Das Mädchen, das Zuckerwatte aus meinem Kopf machte

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Rache Begehrlichkeit Waghalsigkeit Last Night

Es sind nun schon ein paar Jährchen ins Land gezogen, seit das Vergehen, das ich heute gerne beichten möchte, stattgefunden hat. Zur Entschuldigung sei gesagt, dass ich jung, naiv und wohl in mancher Hinsicht auch etwas verschroben war, zugegebenermaßen. Ich verliebte mich in die Schönheit unseres Dorfes. Ein Mädchen mit Alabasterhaut, einem Gesicht und einer Figur wie aus Stein gemeißelt. Blonde Locken, blaue Augen, Sommersprossen, Beine bis zum Himmel und sogar noch ein Stück weiter. Sie verdrehte reihenweise Köpfe. Zu meinem Verdruss bemerkte ich jedoch bald, dass dieses engelsgleiche Wesen leider schon einen Freund hatte. Ich dachte bei mir, dass sie mit ihm nun nicht gerade den besten Geschmack bewies, allerdings nannte er stolz ein Auto sein eigen. Ich hingegen besaß nur das alte Fahrrad meiner Mutter. Immerhin mit Gepäckträger.

Die Zeit zog ins Land, und ich schmachtete sie aus der Ferne an. Ach was, schmachten ist noch zu wenig gesagt! Ich betete den Boden an, auf dem sie wandelte, hätte ihr dreckiges Badewasser leergesoffen und mich für sie mit verbundenen Augen an einen Stuhl gefesselt mit einem der Klitschkos geprügelt. Meinetwegen sogar mit beiden. Kurz, mein Resthirn bestand ihretwegen aus vollkommen nutzloser Zuckerwatte. Eines Tages erfuhr ich durch meine rastlosen unermüdlichen Nachforschungen im Fall Alabasterhaut, dass es in der Beziehung Stress gab, da ihr Freund ihr wohl fremdgegangen war. In meiner Welt war das natürlich die absolute, ultimative Blasphemie. Wie konnte er nur?! Ich war außer mir und überlegte mir einen teuflischen Racheplan.
Ich dachte daran, ihm in den Tank zu urinieren, aber das war noch zu wenig. Auch eine fiese Fäkalgranate, bestehend aus gesammeltem Hundekot, und aus dem Hinterhalt auf ihn abgefeuert, war nicht genug. Es musste perfide sein. Gemein, böse, und vor allem eine Lektion, die er niemals vergessen würde - und wenn er hundert Jahre alt und stocksenil wurde.

Meine Wahl fiel nach langen, sinisteren Überlegungen auf Strom. Ich würde sein Auto mit einem Weidezaun-Stromgerät verkabeln, und wenn er es öffnen wollte, würde er ein schönes, schmerzhaftes Tänzchen veranstalten. Abends hinter dem Jugendclub nahm mein Plan Gestalt an. Ich brauchte zwar zwei Kabeltrommeln, und einen knappen Viertelkilometer Weidedraht, aber schließlich gelang es mir, die Karre unter Strom zu setzen. Zwar holte ich mir dabei auch zwei ziemlich heftige Stromschläge, aber das war mir die Rache ohne Weiteres wert. Schließlich trat mein Opfer aus dem Jugendclub. Hackedicht, und verfolgt von zwei seiner Freunde, die ihn davon abhalten wollten, noch mit dem Auto zu fahren. In der lebhaften Diskussion vernahm ich aus meinem Versteck heraus folgende kausalen Zusammenhänge: Fräulein Alabasterhaut hatte sich offensichtlich endlich aus den Fängen dieses üblen Widerlings befreit, und er sich wohl ordentlich einen auf die Lampe gegossen.

Also stand er nun vor seinem Auto, mit beachtlicher Schlagseite, und suchte nach seinen Schlüsseln, während ihn seine Kumpels bequatschten, er solle doch lieber laufen. Davon wollte er jedoch nichts wissen, er habe ja auch nur einen halben Kilometer zu fahren. Dann kam der große Moment, in dem er tatsächlich an sein Auto fasste. Alles funktionierte nach Plan. Er bekam mächtig eine geschossen und hüpfte mit schmerzverzerrtem Gesicht auf einem Bein ums Auto herum, sich die Hand haltend. Da sein Pegel aber kein besonders gut koordiniertes Hüpfen zuließ, landete er bereits nach knappen drei Sekunden im Dreck, von wo aus er sich beim Aufstehen am Auto festhalten wollte. Natürlich bekam er wieder eine gefeuert und führte einen wahren Affentanz im Liegen auf. Seine Kumpels fragten sich natürlich was los war und fassten kurz nacheinander ebenfalls an das Auto, worauf eine beeindruckend asynchrone Ausdruckstanzveranstaltung stattfand.

Einer vermutete daraufhin statische Elektrizität, der andere spekulierte auf Kurzschluss der Batterie. Meine hervorragend versteckte Litze fand jedoch keiner. Sie standen, bzw. lagen noch eine Weile diskutierend herum. Dann verdrückten sie sich schließlich im Schleudergang nach Hause. Das war also die ganze Show. Ich hatte sie mir in meiner Fantasie zugegebenermaßen wesentlich spektakulärer vorgestellt, und war ziemlich enttäuscht. Ein wenig mehr Funkenflug, und Elektrischer-Stuhl-Flair wäre immerhin ganz nett gewesen, aber man konnte ja nicht alles haben. Ich baute also meine Teufelsmaschinerie ab und verzog mich nach Hause. Einige Zeit danach erfuhr ich im Übrigen, dass nicht er sie, sondern sie ihn betrogen hatte. Im Zuge dessen bekam ich dann auch mit, dass Fräulein Alabasterhaut zwar schön anzuschauen, aber charakterlich eher eine Mischung aus Pech und Schwefel war. Seitdem bereute ich dann die dämliche Nummer mit dem Strom. Immerhin hat das Ganze ihren Ex davon abgehalten, im Suff nach Hause zu fahren. Fräulein Alabasterhaut ist übrigens später zum Studieren ins Ausland gegangen, und ward fortan nie mehr gesehen.

Beichthaus.com Beichte #00038138 vom 26.04.2016 um 11:10:50 Uhr (9 Kommentare).

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Wir fahren zu Anne und Emma!

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Peinlichkeit Dummheit Kinder

Als ich (m) fünf Jahre alt war, sind wir aus dem Saarland ins Ruhrgebiet gezogen. Von dem Dialekt, der in unserem neuen Wohnort gesprochen wurde, hatten wir so gar keine Ahnung. Ich verstand mich direkt mit den Nachbarskindern sehr gut, zwei Jungs und ein Mädchen. Wir haben zusammengespielt und am Abend erzählte ich meiner Mutter, dass der älteste Bruder erzählt hat, dass wir mit ihren Eltern morgen Anne und Emma besuchen gehen und ob ich Lust habe, mitzukommen. Meine Mutter hatte nichts dagegen und am nächsten Tag meinte sie zur anderen Mutter, dass ich mich ja schon sehr auf den Ausflug freue, und wollte interessiert wissen, wer Anne und Emma denn seien. Die Mutter war recht ratlos, da sie nicht wusste, wovon meine Mutter sprach. Schließlich gab es großes Gelächter, als klar wurde, dass ihr ältester Sohn, Ruhrpottjunge durch und durch, nur gemeint hatte, dass wir "Anne Emscher" (Emscher - Fluss im Ruhrpott) fahren.

Beichthaus.com Beichte #00038126 vom 23.04.2016 um 21:15:09 Uhr (17 Kommentare).

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Princes größter Fan

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Lügen Falschheit Maßlosigkeit Tod Musik

Ich muss beichten, dass ich zwar während der letzten Tage stets Mitleid geheuchelt habe (auf der Arbeit und mit den Kolleginnen), jedoch habe ich trotz meiner 34 Jahre noch nie ein einzelnes Wort oder Bild von Prince gesehen. Da er nun gestorben ist, berichten die Medien ununterbrochen über ihn. Alle denken inzwischen, ich sei ein Fan von Prince gewesen. Daher habe ich jetzt sogar einige Liedtitel auswendig gelernt. Ich habe mich wohl in etwas verrannt, aber ich hoffe wirklich, dass das Ganze bald abflaut.

Beichthaus.com Beichte #00038125 vom 23.04.2016 um 14:13:18 Uhr (14 Kommentare).

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Oberflächlichkeit im Kindergarten

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Eitelkeit Engherzigkeit Zorn Kindergarten

Ich mache gerade eine Ausbildung zur Kinderpflegerin in einem Kindergarten. In der Vormittagsgruppe ist ein Mädchen (5 Jahre, nennen wir sie Marie) bei den Vorschülern. Marie heißt, wenn die Erzieherinnen sich untereinander unterhalten, nur "herzallerliebste Marie." Dieser Name ist arg ironisch gemeint. Zu Maries Familiensituation muss man Folgendes sagen: Maries Vater ist Anfang 50 und hat schon zwei erwachsene Töchter aus einer früheren Ehe, Maries Mutter ist etwa 25. Der Vater verdient richtig gut, die Mutter ist so typisch "Schickimicki", sieht eigentlich sehr hübsch aus - tolle Figur, schöne Haare, ist aber total überschminkt, trägt sogar beim Abholen High Heels, in denen ich nicht laufen könnte. In der Familie ist Marie der absolute Star. Wenn Marie kommt, wird in der Familie der rote Teppich ausgerollt.

Versteht mich nicht falsch, sicherlich ist es total normal, einen kleinen Nachzügler schon ein wenig zu verhätscheln, aber es sollte eben normal bleiben, und in der Familie wirkt alles so dermaßen übertrieben und künstlich. Ihre Oma ist beispielsweise so ein "Ja dududu, bubelbu-Typ", redet immer mit einer total hohen, übertrieben süßlichen Stimme mit Marie und auch mit anderen Kindern, und auch ihre großen Schwestern und ihr Vater sind da ganz extrem. Die Mutter wirkt so, als wäre sie an Marie selbst gar nicht sonderlich interessiert, nur an neuer und möglichst schicker Kleidung für das Kind.

Das alles hat extrem auf Marie abgefärbt. Marie ist ein richtig unangenehmes Kind, das mit nicht einmal sechs Jahren schon total oberflächlich ist, andere Kinder nach ihrem Äußeren beurteilt und auch manipuliert! Wir haben schon mitbekommen, wie Marie zu einem anderen Mädchen gesagt hat: "Wenn du mit Fettsau (ein anderes, übergewichtiges Mädchen) spielst, dann sind wir zwei nicht mehr befreundet. Wenn du auch Fettsau zu ihr sagst, dann bekommst du von meinem Nagellack etwas ab." Weil Marie ständig manipuliert und erpresst, andere Kinder für ihre Zwecke missbraucht und ihnen irgendwas verspricht, springen viele der Kinder auf den Zug auf. Marie stiftet zum Mobbing an und das ist wirklich nicht mehr schön. Gespräche mit Maries Eltern bringen absolut nichts.

Aus diesem Grund beichte ich, dass wir jetzt versuchen werden, Marie aus dem Kindergarten zu bringen. Wir wissen es aber noch nicht genau. Ob es möglich wäre, irgendeine ansteckende Krankheit oder irgendwelche Keime zu erfinden? Maries Kreischmutter hat doch eine Phobie vor sämtlichen Keimen oder Krabbeltieren, Staubkörnchen, und so weiter. Mir tut es ja schon leid, da Marie ja eigentlich nicht schuld ist, sondern ihre Eltern und Verwandten. Aber das Kind ist so schrecklich! Das ist die Schickimicki-Läster-Frau von morgen.

Beichthaus.com Beichte #00038124 vom 23.04.2016 um 08:42:40 Uhr (19 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Ich zerstörte mein Leben wegen eines Abenteuers

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Selbstsucht Verrat Dummheit Verzweiflung Familie

Ich (w/29) muss meine Geschichte mitteilen. Ich leide jetzt seit knapp neun Monaten an einer ausgeprägten Panik-Störung und hoffe, zumindest etwas Erleichterung zu bekommen, wenn ich die Geschichte meines Lebens beichte, die mich, meinen Mann und unser Leben für immer veränderte. Noch immer fällt es mir schwer, alles so anzunehmen, wie es ist. Es folgt die Kurzform der Scheiße, die ich gebaut habe. Ich hoffe, es ist einigermaßen nachvollziehbar. Ich bin mit meinem Partner seit neun Jahren zusammen, wir haben uns mit der Zeit ein schönes, geregeltes Leben aufgebaut. Kleine Wohnung, alle Dinge, die wir uns wünschten. Ich war nie besonders hübsch, mein Mann liebte und liebt mich trotzdem. Bei 102,4 Kilo zog ich die Reißleine und nahm knapp 3 Kilo ab, wechselte den Job und bekam mehr Kundenkontakt. Ich fühlte mich attraktiv, zufrieden und gemocht. Montagearbeiter besuchten mich jeden Tag in der Bäckerei, in der ich arbeitete. Und einer blieb. Irgendwann verließ ich meinen Mann, weil mir mein Leben zu langweilig vorkam und mir der neue Typ mehr Spannung versprach.

Drei Monate lebte ich wild mit dem Neuen zusammen, reduzierte mich in kürzester Zeit auf ein Hausmütterchen, Fickstück, Geldgeberin und Köchin. Ich gab mich für den Typen auf und merkte es nicht. Ich akzeptierte Dinge, wie beispielsweise Drogenkonsum in meiner Wohnung. Undinge, mit denen ich niemals Kontakt in meinem Leben hatte und wollte. Dann wurde ich schwanger. Natürlich verpisste sich der Typ, ich wurde der Lacher bei der Arbeit, unter den Montagearbeitern und vor mir selbst. Nur mein Mann, den ich für diesen Ausbruch meiner späten Jugend verlassen hatte, blieb. Er stand hinter mir, sagte, er werde der Vater dieses Babys. Er ging zu jeder Untersuchung mit, half mir in der schwierigen Schwangerschaft, wurde beinahe Witwer mit Kind bei der Geburt "unserer" Tochter und erträgt seitdem meine Panikattacken.

Und was soll ich sagen? Natürlich fühle ich mich schlecht. Weil ich ihn für einen Junkie verlassen habe. Weil ich für eine dämliche Affäre mein Leben aufgegeben habe. Er hat mich mit dem Kind gewollt, hat mir alles verziehen, Absolution gegeben. Trotzdem schäme ich mich jeden Tag. Könnt ihr das verstehen? Ich haue ab, kehre mit dem Kind eines anderen zurück und sein Herz ist so heilig und rein. Er liebt mich einfach und freut sich jeden Tag über unsere Familie. Und ich kann das nicht annehmen, weil meine Scham so groß ist. Weil er mein Heiliger ist. Meine Tochter ist ein Gottesgeschenk. Und ich bin die schmutzige Sünderin. Ich wollte nie die Böse sein. Jetzt muss ich mit der Scham und dem Wissen, was für einen Schmerz ich verursacht habe, leben. Schwangerschaft und Geburt waren eigentlich Strafe genug - ich habe das fast mit dem Leben bezahlt. Vielleicht reicht die Strafe aber noch nicht.

Beichthaus.com Beichte #00038120 vom 22.04.2016 um 21:34:18 Uhr (22 Kommentare).

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