22711 Der Vertrag mit meiner Mutter

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Morallosigkeit Mutter Kinder

Als ich noch ein kleines Mädchen war, gab es in der Grundschule, oder viel eher nach Schulschluss, ständig Probleme mit den Hausaufgaben. Ich war eigentlich lernbegeistert und auch wissbegierig, aber die Art, wie meine Mutti an die Hausaufgabenhilfe oder Übungen rangegangen ist, gefiel mir gar nicht und ich konnte so nicht lernen. Entsprechend gab es immer Zoff. Nun, meine Mutti begann dann irgendwann, für jede Kleinigkeit wie Benehmen, Zimmer aufräumen und Hausaufgaben machen, schriftlich einen Vertrag aufzusetzen, in dem jeweils stand, dass ich, das Kind, mit diesem Vertrag verspreche und gelobe, mich zu benehmen, aufzuräumen etc..

Nette Idee, leider gab es nur immer einen Haken: ich wurde praktisch gezwungen, den Vertrag zu unterschreiben und das Versprechen abzugeben. Ich hatte gar nicht die Wahl, nicht zu unterschreiben. Mal davon abgesehen, dass es irgendwie dumm ist, einem achtjährigen Kind so etwas aufzusetzen, habe ich mich letztendlich nie an meine Vertragspflicht gehalten, weil ich eben nicht freiwillig unterschrieben habe und es gab immer weiter Stress und Ärger. Heute weiß ich, dass Verträge, zu denen eine Partei gezwungen wurde, ungültig sind, aber noch viel schlimmer ist eigentlich: Als Erwachsene scheiße ich gelinde gesagt auf Eide, Versprechen und dergleichen. So etwas wie Moral diesbezüglich und soziale Verpflichtung durch die Versicherung dieser kenne ich nicht. All das geht mir am Hintern vorbei, auch gegenüber Menschen, die ich eigentlich sehr gerne habe. Ich glaube, diese Aktionen von damals haben da irgendwas in meinem Hirn kaputtgemacht. Das Einzige, woran ich mich halte, ist mein Arbeitsvertrag, aber nur, weil die Regelungen dort nicht sonderlich mit meiner Schiene kollidieren.

Beichthaus.com Beichte #00040349 vom 23.09.2017 um 17:50:20 Uhr (4 Kommentare).

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22712 Meine Eltern sind Selfmade-Millionäre

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Habgier Geiz Hochmut Studentenleben Stuttgart

Ich muss etwas beichten, was mir seit langem auf der Seele liegt: Meine Eltern sind stinkreiche Selfmade-Millionäre und finanzieren mir (Studentin, 24) eine 70 qm in der Nähe von Stuttgart, dazu noch 500 Euro monatlich für die Lebenskosten (und, und, und), was ich natürlich vorne und hinten nicht brauche, auf der hohen Kannte habe ich somit über die Jahre einen beachtlichen (fast 6-stelligen) Betrag angespart. Meine Eltern wissen, dass ich das Geld nicht zu Fenster herauswerfe, denn ich kaufe keine teuren Kleider, nur H&M und so, und gehe fast nicht auf Partys. Prasse überhaupt kein Geld heraus, deshalb geben sie mir auch so viel, was ihnen auch überhaupt nicht wehtut.

Das Schlimme daran ist, dass alle meine Freunde (bis auf einen einzigen) überhaupt keine Ahnung von meiner finanziellen Lage haben. Einige kenne ich seit nunmehr 15 Jahren und sie ahnen nichts. Meine Eltern leben selbst auch nur in einer Mietwohnung in einer Mittelstandsgegend und weigern sich, in Stuttgart ein Haus zu kaufen, weil man so wenig fürs Geld bekommt. Doch vor einiger Zeit habe ich ihnen das Immobilien-Kaufen schmackhaft gemacht, weil der Aktienmarkt nicht mehr allzu viel hergibt, also haben sie mir zwecks Zweitstudium in München eine Neubauwohnung in einem angesagtem Viertel gekauft und sich selbst wollen sie nun endlich für ihre Mühen belohnen und sich ein großes Herrenhaus oder ein kleines Schloss in Thüringen (unserer Heimat) kaufen.

An der Uni spiele ich die arme Studentin und laufe in Jeans und T-Shirt rum und spreche, wenn ich von zu Hause rede, nur von meinem "Zimmer", nie von meiner großen Wohnung. Außerdem bin ich hochbegabt (IQ 134, alles offiziell getestet) und habe ein Einser-Abi , werde mein Studium wahrscheinlich als eine der Besten im Jahrgang abschließen und das mit zwei Semestern weniger als der Regelstudienzeit, mache dann noch ein Zweitstudium in Zahnmedizin.

So und nun zu meiner "Sünde": ich fühle mich höchstprivilegiert und genieße es, die Leute im Ahnungslosen zu lassen, aus Angst sie würden mich meines Geldes und meiner Intelligenz wegen hassen. Ich stehe total auf Geld, will mal reich werden, auch ohne das Erbe meiner Eltern. Will als Zahnärztin und Sprachwissenschaftlerin (meinem Erststudium) in einer privaten Klinik arbeiten und wohlhabend werden. Dann noch meinen zweiten Doktor in Sprachen machen. Ja, ich will alles und schaffe alles und Bescheidenheit ist mir extrem fremd, weil der Ehrgeiz mich zerfrisst. Ich hasse Leute, die sich mit weniger zufrieden geben, als sie erreichen könnten. Davon gibt es mehr als genug. Manchmal gelingt es mir zwar nur schwer, meine wahre Identität zu verstecken, aber ich habe bis jetzt immer noch die Kurve gekriegt. Traurig, dieses Versteckspiel, wenn man Angst vor Neidern hat, nicht wahr?

Beichthaus.com Beichte #00024361 vom 30.07.2008 um 11:03:49 Uhr in Stuttgart (72 Kommentare).

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“Beichte

22713 Der furchtbare Dialekt

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Dummheit Vorurteile Engherzigkeit Hass

Ich muss gestehen, dass ich jedes Mal, wenn ich im Radio oder woanders einen Franken reden höre, auf der Stelle durchdrehen könnte!! Mich regt dieses dumme Gelaber in diesem verachtungswürdigen Mist-Dialekt so dermaßen auf! Grundsätzlich, das musste ich mittlerweile […]
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Beichthaus.com Beichte #00018486 vom 24.10.2006 um 03:28:59 Uhr (9 Kommentare).

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22714 Kein Mitgefühl für den Verlust

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Engherzigkeit Ignoranz Unfall Hamburg

Ein guter Kumpel meines kleinen Bruders (Mitte 20) ist vor Kurzem bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen. Den guten Kumpel kannte ich (w) nicht persönlich, aber er soll wohl sehr beliebt und in seinem Umfeld wohl etwas bekannter gewesen sein (öffentlichkeitsbedingt). Er war etwa im selben Alter wie mein jüngerer Bruder. Einerseits tut es mir leid, dass der junge Mann so ums Leben gekommen ist, dass mein kleiner Bruder und die restlichen Freunde einen guten Kumpel verloren haben. In kleinen Teilen fühle ich auch mit der Familie, in die plötzliche eine Lücke gerissen wurde.

Andererseits ist die eigentliche Beichte, dass es mir langsam auf den Wecker geht, dass um den Tod des jungen Mannes soviel Tamtam gemacht wird: Täglich postet mein kleiner Bruder auf Facebook irgendwelche selbstgemachten Bilder mit dem Konterfei seines Kumpels, dazu irgendwelche Kalenderzitate. Eines ist kitschiger als das andere. Oder er teilt Links von Leuten, die ebenfalls solche kitschigen Bilder erstellt haben. Oder Artikel von Online-Magazinen, die vom Unfall berichten. Das geht so weit, dass mein Bruder inzwischen das Foto vom üblich prall dekorierten Unfallort zum Profilfoto gemacht hat. Inzwischen habe ich das Profil meines Bruders deswegen nicht mehr abonniert.

Jetzt beschwerte sich mein Bruder via Facebook, dass die Leute achtlos am Unfallort vorbeigehen und -fahren, als sei alles wie immer. Und genau darin liegt der Knackpunkt. So tragisch das auch alles auf der einen Seite ist - mich interessiert der Tod des jungen Mannes auf der anderen Seite überhaupt nicht, denn es sterben jeden Tag Leute. Auch solche, deren Leichen lange unentdeckt in ihren Wohnungen liegen, weil sie keiner vermisste. Um diese Leute, finde ich, sollte mal so getrauert werden. Dennoch: Die vielen schmalzigen Bilder helfen vielleicht bei der Trauer, machen den Mann aber auch nicht mehr lebendig.

Gleichzeitig hege ich also eine große Gleichgültigkeit gegenüber dem Verstorbenen und fühle mich von jedem Bild aus dieser Kategorie von Mal zu Mal genervter. Eigentlich sollte ich Mitgefühl mit meinem Bruder und seiner Trauer haben, welche mir allerdings fehlt. Das bereue ich.

Beichthaus.com Beichte #00039720 vom 09.05.2017 um 16:30:25 Uhr in 20249 Hamburg (Kellinghusenstraße) (7 Kommentare).

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“Folge

22715 Elektrische Heizung vom Flohmarkt

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Maßlosigkeit Verschwendung Freizeit

Ich muss jetzt auch mal etwas beichten. Als ich noch jünger war, bin ich gerne auf Flohmärkte gegangen. Eines schönen Tages sah ich einen elektrischen Heizkörper mit Rollen dran. Zeitgleich fiel mir ein, dass sich meine Mutter darüber beschwert hatte, dass in einem Zimmer eine Heizung nicht richtig funktioniert. Da dachte ich mir, dass die Heizung ein gutes Geschenk wäre - also kaufte ich sie. Nachdem ich die Heizung gekauft hatte, wüsste ich nicht, wie ich sie mehrere Kilometer nach Hause bringen sollte, denn ich war mit dem Fahrrad zum Flohmarkt gefahren.

Ich drehte mich um und sah eine Frau, die am Stand Wolle verkaufte und ich kaufte ein Knäuel. Mit der Wolle band ich die Heizung an mein Fahrrad und fuhr los. Alle haben mich angestarrt. Nach einem Kilometer war ich in der geschlossenen Ortschaft. Um keinen Sachschaden zu verursachen, musste ich mein Fahrrad-Heizungs-Gespann trennen. Ich schob abwechselnd Fahrrad und Heizung voran. So musste ich jeden Fußgängerüberweg insgesamt drei Mal überqueren. Als Letztes brachen auch noch 50 Meter vor dem Ziel zwei Rollen ab. Als ich mit der Heizung vor der Tür stand, hatte mich meine Mutter angeschaut, als hätte sie ein UFO gesehen. Ich bereue es, dass ich so eine unnötige Ausgabe getätigt habe.

Beichthaus.com Beichte #00040925 vom 27.01.2018 um 19:25:04 Uhr (7 Kommentare).

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