Mein Kampf gegen Alltagsrassismus

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Vorurteile Ungerechtigkeit Zorn Gesellschaft

Ich (25) bin gebürtige Lateinamerikanerin mit europäischen und nordafrikanischen Vorfahren. Meine Mutter und ich leben seit 1998 in Deutschland, wir sind beide integriert, beherrschen die deutsche Sprache fließend und haben schon immer gearbeitet. Schon als Kind trug ich Zeitungen aus oder half in der Nachbarschaft gegen Geld aus, um meiner Mutter etwas unter die Arme zu greifen und mir selbst etwas leisten zu können. In der Nachbarschaft waren wir stets bekannt und wurden auch gemocht. Für unsere Nachbarschaft, die überwiegend Deutsche waren, spielte unsere Herkunft nie eine große Rolle und wir wurden auch so angenommen, wie wir sind. Dennoch habe ich bis heute mit Alltagsrassismus zu kämpfen. In der Schule, die zwar zum Großteil aus Migranten bestand, wurde ich häufig wegen meiner Herkunft auf das Übelste beschimpft, beleidigt und sogar geschlagen. Sowohl von Deutschen als auch von Migranten aus dem arabischen Raum oder dem Kosovo, die einen noch dunkleren Teint hatten.


Die Lehrer unternahmen jedoch nichts und dies ging bis zur weiterführenden Schule so weiter. Meine "Integration" ging sogar so weit, dass ich mich immer noch versuche, mich auch optisch anzupassen. Ich habe mir bereits als Kind schon die Haare chemisch geglättet, mich stets gut gekleidet und die Haare heller gefärbt. Glücklicherweise habe ich grünbraune Augen und durch meine europäischen Vorfahren einen mediterranen Teint, sodass viele denken ich sei Halbdeutsche. Wenn es nicht so wäre, hätte ich meine Haut wohl sogar mit kosmetischen Mitteln aufgehellt. Blöderweise habe ich die markanten Gesichtszüge meiner afrikanischen Vorfahren und fühle mich deshalb auch unwohl. Seitdem ich weiß, dass man durch einen chirurgischen Eingriff auch etwas daran ändern kann, spare ich für eine Rhinoplastik, um meine Nasenflügel verschmälern zu lassen. Das Mobbing hatte zwar aufgehört, da ich nach der 10. Klasse auf das Gymnasium ging und in der neuen Schule neue Freunde gefunden habe, jedoch geht der Alltagsrassismus weiter.


Ich werde weiterhin oft unterschätzt, falsch eingeschätzt oder sexualisiert - wegen meiner offensichtlichen Herkunft. Als ich nach dem Abitur eine Ausbildung gesucht hatte, musste ich in manchen Betrieben den Einstellungstest zwei Mal machen, weil ich des Betruges bezichtigt wurde! Ich bekam sogar Absagen, weil ich angeblich nicht ins Bild des Klientels passen würde. So stand es in einigen Absagensschreiben schwarz auf weiß! Dabei habe ich mich gepflegt und schlicht gestylt präsentiert. Hosenanzug, Schuhe mit leichtem Absatz, schlichte Hochsteckfrisur, schlicht geschminkt und zwei Spritzer Jasminparfüm. Glücklicherweise habe ich nach etwas über einem Jahr doch eine Ausbildung gefunden, diese erfolgreich beendet und ein duales Studium im selben Betrieb angefangen.
Privat ist es leider so, dass ich oft in eine Schublade gesteckt oder zwischendurch auf offener Straße beleidigt werde. Und das in einer westfälischen Großstadt!


Eine Liebesbeziehung ist auch nicht einfach, da Männer und Frauen mich für einen One-Night-Stand halten, obwohl ich noch nie einen hatte und bisher nur zwei längere feste Beziehungen hatte. Ich ziehe mich auch eher sportlich an, statt aufreizend, da ich in meiner Freizeit viel Sport betreibe und es praktischer ist. Auf Partys wurde ich auch begrapscht, oft mit der Begründung, dass "schwarze Frauen" eh immer willig sind und mein Körper für Sex gemacht sei. Wenn ich mich dagegen wehre, da ich schon seit 12 Jahren kickboxe, werde ich immer als aggressive "Schwarze" abgestempelt, obwohl ich keine bin. Oft werden mir Sachen zugesprochen, die gar nichts mit meiner Persönlichkeit zu tun haben. Beispiele dafür sind: Ich könne singen, beherrsche jeden Tanz der Welt, nehme Drogen, wäre gut im Bett und vieles mehr!


Meine Beichte ist, dass ich immer, wenn mir jemand mit irgendeinem rassistischen Mist ankommt, demjenigen am Liebsten die Fresse polieren möchte, aber meine Erziehung sagt mir, dass ich weder rechtliche Konsequenzen haben möchte, noch möchte ich mir meine Hände schmutzig machen. Glücklicherweise sind nicht alle Menschen so und ich bin froh und vor allem dankbar dafür, dass ich in Deutschland eine gute Zukunft habe, obwohl meine Mutter und ich von ganz unten anfangen mussten und dass ich offene und ehrliche Menschen als Freunde habe.

Beichthaus.com Beichte #00037824 vom 14.03.2016 um 10:37:42 Uhr (32 Kommentare).

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Ich will doch nur eine Perspektive!

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Verzweiflung Ungerechtigkeit Zorn

Ich (25) führe ein armseliges Leben! Den ganzen Tag gammele ich nur rum oder poliere mir den Schleckstengel zu irgendeinem versauten Filmchen. Klar, eine Weile lang habe ich mich wirklich bemüht mein Leben in den Griff zu bekommen, aber niemand gab mir auch nur ansatzweise die Chance, mein Können unter Beweis zu stellen. Unzählige Bewerbungen wurden, trotz meines guten Notendurchschnitts, einfach mit der üblichen Absage abgeschmettert. Bei Praktika und anderem war ich immer nur der Depp, der nicht nur ausgenutzt, sondern auch noch lächerlich gemacht worden ist. Bemühungen jeglicher Art wurden als selbstverständlich angesehen oder nur mit einem: "Ja, ganz nett" kommentiert. Ich habe mir bei unzähligen Stellen den Arsch aufgerissen und anstatt mir dann die Ausbildung oder die Stelle zu geben, bekamen meist irgendein alter Sack oder Arbeitsloser die Stelle, obwohl die nicht mal ansatzweise die eigentlichen Anforderungen erfüllten. Außer man zählt Rauchen und sich über die jüngere Generation beschweren als Kompetenz.


Neun Jahre intensiver Bemühungen, bis ich allen den Mittelfinger gezeigt habe. Klar, das Leben ist kein Kinderspiel und die anderen Bewerber brauchen auch einen Job und eine Chance, aber mal ehrlich, sollten nicht eher die jungen Leute dann diese Chance bekommen, vor allem wenn sie klassifizierter dafür sind? Je älter ich werde, um so beschissener wird meine Einstellung gegenüber mir, meinen Mitmenschen und dieser total abgefuckten Welt. Dabei sollte ich doch gerade jetzt in der Blütezeit meines Lebens stecken. Stattdessen sitze ich hier, mit der einen Hand am Sack und mit der anderen diesen Text schreibend. Ich will doch nur eine verdammte Perspektive haben!

Beichthaus.com Beichte #00037815 vom 12.03.2016 um 21:58:08 Uhr (9 Kommentare).

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Zufallsbeichte
“Folge

Sie gehört freiwillig dem Islam an

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Unglaube Engherzigkeit Falschheit Vorurteile

Ich (m/40) habe letztens einer hübschen und klugen Frau den Laufpass gegeben, mit der alles nach einer festen und guten Beziehung aussah, weil sie mir beim etwa siebten oder achten Treffen sagte, muslimischen Glaubens zu sein, obwohl sie "Biodeutsch" geboren wurde. Sie war jedoch mit einem Mann aus dem Nahen Osten verheiratet und hat auch ein Kind mit ihm. Ich dachte dann: "Okay, die Sache ist klar, er und seine Familie wollten es so." Als ich das sagte, erklärte sie mir jedoch, dass die Familie des Mannes, allesamt wohlhabend und hochgebildet, extrem säkular lebt, nicht betet, nie in die Moschee geht und sogar zu ihren Kindern, die sich für atheistisch erklärt haben, weiterhin völlig normalen Kontakt hat.

Sie dagegen hat sich bei den vielen Besuchen in der Heimat von einem Imam einwickeln lassen, sich den Koran in deutscher und später arabischer Sprache gekauft und schließlich ganz offiziell den Glauben angenommen. Dabei ist diese Frau selbst eine hochintelligente Naturwissenschaftlerin und trägt zwar kein Kopftuch, sagt aber, es sei eine Überzeugung. Das Einzige, was ich zu ihrer Verteidigung sagen kann, ist, dass sie das tut, was man sonst von den angeblich gemäßigten Muslimen vergeblich erwartet: Sie stellt sich offen gegen Terror und Glaubenskriege. Dennoch habe ich ihr gesagt, dass ich mir keine nähere Bekanntschaft mit einer Frau vorstellen kann, die der übelsten Religion der Welt freiwillig angehört und ihr auch gesagt habe, dass das ein dauernder Streitpunkt wäre und ich mich deswegen nicht zwischen sie und ihren imaginären Freund stellen möchte. Sie hat es akzeptiert und mir sogar noch freundliche Worte mit auf den Weg gegeben. Das hat mich zum Grübeln gebracht, denn wären alle so wie sie, wäre es friedlicher auf diesem Planeten. Andererseits kann auch sie radikalisiert werden, und wenn das der Fall wäre, möchte ich einfach kein Teil ihres Lebens sein. Schade nur in einem Punkt: Der Sex mit ihr war unglaublich, aber das ist halt nicht alles, was zählt.

Beichthaus.com Beichte #00037790 vom 10.03.2016 um 16:00:02 Uhr (42 Kommentare).

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Warum musste mein Held aus Star Wars sterben?!

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Verzweiflung Medien Tod

Ich (m/37) beichte hiermit, dass ich im neuen Star Wars, bei der Szene auf der Brücke, als Han Solo stirbt, im Kino aufgeschrien und danach hemmungslos geweint habe. Und da war ich bei Weitem nicht der Einzige im Saal. Überall war Schluchzen, Aufschreie und "Nein! NEIN!" zu hören. Der Premierenabend war danach für mich gelaufen, zum gemeinsamen Umtrunk bin ich nicht mehr mitgegangen und habe mich zu Hause in den Schlaf geweint. Selbst jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, werden meine Augen noch feucht. Und das, obwohl ich den Film trotzdem schon mehr als einmal sah und auch die Presse-DVD habe. Ich gehöre aber auch wohl zu den krassesten SW-Nerds, die es gibt. Ich hatte eine beschissene Kindheit und Jugend, und die Flucht in andere Welten hat mir wahrscheinlich das Leben mehr als nur einmal gerettet.


Star Wars hatte und hat einen besonderen Stellenwert für mich, da in diesen Filmen bisher am Ende immer das Gute gewann oder es in den Prequels am Ende zumindest noch Hoffnung gab. Aber auch die Zerstörung der Starkiller-Base war diesmal kein Ausgleich für den Tod meines größten Helden. Ich hoffe zwar, dass die neuen Helden, die ich durchaus mag, es am Ende wieder richten, aber Han wird mir trotzdem schrecklich fehlen. Ich weiß, dass H. Ford diese Rolle nicht mehr ewig spielen kann, weil er auf die 80 zugeht, aber zuzusehen, wie der Held meiner Kindheit von seinem eigenen Sohn ermordet wird, war für mich, wie ein Familienmitglied und auch fast eine Vaterfigur zu verlieren. Ich hasse auch Ben Solo dafür, als wäre er eine lebende Person. Der Anblick von Luke Skywalker am Ende war da nur ein schwacher Trost, aber immerhin wird wenigstens er noch weiter dabei sein.

Beichthaus.com Beichte #00037789 vom 10.03.2016 um 15:19:30 Uhr (23 Kommentare).

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“Beichte

Ich habe in meinem Leben nichts erreicht!

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Verschwendung Verzweiflung Dummheit Trunksucht

Ich (m/29) habe nichts wirklich Schlimmes angestellt, aber ich möchte trotzdem so etwas wie eine Lebensbeichte loswerden: Ich war als Schüler stinkfaul und habe trotz der Tatsache, dass ich in jeder Unterrichtswoche während der Oberstufe mindestens einen Unterrichtstag gefehlt habe, gerade so das Abitur geschafft. Im Studium war ich dann ebenfalls stinkfaul, da ich mich für den Weg des geringsten Widerstands (und Lernaufwands) entschieden habe und ein geisteswissenschaftliches Fach studiert habe, das ich nach 14 Semestern mit dem Master abgeschlossen habe. Wenigstens habe ich zwischendurch noch ein halbes Jahr in Asien verbracht.


Nach dem Studium war ich erst einmal neun Monate lang Aufstocker, weil ich trotz meines relativ guten Uni-Abschlusses keine richtige Stelle gefunden habe. Schließlich habe ich mich dazu entschieden, ins Ausland zu gehen, weil ich in Deutschland einfach keine Perspektive mehr gesehen habe, irgendwie noch Fuß zu fassen. Jetzt arbeite ich als Freiberufler in Südamerika und trinke jeden Abend Wodka, während ich mir überlege, warum ich schon fast 30 bin, noch nicht geheiratet habe, keine Kinder in die Welt gesetzt habe, und ob ich es wohl schaffen werde, im Alter genug Flaschen zu sammeln, da ich im Moment weder richtig krankenversichert bin, noch es mir leisten kann, Rentenversicherungsbeiträge zu zahlen. Bei meiner Sauferei werde ich das Rentenalter aber aller Voraussicht nach eh nicht mehr erreichen.

Beichthaus.com Beichte #00037783 vom 09.03.2016 um 18:10:55 Uhr (15 Kommentare).

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