Der anhängliche Fremde

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Lügen Falschheit Feigheit Hof

Ich muss etwas loswerden. Letztens habe ich (m) durch Zufall einen anderen Mann kennengelernt, weil ich mich bei Regen untergestellt hatte. Wir betrieben etwas Small Talk und gingen dann getrennte Wege. Ich habe mir dabei nichts weiter gedacht. Vorgestern habe ich ihn dann durch Zufall erneut in der Stadt getroffen und er wollte mit mir einen Kaffee trinken gehen. Ich glaube nicht, dass er schwul ist, aber er scheint sehr anhänglich zu sein. Weil ich überrumpelt war, haben wir Handynummern ausgetauscht und waren jetzt schon zwei Mal Kaffeetrinken. Jedes Mal waren Freunde von mir dabei. Aber er ist irgendwie seltsam und meine Freunde - mit denen ich sonst immer gemütlich ins Café gehe - wollen nicht mehr, dass ich ihn wieder mitbringe. Aber wenn ich ihm nicht schreibe, dann schreibt er mir immer. Ich will mit diesem Kerl nichts mehr zu tun haben. Meine Beichte ist, dass ich ihn immer heuchlerisch zu Treffen mitnehme, obwohl ich ihn nicht leiden kann. Wir arbeiten scheinbar in örtlicher Nähe und jetzt fragt er auch noch, ob ich mit ihm Mittagessen gehe, obwohl ich ihn kaum kenne und mit meinen Freunden allein sein will. Ich weiß wirklich nicht, wie ich ihm die Wahrheit sagen soll, ohne ihn zu verletzen.

Beichthaus.com Beichte #00033797 vom 21.08.2014 um 10:21:07 Uhr in 95030 Hof (Ossecker Straße) (18 Kommentare).

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Der kleine Vogel

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Engherzigkeit Dummheit Tod Tiere Düsseldorf

Heute Morgen habe ich auf dem Fußweg zur Arbeit einen kleinen Vogel auf der Straße liegen sehen. Er hatte einen blutigen Schnabel und sah verzweifelt aus. Ich habe ihn mir zwar angesehen und habe kurz überlegt, was ich für ihn tun kann, dann bin ich aber doch einfach weitergegangen. Einfach, weil ich es eilig hatte und sonst zu spät gekommen wäre. Auf dem Rückweg war er nicht mehr da, und ich hoffe, dass ihm jemand anders geholfen hat. Ich bereue es sehr, weil ich normalerweise sehr tierlieb bin.

Beichthaus.com Beichte #00033795 vom 20.08.2014 um 17:14:00 Uhr in 40223 Düsseldorf (Kopernikusstraße) (7 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Der Wegwischer

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Engherzigkeit Hochmut Neurosen Zwang Bahn & Co. Angelbachtal

Der Wegwischer
Auf der täglichen Heimfahrt mit der S-Bahn gibt es einen komischen Typen. Ich glaube, er fährt immer mit der gleichen S-Bahn - immer um die gleiche Uhrzeit. Er steht auch immer an der gleichen Tür und sitzt nie. Da mein Leben offensichtlich unregelmäßiger ist als seines, sehe ich ihn aber nur manchmal. Ich denke, dass er nicht geistig behindert ist, aber eine heftige Macke hat er auf jeden Fall: Wenn ihn jemand im Vorbeigehen berührt, schaut er denjenigen böse an und wischt dann mit der Hand die berührte Stelle ab - als ob das irgendwas bringen würde. Im Berufsverkehr hat er dann manchmal ganz schön viel zu wischen. Aber das Beste ist, wenn seine Station kommt und er aussteigt. Er wartet dann immer ungefähr fünf Sekunden und hofft wohl, dass jemand anderes auf den Türöffner drückt. Dann verlässt er die S-Bahn rückwärts und biegt noch rückwärts rechts ab. Dann startet er vorwärts den Weg. Er parkt quasi aus, wie man es mit einem Auto machen würde. Ich freue mich immer, wenn ich ihn sehe, weil ich weiß, dass die Show bald losgeht. Es tut mir leid, dass ich mich über die Zwangshandlungen eines psychisch gestörten Mannes amüsiere. Andererseits ändert es nichts, wenn ich das nicht täte. Ich lache ihn ja auch nicht aus, ich grinse nur in mich hinein.

Beichthaus.com Beichte #00033792 vom 20.08.2014 um 12:13:41 Uhr in Angelbachtal (13 Kommentare).

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Filme im realen Leben

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Dummheit Kinder

Seit zwei Jahren spiele ich (m/25) einmal die Woche den Babysitter für einen amerikanischen Freund, der hierher gezogen ist. Umsonst, versteht sich. Er hat zwei anständige Söhne im Alter von 9 und 8 Jahren. Da ich mit ihrem Vater gut befreundet bin, verstehe ich mich auch mit den Kindern bestens. Meistens spiele ich nur mit ihnen, da sie für Hausaufgaben oder Tests zu gescheite Burschen sind. Wir haben es meistens gechillt, ich langweile mich nicht. Nun aber geschah etwas, das mir jetzt noch die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und das einfach nur brüllend komisch ist. Ihr müsst wissen, dass ich ein riesiger Anime-Fan bin. Ich erinnere mich, wie ich kürzlich mit den Jungs spontan über meinen Lieblingsanime "Sword Art Online" gequatscht habe. Kurz gesagt geht es dort um ein virtuelles Spiel - etwa wie World of Warcraft, in dem man Monster töten muss. Dabei setzt sich der Spieler eine Art Helm auf, der sich an die sensorischen und motorischen Gehirnareale verbindet und wodurch man die Vorstellung hat, in einer Fantasiewelt zu sein. Im Verlauf der Geschichte können sich die Spieler nicht mehr ausloggen, weil der Spielhersteller und Antagonist der Serie den Log-out-Button entfernt hat. Zudem führt ein Tod in jener virtuellen Welt automatisch zum Tod in der realen Welt, da die Programmierung so umgestellt wurde, dass bei einem virtuellen Sterben gegen ein Monster das Gehirn tödliche Stromschläge erleidet.


Etwa so erzählte ich den Kindern von diesem Anime. Ich meinte auch zu ihnen, dass mich die Vorstellung, in einer virtuellen Welt zu sein, fasziniert. Wie es mir erscheint, waren die Jungs von dieser Fantasiegeschichte begeistert und befragten mich noch zu den Charakteren, Helden und Antihelden, Episoden und so weiter, wobei ich gerne ausführlich berichtete. Ich dachte mir nichts dabei. Als ich wieder zur Familie fuhr, nahm mich mein Kumpel beiseite und wollte mich sprechen. Er wollte wissen, ob ich seinen Kindern von so einer Art "Zukunftswelt" und einem "virtuellen Helm" erzählt habe, was ich bejahte. Danach brachte er mich ins Kinderzimmer und zeigte mir Kratzer, die der jüngere Knabe vom älteren Bruder eingesteckt hatte. Ich verstand nur Bahnhof. Der Vater klärte mich auf, indem er mir erzählte, wie die beiden vor ein paar Tagen in der Garage ihre Fahrradhelme geholt hätten und meine erzählte Geschichte nachspielen wollten. Dabei wäre der Ältere der Spieler und der Jüngere der Bösewicht gewesen. Um die vermeintlichen Stromschläge zu simulieren, begann der jüngere Bursche plötzlich auf dem vom Bruder aufgesetzten Helm rumzufausten. Danach hätten sich die beiden heftig zerstritten und dem Vater folglich alles erzählt. Als ich die Story gehört hatte, konnte ich nicht anders als den Lacher meines Lebens freizulassen. Der Vater gesellte sich schnell dazu, während die Kinder uns verdutzt anglotzten.


Nun ist alles wie vorher. Mir tut es leid, dass meine erzählte Geschichte einen Streit ausgelöst hat. Aber ich hätte ehrlich gesagt nie gedacht, dass zwei helle Köpfchen, die angeblich in der Schule die Klügsten sind, zu so einem unnötigen Tohuwabohu fähig gewesen wären. Hat das was mit der amerikanischen, ernstnehmenden Mentalität zu tun? Ich muss wohl aufpassen, was die beiden von mir in Zukunft hören. Wer weiß, was passieren könnte, wenn ich denen von Filmen wie "Fight Club" oder "Machete" erzähle.

Beichthaus.com Beichte #00033778 vom 18.08.2014 um 11:23:22 Uhr (10 Kommentare).

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Der unbekannte Kommilitone

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Begehrlichkeit Neugier Fremdgehen Studentenleben Göttingen

Ich (w/21) bin in einer Beziehung, die eigentlich ganz gut läuft. Mein Freund hätte es verdient, dass ich ihm mal ein bisschen mehr Aufmerksamkeit schenke, als ich es im Moment tue. Er ist echt ein toller Mensch, auch wenn ich das nach fast drei Jahren Beziehung manchmal nicht zu schätzen weiß. Ich sollte wirklich froh sein, einen so tollen Menschen an meiner Seite zu haben. Das hat mich die letzten fünf Wochen aber nicht davon abgehalten, permanent einem anderen Kerl hinterherzustarren. Ich studiere im Moment und wir hatten gerade diese fünf Wochen lang einen Blockkurs, wo wir mit 200 Leuten jeden Tag im selben Hörsaal saßen. Und immer, wirklich immer, wenn mir langweilig war, habe ich geschaut, wo dieser eine Kerl sitzt. Ganz ehrlich, zum Glück kenne ich ihn nicht - und er mich auch nicht. Ich habe nur über viele Ecken herausgefunden, wie er heißt. Dabei studieren wir schon seit zwei Jahren zusammen, aber so ist das halt - man lernt nie alle kennen. Jedenfalls finde ich ihn total attraktiv. Ich glaube, es ist ganz lange her, dass ich jemanden so anziehend fand. Das hat mich am Anfang auch ziemlich durcheinandergebracht. Ich habe mich gefragt, was an meiner eigenen Beziehung denn so verkehrt sein muss, dass ich einen anderen Mann so dermaßen attraktiv finde und ich habe alles Mögliche infrage gestellt. War nicht schön. Daraus ist fast eine richtig krasse Beziehungskrise geworden und es ist immer noch ein bisschen wacklig bei uns.


Langsam kann ich akzeptieren, dass es wohl nur so eine komische Phase war. Vielleicht so ein unbewusster Abwehrmechanismus, weil ich im Moment sehr viel Stress und praktisch kein Privatleben mehr habe. Trotzdem schäme ich mich dafür, dass ich immer geschaut habe, wo er heute sitzt und dass ich mich in den Pausen so hingestellt habe, dass ich ihn noch ein bisschen länger anschauen konnte. Ich schäme mich dafür, dass ich an dem einen Tag strahlend wie ein Honigkuchenpferd durch die Welt gerannt bin, nur weil er mich einmal angeschaut und gelächelt hat. Oder der Tag, wo er nur drei Plätze weiter saß. Es war furchtbar und wunderschön zugleich. Jetzt ist der Kurs vorbei und ich werde ihn nie wiedersehen. Nächstes Semester studiert er wahrscheinlich woanders weiter. Ich hoffe, ich kann bald mit dieser Phase abschließen und meiner Beziehung wieder mehr Aufmerksamkeit schenken. Ich hoffe, er geht mir bald aus dem Kopf. Unbekannter, falls du das liest: Ich hätte wirklich gerne mal mit dir geredet und herausgefunden, was du für ein Mensch bist. Und auch, wenn du mich nie kennen wirst: Ich wünsche dir nur das Beste für dein weiteres Leben, finde oder erhalte dein Glück. Alles Gute. Ach ja: Deine neue Frisur steht dir nicht schlecht. Aber mit Zopf sieht es noch besser aus als mit offenen Haaren. Betont deine tolle Stirn und die gerade Nase ausgezeichnet.

Beichthaus.com Beichte #00033777 vom 18.08.2014 um 10:14:59 Uhr in 37075 Göttingen (Robert-Koch-Straße) (18 Kommentare).

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