Der unschuldige Schneemann

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Rache Boshaftigkeit Ungerechtigkeit Kinder Schule

Als ich noch ein kleines Mädchen war, habe ich mich tierisch auf meine Einschulung gefreut. In meinem damaligen Kindergarten waren die Kinder in Gruppen aufgeteilt, die alle einen Tiernamen trugen. Ich war bei den Mäusen. Zwischen den einzelnen Gruppen herrschte jedoch kaum Kontakt und so blieben die jeweiligen Kinder unter sich. Aber zurück zur Einschulung. In meiner Klasse war ich unglücklicherweise die einzige Maus und den anderen anscheinend ein Dorn im Auge. Ich lief immer alleine nach Hause, da der Weg nicht weit war, und die anderen nichts mit mir zu tun haben wollten. Bis eines Tages sechs Kinder aus meiner Klasse auf mich warteten. Sie haben mich eingekreist und beschimpft. Was sie dann machten, weiß ich nicht mehr, denn ab da habe ich einen Filmriss und kann mich einfach nicht erinnern. Mit der Zeit wurden meine Peiniger dann immer kreativer. Sie versteckten sich zum Beispiel hinter den Bäumen und warteten darauf, dass ich vorbeikomme, um mich dann zu jagen. Ja - zu jagen. Sie haben dazu immer das schnellste Mädchen der Klasse auf ihre Seite gezogen, um mich auch ja zu erwischen. Das ging ungefähr ein Jahr lang so, und ich traute mich einfach nicht, mit jemandem darüber zu reden. Auch nicht mit meinen Eltern. Ich habe mir danach immer die Tränen abgewischt, bin nach Hause gelaufen und habe meiner Mutter erzählt, wie schön die Schule wieder war.


Eines Tages jedoch, als es wieder besonders schlimm war, konnte ich einfach nicht aufhören zu weinen und brach vor meiner Mutter in Tränen aus. Noch am selben Abend setzte sie sich mit meinem Vater zusammen und sie dachten sich eine Lösung aus. Mein Opa entschloss sich dann, mir zu helfen. Ein paar Tage später, als sie mir wieder aufgelauert und mich umstellt hatten, fingen sie an, mich zu beschimpfen. Mein Opa kam dann mit dem Auto um die Ecke geschossen und stieg aus, um die anderen richtig zur Schnecke zu machen. Zwei Mädchen fingen sogar an zu weinen. Eines kam dann zu mir, umarmte mich und sagte tatsächlich, dass es ihr leidtäte. Die nächsten Tage war ich noch skeptisch, aber es passierte nichts. Ein paar Monate später war Winter - meine liebste Jahreszeit. Die Kinder bauten dann, wie jedes Jahr, einen Schneemann auf einer großen Wiese. In dieser Zeit konnte ich mich immer gut wegschleichen, da sie mit dem Schneemann beschäftigt waren. In dem besagten Jahr wartete ich jedoch. Nach einer Woche war der Schneemann riesig und ein richtiges Kunstwerk. Und ich zerstörte und zerstampfte ihn, was mir für kurze Zeit Genugtuung brachte. Am nächsten Tag wartete ich dann wieder, um ihre Gesichter zu sehen. Gebracht hat es mir aber nichts.


Bis heute habe ich damit zu kämpfen. Jedes Mal, wenn ich an diese Zeit denke, wird mir schlecht. Ich bekomme Schweißausbrüche, mir kommen die Tränen und mein Herz rast. Ich frage mich immer noch, warum sie mir das antaten. Ich bin zum Einzelgänger geworden. Ich bin viel lieber allein und beschäftige mich mit mir selbst. Ich hasse große Menschenmengen, werde nervös - fast paranoid. Ganz schlimm ist es, wenn ich Bus fahre. Der wird immer so voll und ich fühle mich manchmal, als müsste ich ersticken. Mittlerweile habe ich Freunde gefunden, aber ich unternehme fast nie etwas mit ihnen, weil ich einfach nicht begreife, dass mich jemand mögen kann. Das verstehe ich generell nicht. Dass man sich gegenseitig mag erscheint mir völlig surreal. Was für ein Nutzen zieht man daraus? Aber naja. Im Endeffekt tut es mir leid. Der Schneemann konnte nichts dafür. Ich möchte mich an dieser Stelle aber noch bei meinem Opa bedanken. Du bist mein Held.

Beichthaus.com Beichte #00032478 vom 29.12.2013 um 00:27:32 Uhr (14 Kommentare).

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Imaginäre Einbrecher

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Feigheit Trunksucht Lügen Dummheit Last Night

Ich (m/19) war heute mit einigen Freunden Feiern und habe einen über den Durst getrunken. Irgendwann löste sich die Runde natürlich auf und ich fuhr mit dem Taxi nach Hause. Bis ich vor meiner Haustür stand und feststellen musste, dass ich meinen Schlüssel vergessen hatte. Ich setzte mich vor die Tür und überlegte, was ich tun könnte. Mein Vater war mit seiner Freundin tanzen und der Akku meines Handys war inzwischen leer. Da es aber ziemlich kalt war, wollte ich nicht draußen warten. Zu meinem Glück fiel mir dann auf, dass die Garage nicht verschlossen war und ich schnappte mir die Leiter, um durch ein Fenster ins Haus zu gelangen. Aber Fehlanzeige. Keines der unzähligen Fenster war auch nur gekippt. Schließlich kam mir dann die glorreiche Idee, die Tür einfach aufzubrechen, wie man das in alten Filmen oft sieht. Also schnappte ich mir einen Schraubenzieher und hebelte die Tür etwas auf. Vielleicht einen halben Zentimeter oder so. Deshalb war ich auch unglaublich geschockt, dass die Tür einfach aufsprang, als ich leicht dagegen trat. Allerdings riss ich das ganze Schloss gleich mit raus. Mir hätte eigentlich klar sein müssen, dass genau das passieren würde - aber der Alkohol hatte dazu wohl seinen Teil beigetragen. Ich habe das Ganze dann, so gut es ging, repariert und als mein Vater mit seiner Freundin nach Hause kam schloss die Tür fast schon besser als vorher. Ich war wirklich stolz auf meine Arbeit und dachte mir nichts Böses, als ich plötzlich aus meinem Zimmer gerufen wurde.


Die Freundin meines Vaters hatte die Tür nämlich etwas rabiater geöffnet und das Schloss flog einfach gleich wieder raus. Mein Vater fragte mich, ob ich das Schloss aufgebrochen, oder sonst etwas bemerkt hätte. Ich meinte dann, dass ich nur das Gefühl gehabt hätte, dass die Tür etwas schwerer aufgegangen sei, aber ich hätte ja einen Schlüssel gehabt. Ich weiß nicht, ob er mir das glaubte, aber er meinte dann, dass er wohl am nächsten Tag die Polizei holen müsse. Mir rutschte das Herz in die Hose, aber ich bestätigte ihm, dass das wohl am geschicktesten sei. Vielleicht zehn Minuten später zeigte mein Vater mir dann das verbogene Schloss und äußerte seine Verwunderung darüber, dass eine Schraube ausgetauscht worden war. Und tatsächlich hatte ich eine der originalen Schrauben austauschen müssen, weil sie einfach zu verbogen war - dass diese Schraube dann allerdings eine Schlitzschraube und keine Kreuzschraube mehr war, hatte ich nicht bedacht. Ich redete mich dann raus und meinte, dass ich das Schloss ausgebaut hätte, da es sich ja so schlecht öffnen ließ. Und es dann eben mit einer anderen Schraube einfach wieder einbaute. Ich glaube, er hat mir das nicht abgekauft. Inzwischen ist es acht Uhr und ich habe ein unglaublich schlechtes Gewissen. Noch dazu bin ich seit über 24 Stunden wach und bin immer noch alkoholisiert. Ich ärgere mich über meine eigene Dummheit - und wenn mein Vater es nicht von selbst herausfindet und ich mir damit nicht eine Menge Ärger eingehandelt habe, erzähle ich es ihm vielleicht in zwanzig Jahren. Vielleicht können wir dann darüber lachen. Aber unter Umständen hilft mir heute ja auch, dass ich weiß, dass er mit seiner Ex im Urlaub war und dass da auch viel lief. Ich bitte um Absolution!

Beichthaus.com Beichte #00032477 vom 29.12.2013 um 07:47:19 Uhr (9 Kommentare).

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Ein fremder Tanga

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Neugier Misstrauen Masturbation Partnerschaft Zürich

Ich habe vor einiger Zeit meinen Tanga "aus Versehen" bei meinem Freund liegen lassen, weil mich die Vorstellung, dass er ihn finden und vielleicht zur Selbstbefriedigung nutzen würde, irgendwie anmachte. Gestern habe ich wieder bei ihm übernachtet und am Morgen, als er bereits zur Arbeit gefahren ist, wollte ich nachsehen, ob er mein kleines Geschenk erhalten hatte. Tatsächlich wurde ich in seinem Kleiderschrank fündig, jedoch lag neben meinem Tanga auch noch ein anderer, der eindeutig nicht von mir stammt. Ich habe die beiden Tangas dann zurückgelegt und bin aus der Wohnung geflüchtet. Ich weiß jetzt überhaupt nicht, was ich davon halten soll und ob ich ihn darauf ansprechen soll. Ich beichte also, dass ich mich, wegen einer seltsamen Fantasie und meiner Neugierde, in eine ganz doofe Lage gebracht habe.

Beichthaus.com Beichte #00032476 vom 28.12.2013 um 23:59:31 Uhr in 8055 Zürich (Birmansdorferstraße) (12 Kommentare).

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Der Räuber und der Held

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Falschheit Feigheit Partnerschaft Last Night

Der Räuber und der Held
Ich (m/29) bin mittlerweile seit sieben Jahren mit meiner Freundin (28) zusammen. Wir haben einen zwei Jahre alten Sohn und werden nächstes Frühjahr heiraten. Noch heute erzählt sie immer wieder gerne die Geschichte, wie wir uns kennengelernt haben. Sie hat damals als Kellnerin gejobbt und war nachts zu Fuß auf dem Heimweg. In einer Seitenstraße hat sie dann plötzlich ein maskierter Typ angepöbelt und ihre Brieftasche verlangt. Ich war genau in dem Moment zur Stelle, weil genau diese Straße auf meiner Joggingroute lag. Ich schlug dem Angreifer ein paar runter und schließlich ergriff dieser die Flucht. Ich habe sie dann natürlich nach Hause gebracht und ein paar Tage später hat sie mich zum Essen eingeladen, um sich für ihre Rettung zu bedanken. Wir sind uns dann schnell näher gekommen und noch bis heute glücklich zusammen. Was sie nicht weiß, und was mich beinahe täglich beschäftigt, ist, dass der Typ mein damaliger bester Freund war. Wir haben uns den Plan zusammen überlegt, weil ich schon seit Monaten in sie verliebt war und mir keine andere Möglichkeit eingefallen ist, um ihre Aufmerksamkeit zu erhalten.

Sie war und ist das schönste Mädchen der Stadt, sie galt allerdings auch als komplett unnahbar. Selbst den Sportlern und Frauenhelden hat sie Körbe erteilt. Und mir hätte sie vermutlich auch eine Abfuhr erteilt. Es war dann klar, dass mein bester Freund ihr nie persönlich begegnen durfte, schließlich hätte sie ihn an der Stimme oder der Statur erkennen können. Und so kam es, dass wir uns immer seltener sahen. Und als wir dann zusammenzogen, brach die Freundschaft komplett auseinander. Ich hatte kaum noch eine Möglichkeit ihn zu sehen und konnte ihn zu nichts einladen. Er hat aber trotzdem immer dicht gehalten, wofür ich ihm unglaublich dankbar war. Und genau dieser Freund ist letzte Woche plötzlich und unerwartet bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen. Mich hat das aus allen Wolken gerissen. Wir haben praktisch unsere gesamte Kindheit zusammen verbracht und für mein Glück hat er das alles geopfert. Wäre ich zu meiner Frau von Anfang an ehrlich gewesen, wäre es nie so weit gekommen. Ich habe jetzt beschlossen, ihr noch vor unserer Hochzeit all das zu beichten. Ich kann absolut nicht einschätzen, wie sie reagieren wird. Ich kann mit dieser Lüge aber nicht mehr leben.

Beichthaus.com Beichte #00032469 vom 27.12.2013 um 16:58:21 Uhr (40 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Stress und Ärger!

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Boshaftigkeit Aggression Selbstsucht Zorn

Ich (w/36) bin seit zwei Monaten bei einem Therapeuten in Behandlung und es ist mir unglaublich peinlich, dass ich erst Hilfe von außen brauchte, um mein Problem zu erkennen. Seit dieser Zeit geht es mir wirklich schon viel besser, da mir die Probleme, die ich in meinem Leben habe jetzt erst klar werden. Ich hatte immer Schwierigkeiten damit, eine Beziehung aufzubauen. Nicht einmal meine Freundschaften hielten sonderlich lange und ich musste auch mehrmals den Beruf wechseln. Kurz gesagt hatte ich Probleme mit anderen Menschen und war natürlich meist selbst schuld daran - auch wenn ich das nicht sah. Ich wurde ausgegrenzt oder man brach einfach den kompletten Kontakt ab. Ich habe das lange nicht verstanden, aber der Therapeut hat mir geholfen mein Problem zu erkennen, welches ich nun auch beichten möchte. Denn seit Jahren lade ich den Stress, den ich mir mache, auf anderen Menschen ab. Beispielsweise war da einmal ein Handwerker, der bei mir etwas erledigte und mich offensichtlich auch interessant fand - jedenfalls, bis ich zwei Tage danach beruflich im Stress war, und ihn dann anschnauzte, wo denn meine Rechnung bliebe.


So ist das auch bei anderen Sachen. Wenn ich im Internet etwas kaufe und dann Stress habe, schreibe ich grundsätzlich den Verkäufer an und bewerte ihn negativ. Auch im Job lasse ich meinen Stress an anderen aus, vor allem an jüngeren Kollegen, die ich vorsätzlich wegen jeder Kleinigkeit fertigmache. Ich habe dadurch auch einen Hang dazu entwickelt, dass alles übermäßig genau und pünktlich sein muss. Und natürlich erzählte ich auch jede Kleinigkeit sofort dem Chef. Um mich herum verbreitete ich also nur Stress und Ärger - auch wenn es mir nicht bewusst war. Ich hatte zwar das Gefühl, dass ich meinen persönlichen Stress einfach nur an jemanden abgebe, aber das kam dann natürlich mehrfach zurück und ich schob die Schuld dann wieder zu jemand anderem. Und jetzt, zu Weihnachten, versuche ich das erste Mal seit Langem mit meinem Stress alleine fertig zu werden und niemanden deshalb anzuschnauzen oder Ähnliches. Ich habe angefangen über meine Taten nachzudenken und feiere Weihnachten auch sehr viel bescheidener und besinnlicher. Und deshalb möchte ich mich auch bei allen entschuldigen, denen ich das Leben so schwer gemacht habe. Leider habe ich keine Ahnung, wie ich das alles wieder gutmachen soll, aber diese Beichte ist immerhin ein Anfang.

Beichthaus.com Beichte #00032466 vom 26.12.2013 um 21:11:00 Uhr (11 Kommentare).

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