Meine perfekte Mutter

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Hass Zorn Verzweiflung Familie Backnang

Ich möchte hier beichten, dass ich meine Mutter hasse. Sie ist jemand, der sich nach außen hin immer weltoffen und tolerant gibt, aber in Wirklichkeit eine Heuchlerin ist. Zum Beispiel wurde ich als kleines Kind als hochbegabt diagnostiziert und habe ein paar Schulklassen übersprungen. Da hat sich meine Mutter natürlich reizend dafür eingesetzt, dass das auch wirklich geht, und lässt auch heute noch keine Chance aus, mit ihrem „ach so schlauen Kind“ anzugeben. Dass zu dieser Hochbegabung aber auch mittelschwerer Autismus gehört, passt ihr gar nicht. Wenn ich mal etwas aus Versehen falsch machte oder nicht verstand, wurde ich je nach ihrer Laune mindestens entnervt behandelt oder auch als dämlich und nutzlos angeschrien. Sie ist auch eine Sauberkeitsfanatikerin, und wenn sie irgendwo einen Fussel findet, oder ein Stift auf dem Tisch rumliegt, ist das eine mittelschwere Katastrophe und ein stundenlanger Streit folgt. Dann droht sie sofort damit, mich auf die Straße zu setzen. Auch wenn etwas kaputt geht oder nicht mehr funktioniert, bin natürlich immer ich schuld, obwohl sie selbst zu dämlich ist, sich auch nur in Facebook anzumelden und schon öfter den Computer kaputtgekriegt hat, als ich zählen kann. Dann wird nach Hilfe gebettelt, damit die Informatikertochter das wieder richtig macht. Aber sobald ihr etwas an meinen Vorschlägen nicht passt, wird es wieder als Schwachsinn abgetan.

Da versteht sich von selbst, dass sie der tollste Mensch der Welt ist. Wenn sie einen der Fehler macht, den sie anderen immer vorwirft, dann war das natürlich etwas ganz anderes, und auf keinen Fall ihre Schuld, sondern erklärbar durch Ausnahmeregel XY. Des Weiteren hat sie immer recht, und ihrem Geschmack sollte sich die ganze Welt beugen. Meine Klamotten lassen mich aussehen wie "den letzten Penner", weil zum Beispiel die Jeans unten etwas abgeschabt ist. Wenn sie aber durchsichtige T-Shirts anzieht und labbrige BHs, und dann mit 50 Jahren der ganzen Welt ihre Brustwarzen präsentiert, ist das natürlich was anderes. Bis vor Kurzem war sie noch ziemlich fett und war noch nie eine besondere Augenweide, aber kaum hat sie mal ein paar Kilo abgenommen wird sich über fette Leute lustig gemacht und es kommen abfällige Kommentare über mein Gewicht, oder sie erwähnt mit Vorliebe meine fetten Oberschenkel und dass meine Hosen ja etwas eng aussähen. Sie ist auch stolz darauf, dass sie sich "nichts bieten lässt" und erzählt jedem, der es hören oder auch nicht hören will, dass sie nun mal sie selbst sei und sich für nichts und niemanden ändern würde. In der Realität sieht das dann so aus, dass sie wegen jeder Kleinigkeit unschuldige Leute anschreit und beleidigt, weil sie angeblich etwas falsch gemacht haben. Das wird dann als Durchsetzungsfähigkeit und als gesunder eigener Willen verkauft. Das dumme behinderte Kind darf so etwas natürlich nicht haben, das muss sich der Gesellschaft und vor allem ihr beugen und möglichst "normal" werden, damit sie sich nicht immer so für mich schämen muss - wörtlich so von ihr. Denn ich sei ja langsam und unhöflich und unbeholfen und eine Schande für sie, und sie wollte ein normales Kind haben, weil sie mit mir nichts anfangen kann. Es macht mich wahnsinnig wütend, dass sie das alles einfach gar nicht zu erkennen scheint und nie etwas einsieht. Das Schlimmste ist, dass sie mit ihrer äußeren Fassade der liebenswerten und unterstützenden Mutter fast überall durchkommt und niemand ahnt, wie sie sich zu Hause so benimmt. Daher habe ich mittlerweile (ich bin jetzt 20) einen riesigen Hass auf sie. Ich beleidige sie ständig, wenn sie mich nicht hören kann. Ich bin ihr gegenüber kühl und abweisend, und wenn sie mal traurig ist und Trost will, lasse ich sie links liegen. Ich freue mich wahnsinnig auf den Tag, an dem ich endlich ausziehen kann und nicht mehr finanziell von ihr abhängig bin, was hoffentlich bald ist.

Und das Schlimmste an allem ist, dass ich es noch nicht einmal schaffe, mich von ihr zu lösen, und sie auf eine seltsame Art immer noch liebe. Manchmal ist sie auch immer noch nett und lustig, wenn sie gute Laune hat, und dann können wir echt gut miteinander auskommen. Ich bin immer hin- und hergerissen. Einerseits denke ich an die Frau, die mich als Kind mehrmals geschlagen hat, und zwar nicht nur einmal im Affekt, sondern immer wieder drauf, bis ich blutend am Boden lag. Aber dann denke ich an die Frau, die hin und wieder sagt, dass sie mich lieb hat, oder lustige Aktionen bringt, oder einen Tag lang mal echt nett ist. Und dann fühle ich mich tatsächlich nutzlos und rede mir ein, dass ich bestimmt wirklich nur dumm bin und sie eine tolle Frau ist, der ich nur auf die Nerven gehe. Sie tut nach einem Streit auch immer so, als wären das nur harmlose kleine Meinungsverschiedenheiten, und ist dann gekränkt, wenn ich nach den übelsten Beleidigungen nicht sofort mit offenen Armen wieder auf sie zukomme. Es geht nicht in mein Gehirn, dass meine Mutter womöglich ein überwiegend schlechter Mensch ist, und dass ich mich von ihr lossagen sollte. Ich möchte meine Eltern doch gernhaben, und bin gut darin, mir dann manchmal alles schön zu reden. Bei anderen Leuten sage ich immer sofort: Lass dir das nicht gefallen, sag ihr die Meinung und geh. Aber ich selbst bin zu schwach dafür.

Beichthaus.com Beichte #00031709 vom 06.08.2013 um 13:38:22 Uhr in Backnang (35 Kommentare).

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Auf der Überholspur

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Waghalsigkeit Engherzigkeit Zwang Sport Gablingen

Ich bin zwar kein Sportler, habe jedoch sehr kräftige Beine und eine ganz gute Ausdauer. Und eigentlich gehöre ich nicht zu den Menschen, die sich immer mit anderen messen müssen. Wenn ich mich aber für eine Tour auf mein Fahrrad setze, habe ich beinahe einen dauerhaften Zwang, immer möglichst schnell zu fahren. Vielleicht auch, weil ich nicht überholt werden will. Durch die viel höheren Geschwindigkeiten kommt es immer wieder zu prekären Situationen im Straßenverkehr. Andere Radfahrer oder Fußgänger erschrecken sich (trotz genügendem Abstand) immer wieder, wenn ich mit 30 Sachen an ihnen vorbei fahre. Auch Autofahrer rechnen oft nicht damit, dass jemand mit dem Tempo auf dem Radweg fährt und so passiert es häufiger, dass ich übersehen werde und mit Vollbremsungen oder riskanten Ausweichmanövern einen Unfall vermeiden muss. Ich halte mich allerdings immer an die Verkehrsregeln, also fahre nicht über Rot oder Ähnliches, und nehme auch viel Rücksicht auf andere. Obwohl ich immer im Recht bin, fühle ich mich dennoch mies, denn mein Fahrstil beschwört oft Ärger, Schrecken und Auseinandersetzungen herauf. Leider besteht dieser Drang, immer auf die Tube zu drücken, denn irgendwie bereitet mir das Heizen mit einem guten Fahrrad auch Vergnügen. Vielleicht suche ich diese Auseinandersetzungen aber auch unterbewusst, um Aggressionen abzubauen.

Beichthaus.com Beichte #00031702 vom 05.08.2013 um 20:33:25 Uhr in Gablingen (34 Kommentare).

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Der Genuss von Alkohol

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Trunksucht Maßlosigkeit Trunksucht Sucht Studentenleben Haßmersheim

Seit längerer Zeit, genauer gesagt, seit ich für mein Studium vor zwei Jahren ausgezogen bin, trinke ich extrem viel Alkohol. An Wochenenden knallt es dann öfters so richtig und den Folgetag kann ich einfach völlig in die Tonne kloppen. Unter der Woche haue ich mich nicht weg, aber ich trinke dennoch jeden Abend ein oder zwei Bier, auch alleine. Wenn ich Besuch habe, fließt dementsprechend auch mehr Alkohol unsere Kehlen runter, aber richtig voll bin ich unter der Woche nicht. Das passiert nur, wenn ich am nächsten Tag freihabe. Meine Leistungen in der Uni und auf der Arbeit leiden nicht darunter, aber meiner Gesundheit tut das alles nicht gut. Ich kann aber nicht aufhören. Selbst wenn ich mir vornehme, mal eine Zeit lang nichts zu trinken, zische ich mir abends doch mal ein Bier. Mir macht der ständige Genuss von Alkohol irgendwie Angst. Ich weiß nicht, ob ich im Unterbewusstsein versuche, damit irgendwas zu verdrängen, oder sonst etwas. Manchmal glaube ich, dass mir der Alkohol einfach zu gut schmeckt und ich deshalb so viel trinke. Ich meine, was gibt es geileres als ein kühles Helles zum Feierabend?


Einen Vorteil hat das Ganze allerdings doch: Oft werde ich auf Partys zum Wetttrinken herausgefordert. Diese Typen denken immer, sie könnten mich dabei abziehen, weil sie sich ganz geil und cool finden und sich profilieren müssen. Ich dagegen bin niemand mit großem Selbstbewusstsein und auch nicht der Attraktivste. Aber durch meine kleine "Sucht" bin ich mittlerweile sehr abgehärtet und kann saufen wie ein Loch. Und dann stelle ich diese selbstverliebten Machos, die einen auf dicke Hose machen, ständig bloß und genieße es dann, wenn die völlig am Ende sind und zur Krönung noch mal richtig reihern. Keine Ahnung, was mir das bringen soll, denn eigentlich bin ich ja selbst verantwortlich für mein Trinkverhalten, aber trotzdem bitte ich um Absolution.

Beichthaus.com Beichte #00031691 vom 03.08.2013 um 21:39:58 Uhr in Haßmersheim (17 Kommentare).

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Das verquere Weltbild

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Dummheit Ignoranz Engherzigkeit Bahn & Co. Halberstadt

Das verquere Weltbild
Aufgrund des tragischen Zugunglücks in Santiago de Compostela in Spanien ist mir kürzlich eine Situation aus meiner Kindheit eingefallen. Ich weiß nicht mehr genau, wann das Zugunglück von Eschede genau war, aber ich erinnere mich, wie ich davon erfuhr. Ich (1989 geboren) saß zu dem Zeitpunkt bei meinen Großeltern auf dem Teppich und sah mit ihnen die Abendnachrichten. Meine Großeltern waren natürlich bestürzt, als sie von der Tragödie erfuhren, ich für meinen Teil fand es jedoch toll, dass so viele Menschen gestorben sind. Und dass nur, weil ich am Tag zuvor irgendwo aufgeschnappt hatte, dass es immer mehr Menschen auf der Welt gäbe und dass die Erde das nicht länger verkraften könne. Ich bitte um Vergebung für meine damalige Engherzigkeit, glaube aber daran, dass es einfach am Alter lag. Und im Grunde wollte ich mit meinem verqueren Weltbild nur das Beste für die Welt.

Beichthaus.com Beichte #00031681 vom 01.08.2013 um 14:31:43 Uhr in 38820 Halberstadt (Straße der Opfer des Faschismus 29) (19 Kommentare).

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Wenn die Schwangerschaft unmöglich ist

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Falschheit Lügen Feigheit Verzweiflung Schwangerschaft

Ich bin wohl der schlechteste Freund, den eine Frau sich nur vorstellen kann. Ich habe mich mit 23 sterilisieren lassen, damals konnte ich mir ein Leben mit Frau und Kindern absolut nicht vorstellen. Ich wollte meine Freiheiten genießen. Nur leider bereue ich diesen Schritt jetzt mehr als alles andere. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich in zwei Jahren das Glück auf Erden finden würde, hätte ich demjenigen wohl einen Vogel gezeigt. Doch so kam es. Ich habe knapp zwei Jahre nach dem Eingriff "die Eine" getroffen. Wir sind jetzt seit vier Jahren zusammen und alles läuft super. Unsere Beziehung beruht auf Geben und Nehmen, der Sex ist mehr als fantastisch, wenn auch in letzter Zeit etwas seltener. Der Grund ist, dass meine Freundin, "wir", probieren, schwanger zu werden. Sie (24) weiß nichts von dem Eingriff. Sie probiert so vieles, Hormontherapie, Akupunktur und weint jedes Mal so bitterlich, wenn sie denkt, sie wäre schwanger und dann einen Test macht. Es zerfrisst sie regelrecht. Und ich habe wirklich nicht den Arsch in der Hose, um ihr die Wahrheit zu sagen. Sie gibt sich an all dem die Schuld. Sie hat mich zu einem besseren Menschen gemacht, sie hat so viel Liebe in mich gepumpt, ich kann ohne sie nicht leben und genau deswegen kann ich ihr die Wahrheit nicht sagen, sie würde mich verlassen, wenn sie es wüsste. Ich schäme mich und bereue den drastischen Eingriff heute zu tiefst. Ich bitte nicht um Absolution, ich bin schließlich selbst schuld. Aber ich hasse mich dafür Tag für Tag ein bisschen mehr.

Beichthaus.com Beichte #00031669 vom 30.07.2013 um 18:11:50 Uhr (59 Kommentare).

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