Ein Prokurist aus dem viktorianischen London

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Hass Peinlichkeit Zorn Maßlosigkeit

Ich (m/20) muss meine latenten Agressionen gegenüber einigen Personen aus meiner Bekanntschaft beichten. Über einen Freund, der extrem modebewusst ist, kenne ich einige weitere Leute, die wir mittlerweile nur noch die "Ben-Sherman-Gang" nennen, weil sie nur in besagtem Laden einkaufen gehen und dort teilweise auch arbeiten. Einer von ihnen bringt mich besonders auf die Palme. Alle kleiden sie sich im Vintage-Look mit Anzug, Krawatte und Armbanduhr (je älter, desto besser), und das alles rund um die Uhr, dabei sind sie alle gerade mal 18 bis 20 Jahre alt! Das kann ich noch irgendwie akzeptieren, aber einer übertreibt es einfach nur noch: neulich kam er ernsthaft mit Messer, Tabakblock zum Runterschneiden und Pfeife in unsere Stammkneipe, zieht sich bei Gelegenheit die Taschenuhr aus der Anzughose und gibt gerne den weltmännischen englischen Gentleman, samt gefaktem "british working class accent", dabei hat er zwei Jahre nach seinem Abitur immer noch nichts Anständiges auf die Reihe gebracht, außer einem Praktikum in einer Klinik.


Wenn er auf dem Oktoberfest bei uns bedient, schlüpft er übrigens in die Rolle des kernigen bayrischen Bua, samt ebenfalls gefaktem bayrischen Akzent. Trotz mittelmäßigem Abischnitt ist es nämlich der Wunsch des jungen Herren, Medizin oder Psychologie zu studieren, was er jetzt auch durch Vaters Geld und Connections tun wird. Ich habe ihn auch schon in der Stadt mit Skizzenblock und - ganz stilecht - Gläschen Wein beim Zeichnen gesehen, kein Witz. Allein beim Schreiben kommt in mir wieder der Hass hoch. Unser Verhältnis ist nicht besonders gut, aufgrund des überschneidenden Freundeskreises habe ich aber leider oft mit ihm zu tun und ihm so im nicht mehr ganz nüchternen Zustand schon öfter merken lassen, wie affig ich sein Getue finde. Das kam nicht gut an, denn wenn er eins nicht ab kann, ist es, nicht ernst genommen zu werden. Aber wieso kleidet er sich dann auch wie ein Prokurist im viktorianischen London, verdammt noch eins?


Zur Information: Das Ganze spielt sich an den Wochenenden in unserer schummrigen Stammkneipe in einer Kleinstadt ab, nicht im Montmartre zur Belle Epoque. Sogar seinen eigenen steinernen Bierkrug bringt er in die Kneipe mit, dunkles Bier kann der Connaisseur nämlich nur daraus trinken, und wenn er dann auch noch allen Ernstes Limericks aus seinem Reclam-Heftchen liest, natürlich so, dass es alle mitkriegen, wie gebildet und interessiert er ist, hat das Ganze etwas von Realsatire. Was ich beichten möchte, ist also meine Aggression gegenüber diesem Clown, die so weit geht, dass ich ihn schon heimlich mit allerlei Sachen aus dem Hinterhalt beworfen habe - mit Geldmünzen, zusammengeknüllte Bierdeckel, etc. Das bereue ich, denn es war kindisch und hat unter uns zum Streit geführt. Ich bereue es aufrichtig.

Beichthaus.com Beichte #00036930 vom 27.10.2015 um 18:34:07 Uhr (22 Kommentare).

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Verliebt in meine Therapeutin

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Begehrlichkeit Falschheit Mannheim

Ich (m/53) möchte gestehen, dass ich unsterblich in meine Psychotherapeutin verliebt bin. Ich bin seit fast einem Jahr bei ihr in der Verhaltenstherapie und von Stunde zu Stunde wird meine Sehnsucht und Vorfreude größer, hinzugehen und ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn sie mit mir spricht, kann ich oft gar nicht richtig zuhören, was sie sagt, sondern sehe ihre Lippen. Wie sie sich bewegen, wie sie sich bewegt - und stelle mir alle möglichen Dinge vor. Es ist mir sehr wichtig, was sie von mir hält, vermutlich viel zu wichtig. Und ständig muss ich an sie denken. Ich war schon kurz davor, ihr zu gestehen, dass ich mich in sie verliebt habe, aber dann muss sie die Therapie wohl abbrechen. Also behalte ich es für mich und hoffe, dass die Therapie nie endet.

Beichthaus.com Beichte #00036917 vom 25.10.2015 um 15:30:34 Uhr in 68305 Mannheim (Sandhofer Straße) (8 Kommentare).

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Ein perfektes Praktikumszeugnis

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Faulheit Trägheit Arbeit

Ich (w) beichte, dass ich ein exzellentes Praktikumszeugnis bekommen habe, und nichts dagegen sagen werde. Klingt nach einem Luxusproblem, aber: ich habe während des Praktikums so gut wie nichts getan. Zugegeben, währenddessen habe ich ein kleineres Projekt betreut, aber wenn ich ehrlich sein soll, hätte ich das auch problemlos in der Hälfte der Zeit fertigstellen können, wenn überhaupt. Den Rest der Zeit habe ich damit verbracht, auf meinem Handy zu surfen oder dergleichen. Die Kollegen waren auch unglaublich nett, auch der Chef, alles wunderbar - nur eben ich saß in einem kleinen Büro, ganz für mich allein, und der Chef hat mich auch schon einmal eine halbe Woche lang gar nicht besucht, und auch auf mehrfache Nachfrage meinerseits hat er einfach nie nachgesehen, was ich getan habe. Ihm zwischendrin mein Projekt zeigen? Das habe ich mehrfach angeboten, und andauernd kam nur, dass er sich das bald ansehen würde. Hat er nie. Und jetzt ist das Praktikum vorbei, ich kriege ein wirklich tolles Praktikumszeugnis fürs Nichtstun. Ich versuche, mich damit zu trösten, dass ich nicht so viel Schaden zugefügt habe, weil ich für das Praktikum kein Geld gekriegt habe und ich mir nie etwas zuschulden kommen ließ. Ich bitte um Absolution.

Beichthaus.com Beichte #00036916 vom 25.10.2015 um 14:25:12 Uhr (11 Kommentare).

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Hilfe, meine Mutter ist ein Messie!

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Engherzigkeit Verzweiflung Unreinlichkeit Familie

Ich glaube, dass meine Mutter ein sogenannter Messie ist. Sie hat zwar keinen Müll im Sinne von Abfall in ihrer Wohnung herumliegen, es stinkt nicht und es gibt kein Ungeziefer, sie hortet aber allen möglichen Kram, von dem sich jeder andere schon getrennt hätte. Keller und Dachboden, die zu der Wohnung gehören, sind so vollgestopft, dass man sich darin nicht mehr fortbewegen kann und man an die hinteren Teile der Räume schon gar nicht mehr herankommt. In der Wohnung selbst ist es auch sehr voll, aber noch nicht ganz so schlimm. Was ich schlimmer finde, ist aber, dass der ganze Kram eine Menge Staub fängt, den sie eher selten wischt, weil es halt so viel ist, dass alles einzeln abgewischt werden müsste. Schon oft habe ich ihr angeboten, das alles zu räumen - mit ihr zusammen - aber irgendwie wird das nie was. Sie müsste vieles nicht einmal wegwerfen, weil man es spenden oder verschenken könnte. Nun liegt es rum und wird nie genutzt. Es tut mir wirklich leid, dass ich denke, dass sie ein Messie ist, weil es mich eigentlich auch als Sohn gar nichts angeht, wie sie lebt. Ich habe aber Angst, dass die Wohnung so endet wie Keller und Dachboden und irgendwann total zugerummelt ist.

Beichthaus.com Beichte #00036915 vom 25.10.2015 um 12:15:05 Uhr (5 Kommentare).

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Zivilcourage im Waschsalon

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Feigheit Engherzigkeit Gewalt

Der Vorfall liegt nun schon gut fünf Jahre zurück, aber trotzdem denke ich oft an ihn zurück. Ich hatte zu der Zeit eine kleine Wohnung, in der kein Platz für eine Waschmaschine war. Daher bin ich am Wochenende immer zum Waschsalon gefahren. Der, den ich mir ausgesucht hatte, war sehr schön, gepflegt und sauber und auch das Klientel war sehr nett und man kam auch manchmal in nette Gespräche. Das eine Wochenende stand ich jedoch vor verschlossenen Türen - ein Grund für die temporäre Schließung stand nicht auf dem Schild. Nun hatte ich aber so viel Dreckwäsche, dass ich nicht drumherum kam, dieses Wochenende zu waschen, und ich fragte den Ladenbesitzer von nebenan ob er einen anderen Waschsalon kenne. Und wirklich es gab einen anderen Salon in nur einem Kilometer Entfernung.


Ich machte mich also auf und wurde an der Eingangstür von drei lauten und betrunkenen Assis begrüßt. Der Waschsalon selbst war zwar sauber, hatte jedoch keine einladende Atmosphäre. Ich wollte dort also nicht bleiben, lud meine Wäsche in die Maschinen ein und machte mich auf die Suche nach einem Café. In der Umgebung gab es jedoch nichts und es setzte dann auch noch Nieselregen ein, weshalb ich mich dann doch notgedrungen wieder in den Waschsalon setzte.
In dem Salon waren die drei Saufkumpanen, eine junge Frau, von der Leselektüre her würde ich sagen Studentin, ein etwa 30-jähriger Mann und eine alte Dame. Ich hatte mich in die hinterste Ecke zurückgezogen und holte mir meine Wäsche, als sie fertig aus dem Trockner kam. Ich war gerade am Einsortieren, als ich bemerkte, dass die drei Typen die Studentin, welche am anderen Ende saß, anpöbelten. Die Diskussion ginge wohl darum, dass sie die drei abfällig angeschaut hätte und ob sie glaube, sie sei etwas Besseres. Ich schaute zu dem anderen Mann rüber, aber der hatte sich wie die alte Dame weggesetzt und schaute nicht einmal hin.


Mein Problem war, ich war dick und hatte keine nennenswerte Muskelmasse. Einen Betrunkenen hätte ich mir ohne Weiteres zugetraut, vielleicht sogar zwei, aber bei drei Betrunkenen rechnete ich mir meine Chancen schlecht aus. Die hatten zwar alle schon kräftig einen drin, aber zwei von ihnen waren doch sehr muskulös. Ich erhoffte mir, dass der andere Mann meinen Blick erwidern würde, aber das tat er nicht. Auf einmal gab einer der drei Typen der Studentin eine Backpfeife, und ein anderer trat nach ihrer Tasche auf dem Boden. Dann verließen die drei den Waschsalon. Die alte Dame eilte zu der Studentin, welche aber meinte, alles sei gut. Ich packte den Rest meiner Sachen ein, und ging dann auch, mit gesenktem Haupt. Ich schämte mich, nichts gesagt oder getan zu haben. Da ich oft an den Vorfall zurückdenke, merke ich, wie sehr es mir eigentlich an die Seele gegangen ist. Das Ganze dauerte weniger als eine Minute und ist noch glimpflich ausgegangen, aber es hätte auch ganz anders kommen können. Und Zivilcourage ist es eigentlich, was meine Eltern mir beigebracht haben. Aber in dem Moment hat es einfach nicht klick gemacht, da mir mein eigenes Heil wichtiger war. Mit Unterstützung hätte ich mich wohl getraut und ich habe lange Zeit dem Mann die Schuld gegeben. Aber vielleicht hat er ja auch auf ein Zeichen von mir gewartet? Wir hatten alle Mann die Scheuklappen auf, eigentlich das größte Problem in der Gesellschaft, das ich immer gerne angeprangert habe. Bis ich selber in so eine Situation kam und mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe. Ich schäme mich bis heute dafür, aber ich habe auch daraus gelernt. Heute würde mir das - hoffe ich - nicht mehr passieren.

Beichthaus.com Beichte #00036899 vom 23.10.2015 um 04:45:36 Uhr (18 Kommentare).

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