Im Chaos gefangen
Beichthaus.com Beichte #00032048 vom 14.10.2013 um 09:29:17 Uhr (24 Kommentare).
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Meine Eltern haben mich in der Zeit genau einmal besucht - und dann nie wieder, für sie war unsere WG ein Dreckstall, wie es meine Mutter so schön bezeichnete. Allerdings meine ich, dass sie mit ihrer Aussage leicht übertrieben hatte. Wenn sie wüsste, wie ich inzwischen lebe, dann wäre diese Aussage auf jeden Fall gerechtfertigt.
Angefangen hat alles, als ich vor fast zwei Jahren wegen eines Jobs in meine eigene jetzige 30qm kleine Wohnung zog. Der Umzug an sich war schon ein Chaos, ich musste diesen teilweise ganz alleine bewältigen und hatte auch wegen des neuen Jobs ziemlich viel Stress, kam erst spät abends nach Hause und hatte dann keinerlei Lust mehr, mich noch dem aufräumen, geschweige denn, dem Putzen zu widmen. Überall standen unausgepackte Kisten, Gerümpel und unnütze Sachen herum, die ich eigentlich hätte entsorgen müssen. Aber ich sagte mir immer wieder: Morgen räumst du auf, morgen nimmst du dir Zeit, die Wohnung in Ordnung zu bringen. Denn ich mag es eigentlich ordentlich und gemütlich, schaffte es aber bisher nie, mir das auch so schön herzurichten. Ich räumte hier und da mal etwas auf, doch schnell herrschte wieder Chaos und Unordnung. Und da ich leider auch ein Faible für allerlei Krimskrams habe, sammelte sich noch mehr Kram an, der meine Wohnung vollstopft. Ich fühlte mich überhaupt nicht mehr wohl, schaffte es aber auch nicht, etwas zu ändern und habe irgendwann innerlich resigniert. Ich hielt mich nur noch zum Schlafen bei mir auf, und das ist bis jetzt so geblieben. Nach außen hin bin ich gepflegt und attraktiv, offen, gesellig und zuverlässig, was die Arbeit betrifft. Doch meine Wohnung ist inzwischen eine wahre Müllhalde geworden, in die ich noch nie jemanden hereingelassen habe.
Je mehr Chaos herrscht, umso überforderter werde ich, ich schaffe es nicht mal mehr, den Müll zu entsorgen, das dreckige Geschirr zu spülen oder den Elektriker hereinzulassen. Geputzt habe ich in den vergangenen zwei Jahren exakt einmal, Freunde oder meine Eltern konnte ich bisher jedoch erfolgreich abwimmeln. Ich schäme mich zutiefst, denn jeder, der das Ausmaß meiner Faulheit und Bequemlichkeit auch nur erahnen könnte, würde zurecht sagen, dass ich ein Messie bin, der es geschafft hat, eine kleine Wohnung verdrecken und vermüllen zu lassen. Und das noch als Frau, die nach außen hin einen seriösen, sympathischen Eindruck macht. Mittlerweile merken auch die Nachbarn, dass etwas nicht stimmt, und beschweren sich schon über den Müll in meinem Keller, über die ungeputzten Fenster und die nicht erledigte Hausordnung. Das versetzt mich in gewaltige Panik. Ich muss jeden abwimmeln, angefangen von Freunden bis hin zu Kollegen, die mich endlich einmal besuchen wollen, ich kann keine Beziehung eingehen und muss ständig Ausreden erfinden. Doch kaum bin ich zu Hause in meiner Wohnung überfällt mich sofort wieder diese Überforderung, die Faulheit und die Unfähigkeit, radikal Ordnung zu schaffen. Um Hilfe zu bitten, traue ich mir angesichts der Zustände mittlerweile nicht mehr zu, alleine komme ich aber aus dem Chaos nicht mehr heraus. Demnächst muss ich aber den Heizungsableser hineinlassen und habe keinen blassen Schimmer, was ich tun soll. Je schlimmer das wird, umso verzweifelter werde ich, denn jeder andere schafft es auch, Ordnung zu halten und es sich schön herzurichten. Ich will etwas ändern, ich will endlich eine schöne Wohnung, doch wie? Ich beichte, dass ich faul, bequem, unfähig und vielleicht ein Messie bin. Wenn die Menschen in meinem Umfeld wüssten, wie ich wirklich bin und wie ich lebe, würden sie mich zutiefst verachten und sich vor mir ekeln - so wie ich es schon tue. Ich bin verzweifelt!