Freund in der Not
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Eines Morgens am Sonntag zu echt unchristlicher Zeit bimmelte mein Handy, er war dran, ob ich ihn an der Landstraße da und dort in der Nähe vom Golfplatz abholen und nach Hause fahren könnte. Er klang ziemlich seltsam am Handy, wollte auch nicht sagen was denn los war und ich setzte mich trotz der herzhaften Flüche halb schlafend ins Auto und fuhr hin.
Sein Anblick war tatsächlich wie aus einer Filmszene: Dreckige, hier und da zerrissene Klamotten, dicke, verkrustete Lippe, bleich wie der Tod, Geld weg, Handy noch da, vermutlich weil er es in der Disco ausgestellt hatte und den Typen das zu viel Arbeit gewesen wäre.
Ich fragte ihn, ob wir direkt zum Krankenhaus oder zur Polizei fahren sollten und er die Täter kannte, aber er verneinte und wollte Beides nicht. Ich bekam kaum was aus ihm raus und ehe ich noch wusste, was eigentlich abgeht, bekam er einen tierischen Heulkrampf, er, der sonst nach dem Motto "Nur Weicheier flennen" lebt. Ich war ziemlich erschrocken, fragte ihn nochmals was los ist - keine Chance. Ich fuhr ihn also nach Hause und er nahm mir das Versprechen ab, die Klappe zu halten, weder seinen Eltern noch seiner Freundin etwas zu erzählen. War mir nicht wohl bei, aber ich gab mein Wort.
Danach fing er an, sich abzukapseln. Wollte seine Freundin nicht mehr sehen, mich nicht mehr sehen, fehlte immer häufiger bei seiner Ausbildungsstelle und bekam da massive Probleme. Seine Freundin wollte mehrmals mit ihm reden, doch er verpasste ihr jedes Mal eine Abfuhr, war urplötzlich ständig auf 180 und das Ende vom Lied war: Erst die Ausbildungsstelle im Eimer (da permanent gefehlt ohne gelben Schein), dann die Beziehung. Mich blaffte er auch an und immer, wenn wir auf seinen seltsamen Zustand zu sprechen kamen, legte er entweder am Handy auf, ging im Skype off oder drehte sich auch im realen Leben um und ließ mich stehen.
Das wurde mir dann doch zu viel. Ich packte an einem verlängerten Wochenende was zu trinken ein, nahm mir einen Schlafsack und Klamotten und klingelte Sturm, bis er mich notgedrungen rein ließ, wo ich mich dann stumpf selbst zum Übernachten einlud. Ich ging das Ganze ziemlich schäbig an: à la Mal wieder ein Männerabend, lass und was trinken, Musik hören, einen Porno gucken. Vor allem aber trinken. Ich füllte ihn ziemlich ab und bekam dann auch tatsächlich raus, was in der späten Nacht passiert ist: Irgendjemand hat ihm wohl in der Disco etwas ins Trinken gemischt und er ist mit dem vor die Tür gegangen. Da haben die Kumpels von dem Kerl gewartet und ihn ins Auto geschleppt. Aus der Beschreibung ging heraus, dass es sich, sorry falls sich ein Gutmensch angegriffen fühlt, wohl um Südländer handelte. Die haben ihm nicht nur die Brieftasche abgenommen, sondern ihn vergewaltigt.
Nun muss man sagen, dass es wohl keinen größeren Schwulenhasser als meinen Kumpel gibt. Ich finde das auch ziemlich eklig, aber im Vergleich zu ihm ist das harmlos. Einer seiner Lieblingssprüche war immer: Wenn ich mal einen Sohn hab und der wird schwul, wird der enterbt.
Er konnte oder wollte mir den Ablauf nicht genau sagen, hatte wohl auch ziemliche Erinnerungsprobleme, aber nachdem er mir das erzählte, wurde er ziemlich schnell wieder nüchtern und ging sich erstmal übergeben. Ich muss gestehen, ich war absolut überfordert. Mir fielen auch keine tollen, einfühlsamen Worte ein und ich beharrte nochmals drauf, die Polizei anzurufen, Anzeige gegen unbekannt, aber er drohte mir, wenn ich das tun würde, würde er sich umbringen, weil seine Eltern und sein Umfeld das auch mitkriegen könnten. Da hätten vermutlich sämtliche Sirenen klingeln müssen, ich hätte vielleicht jetzt erst recht irgendjemanden informieren müssen, aber ich war eben wie gesagt massiv überfordert, wusste nicht wie ich damit umgehen sollte und es klang sehr ernst. Ich drängte ihn, dann wenigstens eine Psychotherapie zu machen und vor allem einen Test beim Arzt machen zu lassen (HIV), dabei beteuerte ich immer wieder die ärztliche Schweigepflicht. Zum Arzt ist er nach langem Zögern tatsächlich gegangen, Therapie lehnte er strikt ab.
Tja, er zog sich noch mehr zurück, fing richtig an zu trinken, hing arbeitslos zu Hause rum, auch seine Eltern kamen nicht an ihn ran, zusätzlich zu all dem Scheiß bekam er auch noch heftige familiäre Probleme. Das Ganze ging bestimmt ein Jahr so, ich bot ihm an, dass er immer zu mir kommen könnte, beteuerte dass er KEIN Weichei wäre und griff auch noch ein paar Mal das mit der Anzeige rum, von wegen Willst du, dass diese kranken *** damit einfach so durchkommen? Hätte eben so gut gegen eine Mauer predigen können, damit erreichte ich nur, dass er sich immer weiter von mir distanzierte. Und ich hab es zugelassen, da ich dann irgendwann auch eigenen Privatstress bekam (Lerndruck innerhalb der Ausbildung, Umzug etc).
Das Ende vom Lied ist: Wir haben uns ziemlich aus den Augen verloren, nur noch ganz losen Kontakt per facebook gehalten. Er sumpfte ziemlich lange zu Hause herum und wurde genau zu dem Typ Mensch, den er selbst als Assi bezeichnet hat: Arbeitslos, fett, kein Antrieb. Vor kurzem hat er wirklich versucht, sich umzubringen, und deswegen sitzt er nun, wie oben beschrieben, mindestens für 6 Wochen in der Psychiatrie.
Ich fühle mich wahnsinnig schäbig und überlege, ob ich die Sachen, die ich selbst immer angesprochen habe, gegen seinen Willen hätte tun sollen, zu seinem eigenen Besten. Aber mir war das Ganze auch unangenehm und ich war, zum dritten Mal, überfordert. Jetzt habe ich allerdings das Gefühl, ihn im Stich gelassen zu haben. Wer weiß, was mit einer Psychotherapie und all den anderen Sachen aus der Sache geworden wäre. Am Meisten macht mir zu schaffen, dass ich rückblickend auch etwas erleichtert war, dass ich in diesen ganzen Dramasumpf nicht allzu tief reingezogen wurde, im Gegensatz zu ihm eine Freundin und eine Ausbildungsstelle hatte und dass natürlich nicht mir diese kranke Sch**** passiert ist.
Sorry, das ist eine megalange Beichte geworden, aber ich sitze hier jetzt auch und könnt wie das beschriebene Weichei flennen. Das Leben ist manchmal echt mieser als jeder Film.