Alles läuft falsch...

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Verzweiflung Trägheit Dummheit Gesundheit Schule

Ich, eine Frau von 23 Jahren, habe in meinem Leben bisher beeindruckend wenig auf die Beine gestellt. Ich habe einen mittelmäßigen Realschulabschluss, eine mittelmäßige Ausbildung an einer mittelmäßigen Schule mit mittelmäßigem Ruf mittelmäßig abgeschlossen und seitdem keinerlei Ziele mehr erreicht. Keine Firma stellte mich ein, weder um dort zu arbeiten, noch um mich dort neu ausbilden zu lassen - nur kostenlose Praktikanten waren willkommen. So lebte ich nach meiner Ausbildung drei Jahre lang bei meinen Eltern, meine Begeisterung, Bewerbungen zu schreiben, nahm zusehends ab, bis ich irgendwann gar nichts mehr machte, so wie schon immer. Schon in der Schule machte ich nichts, oder zumindest weit weniger als ich hätte tun müssen und können. Ich wurde gehänselt, nicht extrem, aber mehr als ausreichend, um mich regelmäßig krank zu stellen und mich nachmittags lieber in virtuellen Welten und Büchern zu verlieren als in der realen zu leben. Das hat sich nie geändert.

Vor ein paar Jahren lernte ich einen Mann kennen, der sein Leben ebenfalls etwas holprig begonnen hatte und nun gerade dabei war, es wieder aufzubauen, indem er sein Abitur nachholte. Er empfahl mir, das Gleiche zu tun, um meine Chancen zu verbessern und ich fand Gefallen an der Idee. Mein Leben änderte sich schlagartig. Meine Eltern waren dagegen, dass ich das tat. Sie meinten, dass die drei Jahre Schule, die dafür nötig wären, pure Zeitverschwendung seien. Also musste ich mich zum ersten Mal völlig alleine um alles kümmern - die Schule, die Wohnung, das BAföG - und ich habe es geschafft. Mittlerweile lebe ich seit eineinhalb Jahren in dieser Wohnung, aber so viel mehr hat sich dann doch nicht geändert. Nach knapp zweieinhalb Monaten stellte sich bei mir erneut die mich immer begleitende Lustlosigkeit, Trägheit, Müdigkeit, Prokrastination und das Desinteresse an den meisten Dingen, die mich umgeben, ein. Obendrein reagierte mein Körper darauf, dass ich dennoch versuchte, mich in die Schule zu schleppen, und nagelte mich morgens an die Toilette - Durchfall, immer dann, wenn ich gerade los gehen wollte. Anfänglich ging ich hinterher immer noch zum Arzt, um ein Attest zu holen, und ließ mich auch untersuchen, nur um herauszufinden, dass alles okay ist, doch irgendwann hörte ich auch damit auf, fehlte unentschuldigt und schottete mich noch mehr ab.

Ich machte regelrechte Großeinkäufe von Getränken, Dosennahrung und Unmengen an Süßkram, um die Wohnung nicht allzu häufig verlassen zu müssen, die sich nach und nach in eine Müllhalde verwandelte. Als dann Briefe von der Schule und vom Amt von Ausbildungsförderung folgten, wurde mir klar, dass ich etwas tun musste. Ich ging zur Schulleitung, um meine Situation zu erklären, um Entschuldigung zu bitten, mich für das laufende Schuljahr ab- und für das kommende neu anzumelden und um zu erklären, dass ich vorhatte, die Zeit dazwischen zu nutzen, um meine Probleme in den Griff zu bekommen, so wie ich es auch dem Amt für Ausbildungsförderung schrieb. Ich wollte zu einem Psychologen und ihm all das erzählen, konnte mich aber nie dazu aufraffen. Doch irgendwie regelte sich alles in der Zeit von selbst, oder jedenfalls fühlte ich mich besser und begann alles in den Griff zu bekommen. Ich begann, mich regelrecht auf das neue Schuljahr zu freuen, auf die neuen Menschen, die neue Chance, die ich dieses Mal ganz bestimmt nicht vergeigen wollte.

Und doch tat ich es, erneut und schneller als zuvor. Die Menschen, mit denen ich zusammen war, waren fabelhaft, vor allem die in der Klasse, die ich derzeit besuchen sollte, die Lehrer waren ebenso. Alles war gut, sogar das BAföG wurde mir noch einmal genehmigt. Und doch überfiel mich nach kurzer Zeit wieder diese Welle an Ungefühlen, die mich an meine Wohnung fesselten, bis ich irgendwann wieder unentschuldigt zu Hause blieb. Zwischenzeitlich konnte ich mich an einem besseren Tag einmal dazu aufraffen, endlich etwas zu tun. Ich ging zum Arzt, erklärte meine Situation, ließ mir endlich eine Überweisung zum Psychologen schreiben und einen Krankenschein ausstellen, den ich gleich in der Schule abgeben wollte. Die Sekretärin verlor das Verständnis allerdings langsam, was mich betraf. Als ich ihr den Krankenschein gab, fragte sie mich, wo denn die anderen seien. Die hatte ich natürlich nicht, und so sagte sie mir, dass das so nicht mehr lange weitergehen könne. Aus Frust kaufte ich eine ganze Menge Zeug, das ich mir eigentlich nicht leisten konnte.

Ich habe seitdem nicht mehr mit der Schule kommuniziert, habe nicht auf die Kontaktversuche reagiert. Derzeit drücke ich mich davor, mich schriftlich abzumelden, obwohl das unabdingbar ist, um Arbeitslosengeld II zu beziehen, da ich seit Beginn des Jahres aus nachvollziehbaren Gründen erneut kein BAföG mehr bekomme. Ich brauche Hilfe, das weiß ich. Im Internet meinte jemand, ich hätte Depressionen. Innerlich zeigte ich ihm einen Vogel. Wie kommt ein Fremder auf die Idee, mir Depressionen zu unterstellen? Aus Interesse habe ich allerdings einmal die Symptome gegoogelt und erkannte dabei unheimlich viele Parallelen. Definitionen und mehrere Tests halfen mir, mich in diesem Gedanken zu bestärken, was gut war, da ich nun etwas Handfestes hatte, das ich dem Psychologen erzählen könnte, wenn ich um einen Termin bitten würde.

Mittlerweile hatte ich auch einen ersten Termin. Der Psychologe gab mir weitere Tests mit, deren Auswertung auffällig war, woraufhin mir ein Schein für einen Bluttest mitgegeben wurde, um eine Unterfunktion der Schilddrüse auszuschließen. Der Termin wäre im Dezember letzten Jahres gewesen. Ich hätte schon lange einen neuen Test machen müssen, aber wie auch jetzt, da ich lieber einen ellenlangen Text ins Internet stelle. Warum weiß ich nicht. Ich will Klarheit, ich will wissen, was mit mir los ist, und ich will etwas dagegen tun, bevor es mein Leben vollends kaputt macht. Vor allem aber will ich dem Psychologen ein Ergebnis vorlegen können, denn solange er nicht weiß, dass mit meiner Schilddrüse alles in Ordnung ist, kann es gut sein, dass wir völlig umsonst miteinander reden. Aber bis dahin wird noch eine gewisse Zeit vergehen, denn so wie es aussieht, wird er die nächsten zwei Monate keine Zeit für mich haben. Noch bin ich ja kein fester Patient mit festen Zeiten.

Was beichte ich nun? Ich beichte all das. Dass ich mein Leben verkorkse, es nicht mal schaffe, das auf Kosten des Steuerzahlers zu tun, sondern derzeit von dem Geld lebe, das es zu Weihnachten gab. Vor allem aber, dass niemand in meinem Familien- Freundes- oder Bekanntenkreis etwas davon weiß, außer ein paar Fremden aus dem Internet, denen ich mich mehr oder weniger vollständig anvertraut habe, weil es dann kein Bild von mir gibt, das ich zerstören kann und ich mir keine Gedanken darum machen muss, was nun aus der zwischenmenschlichen Beziehung wird. Menschen, die danach noch eine wollen, kennen mich dann schon so, wie ich wirklich bin. Ich beichte, dass ich fremde Menschen und eine Plattform wie diese einem offenen Gespräch mit meinen Liebsten vorziehe, dass ich meine Eltern belüge, die außer dem Verdacht auf eine Depression nichts von all dem wissen, und durch eine wachsende Distanz in dem, was ich noch immer Beziehung nennen will, selbst zu dem Mann, den ich liebe, das Vertrauen nicht groß genug ist, um zu wissen, dass ich ihm all das ruhigen Gewissens erzählen kann.

Beichthaus.com Beichte #00037381 vom 12.01.2016 um 09:34:38 Uhr (24 Kommentare).

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Er könnte mein Vater sein!

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Fremdgehen Schamlosigkeit Internet Telefon

Ich (w/18) hatte Telefonsex mit einem über 40-Jährigen, den ich online kennenlernte. Wir fanden uns beide schnell anziehend und telefonierten regelmäßig. Keine Woche nach unserem ersten Telefonat war heftiges Flirten bereits eine Norm. Stundenlang telefonierten wir und drifteten immer wieder ab, bis es schließlich - wenn auch nur übers Telefon - ordentlich zur Sache ging. Zu dem Zeitpunkt war ich jedoch seit fast einem Jahr recht glücklich in einer Beziehung und weiß nicht, was mich zu dieser Tat verleitet hatte. Obwohl ich unter Prüfungsdruck stand und seit über 30 Stunden nicht geschlafen hatte, war der Spaß sehr zufriedenstellend. Meinen Freund hatte ich für die Zeit komplett vergessen, und deswegen bitte ich um Verzeihung.

Beichthaus.com Beichte #00037371 vom 10.01.2016 um 08:48:39 Uhr (8 Kommentare).

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Zufallsbeichte
“Folge

Der letzte Tag

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Lügen Feigheit Peinlichkeit Medien

Ich (w/22) beichte, dass ich gerade schlaflos im Bett liege, weil mein Freund unbedingt eine Astronomiedokumentation sehen wollte. Was er nicht weiß: ich habe panische Angst vor dem Sterben. Nicht mal so arg vor dem Sterben an sich, aber diese Dokumentationen erinnern mich immer an das Ende und den Tag, an dem alles ausradiert wird. Wenn ich mich dann stark schnaufend und in halber Fötusstellung, die Tränen zurückhaltend an ihn drücke und ihn küsse denkt er, ich "wolle" ihn, dabei will ich nur fest in den Arm genommen werden, allerdings traue ich mich nicht, mit ihm darüber zu reden, weil es mir sehr peinlich ist. Wenn er mich irgendwann in der Nacht fragen wird, wieso ich nicht schlafe, werde ich den wichtigsten Menschen und besten Freund in meinem Leben anlügen. Meinen Kindern werde ich jedenfalls Endzeitfilme vor dem vollendeten 16. Lebensjahr verbieten. Dankeschön für die schlaflose Nacht, Mama.

Beichthaus.com Beichte #00037368 vom 10.01.2016 um 03:05:32 Uhr (15 Kommentare).

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Ein gutes Leben ohne Freundin

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Selbstsucht Engherzigkeit Maßlosigkeit Hochmut Frankfurt

Ich (m/27) möchte hier und heute meine Wolllust beichten. Ich bin seit einigen Jahren Single und habe mir ein recht gutes Leben aufgebaut. Damals hat mich meine Freundin verlassen, nachdem sie ihr Studium in einer anderen Stadt begonnen, dort einen neuen Stecher gefunden, und mich mit ihm betrogen hat. Das Ganze traf mich wie ein Schlag ins Gesicht und nach Monaten voller Tränen und Bedauern musste ich zusehen, dass ich mein Leben auch ohne sie in den Griff bekomme. Gesagt, getan: Auch ich bewarb mich an der Uni, bekam einen Studienplatz und fing an zu studieren. Leider stellte ich schnell fest, dass Studieren nicht so wirklich das Richtige war. Trotzdem suchte ich mir einen Nebenjob in derselben Branche um vielleicht so das Studium besser zu bewältigen. Den Bachelor habe ich so auch bekommen. Ich bin zurzeit für den Master eingeschrieben, besuche jedoch keine Vorlesungen mehr, da ich im Job vollends aufgehe und eigentlich keine Zeit mehr für mein Studium habe. Ich verdiene dort sehr viel Geld, kann mir eine geile Wohnung leisten und fahre einen hübschen Firmenwagen.


So viel zur Vorgeschichte. Da ich nach meiner damaligen Freundin die Schnauze voll von Beziehungen habe, bin ich sehr viel in Bars und Clubs unterwegs. Ich achte sehr auf mein Äußeres, trage einen gepflegten Bart und sehe zu, dass ich täglich nach der Arbeit zum Fitnesstraining gehe. Ich habe einen gewählten Kleidungsstil und habe - nach den Worten einiger Damen - ein recht markantes und auffallendes Gesicht, was es mir leicht macht, bei den Frauen anzukommen. Dementsprechend werde ich abends in Bars oder Clubs oft angesprochen und es dauert im Grunde nicht lange, bis ich die Damen mit zu mir nach Hause nehmen kann.


Hier nun zu meiner Beichte: Ich beichte, dass ich die Frauen mit meinem Äußeren extrem leicht verführen kann und man glaubt kaum, was die jungen Hüpfer im Bett mit sich anstellen lassen. Gerade die etwas Moppeligen, die ohne Alkohol im Blut wohl nicht fähig wären, einen Herren an der Bar anzusprechen, geben sich richtig Mühe, alles mitzumachen. In diesem Sinne: Bitte vergebt mir und meinen vielen Sünden. Allerdings glaube ich nicht, dass ich dieser Sucht irgendwann entsagen und sesshaft werfen kann.

Beichthaus.com Beichte #00037314 vom 30.12.2015 um 14:47:36 Uhr in 60311 Frankfurt (Goethestraße) (15 Kommentare).

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“Beichte

Ich habe genug vom Ghetto!

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Engherzigkeit Selbstsucht Ignoranz Gesellschaft Studentenleben

Ich (m/22) bin halb-halb. Deutsch mit Migrationshintergrund. Ich habe einen guten Draht zur Familie, Kultur und Sprache. Außer meinem Namen und meiner original hellbraunen Haut erinnert nichts an meine Herkunft. Selbst mein Name ist so selten, dass er aus ganz anderen Kulturen vermutet wird. Ich beichte mehrere Sachen: Mir ist das Leben der Menschen aus den sozialen Brennpunkten Deutschlands völlig egal und auch deren Sorgen interessieren mich nicht. Sie können sie selbst lösen, sich selbst Hilfe suchen, denn es gibt genug. Wer wirklich Hilfe will, dem wird auch geholfen. Meine Familie ist hoffentlich auch bald raus hier, sobald ich ausgezogen bin. Außerdem beichte ich, dass ich meine Herkunft teilweise verrate. Ich bin nicht integriert, sondern assimiliert. Ich habe die kulturellen Eigenschaften meiner anderen Hälfte völlig aufgegeben, weil ich damit nichts mehr zu tun haben will und ich schäme mich nicht dafür.


Die Welt kann wunderschön sein, aber umso bitterer ist auch die Realität in den Ghettos. Meine Akademikerfamilie hat sich super in Deutschland angepasst und lebt hier ohne Sorgen. Leider hat es beruflich nicht so geklappt wie erhofft und leben in einem sozialen Brennpunkt einer Großstadt. Hier sieht es aus wie auf der Müllhalde und ist voller Unsicherheit, Elend und Perspektivlosigkeit. Die meisten jungen Menschen ohne Abschluss, Geld oder Zukunft wissen sich nur mit Sachbeschädigung, Abzockerei, Störungen und Belästigung zu beschäftigen. Ihr Leben ist ihnen völlig egal. Hauptsache sie spielen den harten Gangster. Daher kommt wohl mein Drang nach Karriere und Erfolg.


Ich studiere, bin dabei recht erfolgreich, habe Freunde, bin oft unterwegs und verdiene gut nebenbei. Eine nette Freundin dazu wäre super, aber wichtig ist nur, dass ich in ein paar Wochen in meine eigene Wohnung ziehen kann. Etwas teurer, aber gute Gegend. Ich stehe vor einer glorreichen Zukunft, während die Anderen jeden Tag Handys verkaufen müssen, um sich das nächste Mittagessen oder Bier leisten zu können. Ich habe genug von diesem Ghetto!

Beichthaus.com Beichte #00037307 vom 29.12.2015 um 23:20:36 Uhr (8 Kommentare).

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