Zivilcourage im Waschsalon
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Ich machte mich also auf und wurde an der Eingangstür von drei lauten und betrunkenen Assis begrüßt. Der Waschsalon selbst war zwar sauber, hatte jedoch keine einladende Atmosphäre. Ich wollte dort also nicht bleiben, lud meine Wäsche in die Maschinen ein und machte mich auf die Suche nach einem Café. In der Umgebung gab es jedoch nichts und es setzte dann auch noch Nieselregen ein, weshalb ich mich dann doch notgedrungen wieder in den Waschsalon setzte.
In dem Salon waren die drei Saufkumpanen, eine junge Frau, von der Leselektüre her würde ich sagen Studentin, ein etwa 30-jähriger Mann und eine alte Dame. Ich hatte mich in die hinterste Ecke zurückgezogen und holte mir meine Wäsche, als sie fertig aus dem Trockner kam. Ich war gerade am Einsortieren, als ich bemerkte, dass die drei Typen die Studentin, welche am anderen Ende saß, anpöbelten. Die Diskussion ginge wohl darum, dass sie die drei abfällig angeschaut hätte und ob sie glaube, sie sei etwas Besseres. Ich schaute zu dem anderen Mann rüber, aber der hatte sich wie die alte Dame weggesetzt und schaute nicht einmal hin.
Mein Problem war, ich war dick und hatte keine nennenswerte Muskelmasse. Einen Betrunkenen hätte ich mir ohne Weiteres zugetraut, vielleicht sogar zwei, aber bei drei Betrunkenen rechnete ich mir meine Chancen schlecht aus. Die hatten zwar alle schon kräftig einen drin, aber zwei von ihnen waren doch sehr muskulös. Ich erhoffte mir, dass der andere Mann meinen Blick erwidern würde, aber das tat er nicht. Auf einmal gab einer der drei Typen der Studentin eine Backpfeife, und ein anderer trat nach ihrer Tasche auf dem Boden. Dann verließen die drei den Waschsalon. Die alte Dame eilte zu der Studentin, welche aber meinte, alles sei gut. Ich packte den Rest meiner Sachen ein, und ging dann auch, mit gesenktem Haupt. Ich schämte mich, nichts gesagt oder getan zu haben. Da ich oft an den Vorfall zurückdenke, merke ich, wie sehr es mir eigentlich an die Seele gegangen ist. Das Ganze dauerte weniger als eine Minute und ist noch glimpflich ausgegangen, aber es hätte auch ganz anders kommen können. Und Zivilcourage ist es eigentlich, was meine Eltern mir beigebracht haben. Aber in dem Moment hat es einfach nicht klick gemacht, da mir mein eigenes Heil wichtiger war. Mit Unterstützung hätte ich mich wohl getraut und ich habe lange Zeit dem Mann die Schuld gegeben. Aber vielleicht hat er ja auch auf ein Zeichen von mir gewartet? Wir hatten alle Mann die Scheuklappen auf, eigentlich das größte Problem in der Gesellschaft, das ich immer gerne angeprangert habe. Bis ich selber in so eine Situation kam und mich nicht gerade mit Ruhm bekleckert habe. Ich schäme mich bis heute dafür, aber ich habe auch daraus gelernt. Heute würde mir das - hoffe ich - nicht mehr passieren.