Der Rosenkrieg meiner Eltern
Beichthaus.com Beichte #00034585 vom 12.12.2014 um 13:29:16 Uhr (18 Kommentare).
Beichthaus.com Beichte #00034585 vom 12.12.2014 um 13:29:16 Uhr (18 Kommentare).
Beichthaus.com Beichte #00034567 vom 10.12.2014 um 19:04:09 Uhr in 20359 Hamburg (Herbertstraße) (16 Kommentare).
Beichthaus.com Beichte #00034540 vom 07.12.2014 um 21:36:48 Uhr (13 Kommentare).
Beichthaus.com Beichte #00034489 vom 03.12.2014 um 19:50:13 Uhr (14 Kommentare).
Beichthaus.com Beichte #00034446 vom 28.11.2014 um 18:01:30 Uhr (28 Kommentare).
Aggression Begehrlichkeit Betrug Boshaftigkeit Diebstahl Drogen Dummheit Ehebruch Eifersucht Eitelkeit Ekel Engherzigkeit Falschheit Faulheit Feigheit Fetisch Fremdgehen Geiz Gewalt Habgier Hass Hochmut Ignoranz Lügen Manie Maßlosigkeit Masturbation Missbrauch Misstrauen Morallosigkeit Mord Neid Neugier Peinlichkeit Prostitution Rache Schamlosigkeit Selbstsucht Selbstverletzung Sex Stolz Sucht Trägheit Trunksucht Ungerechtigkeit Unglaube Unreinlichkeit Vandalismus Verrat Verschwendung Verzweiflung Völlerei Vorurteile Waghalsigkeit Wollust Zorn Zwang Zwietracht
Mittlerweile lebten sie in getrennten Wohnungen, mein Vater hatte zwei Affären und meine Mutter einen neuen Freund. Ich lebte größtenteils bei meiner Mutter, die zunehmend streng, unnachgiebig und unfair mir gegenüber wurde, gleichzeitig meine Schwester aber gnadenlos verhätschelte und bevorzugte. An den Wochenenden war ich bei meinem Vater, der es nicht auf die Reihe bekam, seine Affären, die nichts voneinander wissen durften, vor mir abzuschirmen. Ich merkte natürlich recht schnell, was gespielt wurde, und mein Vater erlaubte mir daraufhin gewisse Freiheiten, wie Rauchen, und ab und an etwas trinken, im Gegenzug dazu, dass ich den beiden Frauen nichts verriet. Meine Mutter versuchte indessen meine Schwester vor meinem Vater fernzuhalten und ihm war das wegen der Umstände ganz lieb.
Ich rutschte allerdings in dieser Zeit immer mehr ab. Meine Drogenkarriere erreichte ihren tragischen Höhepunkt, als ich mir mit 14 auf einer Party versehentlich im Mix mit etwas Alkohol und Marihuana eine Überdosis Koks zog und geistig vollkommen weggetreten war, währenddessen noch von meinem damaligen besten Freund mehr oder weniger vergewaltigt wurde, und schließlich einen Herzstillstand erlitt. Glücklicherweise war eine der Anwesenden Krankenschwester und mein bester Freund bemerkte meinen Herzstillstand rechtzeitig, sonst wäre die ganze Sache wohl anders ausgegangen. Danach wurde ich in eine Klinik für Suchtkranke eingewiesen, wo ich mehrere Monate blieb. Die Situation zwischen meinen Eltern eskalierte allerdings in der Zeit. Meine Mutter verklagte meinen Vater wegen irgendwelcher Unterhaltszahlungen und versuchte, ihm das Umgangsrecht zu entziehen. Sie verhätschelte meine Schwester nun noch mehr und versuchte, mich mithilfe ihres mittlerweile zweiten neuen Freundes, der recht viel Geld hatte, in ein kirchliches Internat abzuschieben.
Solange ich mich weigerte, dahin zu gehen, durfte ich so gut wie nicht mehr raus, nicht mehr Fernsehen - geschweige denn an den Computer, meine Hobbys wurden mir verboten und ich durfte keine Freunde oder Freundinnen mit nach Hause bringen. Schließlich kapitulierte ich vor den Zwängen und ging in das Internat. Dort sollte eigentlich alles besser werden, aber stattdessen wurde es nur noch schlimmer. Der Alltag war geprägt von Mobbing und Hass. Es gab eine Art Gang, die alle anderen einzuschüchtern versuchte und sie bestahl. Wenn die Erzieher nicht hinsahen, gab es schon einmal Handgreiflichkeiten, oder man wurde unter der Gemeinschaftsdusche mit nassen Handtüchern verdroschen, oder von der Gang sexuell belästigt. Die Gang vergewaltigte wohl sogar mal ein Mädchen mit ihrem eigenen Mobiltelefon, aber da war ich glücklicherweise nicht dabei. Ich bettelte in der Zeit regelrecht meinen Vater an, dass er mich wieder aufnahm, obwohl sein Umgangsrecht nach wie vor in der Schwebe war.
Ich beschrieb ihm die Zustände in dem Internat und eines Tages kam er mich endlich holen. Meine Mutter hatte es nach langem Zögern doch erlaubt, wohl weil sie Angst hatte, dass ich wieder zu ihr zurückkommen und ihr neues Familienglück stören könnte. Sie war mit Anfang vierzig noch mal schwanger von ihrem neuen Mann. Ein halbes Jahr nach meinem Weggang wurde das Internat übrigens komplett umstrukturiert und die Mädchen der Gang erhielten Anzeigen und umfangreiche Disziplinarmaßnahmen. Aber da war ich schon längst in der nächsten Misere: Meine neue Stiefmutter war ein Hausdrachen sondergleichen, hatte eine verzogene, stinkend faule Tochter, und konnte mich überhaupt nicht leiden. Außer zum Putzen war ich für nichts gut genug. Meine Stiefschwester durfte sich alle möglichen Freiheiten herausnehmen - ich durfte gar nichts. Ich wurde mit Holz hacken und Hausputz getriezt, während meine Schwester vorm Fernseher hockte und sich einen Ranzen anfraß.
Bei jeder noch so kleinen Verfehlung gab es mächtigen Ärger, meine Stiefschwester konnte indessen regelrecht machen, was sie wollte. Sie kam am Wochenende abends zwei Stunden zu spät und mit einer Alkoholfahne heim, es gab einen Gutenachtkuss für sie und eine kleine Ermahnung. Ich hatte in der Woche ungelogene fünfzehn Minuten Verspätung wegen Blitzeis und bekam wochenlang Hausarrest und eine saftige Predigt. Mein Vater tat nie etwas gegen diese Ungerechtigkeiten. Ich hatte es satt. Als mich meine Stiefmutter zu schlagen begann, war das Maß endgültig voll. Ich verschwand von zu Hause, mit dem Ziel zu meinen Großeltern in einen anderen Teil Deutschlands zu ziehen. Ich trampte und lernte dabei einen äußerst attraktiven jungen Mann kennen, dem ich erzählte, ich sei 19, und machte Urlaub. In Wirklichkeit war ich noch nicht einmal 16. Meine Großeltern nahmen mich vorerst auf, waren bestürzt über meine Geschichte und zeigten deswegen auch sehr viel Verständnis.
Mein Leben verlief bald in geordneteren Bahnen. Ich blieb in Kontakt mit dem jungen Mann, er war übrigens 31, wir dateten uns ein paar Mal, waren auf einer Wellenlänge und schließlich schliefen wir miteinander. Er sah blendend aus, hatte einen tollen muskulösen Körper und gab mir selbst beim Sex das Gefühl von Geborgenheit. Wir begannen eine Beziehung, in der ich ihn allerdings wegen meines Alters anlog. Es stellte sich heraus, dass er Psychologe war und als ich ihm nach einem kleinen Zusammenbruch alles gestand, verließ er mich wider Erwarten nicht, sondern stellte mich einem Kollegen vor. Heute sind wir auf den Tag acht Jahre lang ein Paar, ich studiere selbst Psychologie und habe meine Vergangenheit hinter mir gelassen.
Die Einzige, mit der ich aus der Familie noch Kontakt habe, ist meine kleinere leibliche Schwester, die wegen des Ganzen an Borderline leidet. Durch sie habe ich letztens erfahren, dass meine Mutter an Brustkrebs erkrankt ist und die Prognosen nicht gut sind. Ich beichte, dass ich trotz dieser Tatsache keinesfalls wieder Kontakt mit meinen Eltern aufnehmen werde, dafür sind die Narben, die sie mir seelisch zugefügt haben, einfach zu schlimm.