Kisten schleppen

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Verzweiflung Zorn Partnerschaft Liebe Karlsruhe

Ich komme zunehmend weniger mit meiner Freundin aus. Egal was wir zusammen tun - es führt zu Streit. Bauen wir ein IKEA-Regal auf dauert es nur ein paar Minuten und irgendwas passt ihr nicht und sie schnauzt mich an - was ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen kann. Vielleicht wäre ich da etwas toleranter wenn es nicht jedes mal so wäre? Ein Beispiel: Ich habe schon mit vielen Leuten z.B. beim Umzug Kisten von A nach B getragen. Aber wenn ich das mit ihr zusammen mache ergeben sich Probleme die ich vorher noch nie so erlebt habe. Normalerweise stelle ich mich an ein Ende der Kiste und warte bis mein Gegenüber das auch getan hat und hebe dann mein Ende der Kiste an. In der Regel macht der andere das auch. Nicht so meine Freundin: Entweder hebt sie an bevor ich überhaupt einen Griff gefunden habe und meckert dann warum das so lange dauere - die Kiste sei schwer. Oder sie hebt nicht an und ich stehe mit der Last alleine herum. Dafür aber macht sie mir dann Vorwürfe, dass ich entweder die Kiste demolieren würde, ihre Finger eingeklemmt habe (weswegen sie nicht hochheben könne) oder sonst irgendwas.
Gehen wir dann durch ein enges Treppenhaus gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder beschwert sie sich dass ich zu langsam mache - die Kiste sei schwer - oder zu unachtsam (zu schnell) und sie beinahe gegen die Wand stoßen (oder die Kiste demolieren) würde.
Hingegen haben wir es nie hinbekommen, dass sie keinen Grund zum Meckern gefunden hätte. Das einzige was etwas geholfen hat ist alles ständig zu versprachlichen: "Ich hebe jetzt hoch - OK?" "sollen wir schneller/langsamer machen?" etc.
Wie gesagt, ich habe das so extrem noch mit niemandem erlebt und es beschränkt sich bei weitem nicht aufs Kisten schleppen.

Zu Beginn unserer Beziehung hatten wir immerhin alle paar Tage einmal Sex, inzwischen liegt das letzte mal über zwei Monate zurück. Und wenn ich ganz ehrlich bin - es zerreißt mir zwar das Herz, aber eigentlich habe ich auch gar keine Lust mehr. Denn jedes mal wenn wir "uns näher gekommen sind" hat es meist nicht lange gedauert und wir haben - wie zu erwarten war - angefangen zu streiten...
Es gibt nichts blöderes als nackig im Bett zu sitzen und sich Vorwürfe machen zu lassen weil man dieses angeblich zu viel und jenes zu wenig gemacht habe - ja kann ich denn Gedanken lesen? Aber vielleicht bin ich ja auch einfach nur ein ungeschickter Tollpatsch.


Außerdem muss sie immer den Ton angeben. Und hat feste Vorstellungen. Das Wohnzimmer muss so und so eingerichtet sein. Überall hängen Babybilder von ihr herum. Ich habe ihr gesagt, dass das auch mein Wohnzimmer ist und ich mich darin nicht wiederfinden würde. Natürlich war sie unglücklich und hat vorgeschlagen auch (Baby-) Bilder von mir aufzuhängen. Dass ich überhaupt keine Babybilder im Wohnzimmer hängen haben will versteht sie zwar, aber akzeptieren kann sie es nicht.

So langsam zweifle ich an mir selbst und an unserer Beziehung. Am besten verstehen wir uns wenn wir uns längere Zeit nicht sehen. Klar: Keine Gelegenheit zu streiten.

Wenn ich ehrlich bin sind wir nur noch zusammen, weil wir zusammen wohnen und es bisher noch nicht so weit gekommen ist, dass einer von uns beiden endgültig ausgezogen wäre. Und weil wir beide jemanden zum kuscheln brauchen - was wir ja auch ab und zu hinbekommen ohne zu streiten. Und weil wir eigentlich gemeinsame Pläne für die Zukunft haben, die aufzugeben nicht so leicht ist. Und natürlich weil wir uns lieben. Aber wenn ich mir vorstelle dass dass immer so weiter gehen wird, dann wird mir schlecht.

Ich gebe ja gerne zu, dass ich nicht ohne Fehler bin und sicherlich auch meinen Teil zu den Problemen beitrage. Zum Beispiel bin ich nachtragend. Kleine Verletzungen räche ich noch nach Monaten. Ich neige dazu meine eigenen Wünsche nicht auszusprechen sondern einfach zu erwarten dass man sie mir an der Stirn abliest. Was im Übrigen mit den meisten Menschen funktioniert, nur nicht mit meiner Freundin. Vermutlich bin ich recht durchschaubar, nur nicht für sie.
Aber, um auf die Umzugskartons zurückzukommen: Solche Probleme hatte ich noch nie, mit niemandem. Deshalb weise ich 90% der Schuld von mir.


Sie hat sich, seit wir zusammen sind gewaltig zu ihrem besseren verändert - sie hat sehr viel abgenommen, ist von Antidepressiva losgekommen, hat ihre Schulden abgebaut, ihre Familie, die seit Jahren total zerstritten war hat sich wieder eingerenkt, sie hat sehr an sich gearbeitet und, und, und. Und ich habe sie schon geliebt als sie noch dick (120 kg), verschuldet und unglücklich war. Also - warum sollte ich sie gerade jetzt hergeben?


Zur Beichte: Ich habe lange Zeit versucht guten Willens zu sein und versucht mit meiner Freundin klar zu kommen. Ich habe viel Geld investiert, Zeit und Mühe geopfert, mit ihr geredet und an mir gearbeitet. Aber wenn nicht schleunigst irgendetwas passiert bin ich im Herbst wieder solo. Bis dahin werde ich ihr, so gut es geht, heile Welt vorspielen. Wenn sie wüsste wie ich mich fühle würde sie mich unter Druck setzen "mich sofort zu entscheiden" was darauf herauslaufen würde Schluss zu machen. Aber wir wollen bald in den Urlaub fahren und das will ich nicht gefährden. Außerdem hoffe ich immer noch auf ein Wunder, ich liebe sie doch.

Beichthaus.com Beichte #00028028 vom 02.08.2010 um 12:59:36 Uhr in Karlsruhe (42 Kommentare).

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Vom Horrordate geflüchtet

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Falschheit Lügen Feigheit Dating Rheinstetten

Vom Horrordate geflüchtet
Ich war damals 19 Jahre alt, Single und auf der Suche nach der Richtigen. Da ich zu der Zeit viel in diversen Chaträumen unterwegs war, hatte ich auch immer ganz nette Internetbekanntschaften. Getroffen habe ich mich allerdings nur mit wenigen. Dieses eine Mal allerdings war es einfach bedeutend zu viel. Ich lernte die besagte Person also in einem Chat kennen. Wir unterhielten uns ein paar Mal nett und das, was ich auf dem Profilfoto sehen konnte, war auch echt hübsch. Etliche Chats später beschlossen wir, uns zu treffen und was trinken zu gehen, um uns auch mal real kennenzulernen. Gesagt, getan, fuhr ich also damals ein paar Ortschaften weiter, um die vermeintliche Topfrau zu treffen. Dass sie bei einer Hamburger Kette arbeitete, störte mich nicht weiter, denn sie sah ja gut aus, war nett und konnte sich sogar eine eigene Wohnung leisten. Doch wie Ihr euch denken könnt, kam alles anders. Nach Betätigen der Türklingel, meldete sich eine Kinderstimme über den Lautsprecher. "Komm rein, meine Schwester ist gleich fertig." Ihr kleiner Bruder ist wohl da, warum auch immer, dachte ich. Nachdem ich dann endlich im fünften Stock angekommen war, stand ein kleiner Junge in einer geöffneten Wohnungstüre und grinste mich breit an. Ich lächelte nett zurück und ging die letzten Stufen in Richtung des Eingangs. "Bin gleich fertig", hörte ich sie nur rufen und dann kam sie! Im Türrahmen erschien ein 1,60m mal gefühlt 1,60m großer Kasten mit langen schwarzen Haaren, geschminkt, jenseits von Gut und Böse und mit einer Stimme, an die ich mich heute noch erinnern kann. Kennt ihr diesen Wow-Effekt im negativen Sinne, der einen eigentlich mental gerade wieder fünf Stockwerke rückwärts die Treppe herunterfallen lässt? Ja, so fühlte ich mich.

Da ich aber eigentlich kein Arsch bin, der dann irgendwas Beleidigendes sagt, kam ich, mit eingezogenem Genick, in ihre Wohnung. Wohnung ist hierbei übertrieben. Bis zu dem Tag wusste ich nicht, wie klein eine Ein-Zimmer-Wohnung sein kann. Da ihre Mutter wohl unterwegs war, hatte sie die Aufsicht für ihren kleinen Bruder. Dieser wurde jedoch nach etwa zehn Minuten von der Mutter abgeholt. Dann kam sie wieder nach oben, lief an mir vorbei und setzte sich an den PC. Sie loggte sich in den Chat ein und hackte erst mal drauf los. Nach fünf Minuten Geduld fragte ich mich dann so langsam, was sie da eigentlich macht. Ich meine, es ist ja nicht gerade höflich, wenn man einen Gast hat und dann nur am PC sitzt. "Oh, ich rede gerade mit meinem Ex, der macht etwas Stress und will sich das Leben nehmen", sagte sie, als sie meinen langsam aber sicher genervten Blick sah. Warum der Typ sich das Leben nehmen wollte? Bei der Ex-Freundin - ich konnte ihn verstehen! Gut, dachte ich mir. Du gehst mit ihr eine Kleinigkeit trinken, unterhältst dich über irgendwas und dann zischt du wieder ab nach Hause. Nicht dass das Vorhaben schon schwer genug gewesen wäre, aber wie gesagt, ich lasse normalerweise nicht so den Arsch heraushängen. Als sie während des Chats jedoch noch ihre Schreibtischschublade öffnete, und sich eine Zigarette drehte, während der Tabak gerade so in die Tastatur rieselte, wurde es mir zu viel! Sie steckte sich die Kippe an und blies genüsslich den Rauch in die Luft in einer Minus-Ein-Zimmer-Wohnung mit geschlossenen Fenstern. Das alles zusammenbrachte in mir auf einmal einen ungeheuren Fluchtdrang hervor und es tat sich mir nur noch ein Gedanke auf: "Ich will hier raus!"

Mir kam eine Idee. Ich bemerkte in meiner Gesäßtasche meinen Feuerwehrmelder. Warum ich ihn an diesem Tag zu einer vermeintlichen Verabredung mitgenommen hatte, kann ich nicht mal genau sagen. Wahrscheinlich war es so eine böse Vorahnung. Jedenfalls hat das Gerät die Eigenschaft, wenn es aus und wieder eingeschaltet wird, einen Selbsttest durchzuführen. Dieser klingt dann so, als ob ein Alarm eingehen würde. Doch warum sollte ich jetzt auf einmal aufspringen, nur weil das Ding piept?! Und auch noch von einer Verabredung? In meiner grenzenlosen Not wurde ich auf einmal immer erfinderischer. Als sich die besagte "Traumfrau" wieder dem Chat mit ihrem Ex widmete, schrieb ich kurzerhand eine SMS an einen Feuerwehrkollegen mit dem Inhalt: "Ruf mich in fünf Minuten an, sag es ist was Schlimmes passiert, und alle werden gebraucht." Ich wusste nicht, ob mein Plan aufgehen würde, aber er musste es einfach. Irgendwie. Nach circa drei Minuten tat ich es einfach. Ich stellte den Melder aus und wieder an. Der Alarmton ertönte und ich schreckte, wie von einer Tarantel gestochen auf. "Oh Gott", schrie ich.

Als sie fragte, was los sei, sagte ich, dass das ein Alarm von der Feuerwehr wäre, ich aber nicht wisse, was los ist. Die Frage "musst du da jetzt weg" konnte ich nur mit einem "ich weiß es noch nicht" beantworten. Kurz darauf klingelte mein Handy. "Wo bist Du? Hier ist die Hölle los, die Firma XY brennt lichterloh, wir brauchen jeden Mann!" "Oh f*ck, ok, ich komme sofort". Aufgelegt, sie angeschaut: "Oh man, tut mir echt leid, aber du hast es ja mitbekommen, bei uns ist die Hölle los! Ich muss leider weg!" Sie schaute mich an und meinte dann nur "Das ist aber sehr schade, aber kann man nichts machen, wir reden dann wieder im Chat." Ich, die Treppe runter, zu meinem Auto gehechtet, Reifen durchdrehen lassen und ab um die nächste Ecke. Da stand ich nun, zwei Straßen weiter. Und erst im Nachhinein begriff ich, was ich da gerade für eine schauspielerische Leistung vollbracht hatte. Voller Erleichterung trat ich den Heimweg an. Ich finde es ist eine Schweinerei, wenn man falsche oder verfälschte Bilder von sich hergibt und damit prahlt! Gechattet haben wir danach übrigens noch einmal. Sie ist dann irgendwie wieder zu Ihrem Ex zurück. Es hat wohl nicht so geklappt, mit seinem Selbstmord. Armer Kerl!

Beichthaus.com Beichte #00027972 vom 09.07.2010 um 15:44:19 Uhr in Rheinstetten (52 Kommentare).

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“35.000

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Hypochonder

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Eitelkeit Feigheit Zwang Nürtingen

Ich möchte beichten, dass ich (w/22) ein totaler Hypochonder bin. Bei jedem kleinen Ziepen und Stechen, ungewöhnlichen Schmerzen, Übelkeit, eigentlich bei allem was man so haben kann vermute ich eine tödliche Krankheit. Ein Beispiel gefällig? Gerade eben habe ich Rindergulasch gegessen und mache mir jetzt tierische Sorgen, davon krank zu werden. Speziell meine ich die Creutzfeld-Jakob-Krankheit. Das ist doch total abgedreht. Ich mache mir das Leben damit schwer und gehe Leuten, vor allem meinen Freund, damit auf die Nerven. Der hat auch nur noch Kopfschütteln und Augenrollen für mich übrig. Verständlich. Ich sollte mich mal einem Therapeuten anvertrauen, denn es stresst mich ungemein mit meinen Sorgen und Ängsten nicht ernst genommen zu werden. Es ist wie eine Spirale. Ich fange auch immer an im Internet nach meinen Symptomen zu recherchieren und fühle mich natürlich bestätigt, wenn ich eine tödliche Krankheit gefunden habe. Was eigentlich ein schlimmes Gefühl ist. Irgendwann muss ich mich zwingen abzubrechen, da ich mich sonst in eine Panikattacke hinein steigere. So, das dürfte es gewesen sein. Ihr dürft mich jetzt für bekloppt abstempeln und mich einweisen lassen. Vielen Dank.

Beichthaus.com Beichte #00027939 vom 29.06.2010 um 20:42:11 Uhr in Nürtingen (28 Kommentare).

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Der Feuerteufel

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Dummheit Waghalsigkeit Vandalismus Hochmut Silvester

Der Feuerteufel
Ich (m/23) beichte, dass ich mit jeglicher Art von Feuer nicht umgehen kann und damit mich und andere regelmäßig in Gefahr bringe:

- Mit 11 habe ich einen Grillsonntag versaut. Ich hatte Spiritus in die Flamme gespritzt, mich vor der Stichflamme erschrocken, aber die Flasche trotzdem weitergedrückt und einen Weg aus Spiritus zu dem verpackten Fleisch gelegt, was direkt neben dem Grill aufgetürmt war. Das hat sich dann auch entzündet. Somit hatte das Fleisch nun eine Marinade aus geschmolzenem Plastik.
- Mit 13 habe ich in der Wohnung meines Vaters aus Versehen einen Feuerring von Silvester angezündet und seinen Chinateppich verbrannt. Ich war mit einem Feuerzeug immer näher an die Zündschnur rangegangen, nur aus Spaß. Ich wollte sie nicht mit der Flamme berühren, aber ich hatte nicht bedacht, dass Feuer auch Hitze ausstrahlt. Die Zündschnur entzündete sich schon 2-3mm, bevor ich sie direkt mit den Flammen berührte.

- Mit 16 hatte ich Schwarzpulver aus Silvesterkrachern extrahiert und in einem Gefäß gesammelt. Als ich ein kleines Türmchen Schwarzpulver einfach so entzünden wollte, sprang ein Funke in das etwa 20 cm entfernt stehende Plastikgefäß mit einer Menge Schwarzpulver (in etwa eine 3/4 Tasse) drin. Die Stichflamme war etwa 1 Meter hoch und dauerte bestimmt an die 3 Sekunden. Das Plastikgefäß war danach nicht mehr ausfindig zu machen. Die Wohnung war natürlich voll mit giftigem Qualm, als ich alle Fenster geöffnet hatte, hat ein Nachbar wohl die Feuerwehr gerufen, weil es minutenlang wie aus einem brennenden Haus aus den Fenstern gequalmt hat.
- Mit 19 hatte ich mir eines Abends Brötchen in den Ofen geschoben. Dann bin ich eingeschlafen. Am Morgen wachte ich auf und die Wohnung roch ein wenig streng nach Verbranntem. Die Brötchen hatten ihre ursprüngliche Form noch, allerdings bestanden sie nun aus 100% Kohle und wurden bei eB*y verkauft.

- Mit 22 habe ich aus Spaß Magnesium, das ich noch aus früheren Chemieexperimenten übrig hatte und im Keller entdeckt habe, auf einem Teller verbrannt. Magnesium wird beim Verbrennen weit heißer als Benzin, Alkohol oder dergleichen. Der Teller ist geschmolzen, was ich recht lustig fand, die darauf folgende Explosion des Tellers allerdings nicht. Das über 1.000 Grad heiße Magnesium flog meterweit durch die Luft und nur mit sehr viel Glück traf es keine leicht brennenden Gegenstände (die Couch stand direkt nebenan). Jetzt lag noch ein Haufen brennendes Magnesium auf dem Tisch, was ich mit Wasser löschen wollte. Man bedenke Magnesiumfackeln, die selbst unter Wasser weiterbrennen. Wieder einmal explodierte der Magnesiumhaufen und entzündete Tischdecke und Couch. Beides konnte ich durch Ersticken in den Griff bekommen, allerdings war im Tisch ein großer Brandfleck, die Tischdecke hinüber und die Couch hat mehrere große Brandflecken. Der Boden ebenfalls.

- Gestern habe ich mir ein sehr fettiges Hacksteak im Ofen zubereiten wollen. Etwa 30 Minuten auf höchster Stufe meines Gasofens. Als ich den Ofen öffnete, floss eine Menge Fett vom Backpapier auf das Backblech, entzündete sich nach kurzem Qualmen und hüllte den gesamten Ofen in ein flammendes Inferno. Geistesgegenwärtig (ich bin in solchen Situationen inzwischen aus Gewohnheit relaxt) schloss ich die Ofentür mit einem Fußtritt und sprang um die Ecke in Deckung, von der aus ich den Ofen beobachtete. Das Feuer war zum Glück erstickt. Die Hacksteaks haben nicht geschmeckt.
- Das ist natürlich nicht alles, aber alle meine Missgeschicke im Umgang mit Feuer zu schildern wäre zu viel.

Eindeutig mag ich Feuer, aber Feuer mag mich nicht. Mittlerweile habe ich einen Spürsinn für Situationen entwickelt, die brenzlig sein könnten. Zum Beispiel kriegt mich niemand vor einen Grill, den würde ich eh nur anzünden. Lagerfeuer machen sind so oder so tabu (bei der Bundeswehr hatten sich meine Stiefel entzündet), mindestens 2 Meter Abstand. Feuerlöscher und mehrere Rauchmelder sind installiert, ein Rauchmelder ist verbrannt, was ich hier nicht näher erläutern möchte. Zippo-Feuerzeuge sowie modifizierte Feuerzeuge, die eine Riesenflamme haben (und manchmal geht die Flamme, wenn man loslässt, gar nicht aus, man erschreckt sich und lässt das Feuerzeug fallen, was dann andere Gegenstände entzündet) sind tabu. Lupen bei Sonnenschein - NEIN. Und Silvester dürfte ich eigentlich nicht aus dem Haus gehen, aber das will ich mir dann doch nicht entgehen lassen. Mit viel Selbstdisziplin ist an Silvester bisher noch nicht allzu viel passiert, bis darauf, dass ich mal eine Tüte mit etwa 50 Böllern aus Versehen entzündet habe und ein paar umgekippte Raketen, die Hauswände trafen.

Ich möchte betonen, dass das Ganze nicht mutwillig geschieht. Es geschieht alles aus Versehen. Und das tut mir leid und ich weiß, wie fahrlässig ich manchmal handle, aber ich merke es nicht einmal. Wie gesagt, Feuer mag mich nicht. Jeder Statistiker wird sich an den Kopf fassen, warum bisher noch nichts Schlimmeres passiert ist. Ich muss wohl eine Menge Glück haben. Mal sehen, was die Zukunft noch so für mich bereithält. Jedenfalls dokumentiere ich alles akribisch mit Datum, Foto und Beschreibung.

Beichthaus.com Beichte #00027932 vom 26.06.2010 um 14:07:11 Uhr (60 Kommentare).

Gebeichtet von Tacitus
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Behinderten-WG beklaut

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Diebstahl Geiz Zivi & Bund Wien

Behinderten-WG beklaut
Ich bin einer der wenigen Zivildienstleistenden, die ihren Job ernst nehmen. Ich arbeite in einer WG mit sechs schwerbehinderten Menschen. Im Schnitt arbeite ich 60 Stunden die Woche (an fast jedem Wochenende und Feiertag 12 Stunden, unter der Woche 10 Stundendienste), und bemühe mich wahnsinnig. Ich beschwere mich auch bei den ekligen Aufgaben nicht (Badezimmer putzen, nachdem ein Klient mit Kacke geworfen hat, Kotze aufwischen, Leibstuhl putzen) und werde vielfach für meine gute Arbeit gelobt.
Nachdem ich alle meine Rechnungen bezahlt habe, habe ich für den ganzen Monat noch genau 209,60 Euro übrig. Damit komme ich lebensmitteltechnisch über die Runden (es gibt halt sehr oft Reis mit Gewürzen), kann mir aber keine Alltagsgegenstände leisten. Damit ich mich nicht zwischen Nahrung, Duschgel und Klopapier entscheiden muss, stehle ich seit sechs Monaten alle Gebrauchsgegenstände, die ich benötige. Klopapier, teilweise auch Bettwäsche, Duschgel, Shampoo, Zahnpasta und Putzmittel. Einmal fiel in meiner Wohnung die Therme aus, und die Reparatur hat 200 Euro gekostet. Damals habe ich auch Essen mitgehen lassen (nur Brot, Butter, Reis und Nudeln - aber immerhin). Ich bereue es, aber ich habe keine andere Wahl. Ich bin Vollwaise, kann also nicht meine Eltern um Geld anhauen, und ich bin schlicht nicht Willens, einen Kredit aufzunehmen - mal davon abgesehen, dass ich ihn vermutlich eh nicht bekommen würde. Ich bitte um Vergebung für die sechs vergangenen Monate und die drei folgenden Monate, in denen ich auch stehlen werde.

Beichthaus.com Beichte #00027897 vom 09.06.2010 um 21:55:33 Uhr in Wien (88 Kommentare).

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