Die schlimmste Wohnungsbesichtigung meines Lebens

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Verzweiflung Feigheit Neugier

Als ich mir meine erste eigene Wohnung suchte, hatte ich einige Besichtigungen. Eine werde ich, obwohl schon an die 40 Jahre her, nie wieder vergessen. Der Wohnungsbesitzer war an dem Tag nicht selbst vor Ort und hat die Schlüssel unter die Fußmatte gelegt, mit der Bitte, sie nach Verlassen der Wohnung in seinen Briefkasten zu werfen. Als ich die Wohnung betrat, hatte ich ein beklemmendes Gefühl. Dieses Gefühl hatte ich auch schon im Treppenhaus, denn es handelte sich um ein sehr altes Haus mit einem großen Treppenhaus, die Treppen waren aus Holz und das Ganze hat mich entfernt an einen großen Heustadel erinnert. Ich kann es schlecht beschreiben, aber es roch alt und muffig und ich als junger Mann von 20, 21 Jahren dachte, dass es so in einem Leichenschauhaus riechen muss. Ich hatte und habe zwar ein Leichenschauhaus noch nie betreten, aber das schoss mir aus irgendeinem Grund in den Kopf. In der Wohnung roch es ebenso alt und verstaubt, genauso wirkte auch die Einrichtung.


Ich wusste von dem Besitzer nur, dass er als Buchhalter in einer Firma in der Stadt arbeitet, etwa 40 Jahre alt ist und alleine lebt. Ich hatte ihn ja nie selbst gesehen, sah ihn aber auf Fotos an den Wänden. Da auf einem Bild sein Name stand - es war eine Auszeichnung von irgendeinem Verband oder etwas Ähnlichem - wusste ich, dass er genauso spießig aussah wie seine Wohnung. Er hatte recht schütteres Haar, eine dicke Brille, einen Bierbauch und unauffällige Kleidung. Ich habe mir die Wohnung angesehen, und gerade weil der Mann so unauffällig wirkte, wurde ich neugierig, wie er denn so lebt. Zu neugierig war ich nicht, ich habe keine Schränke oder Schubladen geöffnet - zunächst zumindest nicht - sah mir aber die Einrichtung ganz genau an. Plötzlich ist mir im Badezimmer bei der Wanne ein umgedrehtes Foto ins Auge gesprungen. Die Neugier siegte, ich hab es umgedreht und mir wurde ganz anders, da es eindeutig das Foto eines vielleicht gerade mal vierjährigen Mädchens war - die Details könnt ihr euch denken.


Da konnte ich auch nicht mehr anders und habe Schubladen und Schränke durchwühlt und ich wurde mehrfach fündig, es waren weitaus mehr Bilder, als ich geahnt hätte und was ich darauf sah, war das blanke Grauen. Ich bin, wahrscheinlich blass wie ein Geist und völlig verstört, aus der Wohnung gelaufen, habe die Tür zufallen lassen, den Schlüssel habe ich im Schock in der Wohnung gelassen, und habe mich dermaßen geschämt - obwohl ich selbst gar nichts getan hatte. Ich hatte daraufhin bestimmt drei Wochen lang Träume, die mit dieser Sache zu tun hatten. Meine Beichte ist nun, dass ich damals nie den Mund aufgemacht habe - ich konnte nicht. Es war wie eine Blockade, ich selbst hatte die schlimmsten Schamgefühle, weil ich diese Fotos auch in den Händen hatte.


Nach 40 Jahren ist diese Seite die erste, der ich das Erlebnis anvertraue. Niemand weiß davon - meine Eltern, Geschwister, Großeltern, Freunde, meine Frau, Kinder und Enkel haben oder hatten keine Ahnung, was sich damals abgespielt hat. Sie haben zwar bemerkt, dass ich verändert war, ich habe aber immer abgewinkt oder behauptet, das wäre Liebeskummer oder eine sonstige Nichtigkeit. Ich konnte darüber nicht sprechen. Und ich kann es, glaube ich, auch heute noch nicht. Ich bin nicht mehr verstört nach 40 Jahren, lebe mein Leben normal und denke längst nicht mehr so oft daran wie damals, doch wenn ich mich erinnere, dann ist das Entsetzen wieder da.

Beichthaus.com Beichte #00037604 vom 14.02.2016 um 15:22:28 Uhr (10 Kommentare).

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Depressionen und Burn-out

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Zorn Ungerechtigkeit Falschheit Feigheit Kollegen

Meine Kollegin hat seit acht Monaten Burn-out und daraus resultierende Depressionen und ist seither krankgeschrieben. Sie kann nicht arbeiten, nicht einmal für eine Stunde pro Woche. Natürlich haben die andere Kollegin und ich jetzt die doppelte Belastung. Ich habe ihre Krankheit nie infrage gestellt, obwohl wir seinerzeit überhaupt keine stressige Situation hatten, aber vielleicht ist sie ja viel labiler als andere, und als ich sie letztens auf einem Stadelfest sah, dachte ich mir auch nichts weiter. Jemand mit Depressionen muss ja auch mal unter Leute, sonst ändert sich das nie.


Aber jetzt habe ich sie an darauf folgenden Sonntag wieder auf einer Feier gesichtet und am nächsten Dienstag am Abend mit einer Freundin im Biergarten! Wir sind eine kleine Stadt, da begegnet man sich öfter. Aber da begann es, mich doch zu wurmen. Keine Stunde arbeiten können und dann im Abstand von zwei Tagen unterwegs sein? Und sie wirkte fröhlich! Ich nehme ihr die Depression nicht mehr ab. Die möchte Geld für Nichtstun, und je mehr ich darüber nachdenke, denke ich auch, dass sie eine große Schauspielerin ist, denn vor sieben Jahren ist ihre Mutter gestorben und sie sagte damals selbst, dass sie das nicht so betrifft, weil sie mit ihrer Mutter fast keinen Kontakt hatte. Doch jedes Mal, wenn sie seither etwas in der Arbeit nicht machen wollte oder Ähnliches heulte sie quasi auf Knopfdruck, dass sie ja die Sache mit ihrer Mutter nicht verarbeitet hätte. Das wird mir erst jetzt so richtig klar.


Ich beichte, dass ich mich trotzdem nicht trauen werde, etwas zu unternehmen, und sie nicht ansprechen will, einfach nur, weil ich zu feige bin! Es geht mir nicht einmal um diese Person selbst, ich akzeptiere, dass es sie gibt, aber mehr auch nicht, sie ist mir schlichtweg eigentlich egal. Aber ich will keine Buhfrau sein. Ich weiß nicht, wie ich sie ansprechen soll, was ich sagen soll. Daher nehme ich weiter in Kauf, dass ich oder meine Kollegin vielleicht selbst mal ein Burn-out haben, vor lauter Stress.

Beichthaus.com Beichte #00036092 vom 04.07.2015 um 23:14:34 Uhr (18 Kommentare).

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“Beichte

Alles für den Sitzplatz

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Lügen Selbstsucht Morallosigkeit Engherzigkeit Bahn & Co. Zürich

Es war an einem kalten Donnerstagabend und ich hatte gerade einen anstrengenden Tag in der Schule hinter mir. Der Gedanke, das Ganze morgen wieder durchmachen zu müssen, machte mich einfach fertig. Und als ich in den Zug stieg, um meine recht lange Zugfahrt anzutreten, musste ich feststellen, dass zu allem Überfluss sogar Stehplätze Mangelware waren und der Zug einfach hoffnungslos überfüllt war. Ich wartete ein paar Stationen, aber der Zug wurde nur immer voller. Dann kam ich auf die geniale Idee, einfach jemanden von seinem Sitzplatz zu verscheuchen. Und ein Mädchen, das seine Sporttasche unter dem Sitz verstaut hatte, schien mir das perfekte Opfer. Ich packte mir also heimlich die Tasche und niemand hinderte mich daran. Einige waren zu sehr mit ihren Smartphones beschäftigt, die sie fünf Zentimeter vor ihrer Nase hielten, genau wie das Mädchen selbst. Anderen war es schlicht und einfach egal. Ich habe die Tasche dann irgendwo am Ende des Abteils abgestellt. Ich sprach sie darauf an und erzählte ihr, dass so ein Typ versucht hätte, ihre Tasche zu klauen - sie aber am Ende des Abteils wieder abgestellt hätte. Sie schaute mich dann eine Weile an und erwartete wohl, dass ich die Tasche für sie hole. Schließlich stand sie dann auf, bedankte sich für die Info und drängelte sich zum anderen Ende des Abteils durch. Und ich setzte mich einfach hin. Als sie zurückkam, sah sie mich natürlich dort sitzen und starrte mich eine ganze Weile lang ausdruckslos an. Ich schmunzelte zurück und sah dann einfach weg. Sie wechselte scheinbar kurz darauf ins nächste Abteil. Ich sehe sie oft auf dieser Strecke, ihre ganze Clique verstummt, wenn ich mal zufällig am Bahnsteig oder im Zug vorbeilaufe. An ihrer Schule bin ich wohl bekannt als "das Arschloch, das im Zug die Leute verarscht."

Beichthaus.com Beichte #00032448 vom 23.12.2013 um 19:28:30 Uhr in 8000 Zürich (Stadelhofen) (12 Kommentare).

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Rekrut ohne urdeutschen Namen

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Verrat Rache Arbeit Zivi & Bund Stade

Rekrut ohne urdeutschen Namen
Ich habe jemandem vor fünf Jahren die Karriere versaut. Diese Person wollte ganz hoch hinaus, war auch schon auf dem Sprung in höhere Gefilde der Macht. Jeder weiß, was gemeint ist mit "Pfadfinder mit Waffen". Doch dann traf er mich. Ich war sein Untergebener in der Hierarchiestruktur und habe immer alles getan, was der Herr wollte, oder was ihm gerade so einfiel. Leider habe ich keinen urdeutschen Nachnamen, was ihm damals sehr aufstieß. Er ließ immer mal ein paar Sprüche vom Stammtisch los, wegen meines Namens. Nun kam aber Rekrut dazu, der wirklich nicht Urdeutsch war bzw. aussah. Ein Moslem. Er wurde von ihm runtergemacht bis zum geht nicht mehr. Er bekam keine Verpflegung im Feld, da mein Vorgesetzter ja nicht wisse, was Moslems essen. Kein Schweinefleisch, ergo nichts zu essen für den Armen. Das ging mir dann doch zu weit und ich zog die Notbremse. Ich schrieb alle Vorfälle auf und gab sie einem noch ehrgeizigeren Offiziersanwärter. Dieser brachte es fertig, einen riesigen Wirbel daraus zu machen. Es gab wochenlang Untersuchungen, Gespräche, Rekonstruktionen des Geschehenen. Zu guter Letzt wurde er unehrenhaft entlassen und musste eine Geldstrafe zahlen. Mir hätte eine Entschuldigung gereicht. Alles, was ich seitdem von ihm weiß: er ging nach Norwegen und arbeitete dort als Tischler. Ich bin so schnell wie möglich raus aus dem Verein und habe seitdem niemanden mehr die Party versaut.

Beichthaus.com Beichte #00031146 vom 06.05.2013 um 18:14:01 Uhr in Stade (25 Kommentare).

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“Beichte

Nächtliche Nacktwanderungen

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Manie Schamlosigkeit Last Night Stade

Nächtliche Nacktwanderungen
Ich habe seit einem Jahr das Problem, dass sich mein Schlafrhythmus stark verschoben hat. Nach Mitternacht kriege ich kein Auge mehr zu und bin hellwach. Damit ich meinen Schlaf kriege, muss ich praktisch kurz nach Feierabend ins Bett gehen. Der Arztbesuch hat bisher nichts gebracht. Zuerst habe ich dann Nachts Filme geguckt, Bücher gelesen und im Internet gesurft. Auf jeden Fall kriegt man mitten in der Nacht derbe Langeweile, die Zeit scheint auch in Zeitlupe zu vergehen. Langfristig kommt man dann auf komische Ideen. Bei mir bestand diese komische Idee darin, mal nackt zum Briefkasten zu gehen. Danach habe ich mich gesteigert und bin nackt um die Ecke zum Zigarettenautomaten gegangen, obwohl ich gar nicht rauche. Als Höhepunkt habe ich dann bei einem Nachbar nackt im Pool gebadet. Seit einiger Zeit jogge ich jetzt nachts nackt, allerdings außerhalb der Stadt. Ich ziehe mich auch dort erst aus.

Mein Rekord ist jetzt eine Stunde, ich hatte noch nie so eine Motivation zum Sport. Die Kälte wird leider jetzt im November etwas unangenehm, besonders an den Füßen und woanders. Mein einziges schlechtes Gewissen besteht darin, dass mir mal jemand über den Weg laufen könnte. Daher mache ich es auch nicht am Wochenende. Irgendwelche jungen Dorfmädels erschrecken, die vom Feiern kommen, möchte ich echt nicht.

Beichthaus.com Beichte #00030469 vom 19.11.2012 um 20:03:25 Uhr in Stade (31 Kommentare).

Gebeichtet von line1304
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