Die Flucht der Rabenmutter

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Hass Zorn Engherzigkeit Verzweiflung Familie

Ich (w) bin heute 29 und wuchs anfangs noch ganz behütet auf, meine Eltern trennten sich allerdings, als ich zehn war und mit Erziehung, Scheidung, Arbeit, Haushalt usw. war meine Mutter dann scheinbar heillos überfordert, obwohl sie auch Hilfe von unseren Verwandten bekommen hätte. Sie erwähnte öfters meinem kleinen Bruder und mir gegenüber, dass sie alles satthätte und irgendwann ihre Sachen packt, um ganz weit wegzugehen. Ich hielt das für eine leere Drohung, schließlich sagte sie auch ständig, irgendwann gibt sie uns ins Heim, weil sie uns nicht mehr erträgt, tat es aber nicht. Dann, an einem Tag im Herbst 1998 kam sie von der Arbeit nicht mehr nach Hause. Mein Bruder und ich warteten in der Wohnstube und ich werde nie vergessen, wie wir aus dem Fenster sahen, hinaus auf den Hof und wie wir jederzeit mit dem Erscheinen unserer Mutter rechneten. Es wurde immer später, sie kam und kam nicht, auf der Arbeit konnte sie nicht mehr sein, wir hatten da schon angerufen und niemand nahm den Hörer ab. Vielleicht war ihr etwas passiert? Oder hatten wir nur vergessen, dass sie noch etwas anderes vorhatte? Wir überlegten, was wir nun tun sollten und setzten uns eine Frist, aber als unsere Mutter nach elf Uhr abends noch nicht zu Hause war, klingelten wir doch bei unserem Nachbarn und erklärten ihm die Situation.


Um das Ganze abzukürzen: Meine Mutter kam nie wieder, sie hatte damals ohne unser Wissen schon vorher ihre Arbeit gekündigt, ein paar Sachen gepackt und ist ins Ausland gegangen. Wir haben an diesem Tag umsonst gewartet. Später bekam mein Vater einen Brief von ihr, in dem sie lapidar mitteilte, er könne das Sorgerecht für uns haben, sie würde ihm auch regelmäßig Unterhalt für uns überweisen. Das war alles. Zum Glück kamen wir danach bei unserem Lieblingsonkel und seiner Familie unter, bei denen wir noch eine schöne Kindheit verlebten und die uns halfen, die Sache mit unserer Mutter zu verarbeiten, auch zu unserem Vater hielten wir engen Kontakt. Da dieser jedoch die Woche über viel arbeiten musste, beschlossen wir eben, dass wir bei unserem Onkel erst einmal besser aufgehoben sind, weil dort rund um die Uhr jemand für uns da war. Wir können beide voneinander behaupten, ganz anständige junge Menschen geworden zu sein, die im Berufsleben stehen und mittlerweile selbst Eltern sind. Aber dass unsere Mutter einfach so abgehauen ist und uns im Stich gelassen hat, ist trotzdem nicht spurlos an uns vorübergegangen.


Mein Bruder redet nicht mehr darüber, aber mich hat das viele Jahre lang richtig gequält. Ich weiß, ich sollte dankbar sein, dass es mir jetzt dennoch so gut geht, verzeihen und Frieden schließen, aber innerlich spüre ich manchmal eine tiefe Ohnmacht und große Angst vorm Verlassen werden und einer unbeschreiblichen Einsamkeit. Vor ein paar Wochen war es dann so weit, womit ich nicht mehr gerechnet habe: Meine Mutter meldete sich urplötzlich! Sie hatte meinen neuen Nachnamen in Erfahrung gebracht, kontaktierte mich über ein bekanntes soziales Netzwerk und das hat mich erst einmal umgehauen. Sie bot mir tatsächlich an, sich mit mir zu treffen und sich auszusprechen, als ob nichts gewesen wäre. Ich war so geschockt, dass ich ihr nur schrieb, sie sei für mich seit diesem Tag im Herbst '98 gestorben und blockierte sie. Bei meinem Bruder hatte sie sich natürlich auch gemeldet, mit haargenau derselben Nachricht und er ließ nicht nur den Kontakt zu - er traf sich tatsächlich auch mit ihr und berichtete mir nach dem Treffen, unsere Mutter sei wieder in Deutschland, sie wäre damals überfordert gewesen, hätte aber die letzten Jahre genutzt, um viel nachzudenken und es täte ihr alles so leid. In mir sind seitdem wieder sind viele alte Wunden aufgebrochen und dennoch akzeptiere ich, dass mein Bruder bereit ist, unserer Mutter zu verzeihen.


Ich hingegen kann das einfach nicht, ich kann ihr nicht die Hand reichen und alles einfach so vergeben, nicht nach mehr als 15 Jahren, in denen sie uns im Stich gelassen hat. Ich war fast mit dem Thema durch und nun taucht diese Frau wieder auf der Bildfläche auf und verursacht erneut so viel Schmerz. Ich hasse sie immer noch sehr, obwohl ich eigentlich nur Mitleid mit ihr haben müsste und ihr nie so viel Raum geben dürfte, mein Leben zu bestimmen. Aber ich bin einfach zu schwach, um zu vergeben und ein Stück weit die Vergangenheit ruhen zu lassen, es tut mir selbst leid, dass ich so unreflektiert denke, fühle und handele.

Beichthaus.com Beichte #00032835 vom 07.03.2014 um 01:33:07 Uhr (20 Kommentare).

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Aussichtslose Liebe

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Dummheit Selbstsucht Schule

Vor fünf Jahren habe ich an einer Berufsfachschule einen Mann kennen und lieben gelernt, meinen Schulleiter. Ich habe mich in seine Verliebtheit verliebt. Wir haben ein Jahr mit allem gewartet, nicht einmal viel miteinander gesprochen. Danach ging es los mit "der Beziehung". Er war verheiratet mit einer Frau, die ihn nicht liebte und die er nicht liebte. Ich hatte immer gehofft, er würde sich einmal endlich entscheiden, aber das Geld, das er in sein Haus mit ihr gesteckt hat, sein "Ruf" und sein bequemes Nest waren ihm immer wichtiger. Fast vier Jahre hat er mich hingehalten und hat versucht, mich mit teuren Geschenken bei sich zu behalten. Aber ich habe seine Pralinen meinen Eltern geschenkt und sein Geld nie genommen, keinen Cent. Ich habe ihn geliebt - und vier Jahre gebraucht, um in einem klaren Moment endlich alles zu beenden, weil er sich nie für mich entschieden hätte. Ich war unfassbar naiv und dumm. Wir hatten wunderbare Momente, ich hatte mein kleines Märchen von Lehrer und Schüler, aber ich bereue, so viel einfach mitgemacht zu haben. Nie wieder. Aber halt, eines muss ich noch hinzufügen: Einmal habe ich ihm von seinem großen Vermögen zwanzig Euro aus dem Kreuz geleiert, fast im selben Moment, in dem ich mich getrennt habe, um einen weiteren Karton für "Weihnachten im Schuhkarton" packen zu können. Er hat es mir großzügigerweise gegeben, dachte, damit käme ich schon wieder. Aber ich bin nie wieder gekommen. Wenn ich schon nicht als Siegerin aus dieser Liebe hervorgegangen bin, dann dich wenigstens als eine Art "Robin Hood".

Beichthaus.com Beichte #00032829 vom 06.03.2014 um 13:38:34 Uhr (10 Kommentare).

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Der bevorzugte Bruder

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Ungerechtigkeit Zorn Familie

Ich möchte beichten, dass ich ziemlich neidisch auf meinen Bruder und zugleich sauer auf meine Eltern bin. Meine Großeltern haben damals ein Haus gebaut, welches meine Eltern irgendwann übernommen und ausgebaut haben. Seit dem Tod meiner Großeltern haben wir deren alte Wohnung vermietet und uns so ein wenig Geld nebenher verdient. Die letzten Mieter haben sich jedoch extrem danebenbenommen, sodass meine Mutter aus Eigenbedarf gekündigt hat. Seit einiger Zeit wohnt mein Bruder nun mit seiner Freundin in der Wohnung, damit habe ich auch kein Problem - eher im Gegenteil, ich freue mich für ihn, dass er nun endlich auf eigenen Beinen stehen möchte. Was mich stört, ist, dass meine Eltern meinen Bruder einfach unheimlich bevorzugen. Mein Bruder hat mit 16 eine Ausbildung begonnen und verdient seither richtig gut. Inzwischen ist er sogar Gruppenleiter und hätte genug Geld, um sich eine Wohnung zum "vollen" Preis zu leisten. Stattdessen bekommt er bei meinen Eltern einen Mieterlass von über 50 Prozent. Noch dazu hat er unsere Esszimmerstühle für lau bekommen und hat meinen Eltern im Gegenzug sein altes Bett verkauft. Außerdem holen meine Eltern jeden Samstag für die beiden Brötchen und bezahlen sie natürlich auch.


Ich habe im Gegensatz dazu mein Abitur gemacht, dann eine Ausbildung begonnen und bin aktuell noch im Studium. Im Sommer will ich außerdem heiraten und weiß nicht, wovon ich das alles bezahlen soll. Wenn ich mit meinen Eltern dann darüber rede, dass wir uns nach Wohnungen umschauen, wir uns aber keine davon leisten können, bekomme ich nur zu hören, dass ich entweder meine Ansprüche runterschrauben oder eben aufs Dorf ziehen muss. Als Student müsse man eben kleinere Brötchen backen. Und wenn meine Mutter mal den ganzen Tag arbeiten muss, soll ich mir in der Kantine etwas holen - bekomme aber keinen Cent beigesteuert. Ich meine, ich kann mir das natürlich auch selbst kaufen, aber meine Eltern kommen einfach nicht auf die Idee uns gleichzubehandeln. Wenn wir Holz machen, darf ich natürlich auch schön helfen, während mein Bruder den Samstagmorgen einfach verschläft und sich im Winter trotzdem an unserem Holz vergreift. Er und seine Freundin dürfen aber auch jederzeit bei uns mitessen, ohne eine Gegenleistung zu erbringen, während meine Eltern mein Kindergeld behalten und zusätzlich noch Kostgeld verlangen.


Meine Verlobte bekommt das natürlich alles mit und hat schon gar keine Lust mehr, zu uns zu kommen, was ich vollkommen verstehen kann. Wenn meine Mutter dann fragt, muss ich immer lügen und sagen sie hätte keine Zeit. Es ärgert mich einfach maßlos, dass wir so ungerecht behandelt werden. Ich liebe meine Eltern sehr, aber ich habe manchmal eine Abneigung gegen sie, dass ich mir wünsche, dass es endlich Sommer ist und ich mit meiner Frau in unserer eigenen Wohnung wohne. Wie wir das gelöst haben? Meine Schwiegereltern in spe haben eine Eigentumswohnung gekauft, in die wir vorerst ziehen dürfen. Wenn wir dann mit dem Studium fertig sind, und die Schwester meiner Verlobten alt genug ist, bekommt sie die Wohnung und wir suchen uns etwas Eigenes. Ihre Eltern schauen nämlich darauf, dass alle Kinder gleichbehandelt werden!

Beichthaus.com Beichte #00032828 vom 06.03.2014 um 12:26:35 Uhr (15 Kommentare).

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Blätter fangen wie ein Nazi

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Peinlichkeit Dummheit Vorurteile Kinder

Blätter fangen wie ein Nazi
Vor ungefähr 15 Jahren fuhr ich als 11-Jährige an einem sonnigen Nachmittag mit meinem Fahrrad durch meinen Heimatort. Ich fuhr auf dem Gehweg, welcher parallel zur Straße und den Privatgrundstücken verlief. In einem Garten waren viele Bäume, deren Äste über die Grundstücksgrenze hingen. Also fuhr ich mit dem Rad unter den Baumzweigen hindurch. Dabei kam ich auf die kindliche Idee, die herunterhängenden Äste während der Fahrt mit der Hand zu berühren. Ich hob also zwei Mal kurz nacheinander meinen rechten Arm, in der Hoffnung ein paar vorbeikommende Blätter zu erwischen. Unmittelbar danach bremste ein entgegenkommendes Auto mit gelbem Nummernschild auf meiner Höhe. Ich sah, dass die Insassen mit offenstehenden Mündern und anscheinend entsetzt auf mich deuteten, während ich grinsend an ihnen vorbeifuhr. Mir wurde erst im Nachhinein bewusst, dass meine Geste ungewollt wie der Führergruß aussah. Ich möchte hiermit meine kindliche Dummheit beichten.

Beichthaus.com Beichte #00032824 vom 05.03.2014 um 22:01:34 Uhr (14 Kommentare).

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Eine Lehre für die Schlampe

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Morallosigkeit Schamlosigkeit Hochmut Ignoranz Last Night

Ich (w) habe am Wochenende in einem Club gefeiert und da fiel mir ein eindeutig leicht bekleidetes Mädchen in meinem Alter auf, das sich wirklich an jeden Typen rangeschmissen hat. Sie flirtete heftig und ließ sich von mehreren Männern Drinks ausgeben. Ich wusste ganz genau, dass sie an diesem Abend sicher nicht mehr alleine nach Hause geht. Später, als ich den Club verließ und in einer Seitenstraße auf mein Taxi wartete, sah ich, wie genau dieses Mädchen, welches scheinbar ebenfalls den Club verlassen wollte und inzwischen ziemlich betrunken war, von einem Typen angebaggert und an der Brust begrapscht wurde, was sie aber abzuwehren versuchte. Ich merkte deutlich, dass ihr seine Annäherungsversuche lästig waren. Ich dachte mir, dass sie es nicht anders verdient hat, immerhin hat sie sich den ganzen Abend über wie eine Schlampe benommen und wirklich nicht mit ihren Reizen gespart. Also musste sie sich nicht wundern, wenn sie damit die Männer anstachelt. Ich erkannte jedoch irgendwann ihre Panik und sie wiederholte mehrmals, dass sie in Ruhe gelassen werden wolle. Der Typ verzog sich irgendwann, schmiss ihr aber noch ein paar ordinäre Worte hinterher, und voller Genugtuung beobachtete ich sie und dachte mir, dass das diesem Mädchen fürs nächste Mal sicher eine Lehre sein wird. Jetzt im Nachhinein tut es mir schon ein wenig leid, dass ich sie insgeheim als Schlampe abgestempelt habe, die solche Übergriffe mit ihrem Verhalten geradezu herausprovoziert. Ich bitte um Absolution!

Beichthaus.com Beichte #00032822 vom 04.03.2014 um 00:21:10 Uhr (27 Kommentare).

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