5.475 Tage Sehnsucht

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Begehrlichkeit Verzweiflung Liebe Schule

5.475 Tage Sehnsucht
Ich weiß es noch ganz genau. Nach den Sommerferien kam ich in die 13. Klasse meiner neuen Schule. Verplant, wie ich war, kam ich selbstverständlich zu spät und hatte dann noch damit zu kämpfen, dass ich den Raum nicht finden konnte. Ich öffnete die Tür und alle schauten mich an, als wäre ich von einem anderen Planeten. Peinlich berührt setzte ich mich auf den verbleibenden freien Platz. Dabei musterte ich meine neuen Mitschüler. Und dann entdeckte ich sie. Noch nie in meinem Leben hatte ich ein so schönes Mädchen gesehen, ich war wie erstarrt. Die wunderschönen braunen Haare, die ihr himmlisches Gesicht ummantelten. Ich erinnere mich noch sehr gut an ihre Augen, ihre prachtvoll glänzenden Augen, die in einer Mischung aus Grau und Grün, in einigen Winkeln auch Blau, schimmerten. Sie hatten mich gefesselt. Ihre Nase, ihr Kinn, ihre Ohren, ihre vollen Lippen. Alles spielte in einer wunderbaren Harmonie miteinander, sie war wie gemalt, heute würde ich sagen, sie war photoshopped.

Meine Klassenlehrerin riss mich aus meiner Tagträumerei, als sie mich bat, mich vorzustellen, da ich immerhin zu spät gekommen war. "Eli heiße ich. Ich bin 19 Jahre alt und komme aus dem Süden Iraks. Meine Hobbies sind (…)".

Der erste Schultag verging und ich wechselte mit ihr erste Blicke, manchmal schaute sie mich mit ihren wunderschönen Augen leicht lächelnd an und blickte kurz darauf schnell wieder weg. Ich lächelte immer zurück. Allerdings, so dachte ich mir, brauche ich mir keine allzu großen Hoffnungen zu machen. Wir spielten nicht in derselben Liga. Sie, das fantastische, hübsche, beliebte Mädchen und ich, das komplette Gegenteil. Der Tollpatsch, der ständig unpünktlich war und auf niemanden zugehen konnte. Ich fragte mich, warum jemand wie sie etwas mit mir zu tun haben sollte. Dann kam ich wieder einmal zu spät, doch als ich die Klassentür vorsichtig öffnete, erkannte ich, dass wir wohl eine Freistunde hatten. Geradewegs ging ich in den Raum und fragte, wo denn unser Lehrer bliebe. Sie, Alyena, antwortete mir. Ich hätte niemals damit gerechnet, dass ausgerechnet sie mich darüber aufklären würde, dass unser Lehrer krank ist und welche Aufgaben wir lösen sollten. Perplex starrte ich sie an und krächzte nur ein halblautes "Danke". Dann setzte ich mich hin und fing an, im Buch zu arbeiten. Plötzlich setzte sie sich neben mich und verwickelte mich in ein Gespräch. Sie kam ursprünglich aus der Türkei. Ihre Mutter ist Türkin, ihr Vater Grieche. Ihre Eltern leben getrennt und sie hat noch vier weitere Geschwister. Ich denke noch heute an ihr Haar. Es flatterte im Durchzug in unserer Klasse und streifte leicht durch mein Gesicht, so nah saß sie neben mir. Mein Herz pochte, und es pocht immer noch, wenn ich an sie denke.
Die Zeit verging und wir kamen uns immer näher. Allerdings heimlich, nicht einmal ihre besten Freundinnen wussten davon. Ich genoss die Zeit. Sechs lange Monate hat es gedauert, bis ich ihr Herz erobert hatte und man uns als Pärchen bezeichnen konnte. Dann wurde ich immer leichtsinniger, ich Idiot ließ sie des Öfteren sitzen, gab ihr nicht mehr die Aufmerksamkeit, die sie verdient hatte. Sie glaubte gen Ende unserer Beziehung sogar, dass ich sie nicht mehr liebte. Dabei war sie nicht nur meine erste Liebe, sondern meine Einzige. Ich weiß noch genau, dass wir uns das erste Mal wegen etwas ganz Banalem stritten, weswegen ich mich heute noch in den Allerwertesten treten könnte.

Wir redeten Ewigkeiten nicht miteinander. Ich dachte mir immer, dass sie zu mir zurückkommen wird. Bis zu dem Tag, an dem bekannt wurde, dass sie umgezogen ist. Sie hatte anscheinend Probleme mit ihrer Familie und deshalb sind sie kurzerhand umgezogen. Sie war weg. Weit weg. Plötzlich lagen zwischen uns über 700 Kilometer. Wo genau sie wohnte, weiß ich bis heute nicht - aus Datenschutzgründen. Das Königreich, das ich mit ihr aufgebaut habe, brach in sich zusammen als bestünde es nur aus Sand. Meine Prinzessin war fort, und mit ihr mein Herz. Die nächsten Tage verbrachte ich in Selbstmitleid und dem Versuch, sie irgendwie zu erreichen. Aber nichts. Kein Anruf wurde entgegengenommen, kein Brief beantwortet. Und es konnte mir keiner helfen, schließlich wusste niemand, dass wir zusammen waren. Ich machte mein Abitur mit einem guten Schnitt und begann ein Studium der Zahnmedizin, das ich erfolgreich beendete. Ich dachte jeden Tag an sie. Die Gedanken zerfraßen mich innerlich, doch ich lebte mein Leben weiter. Ich gründete später sogar eine Praxis mit einem ehemaligen Kommilitonen. Heute bin ich 35 und habe eine Tochter, die ich über alles liebe. Ich lebe allerdings geschieden, denn meine Frau betrog mich.

Alyena, ich denke immer noch an dich. Es verging kein Tag in den letzten fünfzehn Jahren, an dem ich nicht an Dich gedacht habe. Bei jedem Klingeln, bei jedem Anruf, bei jedem Brief, bei jeder SMS entflammt mein Herz aufs Neue, in der Hoffnung, es könnte eine Antwort von dir sein. Doch nein. Rund 5.475 Tage habe ich gehofft und gebetet, dass du wieder in mein Leben trittst. Es passierte leider nichts. Bitte verzeihe mir, Alyena, ich hatte nicht einmal die Gelegenheit, mich bei dir zu entschuldigen. Und es zerfrisst jeden Tag ein weiteres Stück von mir, zu wissen, dass du nicht bei mir bist. Es tut mir so leid. Ich habe erst zu spät bemerkt, wie wichtig du bist. Jedes Mal, wenn ich einschlafe, bete ich, am nächsten Tag neben dir aufzustehen und deine wunderschöne Gestalt neben mir zu spüren. Zu sehen, wie glücklich du bist. Denn ich werde dich immer lieben. Manchmal schlafe ich unter Tränen ein und wünschte mir, am nächsten Tag nichtmehr aufzustehen. Doch meine Tochter braucht mich. Und das, obwohl bis heute niemand von unserer Liebe weiß. Nur sie und ich. Lebe wohl, doch bitte vergiss jenen, der dich zu lieben lernte, nicht.

Beichthaus.com Beichte #00031493 vom 24.06.2013 um 11:53:20 Uhr (38 Kommentare).

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Die böse Freundin meines Vaters

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Hass Verzweiflung Neurosen Familie

Ich (w/18) bin nicht stolz auf das, was ich als kleines Mädchen erlebt habe und auf das, was darauf folgte. Ich beichte nun. Damals war ich zehn Jahre alt, als meine Mama mich und meinen Papa verließ. Das war damals schlimm für uns, aber sie war trotz allem noch […]
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Beichthaus.com Beichte #00031078 vom 25.04.2013 um 23:39:53 Uhr (18 Kommentare).

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Zufallsbeichte
“Folge

Die Unfähigkeit Glück zu empfinden

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Verzweiflung Ex Liebe Neurosen Partnerschaft Rostock

Ich (m/30) habe meine große Liebe weggeschmissen, ja regelrecht vergrault. Diese Frau und ich sind eigentlich füreinander geschaffen, wir sind seelenverwandt und ergänzen uns prächtig. Sie liebte jede meiner Macken und ich ihre. Leider weiß sie bis heute nicht, dass es an mir eine Seite gibt, die ich noch niemandem offenbart habe. Obwohl alles in meinem Leben perfekt schien, Job, Finanzen, Gesundheit und vor allem die richtige Frau, war ich immer unglücklich über mich und mein Leben. Ich schaffe es einfach nicht, wirkliches Glück zu empfinden. Ich spiele eine Rolle: selbstbewusst, smart, einnehmend. In Wirklichkeit bin ich zerfressen von Selbstzweifeln jeglicher Art. Ständig scheint mir ein Suizid ein bequemer Ausweg zu sein, wobei ich keine konkreten Pläne oder Vorbereitungen habe, sondern einfach nur den Gedanken, dass alles besser wäre, wenn ich nicht mehr da bin. Ich habe Angst davor, Zukunftspläne zu fassen. Als nun meine damalige Freundin anfing, von Kindern zu reden und mir sogar einen Antrag machte, bekam ich tierische Angst und der Gedanke, dass sie ohne mich besser dran wäre beziehungsweise ich sie nicht verdient habe, hat mein Leben bestimmt.

Also habe ich mich ein paar Wochen später von ihr getrennt. Sie fiel aus allen Wolken. Ich konnte ihr natürlich auch nur vorgeschobene Gründe nennen. Da ich sie ja noch liebte, kamen wir noch zweimal wieder zusammen. Aber dann beherrschten mich jedes Mal wieder diese Selbstzweifel und ich beendete es wieder. In letzter Zeit hatte ich sogar zwei Beziehungen, nur damit sie nicht mehr an mir festhält. Ich habe sie jetzt also zwei Jahre gequält um sie loszuwerden, dabei liebe ich sie noch immer wie verrückt. Sie bandelt jetzt, glaube ich, das erste Mal mit einem neuen Mann an. Das tut so unheimlich weh, aber ich ziehe mich zurück, damit sie glücklich sein kann. Meine Beichte ist: Ich habe einem wundervollen Menschen weh getan und immer wieder abgewiesen und ihr ihre halbe Jugend geraubt, weil ich so ein kaputter Typ bin. Das bereue ich von ganzem Herzen. Ich hoffe, sie findet das ihr zustehende Glück. Ich bereue auch, dass ich die Gefühle zweier netter junger Frauen verletzt habe, nur um meinen kranken Plan durchzuziehen. Ich leide gerade wie ein Hund. Das ist wohl der Preis. Schatz, ich liebe Dich.

Beichthaus.com Beichte #00030884 vom 14.03.2013 um 16:27:33 Uhr in Rostock (26 Kommentare).

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Kreativer Verwendungszweck

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Hochmut Ungerechtigkeit Geld Celle

Ich möchte beichten, dass ich bei unangenehmen Überweisungen, wie zum Beispiel bei Knöllchen, Blitzerfotos oder der GEZ, immer meine Meinung in die zweite Zeile des Online-Überweisungsformulars schreibe. Da steht dann, je nach Überweisungsgrund, "Abzocke!", "Frechheit", "Tatort war mies" oder ähnliches. Ich möchte mich hier gleichzeitig bei der Person entschuldigen, welche auf dem Celler Stadtamt die Knöllchen bearbeitet und meine Meinung oft genug lesen musste.

Beichthaus.com Beichte #00030401 vom 29.10.2012 um 10:55:17 Uhr in Celle (Am Französischen Garten, 1) (20 Kommentare).

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Die Ratte

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Morallosigkeit Verrat Kinder Schule Bern

Als ich (m) in der 8. Klasse war, mussten wir an Weihnachten in der Kirche ein Stück mit Chor und kleineren musikalischen Einlagen aufführen. Weil ich der einzige Schüler war, der ein Instrument spielte, musste ich mit einem engagierten Pianisten zusammen ein kleines Lied spielen. Dazu mussten wir natürlich Proben. Die ganze Oberstufe (siebte bis neunte Klasse) fand sich dabei in der Kirche ein. Außer zwei meiner Klassenkameraden, die es nicht für nötig hielten, zu singen und diese Zeit damit verbrachten, im Schulhaus zu bleiben und Blödsinn zu treiben. Dies taten sie bei den letzten drei Proben vor dem Auftritt. Aus irgendeinem Grund regte ich mich total darüber auf. Jedenfalls habe ich am Nachmittag vor dem Auftritt noch eine Stunde nur mit meinem Lehrer geübt und dabei habe ich ihm erzählt, dass diese beiden Schüler geschwänzt hatten. Ich tat es, weil es vor Weihnachten darum ging, ob der Lehrer einem eine Empfehlung für eine Mittelschule gab oder nicht. Ich wollte mich also bei ihm einschleimen. Es passierte natürlich, was passieren musste: Der Lehrer rief bei den beiden Schülern an und die wussten, aufgrund des Zeitpunktes, dass ich es gewesen sein musste. Daraufhin war ich der Ausgestoßene in der Schule. Bis auf einige sehr treue Freunde sprach für einen Monat niemand mehr mit mir. Glücklicherweise waren mir die beiden nicht sehr lange böse und es kam alles wieder ins Reine. Doch das schlechte Gewissen und vor allem das Wort "Ratte" werde ich nie wieder aus meinem Kopf bekommen. Im Nachhinein bin ich mir im Klaren, dass ich sie nicht hätte verraten dürfen. Allein schon deswegen, weil Schüler gegen Lehrer zusammenhalten müssen. Oder ich hätte es geschickter machen sollen, sodass niemand auf meine Spur gekommen wäre. Doch ich war jung und handelte, ohne nachzudenken. Ich war so zerfressen von dem Wunsch, aufs Gymnasium zu kommen, dass ich alles, was ich über Ehre und Kameradschaft wusste, über den Haufen warf und einfach drauf los quasselte.

Beichthaus.com Beichte #00030327 vom 10.10.2012 um 19:53:47 Uhr in Bern (Bundesgasse) (12 Kommentare).

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