Von Puppen und Videospielen

22

anhören

Ignoranz Rache Partnerschaft Games

Vor etwa drei Monaten war ich für sieben Tage auf Geschäftsreise in London. Während dieser Zeit dachte sich meine Frau, dass sie unser Haus etwas vom Gerümpel befreien könnte, und hat so einige Sachen über einen kleinen Gartenflohmarkt verkauft. Für meine Frau fällt dabei natürlich alles unter den Aspekt Gerümpel, mit dem sie nichts anfangen kann. Ohne mich zu informieren, oder Rücksprache zu halten, bot meine Frau auch meine recht üppige Konsolensammlung an, bestehend aus recht vielen alten und neuen Konsolen und einer recht großen Spielebibliothek. Da meine Frau mit dem Hobby des Zockens nichts anfangen kann und auch nicht wirklich viel zum Thema Preisgestaltung dieser sagen kann, bot sie die Sachen auch noch weit unter Wert an und war erstaunt, wie schnell diese doch verkauft waren.

Als ich dann wenige Tage später von meiner Geschäftsreise zurückkam, war meine Frau sehr freudig erregt und meinte, dass wir das Geld für den nächsten Urlaub zusammenhätten. Im ersten Augenblick war ich davon natürlich auch sehr erfreut und auf meine Frage, woher das Geld denn kommt, erwähnte sie nur, dass sie einigen Krempel über besagten Gartenflohmarkt verkauft hätte. Ich habe das so recht freudig aufgenommen und mir nichts Böses dabei gedacht. Der Schock kam dann zu Hause, als ich ein auf der Geschäftsreise erworbenes älteres Spiel fein säuberlich zu den anderen Spielen stellen wollte. Es war alles weg. Ich stellte meine Frau natürlich sofort zur Rede, als Antwort kam dann, dass sie diese verkauft hätte, da ich ja eh nur selten damit spiele und solche Sachen ja allgemein nur für Kinder wären. Ich habe meine Frau erst mal nur ungläubig und mit offenem Mund angeschaut. Just in dem Moment, als sie sich schon wieder aus dem Raum bewegen wollte, bekam ich dann meine Fassung zurück und fragte mit recht belegter Stimme, ob sie ernsthaft meine Spiele verkauft hätte und ob das, was sie als Urlaubsgeld bezeichnet hatte, hiervon käme.

Als Antwort bekam ich ein einfaches "Ja" und "Knapp 2.500 Euro für deine Spiele und den anderen Kram." Ich habe sie dann mit lauter Stimme gefragt, ob sie noch ganz sauber ist, einfach meine Sachen aus meinem Hobbyraum zu verkaufen und das zu einem solch lächerlichen Preis. Anzumerken ist, dass sich einige wirkliche Schätze und Seltenheiten in der Sammlung befanden, die alleine schon locker diesen Preis erbracht hätten. Meine Frau ist dann sauer geworden, was mir einfallen würde, sie so anzuschreien und zu beleidigen, und dass sie das doch für uns getan hätte und immer wieder betonte sie, dass ich doch eh selten damit was gemacht hätte. Auf die Idee, dass man neben Familie und Beruf nur wenig Zeit für sein Hobby findet, kam sie irgendwie nicht. Den emotionalen Wert und die Erinnerungen, z. B. an die Spielesessions mit meinem verstorbenen Vater konnte sie in der Streitsituation auch nicht nachvollziehen.

Das Ganze endete mit Schweigen und null Verständnis seitens meiner Frau. Ich habe mir in der Zeit überlegt, was ich machen könnte, um meine Sachen wiederzubekommen. Ich hatte keine Adressen oder Namen von den Leuten und meine Frau schmollte lieber, statt ihren Fehler einzugestehen oder zu bereinigen. Etwa eine Woche später hatte ich einen freien Tag und meine Frau war auf der Arbeit und da kam mir die rettende Idee. Meine Frau hat irgendwie ein Faible für kleine Puppen und sammelt diese seit ihrer Kindheit. Ich habe also alles fein säuberlich in zwei große Kartons gepackt und in den Keller zu einigen anderen Kartons gestellt, sodass es nicht auffällt. Als meine Frau dann nach Hause kam und das Fehlen ihrer Püppchen bemerkte, stellte sie mich natürlich gleich zur Rede. Ich meinte dann nur, dass ich die Sachen für ein paar Euro über ein bekanntes Kleinanzeigenportal verkauft hätte, und habe ihr dann 200 Euro mit dem Vermerk "Für die Urlaubskasse" in die Hand gedrückt. Meine Frau fing daraufhin an zu heulen und schrie mich an. Ich habe dann nur den Raum verlassen. Sie kam einige Zeit später mit verheulten Augen zu mir und entschuldigte sich für den Verkauf meiner Sachen und für ihre Reaktion darauf. Sie fragte, ob ich den Verkauf rückgängig machen könnte, woraufhin ich nur darauf verwies, dass die Käuferin von recht weit herkam und ich meine Sachen ja auch nicht zurückbekommen würde. Ich glaube, in dem Moment ist meiner Frau erst richtig klar geworden, was sie da gemacht hat. Sie fing wieder an zu heulen, fiel mir in die Arme und beteuerte, mir meine Sammlung zurückzubringen.

Und was soll ich sagen? Es hat zwar einige Tage gedauert, aber ich habe den Großteil meiner Sammlung zurück. Das Urlaubsgeld ist zzgl. einer größeren Summe nun auch weg und meine Frau hat vorhin ihre Püppchen wiederbekommen, welche heute zufällig in zwei Kartons in ihrem Hobbyraum standen. Trotz der Aktion liebe ich meine Frau übrigens über alles und werde sie heute Abend fein zum Essen ausführen.

Beichthaus.com Beichte #00035967 vom 19.06.2015 um 15:03:24 Uhr (22 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Zu dumm für James Bond

32

anhören

Dummheit Peinlichkeit Medien Triptis

Ich (m/28) möchte beichten, dass ich trotz Abitur und Studium zu dumm bin, um James-Bond-Filme zu verstehen. Schon als Schüler habe ich liebend gerne James Bond angeschaut, damals eben hauptsächlich die Klassiker, also die Filme, die schon Jahrzehnte alt sind. Die Handlung habe ich damals nicht wirklich verstanden, also wer jetzt der Feind von wem ist und warum. Heute bin ich wesentlich älter, aber verstehe die Filme immer noch nicht, weder die alten, noch die neuen Filme. Am Anfang kann ich der Handlung noch folgen, aber nach einer halben Stunde stehe ich auf dem Schlauch und verstehe nicht, warum Bond jetzt an diesen oder jenen Ort geht, dort auf den einen oder anderen Verbrecher trifft und vor allem, um welches Verbrechen es überhaupt geht. Irgendwie geht es ja immer darum, dass die Bösewichte ein ganz großes Ding drehen wollen, aber was sie konkret vorhaben, ist mir immer eine Nummer zu groß. Ich mag die Filme dennoch, weil sie insgesamt gut gemacht sind, aber durch die Handlung bin ich noch bei keinem Film wirklich durchgestiegen. Entweder geht es vielen Leuten so, oder ich bin einfach zu blöd, die Handlung zu durchschauen.

Beichthaus.com Beichte #00035849 vom 02.06.2015 um 17:56:56 Uhr in Triptis (32 Kommentare).

In WhatsApp teilen

“Beichte

Mein Freund hat nie Zeit für mich!

60

anhören

Fremdgehen Eifersucht Verzweiflung Selbstsucht Partnerschaft

Ich (w/25) verliere vielleicht meinen Freund (m/29). Wir sind seit fast einem Jahr zusammen und er ist ein wahnsinnig lieber, ruhiger, aber manchmal auch langweiliger Mensch. Ich bin das genaue Gegenteil, gehe viel mit Freundinnen oder Arbeitskolleginnen feiern. Unsere Beziehung war anfangs toll, er verdient viel mehr als ich und überhäuft mich mit Überraschungen und Aufmerksamkeit. Im Bett ist er nicht so erfahren, aber der Sex wurde mit der Zeit immer besser. Er war, bis jetzt, die ganze Zeit glücklich in der Beziehung, aber ich nicht. Alles fing dann vor vier Monaten an. Mein Freund ist seit drei Jahren Assistenzarzt und arbeitet deswegen dauernd, jeden Tag und am Wochenende hat er auch fast nie Zeit für mich. Wenn er dann heimgegangen ist, ist er immer schnell schlafen gegangen, anstatt mal rauszugehen oder gar mit mir wegzugehen! Dann hat ihn auf Facebook so eine dumme Schlampe hinzugefügt, eine Krankenschwester - wie klischeehaft geht es denn noch?! Auf einem Teamfoto lehnt sie sich auch noch bei ihm an.


Ich bin dann wutentbrannt zu ihm und habe ihn ausgefragt. Er stritt alles ab, sagte, es würde auf dem Foto nur so aussehen und sie habe ihm paar Mal geschrieben, aber er habe nie reagiert. Er gab mir dann sein Passwort und sein Handy und sagte, ich könne alles durchsuchen während er duscht, und danach zu ihm in die Dusche kommen, wenn ich das wollen würde. Ich las alles durch, sie hatte ihn tatsächlich leicht angebaggert und er hatte sie abgewiesen. Und trotzdem, dass er so wenig Zeit hat - und wenn er Zeit hätte, trotzdem nicht zwischen den Schichten mit mir feiern geht - hat mich dann so frustriert und fertiggemacht, dass ich einfach nicht mehr konnte. Vor zwei Monaten habe ich einen jungen Mann in der Disco kennengelernt, er hat sich einfach um mich gekümmert und war immer für mich da, wenn mein Freund gearbeitet hat. Erst haben wir zusammen viel gemacht und abgehangen. Dann ging mehr - aber nur einmal! Ich habe den Kontakt zu dem Kerl auch sofort abgebrochen. Gerade eben hat mein Freund mich gefragt, ob ich nicht zu ihm ziehen will und da haben wir uns gestritten. Wir waren bei ihm und haben TV geschaut und gekuschelt, er hatte wieder Tagschicht gehabt und war sehr müde. Dabei kann das doch nicht so anstrengend sein.


Meine beste Freundin schrieb mich dann an, ob wir nicht spontan in die Disco gehen sollten und ich sagte zu. Er war total überrascht und traurig, dass ich so schnell wieder ging, aber er meinte, er wäre zu müde und müsse wieder früh raus. Bla, bla, bla. Aber er würde es verstehen, wenn ich gehen würde. Klar, als ob er das versteht. Im Gespräch fragte er dann, was ich davon halten würde, mit ihm zusammenzuziehen. Da war ich ein bisschen zu aufbrausend - mir ist die Sache mit dem Kerl rausgerutscht und nach einem längeren Gespräch sagte ich ihm, dass die ersten sechs Monate supertoll und aufregend waren, aber mir wäre das Hausfrauen-Leben zu langweilig und ich habe Schluss gemacht. Meiner Freundin habe ich das am Abend natürlich alles erzählt, die schrie mich aber an und fragte, ob ich behindert sei. Ich solle gefälligst aufhören, wie eine 18-Jährige zu denken. Aber es war einfach eine Panikreaktion! Ich bereue es total und habe ihn vorhin auch angerufen, aber er hat mich sofort weggedrückt. Schatz: Falls du das liest, es tut mir leid!

Beichthaus.com Beichte #00035809 vom 28.05.2015 um 22:38:38 Uhr (60 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Das erste Mal soll etwas Besonderes sein

35

anhören

Peinlichkeit Stolz Rasdorf

Ich (w) bin 18 Jahre alt und immer noch Jungfrau. Es ist nicht so, dass ich extrem hässlich bin, im Gegenteil. Ich höre oft Komplimente, dass ich so hübsch sei und ich bin auch nicht komplett unerfahren. Natürlich hatte ich hier und da mal etwas mit jemandem, aber eben keinen Sex. Das liegt daran, dass ich noch nie einen richtigen Freund und eine längere Beziehung hatte, weil ich einfach noch nie wirklich verliebt war. Und ich möchte nicht rumhuren und mit einfach irgendwem schlafen, nur damit ich sagen kann, dass ich keine Jungfrau mehr bin - ich finde, so viel Stolz sollte jeder besitzen. Es ist so, dass schon oft Jungs versucht haben, mich rumzubekommen, einfach nur, damit sie angeben können, mein Erster gewesen zu sein. Aber was habe ich davon, wenn keine Gefühle im Spiel sind? Meine Beichte lautet also, dass ich mit 18 Jahren noch nie Sex hatte und wenn ich nicht den Richtigen kennenlerne, mit dem ich es tun möchte, werde ich, wenn es sein muss, auch noch die nächsten 18 Jahre Jungfrau bleiben. Auch, wenn ich deswegen oft schief angeschaut, ausgelacht oder als "prüde" und "verklemmt" bezeichnet werde.

Beichthaus.com Beichte #00035802 vom 27.05.2015 um 15:44:18 Uhr in Rasdorf (35 Kommentare).

In WhatsApp teilen
Zufallsbeichte
“Ein


Die Wahrheit über die USA

35

anhören

Dummheit Maßlosigkeit Ungerechtigkeit Vorurteile Gesellschaft

Ich (m/24) verbringe gerade ein Jahr in den USA. Ich war nie ein großer Fan des amerikanischen Lifestyles, nichtsdestotrotz übte die amerikanische Kultur immer eine gewisse Faszination auf mich aus. Mir war klar, dass ich es einfach für mich selbst herausfinden muss, ob alles nur Bullshit ist, und all die Klischees wahr sind oder doch etwas dran ist, am amerikanischen Traum. Schließlich sind wir ja selbst in vielen Lebensbereichen stark amerikanisiert. Nur lebe ich seit knapp zehn Monaten im Süden der USA. Ich habe studiert und gearbeitet, in einer Familie gelebt und die Kirche besucht. Ich habe mich amerikanisch ernährt - ums Scheiße fressen kommt man hier schlicht nicht herum und ironischerweise habe ich in den USA abgenommen - Freundschaften geknüpft und Liebeleien gehabt. Meine Beichte ist: Es ist genauso, wie man es sich vorstellt und ich hätte es besser wissen müssen. Die meisten Menschen sind von den amerikanischen Idealen überzeugt. Negative Seiten des Systems werden mit persönlichem Versagen abgetan (He didn't try hard enough) und den Heldentod fürs Vaterland zu sterben, ist für die meisten Menschen, die ich getroffen habe, kein abwegiger Gedanke. Selbst wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass alles auf einer Lüge basiert.

Vielleicht muss man als Volk erst die absolute Katastrophe verursachen und scheitern, um all dem argwöhnisch gegenüberzustehen. Auch der religiöse Fanatismus hat mich unvorbereitet erwischt. Da darf man sich in der Kirche anhören, dass die 68er-Bewegung das Frauenbild versaut hat und dass man zu biblischen Werten zurückkehren müsse, die Frau gehöre an den Herd und habe folgsam zu sein. Homosexualität ist gegen den Willen Gottes und deshalb nicht duldbar, und sexuelle Aufklärung ermutigt die Jugend ja nur dazu, herumzuhuren. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass in dem Amerika, das ich kennengelernt habe, die meisten Frauen unter 20 schwanger werden. Und die Kinder dann mit den Eltern ohne den Erzeuger großziehen. Das kommt eigentlich in fast jeder Familie vor. Und das vor allem aufgrund nicht vorhandener Aufklärung. Da wundert es auch nicht, dass mit Einverständnis der Eltern die Prügelstrafe an Schulen - zumindest bis zur Middle School - noch zum Alltag gehört.

Auch die Medien sind erschütternd. Es ist reinste Propaganda ohne Maß und Blick für das große Ganze. Es wird vermittelt, dass es das Ziel aller Muslime sei, alle Christen zu töten. Das stände im Koran. Und das Schlimme ist: Es wird nicht hinterfragt, sondern geglaubt. Ich habe Menschen kennengelernt, die tatsächlich glauben, dass es das Ziel von über einer Milliarde Menschen auf diesen Planeten sei, sie umzubringen. Darauf, dass es sich dabei aber um Extremisten handelt und deren Beweggründe vielleicht auch im außenpolitischen Auftreten der USA in den letzten Jahrzehnten zu suchen sind, kommt keiner. Dagegen sieht unsere "Lügenpresse" doch auf einmal ganz vertretbar aus. Es sind gerade diese Dinge, die einem als Europäer selbstverständlich vorkommen, die einen hier so hart treffen. Man stellt schlicht fest: Die Amerikaner sind von Gleichberechtigung, Weltoffenheit und persönlicher Freiheit weitaus weiter entfernt, als wir guten alten Europäer. Auch und vor allem der allgegenwärtige Rassismus hat mir zu schaffen gemacht. Man kann sich hier mit Leuten anfreunden, die aufgeschlossen und nett wirken. Erst nach einiger Zeit, wenn sie sich sicher fühlen (denn ein Gespür für "political correctness" haben sie alle), darf man sich Sachen anhören wie "Rassentrennung war nicht das schlechteste Modell." Nicht umsonst gäbe es hier den Spruch "Don’t let the Sun rest on your black ass", was ziemlich offen angekündigt hat, was passiert, wenn sich ein Schwarzer noch nach Sonnenaufgang im falschen Landkreis sehen lässt.

Man bekommt dann auch in Ruhe erklärt, dass eine geladene Waffe im Kleiderschrank zum Selbstschutz eine durchaus gute Idee ist und dass Schwarze im Allgemeinen ungebildet, faul und von niederen Trieben gesteuert sind. Die Angst vor rassistisch motivierten Übergriffen ist hierbei übrigens eine ernst gemeinte, obwohl noch keiner selbst negative Erfahrungen gemacht hat, mit dem ich gesprochen habe. Aber man sieht es ja täglich. Man darf dabei auch nicht vergessen, dass der KKK hier noch Ende der 70er Jahre vermummt durch die Städte zog - laut Aussage einer Lehrerin die hier aufwuchs. Verwundert hat mich auch, dass man hier ohne Weiteres eine versteckte Feuerwaffe tragen darf. Für das offene Tragen braucht man übrigens gar keine Genehmigung. Es sind aber nicht nur die Weißen, die hier Rassisten sind. Ich habe mich in meinem Leben noch nie unwohler gefühlt, als an dem Abend, an dem ich als einziger Weißer in einem schwarzen Club aufgetaucht bin, um ein Jazzkonzert zu hören - jaja, dummer Tourist. Ich war geduldet. Das war es aber auch. Ich bin dann auch schnell wieder gegangen. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich in der Filiale eines bekannten Fast-Food-Restaurants in einer hispanischen Gegend, in der wir nach einer durchzechten Nacht frühstücken wollten. Wir wurden angeschaut und behandelt wie Aliens.

Es gibt übrigens auch die tollen, intelligenten und aufgeschlossenen Amerikaner. Diese sind aber - hier im Süden - schwer zu finden. Und nichts hat mich hier härter getroffen als ein 7-jähriges Mädchen, das in einem "weißen" County aufwächst und Dinge wie: "What do you expect? He is black" von sich gibt. Der Brunnen wird hier schon von klein auf vergiftet. Und es gibt keine Chance für diese Kinder, aus diesen Denkmustern auszubrechen. Sie werden zu Rassisten erzogen. Und sie werden als Rassisten sterben. Erstaunlich ist übrigens auch, dass ich mit meinem bisschen Schulgeschichte in der Oberstufe oft mehr über amerikanische Geschichte weiß, als viele Amerikaner. Zudem habe ich mich noch selten in meinem Erwachsenenleben weniger frei gefühlt. Pinkeln in der Öffentlichkeit wird als "sexual offense" gehandelt und mit Gefängnis bestraft. Trunkenheit in der Öffentlichkeit ist eine Straftat und ratet mal, womit das bestraft wird. Selbiges gilt für alkoholisiertes Fahren, jeglichen Drogenbesitz und stark überhöhte Geschwindigkeit.

Eine ehemalige Freundin von mir muss im Sommer für drei Tage ins Gefängnis, weil sie einen Strafzettel nicht bezahlt hat. Dass sie während dieser Zeit für ihr Master-Studium ans College muss, interessierte den Richter nicht. Hier wird nicht resozialisiert. Gefängnisse sind privat und deren Auslastung ist staatlich garantiert. Meine Beichte? Vieles hiervon wusste ich schon im Voraus. Ich wollte es nur nicht wahrhaben. Ich wollte das schöne, saubere Hollywood-Amerika erleben. Diesen Traum gibt es aber nur in der Traumfabrik. Ich musste mir diese Lektion persönlich abholen. Ich habe das wohl irgendwie gebraucht, um für mich mit dem Thema Amerika abschließen zu können. Das Schöne ist, dass ich Deutschland mehr zu schätzen weiß als je zuvor. Man hat zwar, gerade wenn man die Nachrichten verfolgt, nicht das Gefühl, dass zu Hause allzu viel Vernunft regiert, aber im Vergleich zu dem, was ich hier erlebe, erscheint die Aussicht auf Zuhause einfach nur paradiesisch.

Beichthaus.com Beichte #00035743 vom 18.05.2015 um 22:10:33 Uhr (35 Kommentare).

In WhatsApp teilen

Aggression   Begehrlichkeit   Betrug   Boshaftigkeit   Diebstahl   Drogen   Dummheit   Ehebruch   Eifersucht   Eitelkeit   Ekel   Engherzigkeit   Falschheit   Faulheit   Feigheit   Fetisch   Fremdgehen   Geiz   Gewalt   Habgier   Hass   Hochmut   Ignoranz   Lügen   Manie   Maßlosigkeit   Masturbation   Missbrauch   Misstrauen   Morallosigkeit   Mord   Neid   Neugier   Peinlichkeit   Prostitution   Rache   Schamlosigkeit   Selbstsucht   Selbstverletzung   Sex   Stolz   Sucht   Trägheit   Trunksucht   Ungerechtigkeit   Unglaube   Unreinlichkeit   Vandalismus   Verrat   Verschwendung   Verzweiflung   Völlerei   Vorurteile   Waghalsigkeit   Wollust   Zorn   Zwang   Zwietracht  

“35.000