Wir hätten eine Familie sein können!
Beichthaus.com Beichte #00019102 vom 20.11.2006 um 20:46:58 Uhr (3 Kommentare).
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Wir telefonierten immer wieder und ich hatte ernstzunehmende Probleme meinen Job weiterzumachen. Ich hatte das Gefühl, dass sie mich testen will. Aber dann vermutete ich einfach nur einen Nebenbuhler. Denn es wurde nie ein plausibler ernstzunehmender Grund genannt. Das hat mich schwer zerstört und ich hatte lange keine Beziehung danach. Ich heulte mir eine Woche die Seele aus dem Leib und setzte plötzlich im Affekt auf den Racheengel. Einen Tag vor ihrem Examen rief ich nachts um 1 Uhr die Polizei an. Ich atmete schwer und spielte verwirrt. Ich erzählte, dass meine Freundin mich gerade angerufen hat und plötzlich hörte ich am anderen Ende nur noch Geschrei und Hilferufe. Anscheinend wird sie gerade überfallen von ihrem Ex-Freund (ich war ja am Telefon der neue Freund!). Die Polizei wurde natürlich sofort aktiv. Mitten in der Nacht vor ihrem Examen lief praktisch eine Polizeieinheit auf, weil sie von einem Gewaltverbrechen ausgingen.
Da sie nichtmal die Tür öffnete, weil sie so tief schlief (sie benutzte manchmal Oropax zum Schlafen) rammte die Polizei die Tür ein und schockte sie natürlich dementsprechend. Das es so drastisch wird konnte ich ja nicht ahnen. Ich wollte quasi nur den Schock erzeugen und sie wachmachen. Das Examen hat sie nicht bestanden! So wie ich meinen Job verlor! Vergeltung in der gerechtesten Form. Innerlich fühlte ich mich damals tief befriedigt. Sie wollte doch unbedingt etwas Wildes erleben. Wir haben uns nach drei Jahren wiedergetroffen und komischerweise darüber gelacht. Aber ich fühle mich trotzdem noch irgendwie innerlich sehr grausam. Denn sie erzählte mir dann, was der eigentliche Grund war: Sie war schwanger von mir und wollte es nicht sein. Sie wollte auch gar nicht mit mir darüber reden. Sie wollte vor allem das eigene Leben noch genießen. Sie hatte Angst vor dem typischen Familien-Tara und dem Alltagsblues als kleine Familie. Zu viel Verantwortung etc.
Sie entschied sich für Abtreibung. Unentschlossenheit hatte aber schon sehr viel Zeit vergehen lassen, sodass es in die kritischen Monate kam. Deshalb wollte sie eine Denkpause! Durch den Schock und das verpatzte Examen ließ sie dann auch Abtreiben mit Ausschaben usw. - schmerzhafte Angelegenheit für eine Frau. Wir hätten nun Eltern sein können und haben uns beide runtergerissen. Ich habe noch nie mit jemandem darüber geredet. Aber das Aufschreiben tut gut. Vielleicht hilft es ja sogar jemand anderem, so etwas zu lesen. Man sollte vor allem ehrlich miteinander über alles reden. Wir hätten es verhindern können, wollten aber anscheinend nicht.