Mit dem Klapphandy im Internet

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Dummheit Waghalsigkeit Sucht Verschwendung Internet

Als ich so dreizehn Jahre alt war, habe ich ein neues Handy bekommen - derzeit ganz modern, ein flaches Klapphandy. Damals war das mit dem mobilen Internet noch nicht so wie heute und es wurde pro Minute getaktet, man konnte nicht einfach zwei Gigabyte buchen, sondern bei dem Vertrag wurde dann so bezahlt, wie man auch nutzte. Meine Eltern hielten mir dementsprechend eine Predigt, dass ich das Internet am Handy nicht nutzen durfte, weil es zu teuer war, um eine Abschaltung der Option kümmerten sie sich als Vertragsinhaber jedoch nicht. Für mich im Großen und Ganzen ein Schlag ins Gesicht, denn einen Router, also Hausinternet, hatten wir auch immer noch nicht, es war aber die Zeit, wo es dann losging, dass Sachen für die Schule online recherchiert und ausgedruckt werden mussten und sich privat auch schon jeder im Internet herumtrieb. Alle meine Freunde hatten schon gefühlt ewig Internet zu Hause, doch die einzige Möglichkeit, die mir blieb, war bei Wind und Wetter mit dem Rad in die Bibliothek zu fahren und dort mein knappes Taschengeld ins Internet sowie die Druckmöglichkeit zu investieren.

Bei Freunden ging das natürlich mal, aber auch nicht durchgehend. Geschichten aus Abenden im ICQ und solche Späßchen konnte ich in der Schule immer nur anhören, nie selbst erzählen. Ob es schließlich die Neugier oder der Gruppenzwang war, weiß ich noch nicht genau, doch ich kam auf die folgenschwere Idee, dennoch das Handyinternet zu nutzen. Man konnte das Gerät mit einem USB-Kabel an den PC anschließen und darüber im Browser am Computer surfen. Eine vollkommen neue Welt öffnete sich für mich, auch wenn ich anfangs sehr vorsichtig war und immer nur kurz für die Schule online ging. Es gab dann irgendwann eine Telefonrechnung im niedrigen dreistelligen Bereich und meine Eltern waren schon tierisch sauer, zwei Wochen hatte ich das Telefon abzuliefern: Handyverbot. Doch der Drang war weiterhin groß, irgendwann saß ich täglich stundenlang davor, auch wenn es enorm langsam war. Sogar einen Song lud ich herunter, lud meine eigenen Geschichten und Gedichte in Foren und auf Schreibplattformen hoch und chattete in ICQ, bis die Tasten glühten. Wenn ich online war, dachte ich gar nicht an die Kosten, die dabei entstehen könnten.

Da ich meist eher aus der Schule kam, als meine Eltern von der Arbeit, fand ich eines Tages einen Brief der Telefongesellschaft vor, der in Dicke und Schwere den Umfang der regulären Rechnung um ein Vielfaches überstieg. Für einen Moment ging mir der Hintern echt auf Grundeis, deswegen versteckte ich den Brief einfach in meinem Zimmer und das normale Leben ging weiter, es hatte wohl keiner etwas gemerkt und ein paar Tage später surfte ich auch lustig weiter. Ich verdrängte einfach, was da vielleicht per Post gekommen war und meine zahlreichen neuen Internetfreunde wollte ich nicht aufgeben, immerhin waren alle Klassenkameraden auch immer online. Ein paar Wochen später kamen meine Eltern schon mit einem Riesendonnerwetter unten reingepoltert, das war der Tag, an dem sie das auf ihren Kontoauszügen gemerkt hatten. Die Summe hatte sich durch mein Surfen auf einen fünfstelligen Betrag gesteigert und ich bekam natürlich im wahrsten Sinne den Arsch ab. Sie schoben total Panik, weil all das Ersparte weg war, und machten sich schon Gedanken über einen Auszug und den Verkauf diverser Wertsachen.

In der ersten Panik sollte auch mein selbst ersparter iPod verkauft werden, deswegen habe ich all meinen Wertkram vorerst versteckt, damit sie da nicht drankamen. Zum Glück klärte sich das Ganze am Ende aber nach Kontaktaufnahme mit der Telefongesellschaft auf. Ich war noch keine vierzehn Jahre alt, das erkannte die Gesellschaft an und gab selbst zu, dass ihr ein Fehler unterlaufen war. Eigentlich hätte in gewissen Abständen angezeigt werden müssen, dass die Rechnung einen bestimmten Betrag erreicht hat, beispielsweise bei 500, 1000 Euro und so weiter. Nachweislich war das bei uns nicht der Fall, wahrscheinlich hätte ich mit diesem Wissen auch direkt zu Anfang gar nicht weitergesurft.

Am Ende bekamen meine Eltern all ihr Geld zurück, sie sind heute noch Kunden dort, alles ist in Ordnung. Ich beichte, dass mir das Ganze trotz der zwischenzeitlichen Angst wegen der Rechnung eigentlich gar nicht so nahe gegangen ist und weiß, dass ich mich gerade dafür schämen sollte, aber ich denke noch immer ein bisschen, dass meine Eltern teilweise auch schuld sind, weil sie so lange keine Notwendigkeit sahen, einen Router nach Hause zu holen und es damit ständig zu Engpässen bei Hausaufgaben und der Zugehörigkeit in der Schule kam. Ich bin nur froh, dass sich der Vorfall noch zum Guten gewendet hat und direkt im Anschluss hatten wir dann auch endlich LAN zu Hause, sodass ich nie wieder in Not geriet und nie wieder - von schlechten Mathenoten und einmal Sitzenbleiben abgesehen - Mist baute.

Beichthaus.com Beichte #00038148 vom 27.04.2016 um 13:30:29 Uhr (17 Kommentare).

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Jungfrau mit Telefonbeziehung

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Begehrlichkeit Verzweiflung Internet

Ich (w/20) bin Jungfrau und hatte auch noch nie einen Freund. Umarmungen mit Männern waren bis jetzt das Höchste der Gefühle. Vor ein paar Wochen hat mich jemand aufgrund von Bildern im Internet angeschrieben, der zehn Jahre älter ist, dem es allerdings ähnlich geht. Wir wissen, dass wir niemals zusammen sein werden und uns auch nicht lieben. Dennoch machen wir am Telefon nahezu täglich miteinander rum und überlegen, das auch in echt zu tun. Ich habe Angst vor meiner eigenen Courage und nehme an, dass diese Art der "Beziehung" doch ziemlich gestört ist.

Beichthaus.com Beichte #00038131 vom 25.04.2016 um 10:49:14 Uhr (9 Kommentare).

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Ich stalke meine Ex-Freunde

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Neugier Internet Ex

Ich (w/21) schaue mindestens ein Mal im Monat auf die Profile meiner Ex-Freunde. Ich bin zwar seit drei Jahren in einer Beziehung, aber ich bin viel zu neugierig. Ich gucke, ob es öffentliche Posts oder neue Bilder gibt. Ich empfinde nichts mehr für meine Ex-Freunde, aber ich muss dennoch immer mal wieder gucken, was sie so tun. Nicht nur bei meinen. Ich schaue auch regelmäßig auf dem Profil von der Ex meines jetzigen Freundes, was so läuft. Es interessiert mich einfach wahnsinnig, mit wem mein Freund früher zusammen war, wie die Person aussieht, was sie jetzt macht, etc. Ich kann damit nicht aufhören. Ich muss immer auf dem neusten Stand bleiben. Mein Freund weiß davon nichts. Ich weiß ehrlich gesagt auch nicht genau, wieso ich das mache, außer aus purer Neugier - aber ich werde es nicht sein lassen können.

Beichthaus.com Beichte #00038123 vom 22.04.2016 um 23:51:38 Uhr (7 Kommentare).

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Ich bin ein White Knight

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Ungerechtigkeit Boshaftigkeit Schamlosigkeit Internet

Ich möchte heute beichten, dass ich ein sogenannter White Knight bin. Das ist etwas schwierig zu erklären, aber White Knights jagen Trolle und informieren die teils oft unwissenden Opfer auf Videoportalen, wo auf einmal die komischen Kommentare herkommen. Außerdem trolle ich Trolle auch selbst. Ein Beispiel ist ein hier schon einmal erwähnter Youtuber, der ständig besucht und dabei gefilmt wird. Dieser filmt nun selbst seine ungebetenen Besucher und stellt das ins Netz. Und was passiert? Sie schäumen vor Wut wegen ihrer verletzten Privatsphäre und schreien nach der Justiz. Aber es selbst machen! Ich stachele sie gerne noch ein wenig an, bis sie in ohnmächtige Wut geraten. Auf derselben Seite, auf der sich die meisten dieser Trolle aufhalten, werden auch ständig neue Opfer gesucht. Und ich meine hier nicht harmlose, böse Kommentare, nein, diese Menschen werden regelrecht seziert und zu Hause aufgesucht, was bis hin zu Drohungen, Lärmbelästigung und Sachbeschädigungen geht, man schickt ihnen Sexspielzeug und so weiter zu. Das ist Stalking, aber das sehen diese Trolle nicht. Sie wollen doch nur lustig sein, und wer was dagegen sagt, hat keinen Sinn für Humor in ihren Augen und wird sofort aufs Extremste beleidigt.


Da sich oben genannter Youtuber kaum zur Wehr setzt, denken sie inzwischen, es gäbe keine Grenzen mehr für sie. So werden auch minderjährige Mädchen teils extrem geärgert, beleidigt, als behindert hingestellt und auf der Seite der Trolle dann Sexfantasien über diese Mädchen geteilt. Männliche Jugendliche sind pauschal eh schwul und da werden teils gesetzwidrige Fotomontagen erstellt. Psychisch kranke Menschen werden getriggert in der Hoffnung, sie zum Ausrasten zu bringen. Sprüche wie: "Hoffentlich bringt er/sie sich um" sind keine Seltenheit auf dieser und ähnlichen Seiten. Meldungen bei den Behörden brachten nichts, da es die Betroffenen selbst machen müssen, laut Polizei. Also fing ich mein Gegenspiel an: Diese Menschen sind extrem krank. Und ich sehe mir so was nicht ewig an, ohne etwas zu tun. Und wenn es nur ist, den Opfern mit etwas Rat zur Seite zu stehen und ihnen zu zeigen, wo sie suchen müssen.


Solche Menschen haben vor 12 Jahren, bevor Cybermobbing ein Begriff war, einen Freund zu einem Selbstmordversuch getrieben, der schlimmer endete als mit dem Tod und das nur wegen ein paar Versprechern in einem Video von ihm. Auch ihn hat man sogar daheim besucht, Scheiben eingeworfen und ihn zuletzt zusammengeschlagen, nur weil er wagte, sich verbal und eloquent zur Wehr zu setzen. Er schoss sich in den Kopf - überlebte aber und ist nun nur ein schreiendes Etwas, das nur noch ausscheidet, was man ihm einführt. Sein Gehirn ist größtenteils zerstört, aber sein Körper kann noch 50 Jahre oder mehr so weiter vor sich hinvegetieren. Und ja, ich bin mir bewusst, dass Menschen, die im Internet nach Anerkennung suchen und sich exponieren, sich einem gewissen Risiko aussetzen. Das macht sie aber noch lange nicht zum Freiwild für eine Bande von Kellerkindern, die sich nur daran hochziehen können, anderen zu schaden.

Beichthaus.com Beichte #00038044 vom 12.04.2016 um 23:47:32 Uhr (24 Kommentare).

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“Beichte

Ich schaue zu viele Serien!

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Falschheit Lügen Maßlosigkeit Internet Partnerschaft

Ich lebe in einer Fernbeziehung und teile mit meinem Freund einen Netflix-Account. Er arbeitet bereits und hat einen ziemlich stressigen Job, ich studiere und genieße es, in den Ferien einfach nichts zu tun und den halben Tag fernzusehen - während er kaum Urlaub hat und diesen dann mit mir verbringt. Da ich auf keinen Fall will, dass er weiß, wie oft ich mir etwas ansehe, lösche ich regelmäßig sämtliche Serien und Filme aus dem Verlauf. Ich bitte um Absolution.

Beichthaus.com Beichte #00037970 vom 31.03.2016 um 20:37:20 Uhr (3 Kommentare).

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