Von Zwängen geleitet

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Zwang Peinlichkeit Verzweiflung Auto & Co.

Ich werde tagtäglich von Zwängen geleitet. Früher war es nur der erneute Gang von der Kinokasse zum Parkhaus, weil ich dachte, mein Auto wäre noch offen. Heute stehe ich manchmal nachts nochmal auf, um Handbremse, Gangschaltung, Kofferraum, Türen und seit neustem auch die Motorhaube zu kontrollieren. Fragt mich nicht wieso!
Wenn ich meinen morgendlichen Klogang absolviere und merke, dass ich unter Zeitdruck gerate, muss ich manchmal minutenlang abwischen, weil ich immer glaube, dass gerade noch ein Stückchen rausgekommen ist. Oft stehe ich mehrfach auf, ziehe die Hose hoch und lasse sie dann doch wieder runter, weil irgendein Gefühl mich dazu verleitet.
Wenn ich dann irgendwann aus dem Haus gehe, kontrolliere ich alle Türen und Fenster meiner Wohnung. Aber nicht nur einmal, nein mindestens drei mal. Lustigerweise auch z.B. die Tür zum Badezimmer oder zur Abstellkammer.
Beim Autofahren muss ich jeden Meter meines Weges mitkriegen, da ich panische Angst davor habe, einen Unfall zu bauen ohne es zu merken oder gar jemanden anzufahren. Manchmal fühle ich mich dabei so unter Druck gesetzt, dass ich das vierfache meines eigentlichen Bedarfs an Zigaretten verrauche. Von Zeit zu Zeit fahre ich dann nochmal zurück, um mich zu vergewissern, wenn ich das Gefühl nicht unterdrücken kann. So brauche ich für eine Strecke von 8 km auch gerne mal 20 Minuten bei freier Strecke.
Wenn ich mich dann abends irgendwann ins Bett lege, schaue ich bei jedem meiner 6 Wecker (PC, Handys, Funkwecker) nach ob ich auch wirklich die richtige Zeit eingegeben habe und ob sie nicht vielleicht auf Wochenende stehen. Das dauert manchmal bis zu 10 Minuten, da ich anscheinend glaube, dass eine böse Macht die Wecker wieder verstellen könnte, nachdem ich sie kontrolliert habe.


Das ganze ist nicht weiter schlimm und behindert auch nicht großartig im täglichen Leben. Allerdings zwingt es einen dann doch manchmal zu kleinen Notlügen. Zum Beispiel, wenn die Freundin fragt, warum man denn schon wieder eine halbe Stunde zu spät ist. "Entschuldige Schatz, ich musste mir mit einer ganzen Rolle Klopapier den Hintern abwischen, dann die kurze Strecke Autobahn 3 mal hin- und herfahren, weil ich dachte, ich hätte einen Fuchs überfahren, habe dann meiner Handbremse nicht vertraut, dass sie angezogen bleibt und die Motorhaube ist auch ein hinterhältiges Stück. Gewöhne dich schon mal dran."

Ich glaube bevor ich das sage, gebe ich mir die Kugel.

Woher auch immer diese Angewohnheiten, Zwänge, Triebe oder wie man sie auch nennen mag, herkommen. Ich hoffe es gibt da nicht noch mehr. Irgendwann könnten sie wirklich lästig werden, aber ich bin auf dem Weg der Besserung. Danke fürs Lesen, ich glaube das Aufschreiben könnte ein wichtiger Schritt gewesen sein.

Beichthaus.com Beichte #00028082 vom 22.08.2010 um 18:00:32 Uhr (48 Kommentare).

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Der Junge am Zaun

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Feigheit Engherzigkeit Ignoranz Kindergarten

Ich (w/28) kann mich nicht mehr an viele Dinge aus meinen Kindertagen erinnern. Dennoch hat mich vor einigen Tagen ein Ereignis eingeholt, dass ich wohl nicht so richtig verarbeiten konnte. Mein Kindergarten schloss direkt an den Kinderhort an und es war möglich vom Garten aus einmal um das Haus herum in den Hort zu kommen. Das war aber verboten. Eines abends war ich, mit einem Jungen aus meiner Gruppe, die letzte die noch darauf wartete abgeholt zu werden. Wir haben uns wohl die Zeit noch ein wenig im Garten vertrieben. Da kam er auf die Idee ums Haus herum zu laufen und auf den angrenzenden Maschendrahtzaun zu klettern, was natürlich auch nicht erlaubt war. Er kletterte also hinauf und blieb mit den Fingern in den obersten Drähten hängen und kam nicht mehr davon los. Er begann zu weinen und bat mich darum Hilfe zu holen. Doch es begann zu bluten und ich bekam Angst. Angst vor seinem Weinen und Schreien und Angst davor Ärger zu bekommen, da es ja verboten war dort hinten zu spielen. Ich beichte, dass ich ihm nicht geholfen habe, aus Angst vor den Konsequenzen. Irgendwie kam er dann doch wieder allein da raus und hat verständlicher Weise nicht mehr mit mir spielen wollen. Es tut mir sehr Leid, aber als 4 oder 5 jährige ist man wohl noch so egoistisch, oder? Mittlerweile bin ich ein sehr sozialer Mensch geworden und weiß, dass mir so etwas nicht mehr passieren wird.

Beichthaus.com Beichte #00028081 vom 22.08.2010 um 09:58:03 Uhr (18 Kommentare).

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Einbrecher gedeckt

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Lügen Diebstahl Polizei

Meine schlimmste Lüge verdränge ich immer wieder, so sehr, dass ich selber manchmal fast vergesse, dass das, was ich an diesem Abend erzählt habe, eine Lüge war. Ich hatte während meines Austauschjahres einen Freund, in den ich unglaublich verschossen war. Er war arbeitslos und ich ahnte, dass er ab und zu ein paar krumme Dinger drehte, um etwas Geld zu verdienen. Diese dunkle Ahnung verdrängte ich aber immer. Eines Abends war ich bei ihm, und die Polizei stand plötzlich vor der Tür. Am vorhergehenden Abend war in ein Elektrogeschäft in der Nähe eingebrochen worden, und es war ein sehr hoher Sachschaden entstanden. Sie fragten meinen Freund, wo er an diesem Abend gewesen sei, was mir große Angst einjagte. Mein Freund zögerte kurz, schaute mich an und sagte: "Ich war mit ihr zusammen." Mir blieb fast das Herz stehen, denn es stimmte nicht. Ich war daheim geblieben an jenem Abend, weil er mir gesagt hatte, er hätte keine Zeit. Die Polizisten sahen mich fragen an. Ich sagte ja, er war mit mir zusammen. Mit meiner Lüge hatte ich einen Verbrecher gedeckt. Bis heute verdränge ich diese dunkle Seite dieses Jungen, den ich nach meinem Austauschjahr nie mehr sah.

Beichthaus.com Beichte #00028071 vom 19.08.2010 um 01:17:57 Uhr (21 Kommentare).

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Joggen mit Höhepunkt

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Faulheit Lügen Wollust Sport

Joggen mit Höhepunkt
Ich (m/18) habe eine ziemlich fitnesssüchtige Mutter. Sie geht jeden Morgen joggen, 4 Mal in der Woche ins Fitnessstudio und bei uns gibt es immer was ziemlich ekelhaftes zu essen, weil das ja gesund, proteinhaltig und was weiß ich noch was ist. Jetzt hat sie es geschafft, […]
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Beichthaus.com Beichte #00028063 vom 16.08.2010 um 16:45:20 Uhr (33 Kommentare).

Gebeichtet von KKK3
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“Beichte

Mein Nachhilfe-Lehrer

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Ignoranz Boshaftigkeit

Ich war 13 Jahre alt, Gymnasiastin und benötigte dringend Nachhilfe in Mathematik. Ein netter Nachbar, der mich bereits im Säuglingsalter kannte, pensioniert und früherer Polizeibeamter war, erklärte sich gerne bereit, mir 2 Mal pro Woche Nachhilfe zu geben. Mir machte das Lernen anfangs sehr viel Spaß und meine Noten verbesserten sich zusehends.

Ich kann es nicht mehr genau sagen, wann es anfing, dass ich mich in seiner Gegenwart unwohl und gehemmt fühlte. Saß ich zu Anfang noch neben ihm auf unserer Eckbank, verlangte er nach einer gewissen Zeit, mich auf seinen Schoß zu setzen, was ich widerwillig tat. Während er mich weiterhin unterrichtete, streichelte er mich immer wieder an den Beinen, Oberschenkeln oder Armen. Es kam auch vor, dass er mich von hinten umarmte und an sich zog. Ich kann mich nicht daran erinnern, ob ich ihn jemals darum gebeten habe, diese Annäherungen bzw. sexuellen Belästigungen, wie ich sie heute nennen würde, zu unterlassen. Vermutlich nicht. Obwohl ich sehr wohl in der Lage war, sein Verhalten mir gegenüber als nicht normal zu bezeichnen, so war ich doch durch die Situation eingeschüchtert.

Er machte einen relativ gepflegten Eindruck. An seinen Körpergeruch, der sich aus abgestandenem Eau de Cologne und ungelüfteter Kleidung zusammensetzte, werde ich mich jedoch mein Leben lang erinnern.

Da meine Mutter während meinen Nachhilfestunden nicht ins Zimmer kam, konnte er sicher sein, dass ihn niemand bei seinen Spielchen ertappte. Meine Eltern hätten die Situation sicherlich gleich erkannt, ihn zur Rede gestellt und entsprechend gehandelt. Aus Scham und Peinlichkeit meinen Eltern gegenüber habe ich geschwiegen. Aber auch, weil man mir auf nette aber eindringliche Art zu verstehen gegeben hat, nicht über unser kleines Geheimnis zu sprechen. Sonst...

Ich hatte Angst. Eine Angst, die ich jetzt als Erwachsene nicht mehr in der Lage bin zu beschreiben, was vielleicht auch gut so ist, denn diese Angst hätte sicherlich mein Leben bis zu einem gewissen Grad geprägt, sicherlich nicht zum Positiven. Die Angst, die ich als Kind empfand, hat sich über die vielen Jahre hinweg in Ekel und abgrundtiefe Verachtung für diesen Mann, der schon vor vielen Jahren gestorben ist, gewandelt. Und Gott sei Dank haben sich meine Schulnoten damals so gebessert, dass ich keine Nachhilfe mehr brauchte. Wie weit wäre dieser Mensch wohl gegangen?

Beichthaus.com Beichte #00028049 vom 10.08.2010 um 18:17:14 Uhr (17 Kommentare).

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