Der Briefträger, der alles weiß

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Neugier Engherzigkeit Hochmut Morallosigkeit Arbeit Rheinau

Ich (m/30) bin Briefträger und liebe meinen Beruf. Ich habe ein ruhiges und gut betuchtes Wohngebiet und dazu noch einige Straßen in der Mittelschicht mit netten Familien und vielen Rentnern. Meine Beichte ist, dass ich, obwohl ich natürlich keine Briefe lese, sehr viel über die Familien weiß. Da ist dann wieder Post vom Gericht, der Polizei oder dem Anwalt. Inkasso, Lotto, Arzt, Autohaus. Und natürlich Rechnungen. Dann wieder ein gelber Brief vom Amtsgericht. Und wenn jemand Potenzpillen bestellt, die in Luftpolsterfolie verpackt sind, weiß ich das auch. Es ist interessant, welche Familien so dabei sind. Und was besagte Herren und Damen aus gut betuchtem Gebiet so für Post bekommen - da ist mehr Schein als Sein. Da werden bald auch noch ein paar Träume platzen und Existenzen wackeln. Schadenfreude pur. Ich fühle mich manchmal ein wenig wie Gott oder die NSA. Denn ich habe den besten Job der Welt und verdiene recht ordentlich. Was will ich mehr?!

Beichthaus.com Beichte #00031714 vom 08.08.2013 um 13:10:34 Uhr in Rheinau (35 Kommentare).

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Meine Strategie für den Büroalltag

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Faulheit Trägheit Lügen Feigheit Arbeit

Ich (m/25) hocke jetzt seit zwei Monaten jeden Tag während der Arbeitszeit vor dem Rechner und surfe nur sinnlos herum, besonders im Beichthaus. Eigentlich hätte ich etwas zu tun, aber ich werde so grottenschlecht bezahlt, dass mir das egal ist. Honoriert sowieso keiner. Der Trick, nicht erwischt zu werden, ist einfach: Man lasse ein Programm mit vielen Daten im Hintergrund offen, also zum Beispiel eine Excel-Tabelle und switcht, wenn jemand kommt, einfach schnell dahin und tut beschäftigt. Zum Glück habe ich ein Einzelbüro, eigentlich ist es für zwei Leute gedacht, aber meine Ex-Kollegin hat schon den Job gewechselt und ist jetzt Verkäuferin, weil sie dort mehr verdient.


Meine Beichte ist, dass ich anfangs so dumm und bescheuert war, zu glauben, dass die eigene Arbeit wichtig ist. Aber nein, dem Chef ist man egal, die Bezahlung ist unterirdisch und bei Fehltritten ist man sofort der Arsch, wenn es gut läuft, dann wird man ignoriert oder andere holen sich die Lorbeeren. Also mache ich keinen Finger mehr krumm, surfe herum und mache immer ausgedehnte Pausen, wobei ich dann, wenn jemand fragt, angebe, denn Programm X muss noch die Daten Y verarbeiten. Dabei habe ich mir extra eine Datei mit ausgedachtem Ladebildschirm programmiert, welche bis zu zwei Stunden imaginäre Abläufe durchgeht. Wenn wer fragt, sage ich, dass ich furchtbar viel zu tun habe und noch dieses oder jenes mache, dabei lasse ich mich hier richtig gehen. Ich hasse diese Bagage und habe schon ab und zu erschreckende Gedanken: Das Gebäude abfackeln, die Kreditkarte des Chefs entwenden, über den Parkplatz schlendern und dem Auto dieses gut verdienenden Sesselfurzers eine schöne neue Gravur mit einem Schlüssel oder einem Eispickel verpassen. - Oder ganz einfach in sein Großraumbüro zu gehen, die Einrichtung zu zertrümmern und ihm unter brennenden Ohrfeigen meine Kündigung ins Ohr schreien. Warum ich das nicht mache? Weil ich ein verdammter Feigling bin. Und warum ich nicht einfach kündige? Ich habe schon daran gedacht, aber meine Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind ziemlich schlecht. Und Hartz-IV will ich nicht. Nein - nicht aus moralischen Gründen, damit könnte ich gut leben und würde sogar mehr Geld bekommen als jetzt. Ich mache es nur nicht, weil ich stinkefaul geworden bin und keinen Bock habe, jedes Mal zum Amt zu rennen und diese Anträge auszufüllen. Oh scheiße, wenn ich das alles nochmal lese dann frage ich mich, wohin der ambitionierte, weltoffene und freundliche junge Mann verschwunden ist, der ich vor gefühlten Jahrzehnten mal war.

Beichthaus.com Beichte #00031711 vom 08.08.2013 um 11:03:44 Uhr (28 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Meine perfekte Mutter

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Hass Zorn Verzweiflung Familie Backnang

Ich möchte hier beichten, dass ich meine Mutter hasse. Sie ist jemand, der sich nach außen hin immer weltoffen und tolerant gibt, aber in Wirklichkeit eine Heuchlerin ist. Zum Beispiel wurde ich als kleines Kind als hochbegabt diagnostiziert und habe ein paar Schulklassen übersprungen. Da hat sich meine Mutter natürlich reizend dafür eingesetzt, dass das auch wirklich geht, und lässt auch heute noch keine Chance aus, mit ihrem „ach so schlauen Kind“ anzugeben. Dass zu dieser Hochbegabung aber auch mittelschwerer Autismus gehört, passt ihr gar nicht. Wenn ich mal etwas aus Versehen falsch machte oder nicht verstand, wurde ich je nach ihrer Laune mindestens entnervt behandelt oder auch als dämlich und nutzlos angeschrien. Sie ist auch eine Sauberkeitsfanatikerin, und wenn sie irgendwo einen Fussel findet, oder ein Stift auf dem Tisch rumliegt, ist das eine mittelschwere Katastrophe und ein stundenlanger Streit folgt. Dann droht sie sofort damit, mich auf die Straße zu setzen. Auch wenn etwas kaputt geht oder nicht mehr funktioniert, bin natürlich immer ich schuld, obwohl sie selbst zu dämlich ist, sich auch nur in Facebook anzumelden und schon öfter den Computer kaputtgekriegt hat, als ich zählen kann. Dann wird nach Hilfe gebettelt, damit die Informatikertochter das wieder richtig macht. Aber sobald ihr etwas an meinen Vorschlägen nicht passt, wird es wieder als Schwachsinn abgetan.

Da versteht sich von selbst, dass sie der tollste Mensch der Welt ist. Wenn sie einen der Fehler macht, den sie anderen immer vorwirft, dann war das natürlich etwas ganz anderes, und auf keinen Fall ihre Schuld, sondern erklärbar durch Ausnahmeregel XY. Des Weiteren hat sie immer recht, und ihrem Geschmack sollte sich die ganze Welt beugen. Meine Klamotten lassen mich aussehen wie "den letzten Penner", weil zum Beispiel die Jeans unten etwas abgeschabt ist. Wenn sie aber durchsichtige T-Shirts anzieht und labbrige BHs, und dann mit 50 Jahren der ganzen Welt ihre Brustwarzen präsentiert, ist das natürlich was anderes. Bis vor Kurzem war sie noch ziemlich fett und war noch nie eine besondere Augenweide, aber kaum hat sie mal ein paar Kilo abgenommen wird sich über fette Leute lustig gemacht und es kommen abfällige Kommentare über mein Gewicht, oder sie erwähnt mit Vorliebe meine fetten Oberschenkel und dass meine Hosen ja etwas eng aussähen. Sie ist auch stolz darauf, dass sie sich "nichts bieten lässt" und erzählt jedem, der es hören oder auch nicht hören will, dass sie nun mal sie selbst sei und sich für nichts und niemanden ändern würde. In der Realität sieht das dann so aus, dass sie wegen jeder Kleinigkeit unschuldige Leute anschreit und beleidigt, weil sie angeblich etwas falsch gemacht haben. Das wird dann als Durchsetzungsfähigkeit und als gesunder eigener Willen verkauft. Das dumme behinderte Kind darf so etwas natürlich nicht haben, das muss sich der Gesellschaft und vor allem ihr beugen und möglichst "normal" werden, damit sie sich nicht immer so für mich schämen muss - wörtlich so von ihr. Denn ich sei ja langsam und unhöflich und unbeholfen und eine Schande für sie, und sie wollte ein normales Kind haben, weil sie mit mir nichts anfangen kann. Es macht mich wahnsinnig wütend, dass sie das alles einfach gar nicht zu erkennen scheint und nie etwas einsieht. Das Schlimmste ist, dass sie mit ihrer äußeren Fassade der liebenswerten und unterstützenden Mutter fast überall durchkommt und niemand ahnt, wie sie sich zu Hause so benimmt. Daher habe ich mittlerweile (ich bin jetzt 20) einen riesigen Hass auf sie. Ich beleidige sie ständig, wenn sie mich nicht hören kann. Ich bin ihr gegenüber kühl und abweisend, und wenn sie mal traurig ist und Trost will, lasse ich sie links liegen. Ich freue mich wahnsinnig auf den Tag, an dem ich endlich ausziehen kann und nicht mehr finanziell von ihr abhängig bin, was hoffentlich bald ist.

Und das Schlimmste an allem ist, dass ich es noch nicht einmal schaffe, mich von ihr zu lösen, und sie auf eine seltsame Art immer noch liebe. Manchmal ist sie auch immer noch nett und lustig, wenn sie gute Laune hat, und dann können wir echt gut miteinander auskommen. Ich bin immer hin- und hergerissen. Einerseits denke ich an die Frau, die mich als Kind mehrmals geschlagen hat, und zwar nicht nur einmal im Affekt, sondern immer wieder drauf, bis ich blutend am Boden lag. Aber dann denke ich an die Frau, die hin und wieder sagt, dass sie mich lieb hat, oder lustige Aktionen bringt, oder einen Tag lang mal echt nett ist. Und dann fühle ich mich tatsächlich nutzlos und rede mir ein, dass ich bestimmt wirklich nur dumm bin und sie eine tolle Frau ist, der ich nur auf die Nerven gehe. Sie tut nach einem Streit auch immer so, als wären das nur harmlose kleine Meinungsverschiedenheiten, und ist dann gekränkt, wenn ich nach den übelsten Beleidigungen nicht sofort mit offenen Armen wieder auf sie zukomme. Es geht nicht in mein Gehirn, dass meine Mutter womöglich ein überwiegend schlechter Mensch ist, und dass ich mich von ihr lossagen sollte. Ich möchte meine Eltern doch gernhaben, und bin gut darin, mir dann manchmal alles schön zu reden. Bei anderen Leuten sage ich immer sofort: Lass dir das nicht gefallen, sag ihr die Meinung und geh. Aber ich selbst bin zu schwach dafür.

Beichthaus.com Beichte #00031709 vom 06.08.2013 um 13:38:22 Uhr in Backnang (35 Kommentare).

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Spenden für die Nazis

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Peinlichkeit Dummheit Kinder

Als ich (m/23) etwas jünger war, also ungefähr zehn Jahre alt, kannte ich den Unterschied zwischen dem Dritten Reich und der Dritten Welt nicht. Ich dachte also immer, wenn es zum Beispiel im Fernsehen einen Spendenaufruf für die Dritte Welt gab, sollte man direkt den Nazis Geld geben. Ich hatte nur grobe Vorstellungen vom Dritten Reich und wusste eigentlich nur, dass die Nazis böse waren, und habe mich dementsprechend extrem gewundert, warum wir denen jetzt etwas spenden sollten. Irgendwann legte sich meine Unwissenheit und heute studiere ich sehr erfolgreich Geschichte mit einem Schwerpunkt auf deutsche Kriegs- und Kolonialgeschichte.

Beichthaus.com Beichte #00031707 vom 07.08.2013 um 07:18:11 Uhr (17 Kommentare).

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Ist der Tod die Lösung?

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Verzweiflung Unglaube Gesundheit Familie

Mein Cousin ist zwölf Jahre alt und leidet unter Multipler Sklerose (MS). In letzter Zeit merke ich, wie sein Körper immer langsamer wird und ihm alltägliche und belanglose Sachen Schwierigkeiten bereiten, er ist auch täglich unter Medikamenteneinfluss. Es tut mir weh, ihn so zu sehen und ich gestehe, dass ich den Tod für ihn als Lösung ansehe. Gewiss wird sein Verlust schmerzhaft sein, aber ist es nicht schmerzhafter einen Menschen, den man liebt, täglich leiden zu sehen? Wäre es nicht wünschenswert, dass sein Leid aufhört? Wäre sein Tod nicht die Lösung? Bevor ich (w) hier als herzlose, eiskalte H*re abgestempelt werde, möchte ich kurz die Familienverhältnisse meines Cousins erklären.

Mein Onkel gehört zu der Sorte Mann, die ich am liebsten auf offener Straße anspucken möchte. Seine Aufgabe liegt, seiner Meinung nach, darin, das Geld zu verdienen und das war es dann. Nach Feierabend wird jedes Mal der Laptop angeschmissen, das Handy liegt natürlich immer griffbereit, könnte ja sein, dass man etwas verpasst. Und nebenbei läuft irgendein Fußballspiel gepaart mit Bier. Meiner berufstätigen Tante im Haushalt helfen? Fehlanzeige! Der Tagesablauf meiner Tante sieht etwas anders aus: Morgens muss sie meinen Cousin und meine 17 jährige Cousine zur Schule fahren, dann geht sie zur Arbeit, die Kinder abholen, einkaufen, kochen und putzen. Da bleibt ihr kaum Luft zum Atmen und ich bewundere sie für jeden überstandenen Tag. Die Ehe der Beiden ist seit der Diagnose der Krankheit kaputt, beide haben sich auseinander gelebt und eine Besserung ist nach so vielen Jahren auch nicht mehr in Sicht. Da mein Cousin zusätzlich zu seiner Krankheit nicht noch als Scheidungskind enden sollte, kam und wird eine Trennung nicht infrage kommen. Des Weiteren ist mein Onkel ein sehr jähzorniger und aggressiver Mann. In seinen wöchentlichen Wutanfällen wirft er ab und an mal allen vor, dass er mit einem behinderten Kind gestraft sie und sich fragt, warum er mit so einem Krüppel rumlaufen müsse. Schließlich ist er das Beste dieser Welt.

Und da frage ich mich: Ist es falsch, von mir zu denken, dass es für meinen Cousin das Beste wäre, wenn er von uns geht? Ist es richtig, dass er in solchen Familienverhältnissen aufwachsen muss? Ich versuche, so oft es geht, Zeit mit ihm zu verbringen und tue alles, um ihn von seinen Schmerzen abzulenken. Aber jedes Mal, wenn er sich an mich kuschelt, es sich auf meinem Schoß gemütlich macht und meine Hand nimmt, damit ich seinen Kopf streichele, könnte ich vor lauter Hilflosigkeit und Trauer anfangen zu weinen. Ich bitte um Vergebung und Verständnis dafür, dass ich den Tod als Lösung für meinen Cousin sehe. Ich schäme mich dafür, mit meinem Onkel verwandt zu sein und hoffe, dass er irgendwann alleine dasteht. Ohne Frau und Kinder. Ich einfach bitte um Absolution.

Beichthaus.com Beichte #00031692 vom 03.08.2013 um 22:25:24 Uhr (39 Kommentare).

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