Unser gefährliches Spiel an den Gleisen

7

anhören

Dummheit Vandalismus Neugier Kinder Penzberg

Im Alter von ungefähr neun Jahren hatten drei Schulkameraden und ich (m/34) Langeweile. Man kannte sich aus der eigenen Klasse oder aus den Parallelklassen und unternahm nachmittags immer mal wieder etwas zusammen. Eben was Jungen so machen. Höhlen bauen, etwas ankokeln, Rangeln, Süßigkeiten verputzen oder auch nur ganz wichtiges Zeug bequatschen.
An diesem Nachmittag, nach den Hausaufgaben, trafen wir uns in einem Wäldchen nahe unseren Wohnhäusern. Neben dem Wald verlief das Bahngleis einer Regionalbahn, das frei zugänglich und trotzdem Sicht geschützt, also somit schwer einsehbar war. Jemand, ich weiß nicht mehr wer von uns, kam auf die Idee kleine Metallautos auf das Gleis zu legen, weil die durch den Zug so schön platt gequetscht werden. Ein paar geplättete Autos später legten wir dann die Steine auf das Gleis, mit denen normalerweise das Gleisbett gefüllt wird. Die Regionalbahn donnerte jedes Mal so dermaßen laut darüber, dass es staubte und gewaltig splitterte. Wir hatten riesigen Spaß dabei. Mit jeder vorbeifahrenden Bahn wurde die Menge der Steine auf dem Gleis größer, bis es am Ende mehrere Meter Steine hintereinander waren. Die Regionalbahn hat jedes Mal dauerhaft getutet, und wir haben uns zum Beobachten des Spektakels hinter den Bäumen versteckt.
Nach rund zwei Stunden sahen wir aus Richtung Bahnübergang einen Bahnwärter oder Bahnpolizisten schnell auf uns zukommen. Zum Glück immer noch weit genug weg, um nicht erkennbar zu sein, rannten wir panisch in das Wäldchen zurück. Durch den Wald verlief ein Fußgängerweg, bis zu dem Wir rannten. Und dort stockte uns dann der Atem. Polizeibus, Zivilfahrzeuge und Hundeführer mit jeder Menge schaulustigen Anwohnern im Schlepptau kamen den Weg entlang. Wir vier sind fast zeitgleich in ein Erdloch gesprungen, in der Hoffnung nicht entdeckt zu werden. Man hat uns jedoch gesehen, aber der Sache überhaupt nicht zugeordnet. Man dachte wohl, dass wir nur schaulustige Kinder sind.

Wir blieben im Erdloch, bis die Karawane vorüber war und rannten dann quer über den Fußweg in die andere Hälfte des Wäldchens. Am Waldrand hinter den Häusern versteckten wir uns noch eine ganze Weile, bis wir in unmittelbarer Nähe keine Gefahr mehr vermuteten. Dann trennten sich unsere Wege. Nach Hause ging ich nur sehr zögerlich. Ich war keines von den Kindern, das solchen Unsinn vor den Eltern verheimlichen konnte. Und so erkannte meine Mutter an meinem Gesichtsausdruck, dass etwas im Busch ist. Ich fasse den Abend mit meinen Eltern mal kurz zusammen. Die Standpauke hätte größer nicht sein können, mein Vater hat mich, sicherlich auch zur Strafe, lange hingehalten, ob er mit mir irgendwann am Abend dann doch zur Polizei fahren würde und ich auch dort ein blaues Wunder erleben würde. Hat er dann aber doch nicht gemacht. So enttäuscht, fassungs- und hilflos habe ich meine Eltern meines Wissens nie wieder erlebt. Die anderen drei haben zu Hause nicht gebeichtet und auch sonst wurde die Sache zwischen uns nie mehr besprochen. Von offizieller Seite kam zum Glück auch nie etwas auf meine Eltern oder auf mich zu. Was wohl passiert wäre, wenn sie uns erwischt hätten? Das Großaufgebot der Polizei lag daran, dass anfänglich, wenn man damaligen Gerüchten trauen darf, mehr hinter der Sache vermutet wurde, wie zum Beispiel ein Anschlagsversuch. Deshalb hatte die Polizeikarawane uns wohl auch nicht unter Verdacht und schlicht ignoriert. Warum es allerdings bei einem Anschlagsverdacht rund zwei Stunden dauerte, bis die Polizei kam und auf dem Gleis selbst auch nur ein Bahnwärter oder -polizist dem Tatort näher kam, leuchtet mir bis heute nicht ein.
Das ist das mit großem Abstand dümmste, unnötigste und vor allem gefährlichste, das ich je angestellt habe. Wäre der Zug entgleist... Die Folgen bekommt man gedanklich schon nicht auf die Reihe. Mir hat das hinterher sehr leidgetan und ich habe mich oft gefragt, wie viel Panik und Angst die Menschen im Zug wohl gehabt haben. Meinen Eltern hätte ich diesen Kummer und die Sorgen auch ersparen sollen. Obwohl ich im Grunde kein dummer Mensch war und bin, stelle ich mir heutzutage ab und an die Frage, welcher Teufel mich damals zu so etwas geritten hat. Zum Glück sind weder Menschen verletzt worden, noch sind andere Schäden bekannt geworden.

Beichthaus.com Beichte #00031137 vom 06.05.2013 um 17:40:43 Uhr in Penzberg (7 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Mein mystischer Hinterhof

18

anhören

Manie Ignoranz Maßlosigkeit

Ich lebe in einer Traumwelt und finde das super. Ich wohne für unglaublich wenig Geld in einer schicken Altbau-Wohnung in einem westlichen Berliner Bezirk. Auch hier gibt es das typische Hinterhaus-Prinzip. Im Hof steht ein Baum, der blüht gerade wie verrückt und wird mittags immer wunderschön von der Sonne angestrahlt. Meine Fenster wachsen langsam zu mit dem Gestrüpp, das an der Hauswand wächst und am Boden rankt der Efeu entlang. Ich würde es mitten in der Stadt als idyllisch bezeichnen. Nun zu meiner Traumwelt. Ich gehe hier nicht mehr weg, nie mehr. Dieser Baum und die Sonne, die quasi nur schemenhaft in den Hof hinein leuchtet, das ist alles so wunderschön, ich freue mich morgens aufzustehen, und die Vorhänge aufzureißen.
Alles was außerhalb meines Hinterhofs passiert, kriege ich nicht mit. Ich höre keine Autos, keine Menschen, und wenn ich raus gehe, fühle ich mich in meiner tiefen Entspannung bedroht. Also verlasse ich eher selten meine Hinterhauswelt. Ich sitze manchmal stundenlang vor meinem Fenster auf einem Sessel und bin so extrem entspannt, dass ich nicht merke, wie mein soziales Leben den Bach runter geht. Ich gehe nicht raus, ich telefoniere nicht und bin schon gar nicht bei Facebook online. Manchmal kommen meine Freunde zu mir, aber dann will ich sie eigentlich so schnell wie möglich wieder loswerden. Ich will einfach nur völlig glücklich und eben entspannt meinen Baum betrachten. Ich nehme übrigens keine Drogen oder sonst etwas Sinneserweiterndes, ich liebe einfach nur diesen mystischen Hinterhof.

Beichthaus.com Beichte #00031136 vom 06.05.2013 um 11:25:40 Uhr (18 Kommentare).

In WhatsApp teilen

“Beichte

Als Horrorfigur den Bruder erschreckt

8

anhören

Boshaftigkeit Waghalsigkeit Engherzigkeit Waldschmiedstr.Passau

Als ich (w/19) eines Nachts gelangweilt in meinem Zimmer saß und ich nicht wusste, was ich anstellen sollte, sah ich meine "Scream-Maske" auf den Boden liegen. Beim Anblick jener Maske stürmte mir sofort eine blödsinnige Idee in den Kopf. Somit zog ich mich ganz schwarz an, setzte die Maske auf und holte das größte Messer aus dem Küchenschrank, das ich finden konnte. Mein Bruder und sein Kumpel waren die Einzigen, die noch wach waren, da sie einen Horrorfilm geguckt hatten. Da sich unsere Wohnung im Erdgeschoss befand, schlich ich in den Garten und kratzte mit dem Messer an den Rollo. Ich konnte mich vor Lachen kaum noch halten, blieb aber gut getarnt im schwarzen Kittel und der Maske vor dem Fenster stehen. Ich werde den Gesichtsausdruck unseres Kumpels nie vergessen, als er mich als Hurensohn beschimpft hat und fragte, was ich überhaupt hier wolle. Ich solle mich gefälligst verpissen. Danach kam ich über den Balkon rein und stand auf einmal mitten im Zimmer. Als mein Bruder ein Messer aus der Küche zückte und auf mich losgehen wollte hatte ich dann doch Schiss und bin schnell geflüchtet. Eine Stunde später kamen die beiden in mein Zimmer und fragten, ob ich denn etwas mitbekommen hätte. Ich verneinte ihre Frage und muss jedes Mal lachen, wenn die beiden darüber diskutieren, wer wohl dieser "Hurensohn" war, weil sie es bis heute noch nicht wissen.

Beichthaus.com Beichte #00031131 vom 05.05.2013 um 02:44:04 Uhr in Waldschmiedstr.42 Passau (8 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Peinliche Medikamentenlieferung

8

anhören

Peinlichkeit Dummheit Arbeit 50+ Warburg

Peinliche Medikamentenlieferung
Als ich noch in der Lehre war, musste ich häufig Medikamente zu den Patienten nach Hause bringen, so auch an diesem Vormittag. Dieses Mal sollte ein Päckchen zu einem älteren Ehepaar, einfach abgeben, bezahlt war schon. Ich klingelte und eine alte Dame machte mir auf. Freudestrahlend bat sie mich herein, sie und ihr Mann hätten mich schon erwartet, ich solle ruhig schon mal in das Wohnzimmer gehen, sie würde nur ihren Mann schnell holen. Und schwups, war sie auch wieder verschwunden, ich kam überhaupt nicht zu Wort, etwas verdattert ging ich in besagtes Wohnzimmer und wartete ein paar Minuten. Dann kam die alte Frau um die Ecke, samt Mann, nackt wie Gott ihn schuf. Ich muss wohl auf die beiden gewirkt haben, als ob ich unter spastischen Zuckungen litt, so verzweifelte versuchte ich woanders hin zu sehen. Ganz unbekümmert erzählte mir die alte Dame, sie hätte nur ihren Mann schon einmal ausgezogen, dann ginge das mit dem Waschen auch schneller und wenn ich schon dabei wäre, er hätte da so einen Ausschlag, den sollte ich mir mal ansehen. Den Blick zur Wohnzimmerdecke gerichtet, stotterte ich vor mir her, dass ich nur die Medikamente vorbei bringen wolle und von der Apotheke käme. Die beiden alten Herrschaften stießen simultan ein "Oh" aus, dann war für ein paar Sekunden Stille. Ehe sie mir peinlich berührt erzählten, das sie dachten, ich sei von einem Pflegedienst, der das erste Mal kommen solle. Rot wie eine Tomate schüttelte ich heftig den Kopf, was ziemlich lustig ausgesehen haben muss, da ich immer noch an die Decke starrte "Nein, ich bin von der Apotheke und will nur etwas abgeben, sie waren so schnell wieder verschwunden, ich kam gar nicht zu Wort." Die alte Dame kam dann zu mir, nahm mir das Päckchen ab, murmelte eine Entschuldigung und etwas, was wie "einfach mal früher den Mund aufmachen" klang und führte mich zurück zur Haustür.

Beichthaus.com Beichte #00031126 vom 03.05.2013 um 21:39:58 Uhr in 34414 Warburg (Falkenbergstraße) (8 Kommentare).

In WhatsApp teilen

“35.000

“Beichte

Die missglückte Vogelrettung

9

Dummheit Tiere

Ich war als Kind immer sehr tierlieb und auch sonst an Tieren interessiert. In einem Sommer, ich war etwa acht Jahre alt, habe ich beim Spielen ein Vogelei gefunden, welches auf dem Rasen lag. Für mich war sofort klar, das Ei muss ich ausbrüten, damit ich den kleinen Vogel darin rette. Bei meinen Eltern habe ich groß Alarm geschlagen, dass sie doch bitte die Wärmelampe aus dem Keller holen, denn es gehe um Leben und Tod.
In meinem Zimmer auf der Fensterbank habe ich das Ei in einer kleinen Müslischale, ausgelegt mit Küchenpapier unter die Wärmelampe gelegt und musste warten. Das Beobachten wurde mir jedoch irgendwann zu lang. Ich ging also wieder raus zum Spielen und hatte wohl zu viel Spaß, denn ich kam erst wieder ins Haus, als es bereits dunkel war. Dass ich das Ei total vergessen habe, wurde mir mit plötzlichen Bauchschmerzen bewusst und ich eilte in mein Zimmer. Was ich sah, stimmte mich ziemlich traurig. Das Ei hatte bereits eine dunkle Farbe angenommen, was darauf schließen ließ, dass ich mein adoptiertes Vogelei gekocht hatte. Ich war ziemlich traurig und mein Vater musste es entsorgen.

Heute bin ich zwar immer noch sehr tierlieb, aber mit Vögeln habe ich es wohl immer noch nicht so. Ich fand im letzten Sommer erneut ein junges Vogelbaby, das wohl aus dem Nest gefallen sein muss. Da meine Familie und ich aber gerade am Grillen waren, beschloss ich das Vogelbaby in unsere Nähe zu setzen. In der Hoffnung, durch das Gepiepse würde die Mutter kommen. Ich bräuchte also nur ab und an einen Blick auf das Junge zu werfen. Irgendwann bemerkte ich fröhlich, dass kein Piepsen mehr zu hören war. Vielleicht hatte das Junge schließlich zurückgefunden und ich dachte nicht weiter daran. Eine Weile später musste ich noch die Abendrunde mit dem Hund gehen und ging die Pforte zur Straße hinaus. Ein paar Meter weiter lag auf der Straße ein kleiner Haufen Federn. Der kleine Vogel ist wohl überfahren worden. Ich fing an zu weinen, weil das so traurig war.
An alle kleinen Vögel, die ich eigentlich retten wollte: Es tut mir leid, dass ihr nun tot seid, nur weil ich unachtsam war. Aber vielleicht war es von der Natur auch so gewollt.

Beichthaus.com Beichte #00031124 vom 03.05.2013 um 18:08:13 Uhr (9 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Aggression   Begehrlichkeit   Betrug   Boshaftigkeit   Diebstahl   Drogen   Dummheit   Ehebruch   Eifersucht   Eitelkeit   Ekel   Engherzigkeit   Falschheit   Faulheit   Feigheit   Fetisch   Fremdgehen   Geiz   Gewalt   Habgier   Hass   Hochmut   Ignoranz   Lügen   Manie   Maßlosigkeit   Masturbation   Missbrauch   Misstrauen   Morallosigkeit   Mord   Neid   Neugier   Peinlichkeit   Prostitution   Rache   Schamlosigkeit   Selbstsucht   Selbstverletzung   Sex   Stolz   Sucht   Trägheit   Trunksucht   Ungerechtigkeit   Unglaube   Unreinlichkeit   Vandalismus   Verrat   Verschwendung   Verzweiflung   Völlerei   Vorurteile   Waghalsigkeit   Wollust   Zorn   Zwang   Zwietracht  

“35.000