aller Liebe in den Arm nimmt und tröstet. Zuckerbrot und Peitsche? Vielleicht. Wenn er mir egal wäre, würde ich all das nicht tun. Aber ich fühle mich oft so überfordert und alleine kämpfend an der Front, ohne jegliches Verständnis und ohne Hilfe von außen. Ich glaube jedoch, dass er das Band spürt, was zwischen uns beiden ist. Er spürt, dass es mir mehr weh tut als ihm, wenn ich ihn bestrafe, wenn ich mit ihm schimpfe. Ich nehme ihn sehr ernst und sehe in ihm einen Menschen, der eigene Gefühle, eigene Gedanken, einen eigenen Willen und eine eigene Intelligenz hat. Ich will ihm helfen, groß zu werden. Allein meine Krankheit steht davor. Nun bin ich eine schlechte Oma, laut meinem Ex-Mann. Warum? Weil ich wütend bin? Weil ich ungeduldig bin? Weil ich oft verzweifelt bin? Ja, das alles bin ich. Ein Kind mit fast vier Jahren sollte sprechen können, sollte aufs Klo gehen, sollte allein essen. Früher gab es so was nicht, so viel steht fest. Weil es früher strengere Regeln für Kinder gab und nicht diesen psychologischen Vollschwachsinn, den man heutzutage verzapft und mit dem man Eltern sowie Großeltern verunsichert. Ich habe immer rein nach meinem Herzen gehandelt und bin der Meinung, dass dies gut ist und war.

Beichthaus.com Beichte #00030984 vom 08.04.2013 um 08:49:54 Uhr (42 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Die verhasste große Schwester

17

anhören

Zorn Ungerechtigkeit Familie Wolfsburg

Ich (w/19) möchte beichten, dass ich meine große Schwester (22) über alles hasse und auch meinen Eltern inzwischen kritisch gegenüber gestellt bin. Der Hass fing eigentlich schon sehr früh an, als wir beide noch in die Grundschule gingen. Sie war immer der Überflieger mit den Top-Noten, und ich war zwar auch immer mit einem guten Zweierschnitt dabei, aber „halt nie so gut wie V.“ Meine Eltern haben damals schon immer zu mir gesagt, dass ich kein schlechtes Gefühl dabei zu haben brauchte, dass sie besser ist als ich und dass ich mich nicht mit ihr vergleichen soll. Nun, das hätte ich früher auch nicht gemacht, aber dadurch, dass mir das immer und immer wieder von meinen Eltern erzählt wurde, habe ich mich selbstverständlich mit ihr verglichen. Da ich es ihnen nie recht machen konnte, habe ich da schon angefangen, sie nicht mehr wirklich zu mögen. Aber der eigentliche Wendepunkt kam später, als ich so 16 war, da habe ich meinen ersten wirklich festen Freund gehabt, den ich über sie kennengelernt habe. Schon als ich ihn meinen Eltern als meinen Freund vorgestellt habe - sie kannten ihn ja schon über meine große Schwester etwas länger -, liefen sie erst zu meiner Schwester, um sie zu fragen, ob sie es mir erlaubt, mit ihm zusammen zu sein. Nach knapp zwei Jahren Beziehung, in denen ich viele Verabredungen mit ihm aufgrund von plötzlichen fadenscheinigen Einwänden meiner Eltern absagen musste, hat er mich dann ohne weitere Erklärung abserviert. Ich dachte da, am Boden zerstört wie ich nun mal war, bei der ersten großen Liebe, dass meine Familie gar nicht mal so krass reagiert wie in einigen Beichten, die ich hier schon gelesen habe (von Stalken über Zusammenschlagen bis hin zum in den Knast bringen), sondern einfach nur den Kontakt mit ihm abbricht. Das hätte mir schon vollkommen ausgereicht. Aber von wegen. Meine Schwester hat sich auch weiterhin häufig mit ihm getroffen, auch immer bei uns zu Hause, sodass ich ihn quasi wöchentlich sehen musste. Meine Eltern haben mich weder getröstet, als ich heulend im Flur zusammengebrochen bin, da war nur meine kleine Schwester für mich da, noch haben sie zu den Treffen meiner großen Schwester irgendetwas weiter gesagt. Ich habe aber auch schon während meiner Beziehung mit ihm gemerkt, dass sie ihn fast mehr ins Herz geschlossen haben als mich und dass sie die Trennung hauptsächlich deshalb schade fanden, weil er dann weniger oft bei uns war und sich mit ihnen beschäftigt hat.


Ich bin meiner großen Schwester daher immer mehr aus dem Weg gegangen, habe mich auf das Abi konzentriert und dann auch einen Einserschnitt hingelegt. Meine Hauptmotivation war dabei, in einen zur Zeit sehr beliebten Studiengang zu kommen, der allerdings einen sehr hohen NC hat, den ich leider nicht erreichen konnte. Meine Schwester, die mitbekommen hat, wie wichtig mir das war und wie gerne ich den Platz bekommen hätte, schreibt sich an genau der Uni für genau das Fach ein, für das ich abgelehnt wurde, und bekommt den Platz. Inzwischen bin ich in eine andere Stadt gezogen, um klassisch BWL zu studieren, was mir auch sehr gut gefällt. Hätte ich aber keinen Studienplatz bekommen, hätte ich alles in meiner Macht stehende getan, um von zu Hause wegzukommen, da es sich für mich nicht mehr so angefühlt hat. Jedes Mal, wenn ich mal wieder heimfahre, um meine ach so tolle Familie zu besuchen, labert mich meine große Schwester immer mit irgendwelchen ihrer Probleme zu, die mich nicht interessieren und ich würde am liebsten einfach aufstehen und gehen. Mit meinem Ex trifft sie sich immer noch regelmäßig. Ich weiß zwar, dass Familie mit das Wichtigste auf der Welt ist und ich kenne so viele Einzelkinder, die sich über Geschwister gefreut hätten. Ich liebe meine kleine Schwester von ganzem Herzen, es ist mir sehr schwergefallen, sie mit den Verrückten durch meinen Auszug alleine zu lassen, vor allem, wenn sie mir dann weitere, abgedrehte Storys erzählt. Aber ich kann meinen Eltern einfach nicht mehr vertrauen, nachdem sie mich so haben fallen lassen, und jedes Mal, wenn ich meine große Schwester sehe, habe ich das tiefe Bedürfnis, sie mal so richtig fertig zu machen. Ich hasse sie einfach so abgrundtief stark.

Beichthaus.com Beichte #00030944 vom 28.03.2013 um 22:25:02 Uhr in Wolfsburg (17 Kommentare).

In WhatsApp teilen
“35.000

“Folge

Der Schülerschreck

69

anhören

Zorn Verzweiflung Schule Arbeit

Der Schülerschreck
Ich bin 33 Jahre alt und Lehrerin für Deutsch und Geschichte an einem Gymnasium, das sich nach einem berühmten deutschen Schriftsteller benannt, auf Sprachförderung spezialisiert hat. Das hört sich zwar toll an, ist aber eigentlich völlig nichtssagend. Die Schule unterscheidet sich kaum von anderen Lerninstituten, außer vielleicht in der technischen Ausstattung. In jedem noch so unwichtigen Raum hängt ein Smartboard, mit dem viele meiner älteren Kollegen überhaupt nicht zurechtkommen. Die Tafeln wurden vollends abgeschafft, wenn die Technik versagt, ist der Unterricht also Improvisation. Aber das ist eigentlich alles völlig unnötig, die Klassensätze Netbooks für die Informatikkurse und dieser ganze angeblich hilfreiche Technik-Quatsch macht keinen Sinn, wenn besagtes Gymnasium in einem Problemviertel liegt. Ich habe nichts gegen ausländische Schüler oder gegen Kinder von mittellosen Eltern, aber die Einstellung zum Lernen ist schon in den unteren Klassenstufen einfach schlecht. Keiner hat Lust, Hausaufgaben zu machen, zu lernen oder auch einfach nur zuzuhören, geschweige denn mitzuarbeiten. Je höher die Klassenstufe, desto höher der Prozentsatz der Schüler, die jährlich sitzen bleiben. Ich muss auf Fragen wie: "Was heißt untermauern?" in der elften Klasse antworten. Neulich hat mich ein Mädchen aus der achten Klasse gefragt, ob Europa ein Kontinent ist!

Ich verzweifle einfach nur in meinem Job. Die Eltern schieben die Verantwortung für schlechte Noten auf die Lehrer, die Lehrer verlieren jeglichen Tatendrang und die Schüler verdummen von Jahr zu Jahr mehr. Sie wissen, wie man das Smartboard benutzt, aber kriegen es nicht auf die Reihe, sich zu merken, dass die Weimarer Republik keine Diktatur war. Einmal war ich so sauer, dass ich mit einem Stück Gurke nach einem Schüler geworfen habe. Das war mir extrem peinlich, aber wurde allgemein als Spaß aufgefasst. Ich sehe einfach nicht ein, meine Zeit damit zu verschwenden, einen interessanten, abwechslungsreichen Unterricht vorzubereiten für einen Haufen primitiver Affen, der nicht fähig ist, sich länger als fünf Sekunden zu konzentrieren. Also habe ich dementsprechend resigniert und reagiert, obwohl mir das sehr missfällt, weil ich sicherlich nicht dafür jahrelang studiert habe. Ich bin einfach absichtlich zum Schülerschreck geworden. Ich gebe jeden Tag Hausaufgaben auf, ich zwinge die Kinder, jedes Mal aufzustehen, wenn ich in die Klasse komme. Sobald jemand unerlaubt spricht, fliegt er raus und kriegt eine sechs, wer seine Aufsätze oder Referate nicht rechtzeitig fertig hat, bekommt einen Brief nach Hause. Ich weiß, dass Angst nicht das beste Mittel ist, um Kindern etwas beizubringen, aber neuerdings ist es wunderbar ruhig. Ich lese gewissenhaft angefertigte Hausarbeiten und rege mich nicht mehr so doll auf. Ich denke, ich werde die Schüler noch eine Weile quälen und wenn ich das Gefühl habe, dass sie es verinnerlicht haben, werde ich wieder etwas milder sein. Diese Lehrer mochte ich als Schülerin damals auch am meisten und habe bei ihnen am besten gelernt.

Beichthaus.com Beichte #00030926 vom 24.03.2013 um 19:38:33 Uhr (69 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Lachanfall wegen eines Unfalls

28

anhören

Boshaftigkeit Verzweiflung Arbeit Unfall

Ich (m/21) bin heute mal wieder fristlos noch in der Probezeit gekündigt worden. Wie das passiert ist, ist schnell erklärt. In der Firma gab es heute einen schweren Arbeitsunfall. Ein Mitarbeiter ist dabei von einer ungesicherten Leiter heruntergefallen und aus etwa drei Metern Höhe auf den Betonboden geknallt. Ich stand in Sichtweite und habe das Ganze wie in Zeitlupe mitverfolgen können. Ich sehe es jetzt noch vor mir, wie die Leiter langsam zur Seite kippte und er brüllend und wie ein Gorilla mit den Armen wedelnd herunterkam. Man muss sich das so vorstellen, wie in den "Dick und Doof"-Filmen oder den Cartoons, wo einer irgendwo herunterfällt. Die ganze Situation war so unwirklich komisch - mir fällt einfach kein besseres Wort dafür ein -, dass ich laut angefangen habe zu lachen und mich auch nicht wieder beruhigen konnte. Dann musste ich abhauen, da die Kollegen das wohl nicht witzig fanden. Einer hat noch wütend mit einem Schraubenschlüssel nach mir geworfen, aber zum Glück nicht getroffen. Als der Rettungswagen dann da war, habe ich die allgemeine Aufregung genutzt, um noch schnell meine Sachen aus dem Aufenthaltsraum zu holen und habe mich dann aus dem Staub gemacht.


Die ganze Rückfahrt über im Auto habe ich dann nochmal so lachen müssen, das ich erst mal rechts ranfahren musste, weil ich mich nicht mehr auf den Verkehr konzentrieren konnte. Zu Hause fand ich dann auf dem Anrufbeantworter die fristlose Kündigung und zusätzlich die Drohung, dass es besser wäre, mich dort nicht wieder blicken zu lassen. Um den Job selber tut es mir nicht leid, es war ein Drecksladen und ich hätte den wahrscheinlich sowieso demnächst hingeschmissen wegen des miesen Arbeitsklimas dort. Ich weiß jetzt nur noch nicht, wie ich es meiner Freundin beibringe, wenn die nachher von der Spätschicht nach Hause kommt. Es ist immerhin schon der dritte Arbeitsplatz in den letzten acht Monaten, bei dem ich rausgeschmissen wurde. Ich habe den ganzen Nachmittag im Internet gesucht und herausgefunden, dass es sich bei meinem Lachanfall mit Sicherheit um eine Schockreaktion handeln muss. Denke ich mal. Hilft mir aber momentan auch nicht weiter, denn bei dem Gedanken an den Anblick des Absturzes muss ich schon wieder lachen.

Beichthaus.com Beichte #00030756 vom 05.02.2013 um 21:21:40 Uhr (28 Kommentare).

In WhatsApp teilen

“Beichte

Perfider Diebstahl

14

anhören

Diebstahl Arbeit Misstrauen Wuppertal

Ich, der beim Ausscheiden aus der alten Firma meine Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit bescheinigt bekommen hat, war in Wirklichkeit ein ganz gewöhnlicher Dieb. Ich arbeitete in einem kleinen Großhandel, nur der Chef und ich, dann und wann eine Aushilfe. Zu den Tätigkeiten gehörten auch immer wieder Auslieferungsfahrten. Abends, eine Stunde vor Feierabend, wurde der LKW von dem Chef und von mir mit der bestellten Ware beladen für den Folgetag. Dann und wann suchte ich mir Sachen aus, die ich gerne haben wollte. Immer Artikel, die oft bestellt wurden und das in etwas größeren Mengen und die auch in großer Menge auf Lager waren, damit der Chef selbst mit seinem Computerhirn nicht den genauen Lagerbestand wusste. Es gab kein Warenwirtschaftssystem und keine Revision außer der Inventur. Wenn ich also wusste, ich würde den nächsten Tag fahren, machte ich Folgendes: zum Beispiel wollte ich den Artikel XL. Da hatte dann der Kunde B sechs Stück von bestellt, Kunde D acht Stück, Kunde F vier Stück und Kunde G zehn Stück. Nun ging ich her und überlud den Wagen. Ich wartete den richtigen Moment ab und nahm beispielsweise für Kunde D nicht acht sondern zehn Stück und legte sie in den LKW. Passierte der seltene Fall, dass der Chef seine Kartons genau hinter meine stellte und es merkte, konnte ich den Dummen spielen. "He, Herr M.! hier stimmt was nicht. Der Kunde bekommt doch acht Stück. Wieso sind hier zehn?" Darauf konnte ich mich dann gespielt ärgern. "Mist! Was ist denn das?. Ich muss mich besser konzentrieren." der Chef ließ noch eine verständnislose Bemerkung fallen und es ging weiter. Das passierte fast nie und wenn doch, legte ich eine lange Pause mit der Masche ein.


Funktionierte aber alles, fuhr ich den nächsten Tag los. Irgendwann war ich bei Kunde D und übergab natürlich nicht die eingepackten zehn Stück, sondern nur acht. Die zwei Stück zuviel versteckte ich im LKW hinter einer Verkleidung - es sah aus, wie dahinter gefallen. Selbst bei einem Unfall mit Totalschaden oder einem Blitz-Kontroll-Überfall hätte mir jeder geglaubt, dass die zufällig dahinter gefallen sind. Und wer weiß schon, wann und wem? Auf dem Weg zurück zur Firma konnte ich von der Autobahn aus einen Mini-Umweg fahren, der mich durch einen Wald mit kaum Verkehr führte. War ich allein auf der Straße, hielt ich an, nahm die zwei Stück und flitze zehn Meter in den Wald, wo ich die Artikel unter Laub versteckte. Ich merkte mir die Stelle genau. Dann ging es zurück zur Firma. Hatte ich Feierabend, fuhr ich im Privatwagen zurück zu der Stelle und sammelte die Artikel wieder ein. Nun war der Diebstahl perfekt! Nie ist etwas aufgefallen. Ein einziges Mal habe ich die Geschichte jemandem erzählt. Es war eine Person meines Vertrauens, die mir auch schon von eigenen Eskapaden berichtet hatte – ein Fahrer einer Zulieferfirma. Er hörte sich die Geschichte an und sagte die Sätze, die ich nie vergessen werde: "Wenn Du das so machst, hat der Alte keine Chance. Da hat er keine Chance!" Er hat bis heute dichtgehalten, ist jetzt in Rente und ich habe ihn seit sieben Jahren nicht mehr gesehen.

Beichthaus.com Beichte #00030709 vom 23.01.2013 um 15:43:55 Uhr in Wuppertal (Uellendahler Strasse) (14 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Aggression   Begehrlichkeit   Betrug   Boshaftigkeit   Diebstahl   Drogen   Dummheit   Ehebruch   Eifersucht   Eitelkeit   Ekel   Engherzigkeit   Falschheit   Faulheit   Feigheit   Fetisch   Fremdgehen   Geiz   Gewalt   Habgier   Hass   Hochmut   Ignoranz   Lügen   Manie   Maßlosigkeit   Masturbation   Missbrauch   Misstrauen   Morallosigkeit   Mord   Neid   Neugier   Peinlichkeit   Prostitution   Rache   Schamlosigkeit   Selbstsucht   Selbstverletzung   Sex   Stolz   Sucht   Trägheit   Trunksucht   Ungerechtigkeit   Unglaube   Unreinlichkeit   Vandalismus   Verrat   Verschwendung   Verzweiflung   Völlerei   Vorurteile   Waghalsigkeit   Wollust   Zorn   Zwang   Zwietracht  

“Folge