Meine Angst vor der Rechnung

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Betrug Lügen Missbrauch Kinder Telefon Machern

In meiner Jugend, vor zirka 20 Jahren, war ich im Kinderheim untergebracht. Unser Zimmer war ein ehemaliges Büro. Wir hatten also einen Telefonanschluss. Ein Freund schenkte mir ein altes Telefon aus dem Haushalt seiner Eltern und ich schmuggelte das Ding in meiner Schultasche ins Zimmer. Am Wochenende verlebte mein Zimmergenosse die Zeit von Freitagnachmittag bis Sonntagnachmittag bei seiner Pflegefamilie. Ich hatte das Zimmer also in den zwei Nächten für mich allein und probierte unter der Bettdecke das Telefon mitten in der Nacht aus. Es funktionierte! Ich rief 0190er Nummern an und erlebte interaktive Schatzsuchen oder hörte Fußballhotlines ab, manche auch mehrfach hintereinander, weil ich einige Dinge nochmal hören wollte. Das Telefon versteckte ich eingewickelt, nach ein paar unterhaltsamen Stunden, im Keller im nicht mehr benutzten Wäscheraum in einem alten, vergilbten Holzarzneischrank. Ich wiederholte meine Aktion jedes Wochenende. Das Ganze ging so ein paar Monate. Eines Nachmittags, mitten im Sommer, als ich von der Schule ins Heim ging, bin ich dann aus allen Wolken gefallen.

Auf dem Hof stand ein Auto von einem Telekommunikationsunternehmen. Ich spielte den Nichtsahnenden und ging in mein Zimmer, zwei Minuten später wurde meine Zimmertüre aufgerissen und mein Heimleiter, zwei Erzieher und fremde Handwerker überfüllten unsere kleine Stube. Man fragte mich, ob und wie ich hier telefoniert hätte und wo das Gerät stünde. Ich spielte weiter den Ahnungslosen und blieb auch beim Nachhaken standhaft unehrlich. Ich kam mir vor wie ein Mörder, dem man seine Tat beweisen will und der danach lebenslang im Knast verschwindet, wenn er nur ein Detail zugibt. Die Leute verschwanden. Mein Heimleiter kam später wieder und sagte mir, dass das alles kein Spielchen sei. Es gehe um 5.000 Mark. Er wüsste, dass ich den Anderen was vormache und er würde es mir eines Tages nachweisen und dann würde ich mit einer richtig heftigen Geldstrafe rechnen müssen. Seine letzten Worte waren: "Den Fremden kannst Du was vormachen, aber mir nicht." Dann verschwand er wieder. Ich hatte danach Angst. Ich räumte gleich das Telefon aus dem Arzneischrank im Keller weg und steckte es in die Schultasche, um es am nächsten Tag meinem Kumpel zurückzugeben. Ich wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war, bis man mich überführen würde. Jedes Mal, wenn ich meinen Heimleiter sah, ahnte ich, dass das der Tag ist, an dem er mich kriegen würde. Ich bin ihm immer aus dem Weg gegangen, was auch ziemlich lästig war und bei Anderen Stirnrunzeln verursachte. Im Heimleben versuchte ich mich ab da an zu einem netten Jugendlichen zu entwickeln, der lernt und Keinem auffällt. Der Heimleiter hat mich niemals wieder auf das Thema angesprochen. Eines Tages hat er mich mit seinem Auto von der Schule abgeholt und ich dachte, dass es einen guten Grund dafür geben müsse, aber er wollte mich nur mitnehmen und redete mit mir über meinen Schulunterricht. Ich plapperte wie ein Wasserfall, aus Angst, dass uns die Themen ausgehen und er mit dem Telefon anfangen würde. Aber er freute sich nur wegen meiner schulischen Erfolge. An diesem Tag dämmerte es mir, dass inzwischen Gras über die Geschichte gewachsen sein muss. Nur mein Kumpel mit dem Telefon, zugleich einziger Mitwisser, zieht mich hin und wieder mal auf, ob denn schon die Rechnung von dem Telefonanbieter angekommen sei.

Beichthaus.com Beichte #00030398 vom 28.10.2012 um 14:39:33 Uhr in Machern (11 Kommentare).

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Der Fund aus der Vergangenheit

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Ekel Faulheit Dummheit Ernährung Kiel

Ich (m/25) habe heute seit gefühlten fünf Jahren mein Zimmer wieder aufgeräumt. Dabei habe ich unter meinem Bett einen Milchkarton gefunden. Mindesthaltbarkeitsdatum: 25.04.2009. Ich habe, anstatt den Karton wegzuschmeißen, ihn wieder unter mein Bett geworfen und angefangen, zu zocken. Ich bitte um Entschuldigung für mein faules Verhalten.

Beichthaus.com Beichte #00030394 vom 27.10.2012 um 15:44:30 Uhr in Kiel (Hafenstraße ) (19 Kommentare).

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Intelligenz gegen Triebe

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Begehrlichkeit Vorurteile Studentenleben Magdeburg

Zu Anfang des Semesters war ich auf der Suche nach spannenden Lehrveranstaltungen und habe so eine an einer anderen Uni in meiner Stadt, als an der ich sonst regulär studiere, gefunden. Das war das erste Mal, dass ich an dieser Uni einen Kurs besuchte, aber nicht das erste Mal, dass ich dort war. Dennoch machte ich mich in der zweiten Woche des Semesters früh dorthin auf und war schließlich eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung dort. Also setzte ich mich noch in die Mensa und arbeitete dort ein wenig. Es war ein Scheißtag. Seit ungefähr elf Tagen hatte ich meine Haare nicht gewaschen, ich war kurz davor, meine Tage zu kriegen und war dementsprechend schlecht gelaunt. Außerdem trug ich einen engen Rock, der hoch in der Taille saß und in dem ich mich eigentlich immer ein bisschen zu dick fühle. Schon ein bisschen aufgeregt, machte ich mich um fünf Minuten vor der vollen Stunde auf, ging noch schnell auf die Toilette, machte mich frisch und begab mich vor die Aufzüge im Stockwerk der Mensa, um zu dem Raum, in dem meine Lehrveranstaltung in einer Viertelstunde beginnen würde, hinaufzufahren. Als ich auf die Wartenden vor den Aufzügen zuging, taxierten mich sofort einige Männer. Innerlich verfluchte ich die Machos und fragte mich, warum denn diese Arschgeigen, die hier einen auf Bildungsbürger machen, genauso wie die Prolls in meinem Wohnviertel, der Kommodifizierung des weiblichen Körpers nicht nur zustimmten, sondern diese als kohäsiven Faktor ihres sozialen Kosmos' auch noch abfeierten. Ganz besonders fiel mir ein Glatzkopf mit sprießendem Brusthaar auf, der irgendwie schon so einen gewissen Testosteroncharme verbreitete mit seiner Behaarung und seinem Cornetto-Körperbau und, ja, der Glatze natürlich. Der war mir sehr unangenehm und wie seine Augen mich auszogen und nicht von meiner Taille loskamen, während wir eine halbe Ewigkeit auf die Aufzüge warteten. Dann kamen wir beide, der Glatzenmacho und ich, im selben Aufzug zum Stehen, er im Gedränge dicht hinter mir. Mir lief ein eiskalter Schauer den Rücken hinunter. Jede Sekunde, befürchtete ich, würde er die Situation ausnutzen und zufällig meinen Arsch streifen oder so. Schließlich verlief alles glimpflich und er stieg ein Stockwerk vor mir aus. Ich atmete auf und freute mich wieder auf meine neue Lehrveranstaltung. Dann stieg ich ein Stockwerk weiter auch aus und ging in den Raum, setzte mich zu zwei anderen Studentinnen, die letzte Woche, beim ersten Termin, schon dagewesen waren. Ich fing an, mit ihnen ein wenig zu plaudern und dann war die akademische Viertelstunde auch schon um. Da ging die Tür auf und wer trat herein: der Glatzkopf. Ich saß direkt gegenüber der Tür und glaubte doch, kurz ein Erschrecken über sein Gesicht huschen zu sehen, dass die Frau, die er mit seinen Blicken gerade belästigt hatte, hier in seinem Seminar saß und jetzt für das kommende Semester nur für ihre intellektuellen Leistungen beurteilt werden und unter seinem Schutz stehen sollte. Ich erschreckte mich mindestens ebenso sehr. Dann begann jedoch die Veranstaltung ganz normal. Jeder Teilnehmer stellte sich noch einmal vor und ich erklärte, dass ich eben als Einzige von einer anderen Universität hierher gekommen war. Der Glatzkopf freute sich, denn er hatte an dem Institut, an dem ich studiere, ebenfalls einen Teil seines Studiums absolviert und er fragte mich, wie ich denn zu seiner Veranstaltung hier gelangt wäre und war ganz neugierig darauf, News von "unserer" Uni zu erfahren. Diese News verweigerte ich ihm nicht. Ich freute mich über das Interesse und da ich so überzeugt von der Qualität dieser Veranstaltung war, kämpften in mir die Argumente gegeneinander: "Er muss sehr schlau und in einer interessanten Richtung belesen sein, wenn er das hier anbietet!" versus "Er wollte deine Titten essen!" Nach der Veranstaltung wollte er mit mir nochmal persönlich sprechen über das Institut, wie ich hergekommen war und so weiter. Wir verstanden uns blendend. Jetzt finde ich ihn scharf. Ignorierend, dass er wahrscheinlich mindestens 15 Jahre älter ist als ich, sicher in einer tollen, monogamen Partnerschaft lebt, ich dasselbe tue, er mein Dozent ist und vor allem er sich wie ein Macho benommen hat. Was mir wiederum sagt, dass er mich unwiderstehlich findet, was mich natürlich, primitiv gesehen, anturnt. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass sein Blick einfach nur meinem dicken Bauch in dem engen Rock galt.

Beichthaus.com Beichte #00030387 vom 26.10.2012 um 01:52:36 Uhr in Magdeburg (Berliner Straße) (51 Kommentare).

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Mein Nebenverdienst

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Prostitution Peinlichkeit Geld Bayreuth

Ich schlafe für Geld mit Männern. Ich bin sozusagen eine Hobbyhure. Zwar habe ich einen Job, aber ich bekomme nur wenig mehr als Hartz IV und das reicht nur gerade so zum Leben. Es ist schwer, einen zweiten Job zu finden, der mit der Arbeitszeit des ersten konform […]
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Beichthaus.com Beichte #00030386 vom 25.10.2012 um 21:29:21 Uhr in Bayreuth (Fichtestraße) (24 Kommentare).

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Neidisch und fassungslos

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Neid Engherzigkeit Partnerschaft

Ich möchte beichten, dass ich den Kontakt zu meiner besten Freundin abgebrochen habe, weil ich neidisch auf ihr Leben und fassungslos zugleich bin. Ihr Partner kontrolliert sie, engt sie ein und ist krankhaft eifersüchtig, was fast täglich zu lautstarken Streitereien führt. Ein soziales Leben ist kaum noch vorhanden, da sie immer zu Hause sein muss, wenn er von der Arbeit kommt. Regelmäßig erzählt sie mir, dass sie nicht mehr will und die Beziehung beenden sollte, was sie im Nachhinein doch nicht macht. Dass ihr Kind unter dieser Beziehung leidet, scheint ihr egal zu sein. Den Vogel hat sie vor einigen Wochen abgeschossen, als ich von ihrer Verlobung über ein soziales Netzwerk erfuhr. Warum ich neidisch bin? Sie hat keine abgeschlossene Ausbildung, noch nie im Leben richtig gearbeitet und gibt ihr Geld mit vollen Händen aus. Der Zukünftige hat es ja, wenn sie es nicht mehr hat. Ich bin trotz allem neidisch auf ihr sorgenfreies Leben bezüglich des Geldes und dafür schäme ich mich. Der Kontaktabbruch hat damit allerdings eher weniger zu tun, vielmehr kann ich mir dieses Elend einfach nicht mehr mit anschauen, was ihre Beziehung betrifft. Da sie es nach gerade mal zwei erfolglosen Anrufen bei mir aufgegeben hat und auch nicht weiter nachfragt, scheint ihr auch nicht viel an unserer Freundschaft gelegen zu haben. Ich könnte ihr das alles nie so sagen und es tut gut, es sich hier von der Seele schreiben zu können.

Beichthaus.com Beichte #00030383 vom 25.10.2012 um 17:31:06 Uhr (18 Kommentare).

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