Filmemacher im Schlaf

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Neugier Falschheit Morallosigkeit Bahn & Co. Frankfurt

Ich (m/26) fahre täglich eine halbe Stunde mit der S-Bahn zur Arbeit. Gerne gebe ich während der Fahrt vor, zu schlafen, und halte dabei mein Handy in der Hand. In Wirklichkeit jedoch läuft meine Handy-Kamera und filmt die mir gegenübersitzenden Fahrgäste. Es ist wirklich erstaunlich, wie die Leute einen die Fahrt über anglotzen, während sie denken, man würde schlafen. Da ich einen ruhigen Job mit viel Leerlauf habe, schaue ich mir die entsprechenden Videos täglich aufs Neue an. Am liebsten sehe ich dabei zu, wie irgendwelche heißen jungen Mädels mich anstarren.
Ich beichte hiermit:
1. Zum Zwecke meiner eigenen Belustigung verletze ich das Persönlichkeitsrecht anderer.
2. Ich verstoße durch das heimliche Filmen fremder Personen in der Öffentlichkeit gegen das Bundesdatenschutzgesetz.
Es tut mir leid, es ist aber leider viel zu interessant, um es sein zu lassen.

Beichthaus.com Beichte #00030534 vom 04.12.2012 um 08:50:15 Uhr in Frankfurt (Ankunftbogen) (13 Kommentare).

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Späte Reue

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Engherzigkeit Ignoranz Verzweiflung Kinder Schule

Als ich (w) noch zur Schule ging und in der achten Klasse war, hatten wir einen Jungen in der Klasse, den keiner so richtig leiden konnte. Er war viel jünger als wir und hatte ein paar Klassen übersprungen, aber obwohl er so intelligent war, war er eben gut zwei Jahre jünger als wir. Das macht in dem Alter schon etwas aus. Welche 14-Jährigen wollen schon mit 12-Jährigen abhängen? Er war einfach vom Denken und Verhalten her noch ein Kind und kein Teenager wie wir und so kamen viele nicht mit ihm klar. Er fuhr morgens immer mit dem selben Bus wie ich, aber stieg ein paar Stationen früher ein und konnte mir so immer einen Platz frei halten, was ich auch gerne in Anspruch nahm. Der Bus war morgens meistens völlig überfüllt. Für diese 20 Minuten Busfahrt waren wir sogar so etwas wie Freunde. Wir unterhielten uns, aber sobald wir im Klassenzimmer waren, waren wir Fremde. Und ehrlich gesagt fand ich das okay so. Ich habe mir nie großartig Gedanken darüber gemacht. Aber eines Abends, mein Vater und ich waren im Kino und fuhren gerade über die Autobahn nach Hause, sah ich weit hinten aus den umliegenden Feldern Rauch aufsteigen. Ich dachte mir natürlich nichts dabei und sagte sogar noch: "Guck mal Papa, da brennt was!" Am nächsten Tag rief mein Klassenlehrer an und wollte meine Eltern sprechen. Ich hatte schon Schiss, dass ich unwissentlich irgendwas ausgefressen oder eine schlechte Note hatte oder sonst was, aber mit dem, was meine Mutter mir dann mitteilte, hatte ich nicht gerechnet. Ich habe ihre Worte noch genau im Ohr: "Du hast mir doch gestern von dem Rauch erzählt, den du auf dem Rückweg gesehen hast..." Dieser kleine, arme Junge hatte mit seinen Freunden in einer Scheune, weit draußen auf dem Feld, gespielt und war zwischen zwei dieser riesigen Strohballen gerutscht, diese zylinderförmig zusammengebundenen Dinger, die man öfter mal sieht, wenn man zur Erntezeit an Feldern vorbeifährt. Seine Freunde konnten ihn nicht herausziehen und bei dem Versuch, einen Strohballen weg zu wuchten, fiel einer der Ballen direkt auf den Spalt, in dem er steckte. Und anstatt Hilfe zu holen, haben sie versucht, die Stricke, die das Heu zusammenhalten, mit einem Feuerzeug durch zu brennen, damit sie das lose Heu besser wegräumen können. Aber logischerweise fing das ganze trockene Stroh Feuer und bis sie es geschafft hatten, nach Hause zu rennen und die Feuerwehr zu alarmieren (Handys waren noch nicht so populär, schon gar nicht unter Kindern), war der Junge qualvoll erstickt und halb verbrannt.


Ich weiß noch, wie mir der Toast aus der Hand fiel und ich total geschockt nicht mal imstande war, zu weinen. Ich konnte es einfach nur nicht fassen. Ich konnte auch nicht begreifen, dass ich fröhlich vergnügt im Kino war und dann im Auto an dem Ort vorbei fuhr, an dem gerade mein Klassenkamerad und Bus-Sitznachbar starb. Aber am schlimmsten hat es mich gequält, dass ich mich nicht mehr entschuldigen konnte. Plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen, wie dieser Junge sich jeden verdammten Morgen gefühlt haben muss. Erst setze ich mich neben ihn, unterhalte mich nett und ignoriere ihn dann. Ich habe zwar nie mitgemacht, wenn die anderen ihn geärgert haben, aber ich habe auch nichts dagegen gesagt. Trotzdem glaube ich, dass das, was ich gemacht habe, seelisch noch viel grauenvoller war. Die Tage der totalen Ohnmacht zogen sich lang hin, und irgendwann habe ich angefangen, einen endlosen Brief zu schreiben mit allen Emotionen, mit allen Gedanken, und bat ihn um Verzeihung. Ich glaube, der Brief umfasste zum Schluss sechs doppelseitig beschriebene Blätter. Ich fühlte mich so schlecht wie noch nie und fand es fast erbärmlich, wie wir dann geschlossen als Klasse zu seiner Beerdigung gingen. Wir alle, die wir ihm das Leben schwer gemacht hatten.


Die Kirche war voll bis unter das Dach, ich saß oben auf der Empore und konnte nicht sehen, was unten vor sich ging. Erst als wir aufstanden, um zum Friedhof zu gehen, sah ich den weißen Sarg und das Foto daneben. Ich musste fürchterlich weinen. Wir mussten fast durch das halbe Dorf, alle Straßen waren abgesperrt, wegen der Leute von der Presse, die auch ausführlich über den Unfall berichtet hatten. Auf dem Friedhof bildeten wir eine lange Schlange, die nach und nach am Grab vorbei ging und Erde hinein warf und danach den Eltern die Hände schüttelte. Ich warf neben der Erde noch den Brief hinein und auf einmal hörte ich auf zu weinen. Es fühlte sich an, als hätte er mir genau in diesem Moment vergeben. Trotzdem möchte ich hier beichten, was ich diesem Jungen angetan habe und wahrscheinlich habe ich es sogar verdient, mich schuldig zu fühlen, weil ich mich nicht mehr entschuldigen konnte.
Außerdem hoffe ich, dass mein Erlebnis vielleicht auch eine Mahnung ist an alle die, die andere auf übelste Art und Weise ärgern. Zum Ersten habt Ihr verdammt noch mal keine Ahnung, was so ein bisschen "ärgern" in einem anrichten kann und zweitens habt Ihr vielleicht irgendwann nicht mehr die Chance, euch zu entschuldigen.

Beichthaus.com Beichte #00030524 vom 03.12.2012 um 14:33:39 Uhr (19 Kommentare).

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Tussi Reloaded

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Habgier Eitelkeit Peinlichkeit Chef Berlin Alexanderplatz

Auch wenn ich (w/38) die 30 schon weit überschritten habe, lege ich immer noch großen Wert auf mein Äußeres. Dazu kommt, dass ich als Assistentin der Geschäftsleitung eines seriösen Unternehmens repräsentative Aufgaben habe. Dementsprechend sorgfältig muss ich meine Garderobe für den Job auswählen - dezent, klassisch, bieder. Auf einer meiner Shopping-Touren fiel mir letztens auf, dass vor einem großen Einkaufszentrum am Berliner Alexanderplatz poppig aufgemachte Flyer von ebenso poppigen Teenagern verteilt werden. Diese Flyer berechtigen zum freien Eintritt in irgendeine Diskothek. Ich weiß das nur, weil ich solch ein Ding einmal vom Boden aufgehoben habe, denn die jungen Verteiler händigen ihre Flyer frecherweise nur nuttig gestylten Mädels unter 25 aus - für die bin ich also unsichtbar. Das schmerzt. Ich fühle mich diskriminiert! Letztens ertappte ich mich dabei, wie ich mehrmals hintereinander an den Flyerverteilern vorbeilief. Sie würdigten mich keines Blickes. Innerlich schäumte ich vor Wut. Doch es spornte mich dazu an, meine Taktik zu ändern. An einem meiner freien Tage probierte ich verschiedene Miniröcke aus meiner Studentenzeit an, die ganz hinten im Kleiderschrank vor sich hin gammelten. Zugegeben, hier und da zwickte es ganz schön, aber ein Rock passte schließlich. Ich toupierte meine Haare hoch, schminkte mich auf sexy und streifte meine Stilettos mit den Mörder-Absätzen über. Aus dem Spiegel sah mich nun herausfordernd eine absolut geile Schlampe an. Ich rief ein Taxi. Dem Fahrer fielen fast die Augen aus dem Kopf - ein gutes Gefühl. Am Alexanderplatz angekommen, stolzierte ich zum Einkaufszentrum und genoss die gierig-verschämten Blicke der Männer.


Dann der entscheidende Moment. Die Flyerverteiler hielten wieder Ausschau nach geilen Ludern. Einer von ihnen kam regelrecht auf mich zugestürzt. Er drückte mir strahlend ein paar bunte Discogutscheine in die Hand und flötete: "Morgen Abend legt der xy auf, Du musst unbedingt kommen." Ich wurde auch noch geduzt! Auf einer poppig-bunten Wolke schwebte ich in das Einkaufszentrum ein. Tussimäßig trug ich auf der Rolltreppe Lippenstift nach. Aus dem Augenwinkel bemerkte ich plötzlich einen Typen auf der Rolltreppe nebenan. Ich blickte auf und in das irritierte Gesicht meines Vorgesetzten. Mich durchfuhr ein heiß-kalter Schauer. Ich tat so, als würde ich ihn nicht kennen. Es folgte eine schlaflose Nacht. Am nächsten Tag ging ich mit zitternden Knien zur Arbeit, natürlich klassisch-dezent-langweilig. Gott sei dank glaubte mein Vorgesetzter wohl wirklich, eine andere Frau auf der Rolltreppe gesehen zu haben. Denn er war so wie immer zu mir: grimmig und kurz angebunden. Übermütig geworden ging ich abends im Tussi-Outfit zur Diskothek, um meinen Flyergutschein einzulösen. Der Türsteher hat mich aber leider nicht reingelassen. Ich will in Zukunft zu meinem Alter stehen und bitte um Absolution für meine Eitelkeiten.

Beichthaus.com Beichte #00030523 vom 03.12.2012 um 14:29:02 Uhr in Berlin Alexanderplatz (26 Kommentare).

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Ein Schlag mit Folgen

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Gewalt Lügen Rache Familie Bunde

In meiner Erziehung kam es durchaus vor, dass ich ab und an Schläge von meinen Eltern bezog. Mal ein Nackenschlag, mal eine Ohrfeige, mal habe ich auch den Hintern versohlt bekommen. Mein Bruder hat noch mal so viel abbekommen, da er mehr Dummheiten im Kopf hatte. Auch hat meine Mutter mir mal einen ihrer Schneeboots drübergezogen. Das Heftigste geschah aber an meiner Konfirmation, als mein Bruder von unseren Eltern gleichzeitig eine links und eine rechts gelangt bekommen hat und alles auf Video aufgezeichnet wurde. Ein andermal war er etwas frech am Tisch und unsere Eltern holten gleichzeitig aus und wollten ihm eine langen, schauten sich an und lachten. Dann gab es eine kurze Diskussion, wer von beiden den nun zuschlagen soll. Eines Tages kam dann meine Rache. Ich erinnere mich nicht mehr an den Grund, aber meine Mutter hatte mir mal wieder ins Gesicht geschlagen. Genau in dem Moment hatte ich die Idee. Ich ließ mich fallen, knallte mit dem Kopf gegen den Heizkörper und blieb mit starrenden Augen liegen. Das tat zwar höllisch weh, aber ich riss mich zusammen. Meine Mutter stockte, schaute entsetzt und brüllte mich an, ich solle gefälligst aufstehen. Ich tat nichts dergleichen. Erst, als sie niederkniete und mich an den Schultern anfasste, schaute ich sie fragend an und sagte: "Mama? Was ist passiert? Warum sitze ich auf dem Boden? Mir ist schlecht. Ich habe Kopfweh." Sie hat mich nie wieder angerührt. Jahre später sagte sie mal, dass sie damals gewaltige Angst bekommen hatte, weil sie dachte, sie hätte mich "blöd geschlagen". Trotz alledem tut es mir leid, zu solcher Schauspielerei gegriffen zu haben. Und weil ich nie auf die Idee gekommen bin, den Tipp meinem Bruder zu geben.

Beichthaus.com Beichte #00030505 vom 29.11.2012 um 14:30:49 Uhr in Bunde (40 Kommentare).

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Keine Beziehung zur Familie

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Engherzigkeit Ignoranz Familie

Ich (w/19) kann nicht um meine Mutter trauern. Meine Kindheit war nicht die beste, das möchte ich aber auch nicht explizit ausführen. Im Allgemeinen kann man sagen, dass ihr pseudo-pädagogisches Gehabe in Kombination mit der Naivität einer jungen Mutter eine nicht allzu sinnvolle Mischung war. Nun ist sie unerwartet gestorben und ich bin einfach nur froh, dass ich mir keine Gedanken mehr darum machen muss, dass ich lächelnd an Weihnachten neben ihr und dem Weihnachtsbaum stehe und so tue, als wäre alles in Ordnung. Und glaubt nicht, ich hätte nicht versucht, mit ihr zu reden. Immerhin habe ich es ihr zu verdanken, dass ich schnell selbstständig für mich sorgen konnte, sofort mit meiner Volljährigkeit eine eigene Wohnung bezog und besser klarkomme, als ich es mir jemals vorgestellt hätte. Ohne Weiteres kann ich mit Nebenjobs die Wohnung finanzieren und nebenbei mein Abitur machen. Meinen Vater habe ich übrigens nie kennengelernt. Und wie das bei einer Frau so ist, die den Coitus Interruptus, trotz Gegenbeweises in meiner Gestalt, für eine effektive Verhütungsmethode hält, entstand zufällig irgendwann ein zweites Kind. Um meine kleine (Halb-) Schwester tut mir das alles wirklich leid. Sie hatte glücklicherweise ihren Papa, der uns aber auch recht früh verlassen hat. Obwohl ich eine starke Verbundenheit zu ihr fühle, immerhin ist sie meine Schwester, fällt es mir schwer, ihr beizustehen. Zum einen, weil sie ganz anders fühlt als ich. Sie hat einfach einen ganz anderen Bezug zu unserer Mutter gehabt und wurde, glücklicherweise, auch anders erzogen. Zum anderen, weil ich durch den Altersunterschied und durch andere Unterschiede keine Beziehung zu ihr aufgebaut habe. Und alleine das ist meine Beichte.

Beichthaus.com Beichte #00030468 vom 19.11.2012 um 17:35:54 Uhr (12 Kommentare).

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