In der falschen Zeit geboren

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Ignoranz Hochmut Unglaube Gesellschaft

Im Grunde genommen ist das nicht einmal eine richtige Beichte, aber ich muss es einfach loswerden. Seit ich klein bin, habe ich das Gefühl, dass etwas mit mir nicht stimmt. Je älter ich wurde, desto mehr hat es sich bestätigt. Ich bin "anders", aber ich bin nicht stolz darauf. Die Jugend von heute, meine Generation, sehe ich so: Für die Meisten spielen Partys, Rauchen, Alkohol, Sex, teilweise Drogen und andere Oberflächlichkeiten, so auch das Selbstbild, Mode, diverse Trends und generell das Äußere, eine große Rolle. Für mich nicht. Ich hasse Partys, vor allem, wenn sie laut und groß sind und sich viele abfüllen. Ich bin volljährig, aber ich habe noch nie Alkohol getrunken, geraucht oder Drogen konsumiert. Genau genommen habe ich es auch niemals vor. Es ist für mich selbstverständlich, dass diese Dinge einfach "schlecht" für mich sind, was aber nichts mit der Erziehung meiner Eltern oder so zu tun hat. Außerdem bin ich noch Jungfrau und Sex im Allgemeinen hat mich noch nie wirklich interessiert. Alle Oberflächlichkeiten sind für mich nebensächlich. Ich achte zwar auf Hygiene, aber so etwas wie Schminke wollte ich auch erst, als ich 16 wurde. Genau genommen habe ich mich vorher nicht im Geringsten über mein Aussehen oder die Meinung anderer gekümmert. Mode und sonstige Trends interessieren mich bis heute nicht - ich finde es schlichtweg hirnlos, irgendwelchen Idolen nachzuäffen und wie selbstverständlich das zu tun, was alle tun. Mein Erscheinungsbild ist dementsprechend "anders", ebenso wie meine Denkweisen. Ich habe manchmal sogar das Gefühl, als sei diese Überzeugung, diese Grundeinstellung gegenüber der Gesellschaft von Geburt an da gewesen.


Eigentlich bin ich erst darauf aufmerksam geworden, als das Thema im Pädagogikunterricht zur Sprache gebracht wurde. Die Charakter- und Identitätsentwicklung bei jüngeren Jugendlichen. Die angebliche Tatsache, dass sich alle im Alter zwischen 12 und 15 extrem anpassen und dazugehören wollen. Ich habe dabei festgestellt, dass nicht auch nur einer der Punkte auf mich zutraf. Alles in allem ist mir diese Gesellschaft, in der ich lebe, ohnehin viel zu schnell, hektisch und laut. Der technische Fortschritt interessiert mich ebenfalls nicht. Ich besitze beispielsweise kein Smartphone, sondern nur ein älteres Mobiltelefon mit vergleichsweise wenigen Funktionen, aber nicht einmal das brauche ich. Für andere Dinge wie schnelle Autos, Markenbekleidung oder moderne Musik besitze ich ebenfalls kein Interesse. Ich habe oft das Gefühl, als sei ich in der falschen Zeit geboren worden. Im Prinzip habe ich auch keine richtigen Freunde und meine Bekannten meinen immer, ich könne doch gleich in ein Kloster gehen. Manchmal werde ich auch gefragt, ob ich Selbstzweifel habe, aber die habe ich nicht. Ich kann noch nicht einmal sagen, nach welcher Überzeugung ich lebe, aber viele Dinge, die den meisten Menschen wichtig erscheinen, sind mir vollkommen egal. Das Einzige, wonach ich suche, sind Wissen und Erkenntnis. Allerdings bereue ich es, dass ich das hier allen, die mir wichtig sind, genau so erzählt habe. Seitdem ist mein Bekanntenkreis noch kleiner geworden. Ich beichte im Prinzip also nur, dass ich "anders" bin und die Gesellschaft einfach nicht verstehe.

Beichthaus.com Beichte #00031970 vom 30.09.2013 um 01:41:56 Uhr (59 Kommentare).

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Ein Leben aus Lügen

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Lügen Falschheit Zwang

Ich möchte beichten, dass ich perfekt lügen kann und das auch nutze. Schon als kleines Kind habe ich gelernt, dass man viel Ärger verhindern kann und Strafen entgeht, wenn man nicht die Wahrheit sagt. Wurde ich beim Lügen erwischt, war das für mich kein Grund, damit aufzuhören, sondern ein Ansporn, das Lügen zu verbessern. In der Pubertät war ich quantitativ auf dem Lügen-Zenit - ich ersparte mir damit jede Menge Hausarrest und Diskussionen. Wirklich schlimme Dinge habe ich nicht getan, die üblichen Teenager-Eskapaden halt, aber warum mit Mama über die falschen Freunde und den Alkohol- und Zigarettenkonsum diskutieren, wenn man dies ebenso verheimlichen kann? Wieso von Papa Ärger bekommen, weil man zu spät nach Hause kommt? Ein platter Reifen durch einen Nagel in der letzten Kurve vor dem Haus war doch Erklärung genug. Leider wurde ich immer noch ab und an beim Lügen erwischt. Als junger Erwachsener habe ich das Lügen dann perfektioniert. Ich recherchierte die physiologischen Abläufe und trainierte mir diese ab - häufiges Blinzeln, bestimmte Handbewegungen etc. Die Dinge, die man nicht beeinflussen kann, wie vermehrtes Schwitzen an den Händen und leichtes Erröten, wurden mit der Zeit weniger, da ich abgeklärter wurde.

Außerdem entwickelte ich ein System, um eine Lüge möglichst glaubwürdig rüberzubringen. Nah an der Wahrheit, eventuell leichte Eingeständnisse, aber nie haargenaue Erinnerungen. Auch die glaubwürdigste Reaktion ermittelte ich empirisch. Wann muss ich auf einen Vorwurf enttäuscht reagieren, wann eher aggressiv? Ich beobachtete Menschen, die mit falschen Vorwürfen konfrontiert wurden, und merkte mir deren Verhaltensweisen. Ich bin kein notorischer Lügner und kann auch zu meinen Fehlern stehen, aber oftmals sehe ich nach wie vor Vorteile im Lügen - und dann sage ich auch nicht die Wahrheit. Damit fahre ich seit vielen Jahren sehr gut und ich wurde seit Jahren nicht mehr beim Lügen erwischt, da ich mein System so verinnerlicht habe. Ich nutze mein Lügen meist für positive Dinge und vermeide somit Streit und unnötigen Ärger, auch für andere Personen. Mittlerweile ist das Lügen schon fast eine Art Zwang - ich überlege nicht mehr, ob ich besser die Wahrheit sage oder nicht, ich reagiere instinktiv, um meinen Arsch, oder den von Freunden, zu retten.

Meine Moralvorstellungen und Werte halten mich allerdings davon ab, in heiklen Situationen zu lügen. Zum Beispiel würde ich vor Gericht immer die Wahrheit sagen! Aber ich glaube, ich kann mittlerweile so perfekt lügen, dass selbst ein Psychologe nicht erkennen würde, dass ich nicht die Wahrheit sage. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass ich einen Lügendetektor austricksen kann, zumindest die Dinger, die in Talkshows verwendet werde. Einige wenige Freunde wissen, wie gut ich lügen kann, da ich es schon für sie eingesetzt habe - ich kann allerdings nicht verstehen, wieso sie mir überhaupt noch vertrauen und glauben. Manchmal glaube ich mir selbst nicht mehr...

Beichthaus.com Beichte #00031967 vom 29.09.2013 um 03:24:05 Uhr (24 Kommentare).

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“Beichte

Meine Veganerscham

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Falschheit Lügen Hochmut Ernährung Gießen

Ich (m/29) beichte hiermit, dass ich seit meiner Kindheit Veganer bin. Ich versuche das jedoch, wann immer es mir möglich ist, mit abstrusen Ausreden zu verbergen. Damals fand ich es einfach nur peinlich, den Leuten Umstände zu machen, zum Beispiel wenn ich bei Kumpels nach der Schule Mittag gegessen habe. Und seit vor ein paar Jahren die Mode aufkam, dass alles und jeder zum Veganer wurde, schäme ich mich für meine Ernährungsgenossen. Dieses Moralapostelgelaber geht mir auf den Geist, zumal mir Massentierhaltung und Ähnliches völlig Latte sind - Fleisch, Käse und Milch schmecken mir einfach nicht, ich finde das Zeug eklig. Es ist wirklich ätzend, wie ein Großteil dieser Leute einem ihr Essverhalten auf die Nase bindet und ich möchte mit derlei Personal nicht über einen Kamm geschoren werden. Diese Verheimlichung führt im Alltagsleben oft zu Schwierigkeiten: Bei Grillabenden mit Kommilitonen führe ich immer an, keinen Hunger zu haben und ernähre mich von Bier und Zigaretten und die Eltern meiner Freundin sind seit zwei Jahren sauer auf mich, weil ich bei ihnen noch nie zu Mittag gegessen habe. Aber die kann ich eh nicht leiden. Ich werde jedoch innerlich fuchsteufelswild, wenn mich einer der wenigen Mitwisser "outet", obwohl diese nichts von meiner objektiv betrachtet völlig lächerlichen Veganerscham ahnen.

Beichthaus.com Beichte #00031965 vom 28.09.2013 um 20:25:46 Uhr in 35392 Gießen (Frankfurter Strasse) (20 Kommentare).

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Das Interesse der Frauen

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Falschheit Engherzigkeit Selbstsucht Begehrlichkeit

Ich (m/19) würde mich selbst nie als sehr attraktiv bezeichnen, da ich früher teilweise gemobbt wurde und daher ein relativ geringes Selbstbewusstsein habe. Allerdings scheinen mich, seit knapp zwei Jahren, einige Mädels für einen gut aussehenden jungen Mann zu halten. So kommt es häufig vor, dass ich auf Partys oder auch anderen Gelegenheiten, teilweise sehr billig, angebaggert werde. Meine Beichte ist, dass mir das irgendwie gefällt, obwohl ich eine absolut perfekte Freundin habe, die ich über alles liebe. Aber das Gefühl, auch von anderen Frauen als attraktiv befunden zu werden, hilft mir, etwas selbstbewusster zu werden. Ich lasse mich natürlich nie darauf ein, da ich meine Freundin niemals betrügen würde - ich würde nicht einmal mit einer anderen tanzen. Es tut mir für die Mädels leid, da ich mich in ihrem Interesse sonne, aber nicht auf ihre Versuche reagiere. Ich weiß einfach selbst gut genug, wie es ist, immer wieder abgewiesen zu werden.

Beichthaus.com Beichte #00031955 vom 26.09.2013 um 17:22:02 Uhr (14 Kommentare).

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“35.000

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Mit Angie in ein besseres Leben

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Verzweiflung Peinlichkeit Intim Politik Essen

Mit Angie in ein besseres Leben
Seit Neustem habe ich wieder eine Freundin. Zwar ist es noch nicht ganz offiziell, aber alles läuft super und dieses Ergebnis ist abzusehen. Wir verbringen nahezu jeden Tag mindestens einmal kurz miteinander und das Wochenende besteht aus purer Zweisamkeit. Selbstverständlich […]
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Beichthaus.com Beichte #00031936 vom 23.09.2013 um 10:17:37 Uhr in 45219 Essen (Gustavstraße) (30 Kommentare).

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