Die Kunst als Lebensretter

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Dummheit Selbstverletzung Maßlosigkeit Arbeit Hollfeld

Also ich bin jetzt Mitte vierzig und versuche es mal mit einer Beichte. Seit meinem Einstieg ins Berufsleben, so mit achtzehn, bin ich immer mehr zum Workaholic geworden. Mein Ziel bestand zunächst darin, mit dreißig in Rente zu gehen, was natürlich nicht geklappt hat, es wurde irgendwie immer Schlimmer, bis ich mit Ende dreißig einen Schlaganfall erlitten habe. Danach musste ich viele Dinge im Leben überdenken, unter anderem, warum keiner meiner Kollegen mich eigentlich im Krankenhaus besucht hat. Lange Rede, kurzer Sinn - ich bin irgendwie nicht wieder in die Gänge gekommen, wurde dann arbeitslos und schließlich auch manisch depressiv. Ich habe mich immer öfter alleine in meiner Wohnung betrunken und bin oft mit Kopfschmerzen auf dem Fußboden aufgewacht. Es endete mit einem Selbstmordversuch und einem kurzen Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt. Mein Arzt hat mir dann dazu geraten, damit anzufangen Bilder zu malen oder ein Instrument zu spielen, also etwas Künstlerisches zu tun. Vielleicht, weil mein ursprünglicher Beruf nicht sehr viel Kreativität zugelassen hat. Ich habe das tatsächlich sehr widerwillig gemacht, auch um von meinen Medikamenten wegzukommen.


Wie sich gezeigt hat, steckt in mir wohl ein sehr begabter Maler. Ich male heute Landschaftsgemälde und konnte auch schon einige davon verkaufen. Richtig viel Geld verdiene ich damit nicht, kann aber davon leben und bin das erste Mal in meinem Leben richtig glücklich. Diesen Sommer habe ich viel Zeit draußen verbracht, und wenn es der Geldbeutel zulässt, werde ich im Winter vielleicht eine kleine Reise nach Rom machen, um dort einige historische Bauwerke zu malen. Seit Langem habe ich auch wieder eine Freundin, die sich sehr für meine Kunst interessiert und mich so akzeptiert, wie ich bin. Was ich sehr bereue, ist, dass ich jahrelang so ein schreckliches Leben geführt habe. Ich bildete mir ein, dass ich früher in Rente gehen könnte, und dass die Größe meines Autos etwas bedeutet. Was mich dann beinahe mein Leben kostete. Aber das hätte vermutlich auch niemanden interessiert - den Job hätte einfach ein anderer weitergemacht. Es tut mir leid, dass mir das nicht schon früher klar wurde, ich habe mich einfach vom Strom des beruflichen Erfolges leiten lassen.

Beichthaus.com Beichte #00031947 vom 24.09.2013 um 22:54:16 Uhr in Hollfeld (12 Kommentare).

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Beim Schwimmen bloßgestellt

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Peinlichkeit Rache Maßlosigkeit Schule

Seit ich (w) denken kann, bin ich in einem Schwimmverein. Alles fing mit dem Babyschwimmen an und endete, nach einigen Wettbewerben in früher Jugend, mit einem Synchronschwimm-Training. Kurz gesagt habe ich so ziemlich alles ausprobiert, was das örtliche Schwimmbad zu bieten hatte, und entsprechend ausdauernd und schnell kann ich heute schwimmen. Vor zwei Jahren waren wir dann mit der Schule im Schwimmbad, und am Anfang jeder Doppelstunde sollten wir einige Bahnen schwimmen, um uns aufzuwärmen. Manchmal ging es direkt im Wasser weiter, manchmal sollten wir aber auch wegen einer Besprechung aus dem Wasser raus. Aus unerklärlichen Gründen habe ich, trotz meiner Schwimmerfahrung, Probleme damit, am Beckenrand aus dem Wasser zu klettern. Als meine Mitschüler dann endlich alle eingetrudelt waren, rief unser Lehrer uns für eine Besprechung aus dem Wasser - ich wollte deshalb die Ecke des Beckens nutzen, um herauszuklettern, aber einer meiner Mitschüler stieß mich unsanft zur Seite, um die einfachere Klettermöglichkeit selbst zu nutzen. Das wollte ich mir aber nicht gefallen lassen, und mit einem "Ich war zuerst hier!" wollte ich ihn wieder in das Wasser ziehen - dummerweise allerdings an seiner Badehose. Durch meine dumme und kindische Aktion habe ich ihn vor der ganzen Klasse bloßgestellt. Lieber M., falls du das hier irgendwann lesen solltest, bitte verzeih mir. Es tut mir leid!

Beichthaus.com Beichte #00031916 vom 18.09.2013 um 15:18:28 Uhr (11 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Es muss nur billig sein

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Zorn Maßlosigkeit Ungerechtigkeit Waghalsigkeit Lautzenhausen

Ich (m/32) bin erster Offizier, umgangssprachlich auch Co-Pilot, einer europäischen Billigfluggesellschaft. Hiermit möchte ich beichten, dass ich fast täglich im Cockpit einpenne, weil mein Arbeitgeber mich knapp vierzehn Stunden am Tag schuften lässt. Auf die Qualität, wenn es um die Benotung der Bewerber von Flugschulen, oder deren geistiges Vermögen geht, wird eigentlich kein Auge mehr geworfen. Alles dreht sich nur darum, wer für die Airline am billigsten ist.

Beichthaus.com Beichte #00031821 vom 30.08.2013 um 21:45:18 Uhr in Lautzenhausen (10 Kommentare).

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Mehr von Harry Potter

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Falschheit Feigheit Peinlichkeit Maßlosigkeit

Ich (w/20) bin ein totaler Harry-Potter-Fan. Ich habe sämtliche Bücher tausend Mal gelesen und auch die Filme mehrmals gesehen. Mein Freund (23) weiß das. Was er aber nicht weiß, ist, dass es auch eine Internetseite für Fanatiker wie mich gibt. Man kann dort die Bücher noch einmal in einzelnen Kapiteln und Bildern durchspielen, wird einem Haus zugeordnet und bekommt sogar seinen eigenen Zauberstab. Die meisten auf dieser Seite sind zwischen 12 und 15 Jahre alt. Ich schäme mich dafür, dass ich so kindisch bin und so etwas vor meinem Freund geheim halte.

Beichthaus.com Beichte #00031801 vom 26.08.2013 um 13:24:53 Uhr (21 Kommentare).

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Mein diebisches Glück

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Diebstahl Falschheit Engherzigkeit Maßlosigkeit Morallosigkeit Emtmannsberg

Ich habe jahrelang Dinge aus kleineren Läden gestohlen. Ich betrachte mich als einen recht passablen Dieb, auch wenn ich durchaus die Mittel hätte, um mir die gestohlenen Sachen zu kaufen. Eines Tages wurde ich dann doch vom Personal der Kette Schl*cker dabei erwischt und kurz, bevor ich gehen wollte, ins "Separee" abgeführt. Vor lauter Schreck habe ich allerdings vergessen, alles aus meiner Tasche auszuräumen, weshalb heute noch eine DVD mein Regal ziert, die da eigentlich nicht hingehört. Das Ende vom Lied war übrigens, dass die Anzeige fallen gelassen wurde, und ich auch keine "Bearbeitungsgebühr" mehr zu zahlen hatte, da die Ladenkette Schl*cker im darauf folgenden Monat Insolvenz anmeldete. Ich musste noch nie zuvor so laut vor und über Glück lachen. Meine Beichte bezieht sich aber auf die Frauen an der Kasse, welche mich ja nun seit mehreren Monaten kannten und mit denen ich immer kleine Gespräche führte, wenn ich sie sah. Es tut mir leid, dass ich ihre Gutmütigkeit ausgenutzt habe und sie kurz darauf arbeitslos waren. Ich hoffe, dass es ihnen gut geht.

Beichthaus.com Beichte #00031775 vom 21.08.2013 um 02:04:46 Uhr in Emtmannsberg (11 Kommentare).

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