Die Irre mit den kurzen Haaren

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Verzweiflung Missbrauch Lügen Last Night

Mir (w/19) ist vorletztes Wochenende etwas passiert, das mein ganzes Leben auf einmal verändert hat. Ich war am Abend mit meinem Freund unterwegs. Jedoch gerieten wir wegen einer Menge Kleinigkeiten an diesem Abend so sehr aneinander, dass er von jetzt auf gleich Schluss machte und mich allein in der Disco zurückließ. Ich war einfach nur wütend und enttäuscht und so blieb ich aus lauter Frust weiter in der Disco und gab mir die Kante, anstatt einfach nach Hause zu gehen. Früh morgens lief ich dann irgendwann nach Hause und bemerkte schnell, dass mir jemand folgte. Erst dachte ich, ich bildete mir das in meinem Rausch ein, doch irgendwann holte der Mann mich ein und sprach mich an. Da ich keine Lust auf ein Gespräch hatte, ignorierte ich ihn und lief weiter. Doch plötzlich spürte ich einen Schlag und schon war alles schwarz um mich herum. Als ich wieder zu mir kam, ging alles ganz schnell. Die Details wären hier unangebracht und ich selbst möchte darüber nicht mehr nachdenken. Kurz, er vergewaltigte mich mehrmals. Dabei riss er immer wieder so fest an meinem Pferdeschwanz, dass ich nie die Möglichkeit hatte, die Kontrolle über meine Kopfbewegungen zu haben. Ich hatte in meinem Leben noch nie so viel Angst. Und auch danach hatte ich weder den Mut noch die Kraft eine Anzeige oder sonst etwas zu machen.

Nun zu meiner Beichte. Als ich danach irgendwie daheim ankam, überkam mich ein Ekel vor mir selbst und meinen Haaren. Ich konnte keinen klaren Gedanken mehr fassen und war einfach überfordert. So kam es, dass ich mir vor lauter Selbsthass die langen Haare wenige Millimeter kurz schnitt. Es war in diesem Moment eine riesige Erleichterung. Dafür sehen mich jetzt alle Leute an, als wäre ich ein Psychopath. Und natürlich fühle ich mich nun doch nicht besser, sondern einfach nur hässlich. Ich erfinde alle möglichen Ausreden, wieso ich so aussehe, doch die meisten denken, dass ich wegen der Trennung ausgeflippt wäre und große psychische Probleme hätte. Ich merke, wie mein Umfeld mich immer mehr abwertet und selbst langjährige Freunde wenden sich plötzlich ab. Der einzige Mensch, der zu mir hält, ist mein Freund, der Tage später wieder zu mir kam. Er ist der Einzige, der merkt, dass mehr hinter diesen Haaren steckt und zu mir steht. Trotzdem nehme ich lieber in Kauf, dass sich alle von mir abwenden, anstatt zu dem Ereignis zu stehen und mir Hilfe zu suchen. Denn ich werde lieber eine Irre genannt, als dass man mich nur noch als die Vergewaltigte sieht. Denn ich denke nicht, dass mir irgendjemand wirklich glauben würde.

Beichthaus.com Beichte #00032850 vom 11.03.2014 um 08:14:52 Uhr (22 Kommentare).

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Gefangen im Kotzmarathon

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Maßlosigkeit Misstrauen Sucht Verzweiflung Gesundheit

Seit mehr als 15 Jahren habe ich (w/34) ein essgestörtes Verhalten. Momentan fresse und kotze ich mehrmals am Tag riesige Mengen an Nahrungsmitteln. Ich tue den ganzen Tag nichts anderes als einkaufen, fressen und kotzen. Nebenbei noch fernsehen. Ich bin total ausgeschaltet und habe Angst, die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen. Ich habe eine lange ambulante und mehrere stationäre Therapien hinter mir. Wirklich geholfen haben sie mir alle nicht, eher meine Situation verschlimmert. Ich finde mich selbst ätzender denn je, kann mich nicht ausstehen. Ich bin zu faul, mich mit der Lösung der Essstörung auseinanderzusetzen, zu faul zum Leben und zu faul zum Sterben. Der Sinn, gesund zu leben, ohne Fressanfälle erschließt sich mir auch irgendwie nicht. Das Wort "lebensmüde" hat für mich eine neue Bedeutung bekommen.


Zwischenmenschliche Kommunikation finde ich anstrengend. Deshalb lebe ich ziemlich zurückgezogen. Wenn ich mal rausgehe, merke ich schon, dass es mir irgendwie gut tut. Aber dann spüre ich schnell wieder den Drang, alles in mich hineinzustopfen, bis ich fast platze. Um mich dann wieder zu erleichtern und dann total erschöpft, leer und ausgeschaltet rumzuhängen. Mein Freund weiß, dass ich Bulimie habe, bekommt aber von den Fressattacken nichts mit. Wir treffen uns meistens abends, da habe ich dann schon meinen Kotzmarathon hinter mir und bin meistens völlig neben der Spur. Es ist dann unglaublich anstrengend ihm zu folgen, ihm zuzuhören und mich zu konzentrieren. Ich habe das Gefühl, alles läuft nur so nebenher - leben, arbeiten, meine wenigen Freundschaften. Ich bin eigentlich nur Zuschauerin in meinem eigenen Lebensfilm.


Ich könnte ein Buch über mein Leben schreiben, habe vieles hinter mir: schwierige Kindheit, psychisch kranke Mutter, Schläge, emotionaler und körperlicher Missbrauch durch die Mutter, mehrmaliger sexueller Missbrauch durch verschiedene ältere Männer in der Kindheit, Drogenkonsum, eine Zeit lang promiskuitive Kontakte im Jugendalter und so weiter. Trotz all dieser Erlebnisse habe ich mein Abi gemacht, eine gute Ausbildung, ein Studium und habe jetzt einen guten Job im sozialen Bereich. Ich sollte stolz auf mich sein, doch ich bin es nicht - kann es nicht sein. Ich heule nie rum, äußere aber auch nicht meine Lebenszweifel vor anderen Menschen. Nicht mal in der Form in der Therapie. Ich fresse alles in mich hinein und kotze alle meine Zweifel, meine Wut und auch meine gedanklichen Aggressionen ins Klo. So wird niemand vollgeschwallt, niemand belastet oder hilflos gemacht. Ich bin innerlich maßlos aggressiv, misstrauisch, beschämt und traurig, aber auch irgendwie gierig nach irgendetwas, das ich nicht benennen kann. Deswegen beichte ich hier, wenn auch mit einem emotional distanzierten Grundton.

Beichthaus.com Beichte #00032847 vom 10.03.2014 um 17:02:07 Uhr (15 Kommentare).

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“Beichte

Die Flucht der Rabenmutter

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Hass Zorn Engherzigkeit Verzweiflung Familie

Ich (w) bin heute 29 und wuchs anfangs noch ganz behütet auf, meine Eltern trennten sich allerdings, als ich zehn war und mit Erziehung, Scheidung, Arbeit, Haushalt usw. war meine Mutter dann scheinbar heillos überfordert, obwohl sie auch Hilfe von unseren Verwandten bekommen hätte. Sie erwähnte öfters meinem kleinen Bruder und mir gegenüber, dass sie alles satthätte und irgendwann ihre Sachen packt, um ganz weit wegzugehen. Ich hielt das für eine leere Drohung, schließlich sagte sie auch ständig, irgendwann gibt sie uns ins Heim, weil sie uns nicht mehr erträgt, tat es aber nicht. Dann, an einem Tag im Herbst 1998 kam sie von der Arbeit nicht mehr nach Hause. Mein Bruder und ich warteten in der Wohnstube und ich werde nie vergessen, wie wir aus dem Fenster sahen, hinaus auf den Hof und wie wir jederzeit mit dem Erscheinen unserer Mutter rechneten. Es wurde immer später, sie kam und kam nicht, auf der Arbeit konnte sie nicht mehr sein, wir hatten da schon angerufen und niemand nahm den Hörer ab. Vielleicht war ihr etwas passiert? Oder hatten wir nur vergessen, dass sie noch etwas anderes vorhatte? Wir überlegten, was wir nun tun sollten und setzten uns eine Frist, aber als unsere Mutter nach elf Uhr abends noch nicht zu Hause war, klingelten wir doch bei unserem Nachbarn und erklärten ihm die Situation.


Um das Ganze abzukürzen: Meine Mutter kam nie wieder, sie hatte damals ohne unser Wissen schon vorher ihre Arbeit gekündigt, ein paar Sachen gepackt und ist ins Ausland gegangen. Wir haben an diesem Tag umsonst gewartet. Später bekam mein Vater einen Brief von ihr, in dem sie lapidar mitteilte, er könne das Sorgerecht für uns haben, sie würde ihm auch regelmäßig Unterhalt für uns überweisen. Das war alles. Zum Glück kamen wir danach bei unserem Lieblingsonkel und seiner Familie unter, bei denen wir noch eine schöne Kindheit verlebten und die uns halfen, die Sache mit unserer Mutter zu verarbeiten, auch zu unserem Vater hielten wir engen Kontakt. Da dieser jedoch die Woche über viel arbeiten musste, beschlossen wir eben, dass wir bei unserem Onkel erst einmal besser aufgehoben sind, weil dort rund um die Uhr jemand für uns da war. Wir können beide voneinander behaupten, ganz anständige junge Menschen geworden zu sein, die im Berufsleben stehen und mittlerweile selbst Eltern sind. Aber dass unsere Mutter einfach so abgehauen ist und uns im Stich gelassen hat, ist trotzdem nicht spurlos an uns vorübergegangen.


Mein Bruder redet nicht mehr darüber, aber mich hat das viele Jahre lang richtig gequält. Ich weiß, ich sollte dankbar sein, dass es mir jetzt dennoch so gut geht, verzeihen und Frieden schließen, aber innerlich spüre ich manchmal eine tiefe Ohnmacht und große Angst vorm Verlassen werden und einer unbeschreiblichen Einsamkeit. Vor ein paar Wochen war es dann so weit, womit ich nicht mehr gerechnet habe: Meine Mutter meldete sich urplötzlich! Sie hatte meinen neuen Nachnamen in Erfahrung gebracht, kontaktierte mich über ein bekanntes soziales Netzwerk und das hat mich erst einmal umgehauen. Sie bot mir tatsächlich an, sich mit mir zu treffen und sich auszusprechen, als ob nichts gewesen wäre. Ich war so geschockt, dass ich ihr nur schrieb, sie sei für mich seit diesem Tag im Herbst '98 gestorben und blockierte sie. Bei meinem Bruder hatte sie sich natürlich auch gemeldet, mit haargenau derselben Nachricht und er ließ nicht nur den Kontakt zu - er traf sich tatsächlich auch mit ihr und berichtete mir nach dem Treffen, unsere Mutter sei wieder in Deutschland, sie wäre damals überfordert gewesen, hätte aber die letzten Jahre genutzt, um viel nachzudenken und es täte ihr alles so leid. In mir sind seitdem wieder sind viele alte Wunden aufgebrochen und dennoch akzeptiere ich, dass mein Bruder bereit ist, unserer Mutter zu verzeihen.


Ich hingegen kann das einfach nicht, ich kann ihr nicht die Hand reichen und alles einfach so vergeben, nicht nach mehr als 15 Jahren, in denen sie uns im Stich gelassen hat. Ich war fast mit dem Thema durch und nun taucht diese Frau wieder auf der Bildfläche auf und verursacht erneut so viel Schmerz. Ich hasse sie immer noch sehr, obwohl ich eigentlich nur Mitleid mit ihr haben müsste und ihr nie so viel Raum geben dürfte, mein Leben zu bestimmen. Aber ich bin einfach zu schwach, um zu vergeben und ein Stück weit die Vergangenheit ruhen zu lassen, es tut mir selbst leid, dass ich so unreflektiert denke, fühle und handele.

Beichthaus.com Beichte #00032835 vom 07.03.2014 um 01:33:07 Uhr (20 Kommentare).

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Blätter fangen wie ein Nazi

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Peinlichkeit Dummheit Vorurteile Kinder

Blätter fangen wie ein Nazi
Vor ungefähr 15 Jahren fuhr ich als 11-Jährige an einem sonnigen Nachmittag mit meinem Fahrrad durch meinen Heimatort. Ich fuhr auf dem Gehweg, welcher parallel zur Straße und den Privatgrundstücken verlief. In einem Garten waren viele Bäume, deren Äste über die Grundstücksgrenze hingen. Also fuhr ich mit dem Rad unter den Baumzweigen hindurch. Dabei kam ich auf die kindliche Idee, die herunterhängenden Äste während der Fahrt mit der Hand zu berühren. Ich hob also zwei Mal kurz nacheinander meinen rechten Arm, in der Hoffnung ein paar vorbeikommende Blätter zu erwischen. Unmittelbar danach bremste ein entgegenkommendes Auto mit gelbem Nummernschild auf meiner Höhe. Ich sah, dass die Insassen mit offenstehenden Mündern und anscheinend entsetzt auf mich deuteten, während ich grinsend an ihnen vorbeifuhr. Mir wurde erst im Nachhinein bewusst, dass meine Geste ungewollt wie der Führergruß aussah. Ich möchte hiermit meine kindliche Dummheit beichten.

Beichthaus.com Beichte #00032824 vom 05.03.2014 um 22:01:34 Uhr (14 Kommentare).

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Eine Lehre für die Schlampe

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Morallosigkeit Schamlosigkeit Hochmut Ignoranz Last Night

Ich (w) habe am Wochenende in einem Club gefeiert und da fiel mir ein eindeutig leicht bekleidetes Mädchen in meinem Alter auf, das sich wirklich an jeden Typen rangeschmissen hat. Sie flirtete heftig und ließ sich von mehreren Männern Drinks ausgeben. Ich wusste ganz genau, dass sie an diesem Abend sicher nicht mehr alleine nach Hause geht. Später, als ich den Club verließ und in einer Seitenstraße auf mein Taxi wartete, sah ich, wie genau dieses Mädchen, welches scheinbar ebenfalls den Club verlassen wollte und inzwischen ziemlich betrunken war, von einem Typen angebaggert und an der Brust begrapscht wurde, was sie aber abzuwehren versuchte. Ich merkte deutlich, dass ihr seine Annäherungsversuche lästig waren. Ich dachte mir, dass sie es nicht anders verdient hat, immerhin hat sie sich den ganzen Abend über wie eine Schlampe benommen und wirklich nicht mit ihren Reizen gespart. Also musste sie sich nicht wundern, wenn sie damit die Männer anstachelt. Ich erkannte jedoch irgendwann ihre Panik und sie wiederholte mehrmals, dass sie in Ruhe gelassen werden wolle. Der Typ verzog sich irgendwann, schmiss ihr aber noch ein paar ordinäre Worte hinterher, und voller Genugtuung beobachtete ich sie und dachte mir, dass das diesem Mädchen fürs nächste Mal sicher eine Lehre sein wird. Jetzt im Nachhinein tut es mir schon ein wenig leid, dass ich sie insgeheim als Schlampe abgestempelt habe, die solche Übergriffe mit ihrem Verhalten geradezu herausprovoziert. Ich bitte um Absolution!

Beichthaus.com Beichte #00032822 vom 04.03.2014 um 00:21:10 Uhr (27 Kommentare).

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