Jeden Tag eine Dosis Gift

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Eifersucht Neid Maßlosigkeit Ex Internet

Ich (w/22) wollte gerade schlafen gehen, aber im letzten Moment hielt mich ein starker Drang davon ab. Wie sooft in letzter Zeit brachte er mich dazu, mich nochmal in einem bekannten sozialen Netzwerk einzuloggen und auf das Profil der Ex meines Freundes zu klicken. Begegnet bin ich ihr bis jetzt erst zweimal und wir hatten keinen Kontakt. Mein Freund hat immer nur in Nebensätzen Fakten über sie erzählt, die ich alle begierig aufsauge, denn wenn ich ihn etwas über sie frage, will er nie antworten. Das Internet verrät mir da schon mehr. Leider hat sie ihr Profil sehr eingeschränkt, aber immerhin kann ich, neben den wenigen Fotos, die sie freigibt, die Kommentare lesen. So weiß ich, welche Tiere sie mag, wohin sie reist, wer ihre besten Freundinnen sind, welche Insidersprüche sie so untereinander austauschen und wie ihr neuer Freund heißt. Bei ihm gibt es wesentlich mehr zu holen, denn er hält wohl nichts von Privatsphäre und postet fröhlich Bilder von sich und ihr. Zusammen mit den spärlichen Infos, die mir mein Freund ab und an liefert, kann ich mir so einiges zusammenreimen. Somit weiß ich inzwischen sehr viel mehr über die Ex meines Freundes und ihre neue Beziehung, als sich diese drei Leute jemals träumen lassen würden.


Mittlerweile ist es wie meine tägliche Serie, die ich schauen muss: Ich klicke mich abends durch die Profile der Ex und ihres Neuen. Aber was bringt mir das eigentlich? Eigentlich ist es nicht einmal besonders spannend, denn es gibt nur alle paar Wochen mal etwas Neues. Wenn ich ehrlich bin, ist es vermutlich so ein Drang, mich selbst zu verletzen. Mein Freund hatte vor mir schon so einige Beziehungen, aber ich bin nur auf diese eine Ex so eifersüchtig. Der Grund ist, dass er sie, wenn er von ihr spricht, als sehr hübsch bezeichnet. Sie ist zwar ziemlich schlank, aber ihr Gesicht ist, meiner Meinung nach, durchschnittlich, ja schon fast unscheinbar - um nicht zu sagen unschön. Natürlich verwirrt es mich, dass er ausgerechnet diese Frau so schön fand - es ging bei seiner Aussage rein ums Äußerliche und nicht um innere Werte. Dazu kommt, dass ich sie teilweise sogar recht sympathisch finde. Das alles macht mich umso eifersüchtiger. Und so verabreiche ich mir Tag für Tag eine kleine Dosis von diesem Gift, ohne zu wissen, warum ich den Schmerz überhaupt brauche.

Beichthaus.com Beichte #00031985 vom 03.10.2013 um 00:04:55 Uhr (9 Kommentare).

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Der falsche Polizist

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Schamlosigkeit Maßlosigkeit Betrug Auto & Co.

Ich habe mir ein Blaulicht gekauft. Eines Nachts, es ist schon länger her, kam ich auf die Idee, einen Zivilpolizisten zu spielen und habe mir einen Autofahrer ausgesucht. Diesen habe ich für einige Minuten verfolgt und ihn dann angehalten. Er hielt auch direkt an und ich verlangte den Führerschein und die Fahrzeugpapiere von ihm. Er zitterte ziemlich, als er mir seine Papiere gab, vielleicht weil er noch sehr jung war. Weil ich ihn nicht sofort weiterfahren lassen wollte, habe ich mir noch den Verbandskasten und das Warndreieck zeigen lassen. Es war bei ihm jedoch alles in Ordnung. Es tut mir sehr leid, dass ich ihn angehalten und von seinem Feierabend abgehalten habe.

Beichthaus.com Beichte #00031959 vom 27.09.2013 um 13:16:39 Uhr (11 Kommentare).

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“Beichte

Die Kunst als Lebensretter

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Dummheit Selbstverletzung Maßlosigkeit Arbeit Hollfeld

Also ich bin jetzt Mitte vierzig und versuche es mal mit einer Beichte. Seit meinem Einstieg ins Berufsleben, so mit achtzehn, bin ich immer mehr zum Workaholic geworden. Mein Ziel bestand zunächst darin, mit dreißig in Rente zu gehen, was natürlich nicht geklappt hat, es wurde irgendwie immer Schlimmer, bis ich mit Ende dreißig einen Schlaganfall erlitten habe. Danach musste ich viele Dinge im Leben überdenken, unter anderem, warum keiner meiner Kollegen mich eigentlich im Krankenhaus besucht hat. Lange Rede, kurzer Sinn - ich bin irgendwie nicht wieder in die Gänge gekommen, wurde dann arbeitslos und schließlich auch manisch depressiv. Ich habe mich immer öfter alleine in meiner Wohnung betrunken und bin oft mit Kopfschmerzen auf dem Fußboden aufgewacht. Es endete mit einem Selbstmordversuch und einem kurzen Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt. Mein Arzt hat mir dann dazu geraten, damit anzufangen Bilder zu malen oder ein Instrument zu spielen, also etwas Künstlerisches zu tun. Vielleicht, weil mein ursprünglicher Beruf nicht sehr viel Kreativität zugelassen hat. Ich habe das tatsächlich sehr widerwillig gemacht, auch um von meinen Medikamenten wegzukommen.


Wie sich gezeigt hat, steckt in mir wohl ein sehr begabter Maler. Ich male heute Landschaftsgemälde und konnte auch schon einige davon verkaufen. Richtig viel Geld verdiene ich damit nicht, kann aber davon leben und bin das erste Mal in meinem Leben richtig glücklich. Diesen Sommer habe ich viel Zeit draußen verbracht, und wenn es der Geldbeutel zulässt, werde ich im Winter vielleicht eine kleine Reise nach Rom machen, um dort einige historische Bauwerke zu malen. Seit Langem habe ich auch wieder eine Freundin, die sich sehr für meine Kunst interessiert und mich so akzeptiert, wie ich bin. Was ich sehr bereue, ist, dass ich jahrelang so ein schreckliches Leben geführt habe. Ich bildete mir ein, dass ich früher in Rente gehen könnte, und dass die Größe meines Autos etwas bedeutet. Was mich dann beinahe mein Leben kostete. Aber das hätte vermutlich auch niemanden interessiert - den Job hätte einfach ein anderer weitergemacht. Es tut mir leid, dass mir das nicht schon früher klar wurde, ich habe mich einfach vom Strom des beruflichen Erfolges leiten lassen.

Beichthaus.com Beichte #00031947 vom 24.09.2013 um 22:54:16 Uhr in Hollfeld (12 Kommentare).

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Beim Schwimmen bloßgestellt

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Peinlichkeit Rache Maßlosigkeit Schule

Seit ich (w) denken kann, bin ich in einem Schwimmverein. Alles fing mit dem Babyschwimmen an und endete, nach einigen Wettbewerben in früher Jugend, mit einem Synchronschwimm-Training. Kurz gesagt habe ich so ziemlich alles ausprobiert, was das örtliche Schwimmbad zu bieten hatte, und entsprechend ausdauernd und schnell kann ich heute schwimmen. Vor zwei Jahren waren wir dann mit der Schule im Schwimmbad, und am Anfang jeder Doppelstunde sollten wir einige Bahnen schwimmen, um uns aufzuwärmen. Manchmal ging es direkt im Wasser weiter, manchmal sollten wir aber auch wegen einer Besprechung aus dem Wasser raus. Aus unerklärlichen Gründen habe ich, trotz meiner Schwimmerfahrung, Probleme damit, am Beckenrand aus dem Wasser zu klettern. Als meine Mitschüler dann endlich alle eingetrudelt waren, rief unser Lehrer uns für eine Besprechung aus dem Wasser - ich wollte deshalb die Ecke des Beckens nutzen, um herauszuklettern, aber einer meiner Mitschüler stieß mich unsanft zur Seite, um die einfachere Klettermöglichkeit selbst zu nutzen. Das wollte ich mir aber nicht gefallen lassen, und mit einem "Ich war zuerst hier!" wollte ich ihn wieder in das Wasser ziehen - dummerweise allerdings an seiner Badehose. Durch meine dumme und kindische Aktion habe ich ihn vor der ganzen Klasse bloßgestellt. Lieber M., falls du das hier irgendwann lesen solltest, bitte verzeih mir. Es tut mir leid!

Beichthaus.com Beichte #00031916 vom 18.09.2013 um 15:18:28 Uhr (11 Kommentare).

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Es muss nur billig sein

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Zorn Maßlosigkeit Ungerechtigkeit Waghalsigkeit Lautzenhausen

Ich (m/32) bin erster Offizier, umgangssprachlich auch Co-Pilot, einer europäischen Billigfluggesellschaft. Hiermit möchte ich beichten, dass ich fast täglich im Cockpit einpenne, weil mein Arbeitgeber mich knapp vierzehn Stunden am Tag schuften lässt. Auf die Qualität, wenn es um die Benotung der Bewerber von Flugschulen, oder deren geistiges Vermögen geht, wird eigentlich kein Auge mehr geworfen. Alles dreht sich nur darum, wer für die Airline am billigsten ist.

Beichthaus.com Beichte #00031821 vom 30.08.2013 um 21:45:18 Uhr in Lautzenhausen (10 Kommentare).

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