Ich hasse Berlin!

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Hass Vorurteile Engherzigkeit Gesellschaft Berlin

Ich hasse Berlin!
Seit Februar 2011 wohne ich aus beruflichen Gründen in Berlin. Der Job ist eigentlich ganz gut. Aber ich verachte inzwischen die arroganten Berliner, egal ob zugezogen oder gebürtig. Jeder Berliner hat grundsätzlich Recht und alle Wessis erstmal nicht. Fehler machen ausschließlich die anderen, daran gibt es in deren Augen keinen Zweifel. Ich habe viel mit Menschen zu tun, aber ich habe noch keine Ausnahme getroffen. Erschreckend! Auch haben die Berliner immer noch die Mauer in den Köpfen. Es gibt Kunden, die nicht bei mir kaufen würden, wenn ich Ossi wäre – und umgekehrt. Auch gibt es Exemplare, die gar nicht in den Ost- oder Westteil Berlins fahren oder gehen und sich einfach weigern. Da sind Leute dabei, die nicht verstehen, wieso man nach Pankow oder Charlottenburg zieht. Tja, aber die Berliner sind ja so multikulti, so weltoffen, so vorurteilsfrei. Hallo? Die Mauer ist seit 23 Jahren verschwunden!

Ich habe sogar Personen getroffen, die stolz darauf sind, damals für die Stasi gearbeitet zu haben. Oder zumindest deren Ehepartner. Unfassbar. Jedenfalls erklärt sich damit, warum so viele Berliner so gerne bei Ämtern, Obrigkeiten und Chefs petzen gehen. Wie oft ich schon den Kopf deswegen schütteln musste. Ich kann es nicht beziffern. Mein Hausmeister sagte mir als erstes nach meinem Einzug: Erwarte von den Berlinern nicht zu viel. Damals habe ich gedacht, was er wohl für ein frustrierter Mensch sein mag. Tja, er hat absolut Recht. Die Berliner sind meist nur Blender und Schaumschläger. Es wird viel geredet und versprochen, was man könne und machen werde. Ist es dann soweit und fordert die Taten der voluminösen Worte ein, platzen die Luftblasen schneller als man blinzeln kann. Erbärmlich. In meiner Heimat sagt man: In Westfalen gilt sein Wort. Dort habe ich schon teure Premiumprodukte per Handschlag verkauft und jedes einzelne wurde pünktlich bezahlt. In Berlin werden 10 bis 15 Prozent der Aufträge storniert. Soviel dazu.

Sie bilden sich tatsächlich ein, in der tollsten Stadt der Welt zu leben und blenden die offensichtlichen Probleme und Missstände, die in Berlin existieren, vollkommen aus. Die extrem hohe Arbeitslosenquote und die mit sich bringenden Probleme an Gewalt- und Aggressionspotential. Man kann ja nicht mal mehr tagsüber in Sicherheit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, ohne von Betrunkenen, Asozialen, Obdachlosen, Bettlern und Jugendlichen angebettelt oder angepöbelt zu werden. Auch die Fußgängerbereiche rund um die Stationen und Bahnhöfe sind einfach nur furchtbar. Allein auf dem Weg vom S- und U-Bahnhof Friedrichstraße bis zur Nobel-Meile Unter den Linden wird man an guten Tagen von mindestens fünf Bettlern der Osteuropa-Mafia, von obdachlosen Verkäufern von Straßenmagazinen oder aufdringlichen Promotion-Teams, die sich einem frech in den Weg stellen, aufgehalten und belästigt. Durch diesen notwendigen Slalom-Lauf verlängert sich der Weg von 200 Metern ganz erheblich.

Von vielen Berlinern habe ich den Eindruck, dass sie entweder nur faul oder blöd sind. In vielen Fällen sind sie beides. Der Staat zahlt ja schön Hartz IV und man kann ja ganz gut leben. Deswegen ist in Berlin die Hartz IV-Quote auch doppelt so hoch, wie im Bundesdurchschnitt. Was man hier für asoziale Figuren trifft. In Hamburg ist das im Vergleich definitiv nicht so. Hinzu kommt, dass der Berliner Dialekt oder Slang auch noch unglaublich doof klingt und die Berliner eben dumm wirken lässt. Einigen von denen scheint es selbst auch schon aufgefallen zu sein, dass sie bemüht versuchen Hochdeutsch zu sprechen. Das ist traurig, aber wahr. Nur wenige schaffen es erfolgreich diesen Slang abzulegen.

Widerlich ist auch die extreme Verbreitung von Tattoos und Piercings bei jungen Leuten. Kaum einer, egal ob Männlein oder Weiblein, ist nicht zugehackt und gelöchtert. Weil es ja so cool und so schön ist. Habt ihr mal daran gedacht, dass der Mist im Alter einfach nur noch peinlich, billig und schäbig aussehen wird? Im Fitnessstudio bin ich als jemand, der keine Tätowierungen oder Piercings hat, ein absoluter Exot. Ach ja, ins Solarium gehe ich auch nicht. Hier scheint auch so selten die Sonne in Berlin. Trotzdem sieht man so viele Brathähnchen auf den Straßen.

Warum haben eigentlich alle jungen Männer bis 30 Jahre fast kahlrasierte Schädel. Soll das besonders männlich wirken? Blöd, dass viele einfach dumm aussehen mit Ihren noch sichtbareren Segelohren und Eierköpfen. Und warum müssen fast alle jungen Frauen bis 30 Jahre gefärbte Haare haben? Entweder ganz blond oder pechschwarz. Diese Färbungen sind übrigens die, bei denen man die Unnatürlichkeit sofort und schon aus der Ferne erkennen kann. Langweilig und billig. Auch der extrem verbreitete Tussi-Style mit langen, bunten und gemusterten Fingernägeln, hautengen Klamotten (auch bei Übergewicht!! Bäh!) und Schminke wie Kriegsbemalung ist doch einfach nur abstoßend und nicht sexy. Wie heißt es von offizieller Seite? Berlin arm, aber sexy! Wenigstens mit dem ersten Teil der Aussage hat der regierende (homosexuelle und Party-)Oberbürgermeister recht. Die Berliner lieben ihn. Obwohl er seit Beginn seiner Amtszeit 6.000 Polizisten eingespart hat und somit für die gefährlichen und gesetzlosen Zustände auf den Straßen unserer Hauptstadt verantwortlich ist. Unverständlich. Das zeigt einfach nur wie engstirnig und oberflächlich das Volk hier ist. Ich kann es als weltoffener und selbständig denkender Mensch nicht nachvollziehen.

Auch halten die Berliner nix von Pünktlichkeit. Weder privat noch beruflich. Dann beschweren sie sich aber noch, dass man bei ihrer 1,5-stündigen Verspätung keine Zeit mehr für sie hat. Vielleicht sollte ich lernen, dass sich jeder Berliner für den wichtigsten Menschen der Welt hält! (Ironie!) Die Straßen hier in Berlin sind allesamt, auch in den besten Gegenden, so schlecht, löchrig, wellig und ruiniert, dass ich manchmal Angst um mein sportliches und kultiges Auto habe. Vermutlich würde es deswegen in ein paar Jahren auseinander fallen. Außerdem ist es hier eine extrem gefährliche Unsitte, überall in zweiter Reihe zu parken. Die Leute sind einfach zu faul, sich eine Parklücke zu suchen oder zu blöd darein zu kommen. Ich vermute letzteres. Nervig ist das ständige Ausweichen und man muss eigentlich immer auf der linken Spur fahren, was natürlich die Staugefahr extrem erhöht. Wieder so ein eigenverschuldetes Ego-Problem der Berliner.

Was nutzen denn einem die hippen Clubs und Restaurants? Die obercoolen Veranstaltungen für die Prominenz und die, die sich in dessen Schatten ergötzen und scheinen möchten. Solche scheinheiligen Blender eben. Die Szene hier (beispielsweise in Kreuzberg oder Friedrichshain) ist ja so stolz auf ihren alternativen Anstrich. In manchen Clubs oder Konzert-Räumlichkeiten lässt sich der Ekel kaum beschreiben! Alles dreckig, vollgeschmiert und vollgesprayt, mit dämlichen Aufklebern zugepflastert, dass man die ursprüngliche Wandfarbe nur noch raten kann. Die sanitären Einrichtungen sind dann logischerweise nur noch gesundheitsgefährdend. Abartig. Ich weiß absolut nicht, was daran cool sein soll. Wohnen die regelmäßigen Besucher dieser Szene-Lokale auch zu Hause unter diesen Umständen? Das würde mancherorts in der Tat den desolaten Zustand der Gebäude erklären. Traurig.

ABER: Ich bin trotzdem glücklich! Ab April wohne ich wieder in meiner alten, westfälischen Heimat (kein Dorf), wo die Straßen sauber, sicherer und überwiegend im guten Zustand sind. Wo man sich auf die meisten Aussagen seiner Mitmenschen verlassen kann, wo man nur wenige Minuten fahren muss, um ins Grüne zu kommen. Und damit meine ich nicht diese Pseudostadtparks wie hier in Berlin, wo man hinter jedem Busch einen verendeten Junkie vermuten muss. Zwar gibt es dort weniger Clubs und Restaurants, in die man jedoch bedenkenlos reingehen kann. Meine Freude konnte ich gar nicht in Worte fassen, als mir mein zukünftiger Chef Ende Januar die Jobzusage gab und damit der Startschuss für meinen Wegzug aus Berlin fiel.

BERLIN: Einmal und nie wieder! Ich wünsche Dir alles erdenklich Schlechte. Du hast es Dir verdient! Hoffentlich erstickst Du in Deinem Dreck und Deinem Smog! Die Umzüge haben mich leider viel Geld gekostet. Aber egal. Ob John F. Kennedy heute immer noch sagen würde: Ich bin ein Berliner? Wohl kaum!

BERLIN. Ich hasse Dich!

Beichthaus.com Beichte #00029780 vom 06.02.2012 um 14:29:53 Uhr in 10117 Berlin (Friedrichstraße) (97 Kommentare).

Gebeichtet von Trigger77 aus Neuenkirchen
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Die Wiedergutmachung

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Gewalt Schule Aggression

Ich (m/20) wurde früher seit der Grundschule aufgrund meiner Brille und meiner Pummeligkeit gehänselt. Das hat mich früher sehr belastet und ich habe mit der Zeit natürlich meine gewissen Hauptpeiniger ausgemacht, dessen Art von Mobbing so schlimm war, das ich mir Rachepläne für diese überlegt habe. Es gab allerdings einen Jungen, der selber ab und an zum Klassenopfer wurde, wenn es mal wieder langweilig war mich zu ärgern, der nie auf die Provokationen einging. Sobald es aber wieder Zeit war, mich zum Opfer zu machen, war er selber immer auch dabei und immer dann, wenn die anderen fertig waren. Er kam dann immer her und sagte Dinge, wie "Panzerglas-Brillen-Träger" (aufgrund meiner hohen Dioptrien) und andere Beleidigungen, aber immer im Schutze, wenn andere dabei waren. Alleine hatte er nie die Eier dazu, mir gegenüber etwas zu sagen.
Allerdings hat sich die Situation schlagartig geändert, als ich in der 7. Klasse anfing Kontaktlinsen zu tragen und mit Kickboxen anfing. Meine Brille verschwand als Angriffsfläche und körperliche Attacken wurden schnell einseitig zu meinen Gunsten gedreht, so dass bald gar niemand auf die Idee kam mich als Opfer zu sehen, nein, eher bekam ich nun sogar Kontakt zu vielen Schulkameraden und Mädchen, was bisher völlig unbekannt für mich war.


Im selben Zeitraum wurde mein Klassenkamerad zum offiziellen Klassenopfer. Er wurde selber mit der Zeit immer pummeliger und bekam selbst eine Brille mit nicht ganz dünnen Gläsern. Ich habe zwar niemals jemanden selber gemobbt, weil ich selbst jahrelang Opfer war, aber ich habe es als befriedigend empfunden, das diese Person Opfer ihrer eigenen Beleidigungen wurde.
Durch meine positive Entwicklung im physischen sowohl als auch im psychischen Sinne wurde ich so arg gepuscht, das ich auch etwas getan habe, das mich bis heute verfolgt hat. Als wir einmal nach Unterrichtsschluss zum Bahnhof gingen und nur das jetzige Klassenopfer Timo und ich auf dem Weg waren überkam es mich. Ich zerrte ihn an seinem Schulranzen und schubste ihn einen kleinen Hügel hinunter und meinte zu ihm "Na, Timo, wer ist jetzt das Panzerglas?" Er blieb nur liegen und schaute mich traurig an und in dem Moment realisierte ich das es ihm glaube ich Leid tat, was er zu mir gesagt hatte. Vielleicht hat er jetzt durch die Rolle als Klassenopfer etwas Empathie mir gegenüber empfunden.

Deswegen tut mir das unendlich Leid und wünschte ich hätte es nicht gemacht, genau weil ich weiß, wie man sich in so einer Opferrolle fühlt. Mittlerweile sind 5-6 Jahre vergangen und ich habe ihn nur noch ab und an gesehen. Ich weiß, das er eine Ausbildung gemacht hat, sich vom Aussehen und Verhalten (schüchtern, kein Selbstvertrauen etc.) auch nicht geändert hatte. Ich glaube er ist jetzt mit 20 immer noch Jungfrau und hat kaum Freunde und geht auch nur selten weg.
Bis vor kurzem als ich ihm auf der Party eines sehr beliebten Ex-Klassenkameraden gesehen habe, der alle die er kannte zu sich nach Hause eingeladen hat. So habe ich auch den lieben Timo wieder gesehen und sah ihn ganz alleine in der Ecke sitzen ohne Gesprächspartner. Als er mal auf der Toilette verschwunden ist, hatte ich einen Geistesblitz. Ein Mädchen (18), dass schon bekannt dafür ist, das sie leicht zu haben sei, setzte sich neben mich und meinte ihr wäre langweilig. Daraufhin meinte ich, das ein ganz süßer Typ gerade im Männerklo verschwunden ist und sich bestimmt über einen kurzen Besuch ihrerseits freuen würde. Dicht wie sie war und voller Vorfreude auf den süßen Kerl ist sie natürlich hingegangen und blieb auch auf der Toilette. Nach ein paar Minuten kam der liebe Timo auch breit grinsend aus der Toilette. Als er an mir vorbei lief prostete ich ihm augenzwinkernd zu. Er lief rot an und ich habe ihn dann für den Rest der Party nicht mehr gesehen. Das Mädchen blieb auf der Toilette und kotzte sich den Alkohol aus dem Leib, Erinnerungen an den Abend hat sie also keine. Es ist auch niemandem aufgefallen, das sie so lange auf dem Männerklo war, man nimmt wohl an sie war so dicht, dass sie ins falsche Klo ging und dort eine Weile am entleeren war.
Ich beichte hiermit, dass ich ein betrunkenes, leichtes Mädchen benutzt habe, welches von der Aktion keinen schlechteren Ruf als vorher bekommen hatte, um mein Gewissen gegenüber meinen Ex-Klassenkameraden Timo zu bereinigen. Ich hoffe das gleicht sich jetzt aus und ich kann wieder ruhigen Gewissens schlafen. Danke fürs Lesen.

Beichthaus.com Beichte #00029779 vom 06.02.2012 um 12:43:16 Uhr (15 Kommentare).

Gebeichtet von TwinkleTwinkle
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Zufallsbeichte
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Ab in den Trockner!

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Rache Boshaftigkeit Vandalismus Partnerschaft

Mein Mann hat das Talent immer Kleidung zu kaufen, die man per Hand waschen muss, nicht im Wäschetrockner trocknen darf, nach dem Waschen an der Leine zurechtziehen muss oder nur auf trockenen Handtüchern liegend trocknen darf. Jedenfalls immer etwas, was man nicht einfach in die Waschmaschine und danach in den Trockner schmeißen kann, sondern irgendeiner Extrabehandlung bedarf. Wenn ich mich mal wieder über ihn geärgert habe und er mich wie seine Dienstmagd behandelt, dann lege ich genau diese Klamotten mit Absicht in den Trockner. Ich weiß es ist kindisch und kleinlich, aber ich tue es mit großem Vergnügen. Ich wundere mich, dass er noch nicht gemerkt hat, dass es Methode hat. Oder er hat es doch gemerkt und schweigt, weil er weiß, dass er sich daneben benommen hat.

Beichthaus.com Beichte #00029777 vom 05.02.2012 um 17:38:49 Uhr (30 Kommentare).

Gebeichtet von böseböse
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Rache an ehemaligem Klassentyrann

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Rache Boshaftigkeit Schule Gesundheit

Als ich noch zur Schule ging, gab es bei uns einen Typen in der Klasse, dem jegliche soziale Kompetenz fehlte. Er hänselte oft und viele unserer Klassenkameraden, und bestimmte, wer das allgemeine Mobbingopfer der Klasse war. In der Neunten und Zehnten war ich dran, weil ich immer ziemlich gute Noten hatte, und bei irgendwelchen seiner Hetzaktionen gegen andere Schüler und auch Lehrer nicht mitmachen wollte. Ich kassierte öfter Prügel von ihm und seinen Mitläufer-Kumpels, mein Schulrucksack verschwand auf wundersame Weise und bei minus fünfzehn Grad klaute er mir die Jacke. Er spielte Fußball mit meinen Schulsachen, Stiften und einmal mit meinem teurem grafikfähigem Taschenrechner, was unser Mathelehrer allerdings mitbekam und die Eltern des dumpfbäckigen Störenfrieds mir ersetzen mussten. Natürlich kassierte ich hinterher ordentlich Schläge. Hinzu kamen unzählige Hänseleien, Sprüche und Schikanen, die mir jeden neuen Tag versauten. Langsam, aber sicher begann ich ihn zu hassen und schmiedete finstere Rachepläne, die ich allerdings nie umsetzen konnte, da er nach einer Aktion, bei der er einen jüngeren Schüler mit einem Bowie-Messer verletzte, in der elften Klasse von der Schule flog. Wir waren alle recht froh ihn los zu sein, außer die natürlich, die zu seinen Mitläufern zählten.


Nach der Schule studierte ich Medizin und arbeitete zunächst im Ausland, kehrte dann aber gezwungen durch familiäre Probleme in mein Heimatstädtchen zurück, um im örtlichen Krankenhaus zu arbeiten. Eines Nachts schob ich gerade mitten in der Woche langweiligen Praxisdienst in der Notaufnahme, als mir die Schwester sagte, im Warteraum säße jemand mit akutem Abdomen, also ziemlich üblen Bauchschmerzen. Als ich im Wartezimmer ankam, traf mich fast der Schlag. Es war mein verhasster Ex-Schulkamerad, der sich vor Schmerzen krümmte und Schweißperlen auf der Stirn hatte. Normalerweise ruft so ein Anblick bei mir immer Mitleid hervor, allerdings nicht bei diesem Typen. Er erkannte mich auch sofort, duzte mich und fragte, was er denn haben könnte. Wahrheitsgemäß erklärte ich ihm, dass ich das erst nach der Diagnostik wüsste. Er tat die ganze Zeit so, als wären wir schon immer die besten Kumpels gewesen, die sich nur durch unglückliche Umstände aus den Augen verloren hätten. Beim Ultraschall wurde recht eindeutig klar, was er für ein Problem hatte, denn sein Appendix (der Wurmfortsatz des Blinddarmes) sah aus wie eine Presswurst. Normalerweise wäre der Keks damit gegessen gewesen. Wenn man alle Fälle von Blinddarmentzündungen per Ultraschall so leicht abklären könnte wie bei ihm, wäre das eine echte Erleichterung. Aber irgendwie war in dieser Nacht sonst nichts los und mich ritt der blanke Hass, außerdem war der Patient ja nicht in Lebensgefahr. Ich runzelte also die Stirn, fuhr mit Absicht immer wieder über die schmerzende Stelle und sagte beim Blick an den Ultraschallbildschirm gedankenabwesend mehrmals "Oh, oh...", ungefähr in dem Tonfall eines KFZ-Mechanikers, wenn man ihn fragt wo denn dieses komische rasselnde Geräusch am Motor beim Gas geben herkommt. Dann sprang ich gespielt alarmiert auf, gab ihm die Anweisung auf jeden Fall liegen zu bleiben und ging erstmal zehn Minuten Kaffee trinken, während ich die Anästhesistin informierte und sagte, sie könne sich ruhig Zeit lassen, der Patient habe es nicht eilig. Danach ging ich mit sorgenvoller Miene zurück in das Zimmer, wo der Typ, mittlerweile aschfahl und leise wimmernd, lag. Ich sagte ihm wörtlich er habe eine akute Appendizitis, mit bereits drohender Perforation und anschließender Peritonitis. Es war klar, dass er nur Bahnhof verstand, aber er getraute sich nicht, das zuzugeben. Ich füllte den Anamnesebogen extra langsam aus, blickte ihn wiederholt prüfend und mitleidig an und fragte ihn nach seiner Patientenverfügung. Er fing fast an zu weinen. Schließlich beruhigte ich ihn mit der geringen Sterblichkeitsrate und sagte, es bestünden gute Chancen einer vollständigen Heilung. Bei der OP erzählte ich dem Team, was der Patient für ein netter Mensch war, und wie ich es ihm vergolten hatte. Darauf meinte der anwesende Chirurg, er werde die Nähte extra fest machen, damit der Typ auch beim Fäden ziehen noch einmal richtig seinen Spaß habe. Mein Ex-Schulkamerad war nachher noch zwei Tage im Krankenhaus, tyrannisierte die Pfleger so übel und baggerte an den jungen Schwestern herum. Ich war deswegen belustigt, denn es zeigte dass er sich nicht wirklich geändert hatte. Hoffentlich bleiben mir in Zukunft jegliche Begegnungen mit ihm erspart.

Beichthaus.com Beichte #00029773 vom 03.02.2012 um 11:25:17 Uhr (37 Kommentare).

Gebeichtet von Heyak
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Pseudo-Sparsamkeit

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Geiz Verzweiflung Familie

In letzter Zeit geht mir mein Vater tierisch auf die Nerven. Er ist extrem pingelig bei allen Arbeiten, die ich zu verrichten habe, spricht mich oftmals nur noch in der dritten Person an und ist zudem extrem geizig. Dabei muss ich erwähnen, dass es unserer Familie wirklich an nichts mangelt. Natürlich kommt das Geld auch nicht vom Ausgeben, das sehe ich ja ein, aber wenn man sich z.B. einen Tee kocht und die Tasse nicht ganz voll macht, sondern nur zu 9/10, redet er von Verschwendung.

Wie gesagt, dass würde mich ja nicht stören, wenn es um uns finanziell schlecht stünde. Aber wir haben drei Autos, von denen nur zwei aktiv genutzt werden; das dritte ist ein neues Cabrio, welches im Sommer nur zwei, dreimal gefahren und im Winter noch nicht einmal abgemeldet wird. Vor drei Jahren habe ich ihm eine CD von seiner Lieblingsband geschenkt: Die hat er bis heute noch nicht einmal von der Plastikfolie befreit! Ich hasse es einfach. Doch es kommt noch viel schlimmer. Ich kann ihm nicht einmal meine Meinung sagen, weil er Kritik überhaupt nicht verträgt und schon bei unwichtigen Themen total die Fassung verliert. Mein Vater hatte schon einen Herzinfarkt und steht praktisch vor dem nächsten. Ich weiß einfach nicht was ich tun soll.
Meine Beichte ist, dass ich mich einfach nicht traue etwas zu sagen. Mein ganzes scheiß Leben muss ich einstecken und schön Ja und Amen sagen. Warum mache ich das überhaupt? Fakt ist, mir geht diese Pseudo-Sparsamkeit ganz schön auf den Sack und eigentlich ist das nur die Spitze von dem Eisberg.

Beichthaus.com Beichte #00029770 vom 02.02.2012 um 22:26:16 Uhr (18 Kommentare).

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