Der Fake-Account

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Falschheit Dummheit Lügen Verzweiflung Halle

Alles fing vor über drei Jahren an. Damals war ich knapp 15-16 Jahre alt und in unserer Klasse ging ein merkwürdiger Trend um, nämlich das Erstellen von Fake-Accounts auf einer, damals noch sehr populären, Internetplattform. Immer mehr meiner Freundinnen erzählten mir, wie viele Nachrichten und Fotokommentare sie erhielten - eine andere Freundin zeigte mir sogar, wo ich Bilder erhalten konnte, bei denen man nicht sofort erkannte, dass es Fakes waren. Irgendwann meinte ich dann, ich müsse auch einen Fake erstellen. Gesagt, getan - ich erschuf einen Fake mit dem Namen Maddy und konnte mich danach kaum vor Nachrichten retten. Das Ganze betrieb ich einige Monate und schrieb mit vielen Leuten, meist jedoch nicht mehr als "Wie geht es dir?" "Was machst du?", oder ich bedankte mich für ihre Komplimente zu meinen Bildern.

Irgendwann wurde das zunehmend langweiliger, und wahrscheinlich hätte ich das Ganze auch bald beendet, hätte ich nicht einen Fotokommentar bekommen. In dem Fotokommentar schrieb ein Junge, dass ich sehr hübsch wäre, wenn ich es denn wirklich wäre. Schockiert über diese Anzweiflung reagierte ich prompt und kommentierte zickig den Kommentar. Was ich nicht ahnte, war, dass der Junge, der den Kommentar postete, ganz und gar kein Idiot war. Zuerst kommunizierten wir nur über Fotokommentare, dann irgendwann auch über Nachrichten. Er war der Erste, dem ich wirklich von Dingen aus meinem Leben berichtete, allen anderen hatte ich mit großer Freude aufregende Geschichten über "mein" Leben aufgetischt. So erfuhr ich, dass er später einmal Journalismus studieren wollte, und genau das wollte ich zu diesem Zeitpunkt auch. Ich erfuhr, dass wir beide seit Jahren denselben Musiker hörten und dass wir beide an derselben Universität studieren wollten. Wir hatten so viel gemeinsam, dass man es einfach nicht mehr als Zufall abstempeln konnte. Unsere Nachrichten umfassten oftmals mehr als fünf Seiten und uns gingen die Themen niemals aus.

Irgendwann kam es dann aber dazu, dass er kaum noch Lust hatte, so viel Zeit in eine einzige Nachricht zu stecken, denn das Verfassen einer solchen Nachricht dauerte oftmals Stunden, und der Kontakt brach ab. Das wunderte mich nicht, ich hatte mich schließlich auch darauf eingestellt, dass unser Kontakt nicht ewig gehen könnte, eben aufgrund meiner Lüge. Ich wollte den Account also endgültig löschen, brachte es aber letztlich nicht über mich, die Nachrichten zwischen mir und besagtem Jungen einfach zu löschen, und entschied mich kurzerhand dafür, meinen Namen in eine wahllose Buchstabenkombination zu ändern, und alle Bilder zu löschen. Zwei Jahre vergingen und ich hatte den Jungen nicht vergessen, ich wusste noch immer alle Geschichten, die er mir aus seiner Kindheit berichtet hatte, und dachte immer noch oft an ihn.

Also wollte ich mir die Nachrichten noch einmal durchlesen, wollte mich der Erinnerung hingeben, als ich jedoch online kam erkannte ich, dass er mir vor genau zehn Minuten eine Nachricht geschrieben hatte. Er schrieb, dass er nach all der Zeit noch an mich dachte, und dass es ihm leidtäte, alles kaputtgemacht zu haben. Entgegen aller Vernunft antwortete ich, wir begannen wieder miteinander zu schreiben, erkannten, dass sich noch mehr Gemeinsamkeiten gebildet hatten und wir schafften es sogar, die Sätze des Anderen zu vervollständigen. Ich erzählte ihm alles, von der Schule bis hin zu der Tatsache, dass ich nach Amerika gehen würde und er erzählte mir von seinen Sorgen und von seinen Plänen nach seinem diesjährigen Abitur. Gemeinsam entschieden wir, was er studieren wollte. Es blieb dabei bei ungefähr einer Nachricht am Tag.

Das Ganze ist etwa einen Monat her, und ich schrieb ihm vor drei Wochen die wohl letzte Nachricht, denn mein schlechtes Gewissen hatte gesiegt. Ich fand ihn bei Facebook und schrieb ihm von meinem richtigen Account die Wahrheit. Ich schrieb ihm alles, was ich dachte, ihm nicht mehr sagen zu können. Zurück geschrieben hat er nie, seitdem verfolgt mich mein schlechtes Gewissen. Ich träume beinahe täglich von ihm und wache unter Tränen auf. Ich kann meine Lieblingsmusik nicht mehr hören, weil es zu jedem Lied eine gemeinsame Geschichte gibt.

Es gibt kein Tag, an dem ich nicht bereue, was ich tat. Ich habe jemanden verloren, der mich ergänzen konnte, der mich verstanden hat, und der in der Lage war, über meine Fehler hinwegzusehen. Ich habe ihn verletzt und das kann, und werde, ich mir nicht verzeihen. Ich würde alles dafür geben, es irgendwie gut zu machen. Es tut mir unendlich leid, und ich hoffe mich jeden Tag in meinem Leben schmerzlich an einen Freund erinnern zu werden, den ich verloren habe. Ich möchte mein Leben in Sühne verbringen, um etwas gut zu machen.

Beichthaus.com Beichte #00031532 vom 28.06.2013 um 11:18:47 Uhr in 06110 Halle (Steinweg) (17 Kommentare).

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Kugelschreiber im Arm

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Gewalt Aggression Familie Lampertheim

Kugelschreiber im Arm
Ich (m) war damals sieben Jahre alt und mein großer Bruder zehn. Er hatte wohl gerade so eine Phase, in der er es furchtbar witzig fand, den ganzen Tag so lange zu nerven, bis ich irgendwann einen Wutausbruch bekam. Dies ging eine ganze Weile so. Eines Abends kam es dann so weit, dass ich einen Schlussstrich ziehen musste. Wie immer hatte ich bereits den ganzen Tag mit aller Kraft versucht, die Nervereien auszuhalten, doch dann platzte mir der Kragen. Ich wollte so schnell wie möglich den größtmöglichen Schaden anrichten. Dabei fiel mein Blick auf einen Kugelschreiber. Meine Augen sahen in das plötzlich doch sehr verängstigte Gesicht meines Bruders und dann wieder zur Spitze des Kulis, aus der ich mit zwei schnellen Klickgeräuschen die Mine springen ließ. Mit Schwung rammte ich den Kugelschreiber in den Arm meines Bruders und zog ihn durchs Fleisch. Nach einem kurzen Moment der Genugtuung fiel mir auf, was ich da vollbracht hatte. Im Nachhinein tut mir diese Aktion wirklich leid. Geblieben ist eine tiefe Narbe.

Beichthaus.com Beichte #00031530 vom 28.06.2013 um 10:50:25 Uhr in Lampertheim (13 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Das Charakterschwein

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Gewalt Zwietracht Schule Appenweier

Der Grund und Anlass meiner Beichte hat ziemlich genau vor 12 Jahren stattgefunden. Doch von vorne: Einer meiner Schulkameraden war ein richtiges Charakterschwein, vorlaut, arrogant und selbstherrlich. Er mobbte und erniedrigte gerne andere Schüler, unter anderem mich und meinen besten Freund, weil wir so gut wie keine Markenklamotten besaßen, und relativ weit außerhalb wohnten. Seine täglichen Demütigungen und Handgreiflichkeiten führten fast dazu, dass ich die Schule schmiss. Als sicher war, dass wider Erwarten auch er sein Abi bestanden hatte, veranstaltete er großspurig eine Homeparty nach amerikanischem Vorbild. Seine Eltern überließen ihm dafür das Haus und fuhren übers Wochenende weg. Damals waren ja gerade so Filme wie Road Trip und American Pie in, wo er sich wohl sein Partymotto abgeguckt hatte. Sogar wir waren eingeladen, wahrscheinlich sollten wir aber eher so eine Art Belustigung für ihn sein. Wir gingen trotzdem hin. Allerdings mit bitteren Gedanken und fiesen Plänen im Sinn. Er sollte sich an diese Nacht erinnern, dafür wollten wir Sorge tragen. Und genau das tut er. Bis heute.

Wir wollten ihn abfüllen und bloßstellen. Das Schicksal spielte uns insofern in die Karten, als dass er schon ziemlich hinüber war, als wir gegen elf Uhr eintrafen. Er hatte ordentlich vorgeglüht, und auch schon den einen oder anderen Johnny geraucht. Wir wussten, dass er auf unser Schulmodel scharf war, und plante, sie auf dieser Party abzuschleppen. Was ihm wohl nicht so klar war, war, dass sie mit einem richtig üblen Typen ging, der Inbegriff eines muskulösen Bad Boys. Tattoos, Piercings, vierziger Oberarme, wesentlich älter und abgekochter als unser Peiniger. Was zunächst nur eine Randnotiz war, wurde uns erst richtig bewusst, als es bereits zu spät war, um noch etwas zu retten. Wir gingen gemeinsam auf der Party herum, und kippten ihm und seinen Mitläuferkumpels immer wohl dosiert kleine und größere Portionen Wodka in sein Bier, wenn niemand hinsah. Dann wollten wir ihn eigentlich unter einem Vorwand in irgendein Zimmer locken, warten bis er vollkommen am Ende war, nackt ausziehen, und als Pointe einen seiner besoffenen Kumpels dazulegen. Dann hätten wir dafür gesorgt, dass ihn jemand entdeckt, vorzugsweise besagte Schulschönheit. Dummerweise hatten wir aber mit einem Mal gar nichts mehr unter Kontrolle, denn er war plötzlich stockbesoffen, und machte sich mehr als offensiv an das Schulmodel heran, er ging sogar soweit, sie in seinem Suff zu begrapschen und zu bedrängen. Sie ließ sich immerhin ein Stück weit darauf ein, doch schließlich schob sie ihn weg, was ihn in seinem Suff veranlasste, sie am Hals zu packen, und zu schütteln.

Das war sein Verhängnis. Innerhalb von zehn Minuten war ihr Freund wie aus dem Nichts da, und drehte den Spieß um, nicht ohne vorher mit Nachdruck verkündet zu haben, dass die Party vorbei sei. Das Nachspiel war eine Bewährungsstrafe für den Freund des Schulmodels und ein völlig verwüstetes Haus unseres Peinigers, sowie eine gebrochene Nase und Verbrennungen im Gesicht seinerseits. Der Freund der Schulschönheit hatte wohl den Kopf unseres Erzfeindes auf das noch heiße Grillrost gedrückt. Die Narben sieht man jetzt übrigens immer noch. Er denkt auch nach wie vor, er habe damals von selbst zu viel getrunken. Obwohl ich diese Aktion aufs Tiefste bereue, habe ich ihm nie gesagt, wer ihn so abgefüllt hat. Aus ihm ist immerhin ein halbwegs erträglicher Mensch geworden, der seine Lektion gelernt hat. Er hat jetzt Frau und Kinder, und schlägt sich recht gut. Was mit dem Schulmodel und ihrem Freund passiert ist, weiß ich nicht genau.

Beichthaus.com Beichte #00031522 vom 27.06.2013 um 00:20:26 Uhr in Appenweier (32 Kommentare).

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Strafe für den Nachbarn

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Boshaftigkeit Rache Ekel Unreinlichkeit Nachbarn Bayreuth

Ich habe meinem Nachbarn vor die Haustüre geschissen. Einfach so, weil ich Lust dazu hatte. Ok, ich hatte meine Gründe, schließlich habe ich gesehen, wie sein Hund heute Morgen in meinen Vorgarten gemacht hat. Danach habe ich mir gedacht, das kann ich auch, und habe mich an die Arbeit gemacht. Nach vollbrachter Tat habe ich ihm noch die Wurst seines Hundes dazugelegt und mich davon gemacht. Da ich ungefähr weiß, wann er von der Arbeit zurückkommt, habe ich ihn vom Fenster aus beobachtet und mich an seinem Blick ergötzt, als er die beiden Würste sah. Ich glaube, er ist sogar in eine hineingetreten. Ich hoffe, es war meine. Mittlerweile tut mir die Aktion aber leid, und ich weiß nicht, warum ich mich mit meinen fast 30 noch immer so kindisch verhalte, anders gesehen hat es mein Nachbar aber auch irgendwie verdient, finde ich.

Beichthaus.com Beichte #00031521 vom 26.06.2013 um 23:30:21 Uhr in Bayreuth (38 Kommentare).

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Kleine Hürden beim Einkauf

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Engherzigkeit Boshaftigkeit Hochmut Morallosigkeit Arbeit Stadthagen

Ich (m/22) bin zurzeit Auszubildender bei einer großen Lebensmittelkette und werde hin und wieder an der Kasse eingesetzt. Bei den etwas kräftig gebauteren Kunden habe ich immer den Drang, die gescannten Waren so ungünstig auf das Rollband zu legen, dass sich diese, für ihre Verhältnisse, "stark" nach vorne beugen und sich somit anstrengen müssen.

Vergebt mir, aber ich muss mir immer das Lachen verkneifen, wenn ich sehe, dass diese Kunden dann nicht an ihre Pizzakartons rankommen, und ich diesen noch gnädig mit einem "Oh, das tut mir aber leid" helfe, an ihr ungesundes Zeug ranzukommen. Natürlich mache ich dies nicht bei Älteren oder schwachen Menschen!

Beichthaus.com Beichte #00031520 vom 26.06.2013 um 23:28:26 Uhr in 31655 Stadthagen (25 Kommentare).

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