Azubi unter Gehirnwäsche

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Verrat Ungerechtigkeit Arbeit Chef Nesselwang

Azubi unter Gehirnwäsche
Ich möchte beichten, dass ich meinen besten Freund in arge Bedrängnis bei seinem Arbeitgeber gebracht habe. Mein Kumpel war früher ein recht fauler Strick und als solcher hatte er es doch tatsächlich geschafft, seinen Quali zu vermasseln, obwohl ich und fast alle anderen aus seinem Bekanntenkreis der Meinung waren, er hätte locker die mittlere Reife geschafft. Dadurch musste er natürlich jede Lehrstelle annehmen, die er finden konnte. Seine Mutter, eine erfahrene Restaurantfachfrau, besorgte ihm durch Vitamin B eine Lehrstelle in einem Hotelrestaurant im tiefsten Allgäu. Dorthin fuhr er nun jede Woche und kam nur noch spärlich nach Hause.


Eines Tages wurde ich im Rahmen eines Lehrganges bei der Bundeswehr in seine Nähe versetzt und machte mit ihm fest aus, eine WG zu gründen, wie wir es schon immer vorgehabt hatten. Dadurch bestellte ich auch keine Stube in der Kaserne. Als ich in seiner Wohnung ankam, traf mich der Schlag. Die Arbeitswohnung, die er von seinem Arbeitgeber bekommen hatte, war ungefähr 4 auf 3 Meter groß mit einem Bad von der Größe eines Plumpsklos. Es zog durch die Dachbalken hindurch und bei Regen stellte mein Kumpel eine selbstgebaute Konstruktion aus Stangen und Plastikplanen über sein Bett, um trocken schlafen zu können. Ich war schockiert und sagte ihm, er solle das unbedingt seinem Chef melden. Doch mein Kumpel, der sonst ein riesiges Ego an den Tag legt, winkte verschüchtert ab.


Selbstverständlich war das noch längst nicht alles. Nachdem ich ja keine Stube in der Kaserne hatte und auch meinen Kumpel nicht enttäuschen wollte, blieb ich für die Dauer des Lehrganges bei ihm und bekam so einige Sachen aus seinem Arbeitsalltag mit. Zuallererst fiel mir auf, dass er immer knapp bei Kasse war. Früher glaubte ich, es läge an den teuren Fahrtkosten nach Hause, schließlich verdient ein Kochlehrling nicht die Welt. Doch als ich eine Lohnkostenabrechnung von ihm in die Finger bekam, wurde mir alles klar. Sein Chef verlangte von ihm 154 Euro Verpflegungskosten (eine Tütensuppe am Mittag) sowie 440 Euro Miete für den Hühnerstall, in dem er seinen Lehrling wohnen ließ. Mein Kumpel bekam also am Monatsanfang satte 19 Euro auf sein Konto überwiesen. Ohne seine Halbwaisenrente hätte er sich nicht mal was zum Essen kaufen können. Als ich einen Teil der Miete bezahlte (was ja nur rechtens war, schließlich wohnte ich darin) forderte sein Chef mein Geld zusätzlich von ihm ein. Als ich ihn fragte, warum er es dem Chef erzählt hätte, blockte er ab. Immer mehr bekam ich das Gefühl, mein Kumpel wurde total ausgenutzt und sogar psychologisch misshandelt. Sämtliche Vorschläge meinerseits, mit seinem Chef zu reden, wurden mit der Bemerkung "In der Gastronomie ist das halt so" beantwortet bzw. beiseitegewischt.


Als ich erkannte, dass ich gegen die Gehirnwäsche des Betriebes nichts tun konnte, mischte ich mich nicht mehr ein. Doch ich führte Tagebuch. In den 5 Monaten, in denen ich bei ihm wohnte, dokumentierte ich alles. Ich fotografierte das Zimmer und die Lohnabrechnungen, dokumentierte seine Arbeitszeiten, die in der Regel bei 16 Stunden täglich lagen, auch Samstags (zu diesem Zeitpunkt war mein Freund noch minderjährig) sowie seine Bemerkungen und Informationen über den Arbeitsalltag, zumindest diejenigen, die ich ihm entlocken konnte. Kleine Beispiele wären da die fehlende Auszahlung oder Gewährung von Überstunden, Ratten in der Küche, Geschmacksverstärker und vergammelte Zutaten (der Ausbeuterbetrieb hatte 4 Sterne und nahezu ständig die oberen Zehntausend zu Gast) in der Küche und natürlich auch die klassischen ausbildungsfremden Tätigkeiten wie den Diener für die versnobte Gattin des Chefs spielen, das Haus streichen und und und.

Ich habe persönlich nie eingegriffen, weil ich meinen Freund sein Leben nicht noch schlechter machen wollte, als es
ohnehin schon war. Nur einmal riss mir der Geduldsfaden. Ich wachte um 2:00 Uhr in der Früh und erkannte, dass mein Kumpel immer noch nicht zu hause war, obwohl er seit 6:00 Uhr in der Arbeit war. Ich rief also seinen Chef an und fragte, ob er schon auf dem Heimweg war. Sein Chef fing an mich anzuschreien, von Null auf Hundert. Ich dachte ja meinem Freund wäre auf dem Heimweg was passiert, aber er war tatsächlich noch in der Arbeit. Ich hörte mir die Schimpftirade seelenruhig an und sagte dann mit ruhiger Stimme: " In 10 Minuten ist er daheim. Sonst schick ich die Polizei." Dann legte ich auf. Kurz darauf wurde er vom Chef persönlich heruntergebracht.


Als mein Freund vor einem Jahr die Ausbildung beendete, hatte ich schon Kontakte zu einigen Lehrlingen, die im selben Betrieb gearbeitet hatten, aufgebaut. Die meisten hatten schon vorzeitig abgebrochen. Unterstützt von ihren Aussagen und meinem Tagebuch legte meine Mutter, eine IHK-Prüferin, die Fakten den zuständigen Ausbildungsleitern auf dem Tisch. Ende vom Lied: Mein Kumpel bekam eine Nachzahlung von 3.000 Euro sowie ein erstklassiges Arbeitszeugnis, der Betrieb durfte keine Lehrlinge mehr aufnehmen und hatte nach einigen Besuchen des Gesundheitsamts nur noch 2 Sterne. Diese Episode bereue ich nicht. Aber ich bereue, dass ich mich in jener Nacht zu diesem Telefonat hinreißen ließ, obwohl mein bester Freund das sicherlich ausbaden musste, und zwar noch fast 2 ganze Lehrjahre lang.

Beichthaus.com Beichte #00030106 vom 20.07.2012 um 00:43:28 Uhr in Nesselwang (37 Kommentare).

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Meine Traum-Oma

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Engherzigkeit Verzweiflung 50+

Meine Oma hat früher auf meinen Bruder und mich aufgepasst, wenn meine Eltern beide gearbeitet haben. Sie war eine richtige Traum-Oma. Gesundheitlich hatte sie immer wieder mal mit Problemen zu kämpfen, aber geistig war sie top-fit. Sie interessierte sich sehr für das Weltgeschehen, konnte mit Begriffen wie "working poor" oder "beamen" etwas anfangen, löste fleißig Kreuzworträtsel, hatte einen hohen Sinn für Gerechtigkeit und setzte sich auch mal für die Jugendlichen ein. Sie war streng, aber auch sehr menschlich. Mit den Jahren kristallisierten sich bei mir immer mehr Ähnlichkeiten mit ihr heraus, was meine Bindung zu ihr verstärkte.


Vor 3 Jahren begann sich sehr rapide eine Demenz bei ihr bemerkbar zu machen. Da eine Pflege- und Haushaltshilfe nicht mehr reichte, um sie und ihren Haushalt einigermaßen in Schuss zu halten und all ihre Kinder arbeiteten oder zu weit weg wohnten, haben sie sie in ein Alterspflegeheim gegeben, wo sie sich nach anfänglichem Sträuben (verständlicherweise) nun sehr wohl fühlt. Ich bin sie seither erst 2 Mal besuchen gegangen und eigentlich möchte ich auch nicht mehr hingehen. Nicht weil ich zu faul bin oder sie mir nichts mehr bedeutet. Es tut mir in der Seele weh, wenn ich sehe was aus ihr geworden ist. Sie erkennt die eigene Verwandtschaft überhaupt nicht mehr und hat weniger Wissen als ein 5-jähriges Kind. Als ich die letzten beiden Male dort war, bin ich in Tränen ausgebrochen als ich dieses Häufchen Mensch gesehen habe. Ich habe so gut es ging, es vor ihr zu verstecken versucht, damit sie kein schlechtes Gefühl bekommt. Ich hatte auch das Gefühl, dass sie mich mag und sich über den Besuch freut.
Meine Mutter (welche sie immer wieder besucht) hat mir gesagt, dies sei schon ok und gar kein Problem, aber mich beschäftigt es immer wieder. Ich denke immer wieder an meine Oma und werde dabei traurig. Sie kann ja nichts dafür, aber die Besuche tun mir regelrecht weh. Ich bin danach völlig durch den Wind. Aber andererseits fühle ich mich, als würde ich sie im Stich lassen. Und was wenn sie stirbt und ich war kaum bei ihr?

Beichthaus.com Beichte #00030080 vom 09.07.2012 um 20:12:28 Uhr (31 Kommentare).

Gebeichtet von stillesWasser
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Zufallsbeichte
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Nach der Abschlussprüfung

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Drogen Waghalsigkeit Peinlichkeit Trunksucht Last Night Ellenz-Poltersdorf

Ich (w/18) habe am Freitag die Abschlussprüfungen der zwölften Klassen aus den Fachoberschulen hinter mich gebracht und war danach natürlich gepflegt mit meiner Klasse feiern, wie es sich so gehört. Es war untertrieben gesagt ganz nett, wir haben uns alle die Kante gegeben und irgend so ein Typ hatte Joints dabei. Da ich erst zum zweiten Mal dieses Zeug rauche war ich es natürlich nicht gewohnt, aber zunächst hab ich es ganz gut vertragen. Als wir dann mit dem Zug nach Hause gefahren sind waren wir alle total blau. Meine Freundin und ich waren an den letzten Haltestellen nur noch zu zweit und haben noch zwei Typen kennengelernt, die uns dann pisswarmes Bier geschenkt haben. Ich vertrage ja sehr viel, aber Bier pack ich einfach nicht wenn ich vorher ordentlich getankt habe.

Nun zu meiner Beichte. Als ich dann endlich zu Hause ankam hat entweder der Joint angefangen zu wirken oder das Bier hat mir den Rest gegeben. Ich ging jedenfalls ins Haus und dann direkt auf mein Zimmer. Übrigens: Es war gerade mal 23 Uhr. Erstmal habe ich meine halbvolle Bierflasche aus dem Fenster geworfen, weil ich es ekelhaft fand. Dann habe ich mich an den Laptop gesetzt und aus welchem Grund auch immer in die Suchleiste eines berühmten Social Networks den Namen Brian eingegeben und so ziemlich jedem Brian, der da angezeigt wurde eine Freundschaftsanfrage geschickt. Danach wollte ich schlafen, konnte aber meine Schlafklamotten nicht finden, also stand ich erst eine Weile im Evakostüm in meinem Zimmer und bin dann einfach direkt nackt ins Bett gesprungen. Von der Hauptstraße aus kann man direkt in mein Zimmer sehen. Alle Passanten hatten also freie Sicht. Ich lag also im Bett und fand dann, dass der Himmel nachts total cool aussieht. Ich stand also auf, machte das Licht an und ging nackt wie ich war auf den Balkon und starrte in den Himmel. Ich wollte dabei romantische Musik hören, konnte aber meinen iPod nicht finden also fing ich an mit euphorischem Elan aus Leib und Seele "Pumped Up Kicks" vom Balkon herabzuträllern. Ich konnte den Text nicht mal und wurde die 15 Minuten, die ich da stand von ungefähr 51176 Stechmücken malträtiert.

Ich entschuldige mich bei jedem Passanten, der sich durch eine besoffene 18-Jährige, die lautstark singend und nackt auf ihrem Balkon stand und deren Umrisse wahrscheinlich mit dem Licht im Zimmer im Hintergrund deutlich zu erkennen waren belästigt gefühlt hat. Ich bereue. Übrigens habe ich die Bierflasche, die ich aus dem Fenster geworfen habe bis heute nicht gefunden. Keine Scherben auf der Straße und auch im Garten keine Spur.

Beichthaus.com Beichte #00030015 vom 27.05.2012 um 11:08:16 Uhr in Ellenz-Poltersdorf (36 Kommentare).

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Alles für die Romantik

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Peinlichkeit Unreinlichkeit Last Night Oberhaching

Ich (w/23) habe vor circa 3 Jahren etwas total peinliches getan und schäme mich bis heute noch in Grund und Boden dafür. Ich war gerade frisch mit meinem neuen Freund zusammen in seiner winzigen 1-Zimmer-Wohnung mit Bad. Das Bad war nur durch die Tür vom restlichen Wohnbereich getrennt. Wir haben zusammen gegessen und dann war es soweit: Ich merkte, dass ich Durchfall bekommen werde und wollte nicht, dass er die Geräusche durch die Badtür mitbekommt. Also hab ich ihm gesagt, ich würde nach unten vors Haus eine Zigarette rauchen gehen. Bin dann mit Tempos bewaffnet die Haustreppe runter in den Kellerbereich gestürmt, habe dort im Halbdunkeln ein Taschentuch ausgebreitet und einen riesigen Haufen darauf gesetzt, in der Hoffnung, dass mich niemand erwischt. Danach habe ich den Haufen gepackt, bin nach oben zu den Mülltonnen und habe das Ganze entsorgt. Im Keller war nur leider noch ein Fleck in der Ecke des Geschehens zu sehen. Dann bin ich wieder nach oben zurück zu ihm in die Wohnung. Ich weiß bis heute nicht, ob die Nachbarn oder mein Ex etwas von meiner Schandtat bemerkt haben (z.B. durch den Geruch aus der Mülltonne oder wegen dem Fleck in der Ecke) Mir ist nichts in meinem Leben so peinlich, wie dieser Vorfall und ich hab mit keiner Menschenseele je darüber gesprochen, weil ich über mich selbst so erschrocken bin. Ich wollte eben nicht am Anfang unserer Beziehung die Romantik zerstören und wusste mir einfach nicht anders zu helfen. Ich bitte um Absolution.

Beichthaus.com Beichte #00029943 vom 16.04.2012 um 15:41:15 Uhr in Oberhaching (Franz-Josef-Strauß-Straße) (31 Kommentare).

Gebeichtet von gärtnerin
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Schwerhörige Rentner

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Falschheit Ignoranz Shopping Seelze

Ich war vormittags bei einem großen Discounter. Zu dieser Uhrzeit treiben sich da fast nur Senioren rum. Ein Verkäufer sagte, dass man sich schon an die andere Kasse anstellen könne - er komme gleich. Da ich offensichtlich der einzige war, der das hörte, stand ich alleine da bis der gute Mann endlich kam. Auf dem Weg zur Kasse bat ein Kollege ihn etwas zu erledigen. Daher kassierte er mich ab und schloss die Kasse wieder, da ja immer noch niemand sonst anstand. Die Rentner-Gang an der anderen Kasse begann zu murren und fragte, warum ich eine Sonderbehandlung bekäme. Ich sagte nur: "Tja, privat-versichert" und ging grinsend unter wütenden Protesten der anderen Kunden hinaus.

Beichthaus.com Beichte #00029915 vom 04.04.2012 um 14:51:03 Uhr in Seelze (19 Kommentare).

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