Ritzender Trauerkloß

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Selbstverletzung Verzweiflung Zorn Gewalt

Das Nachfolgende handelt von mir (m) und meinem ehemals besten Freund und ist, zumindest der Hauptteil, gestern erst passiert. Angefangen hat die ganze Scheiße als damals beide Elternteile besagten Freundes vor einem Jahr bei einem Unfall starben. Für ihn selbst brach eine Welt zusammen und auch für mich, die ich sie bereits mein Leben lang kannte, und auch andere Personen, war das alles andere als einfach. Er selbst hatte damals schon Selbstmordgedanken, von denen wir ihn zum Glück abbringen konnten. Kurze Zeit darauf verließ ihn sogar seine damalige Freundin mit der Begründung, sie wolle einen Kerl, keinen Trauerkloß. Das brach ihm denn beinahe ganz das Genick. (btw: um diese haben wir (ein paar Kumpels und ich) uns bereits gekümmert. Ich will nur soviel sagen: eine Menge Alk, eine Digicam und Facebook werden dieser Schlampe ihre spätere Jobsuche wohl ein wenig erschweren. Aber das ist eine andere Geschichte.
Denn kurze Zeit später passierte es: Er fing mit diesem Scheiß an, der sich Ritzen nennt. Als ich zum ersten mal die Wunden an seinem Arm sah, war ich erstmal fassungslos und wir haben drüber geredet. Er erklärte mir seinen Standpunkt, der immer aufs selbe hinaus lief. "Er brauche dies, um sich lebendig zu fühlen". Unser gesamter Freundeskreis hat bereits versucht ihn daraus zu holen, angefangen mit der guten alten russischen Methode die laut gröhlend in der Ausnüchterungszelle endete, bis hin zu mehreren (wirklich vielen) klärenden Gesprächen. Nichts von all dem half. Mit der Zeit wendeten sich viele von ihm ab, da er wirklich beinahe unerträglich wurde. Und es soll keiner denken wir hätten ihn hängen lassen, er wollte einfach keine Hilfe. Rückblickend hätten wir ihn gleich in professionelle Hände geben sollen aber hey, wir sind nun mal jung. Und hinterher ist man immer schlauer. Auf jeden Fall hatte er am Ende nur noch mich als Freund und auch mir, ging er ehrlich gesagt gehörig auf den Sack. Und denn gestern passierte es. Ich war bei ihm und was finde ich da? eine nicht eben geringe Menge des bekannten weißen Pülverchens. In dem Moment bin ich ehrlich gesagt ziemlich ausgerastet. Ich hab ihn angeschrien, geschüttelt und sogar mit der Polizei gedroht, nichts half. Er meinte nur wieder, er brauche dies um sich lebendig zu fühlen. Irgendwann wurde ich denn ganz ruhig, hab ihn angesehen und gesagt: "du brauchst also Schmerz um dich lebendig zu fühlen? Denn nimm dies als letztes Geschenk von deinem ehemals besten Freund". Bevor er überhaupt verarbeitet hatte, was ich da sagte, hatte ich schon ausgeholt und ihm volle Kante durchs Gesicht gebügelt. Ich glaub ich hab noch niemals einen derart perfekten WTF-Blick gesehen. Wär die gesamte Thematik nicht so ernst, und hätte er da nicht mit immer dicker werdender, blutender Nase gesessen, hätte ich in dem Moment wirklich lachen können, aber dazu war mir nun wirklich nicht zumute. Ich bin denn ohne noch ein Wort zu sagen nach draußen und nach Hause gegangen (natürlich nachdem ich unten den Krankenwagen angerufen hatte). Vielleicht werde ich ihn heute Abend auch noch besuchen gehen. Naja die Zeit wird zeigen ob die Aktion von mir richtig war. Zumindest sein Blick war in dem Moment auf dem Boden so ernst und klar, wie seit einem Jahr nicht mehr. Das gibt mir Hoffnung. Danke fürs Lesen.

Beichthaus.com Beichte #00028771 vom 29.03.2011 um 18:55:38 Uhr (27 Kommentare).

Gebeichtet von bloXize
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Eine Auszeit vom Leben

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Lügen Feigheit Drogen Geld

Ich stand kurz vor der Abschlußprüfung. Was so verheißungsvoll mit meiner Ausbildung begann, sollte noch eine tragische Entwicklung nehmen. Noch in den ersten Monaten nach Ausbildungsbeginn, trennten mein Freund und ich uns im verflixten siebten Jahr. Wir hatten es, gemäß des Sprichwortes, also nicht geschafft. Was also tun, mit einem mickrigen Ausbildungsgehalt und wenig Mitteln? Vorübergehend zog ich zu einer guten Freundin und schlug dort mein Nachtlager, denn mehr war es nicht, im nicht genutzten Esszimmer auf. Ganze drei Jahre schlief ich hier auf einer durchgelegenen Couch, von der ich jede Nacht die Federn im Rücken spürte. Der Druck der guten Noten, denn mein Arbeitgeber hatte einen besonders hohen Anspruch an seine Auszubildenen, stieg täglich. Und obgleich ich physisch und vor allem emotional schon auf dem Zahnfleisch ging, funktionierte ich im Betrieb einwandfrei. Zur Berufsschule ging ich immer seltener, was natürlich nicht positiv auffiel. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Ein Familienmitglied war zu dieser Zeit völlig im Sumpf der Kriminalität und Drogen versunken und niemand, außer mir, wusste davon. Er kam zu mir, immer öfter und fragte nach "Hilfe", also Geld. Er hätte noch drei Stunden, um 500 Euro am Hauptbahnhof abzugeben. Wenn er das nicht täte, graue ihm Böses. Und ich glaubte ihm, denn so abgemärgelt und fertig hatte ich ihn noch nie erlebt. Also arbeitete ich. In der Woche von Montags bis Freitag im Büro und im feinen Zwirn und am Wochenende schob ich Extraschichten und kellnerte, um das Geld zusammen zu kriegen.


Doch dann stand er immer öfter vor mir und frug mich nach Geld. Ich konnte nicht mehr, war nur noch müde und ausgelaugt und fühlte mich wie eine Greise. Morgens bin ich müder aufgestanden als ich abends zu Bett bzw. auf die durchgelegene Couch ging. Es nützte nichts, ich musste ihm helfen. Meine Familie, Freunde und Bekannte ahnten nichts und ich war völlig auf mich allein gestellt. Niemand durfte etwas wissen und diese jahrelange Geheimniskrämerei zermürbte mich. Auf dem Zenit des Grauens, nämlich als plötzlich ich Drohanrufe bekam, und mich dubiose Menschen, die ich zuvor noch nie gesehen habe, auf offener Straße ansprachen, drohte das Fass endgültig überzulaufen. Ich hielt das alles nicht mehr aus und suchte nur noch Zerstreuung. Mitten in der Woche ging ich tanzen, feiern und knutschte, um mich abzulenken, mich lebendig zu fühlen. Morgens saß ich, restalkoholisiert aber schauspielerische Höchstleistungungen erbringend, wieder im Großraumbüro und arbeitete.
Kurz vor meiner Abschlußprüfung, kam es dann zu einer polizeilichen Befragung. Und, um den im Drogensumpf Gefangenen zu schützen, log ich, dass sich die Balken bogen. Aus Angst vor weiteren Katastrophen, Konsequenzen für meine Familie und auch mich, denn die Männer im Hintergrund scheuten nicht vor täglichen Anrufen und Drohgebärden. Eines Tages, als er mich erneut um Geld bat, brach ich innerlich fast zusammen und erklärte ihm, dass ich so pleite sei, dass ich nicht einmal ein Brot kaufen könne. Er tat berührt und so als täte es ihm unendlich Leid. Er gelobte Besserung und schwor mir, dass danach alles vorbei sei. Nur ein letztes Mal noch. Aus Hilflosigkeit über die gesamte Situation, denn ich konnte nicht anders als zu helfen und er nutzte das schamlos aus, ohrfeigte ich zum ersten und letzten Mal in meinem Leben einen Menschen. Er ging, mit Tränen in den Augen.


Es tat mir so Leid, so unendlich weh und ich hatte panische Angst, er würde sich aus Verzweiflung sogar das Leben nehmen. Denn Andeutungen hatte er über die Zeit genug gemacht. Also machte ich mich mitten in der Nacht auf die Suche, fand ihn aber nicht. Ich war verzweifelt. Dann bekam ich einen Anruf, eine unbekannte Nummer im Display. Wie immer drehte sich mir der Magen und waberten meine Knie als wären sie aus Götterspeise. Ich hob ab. Der Mann am anderen Ende der Leitung sprach, in seinem gebrochenen Deutsch eine ganz klare Sprache. 800 Euro, bis morgen Abend um 18 Uhr am Hauptbahnhof oder ihr seht ihn tot in der Gosse liegen. Und er meinte es ernst, das hörte ich.

Mein Problem: Ich hatte keine 800 Euro, ich hatte nicht einmal mehr Geld für eine Schachtel Zigaretten. Was also tun? Ich ging zu meinem Nebenjob und bat meinen Chef um einen Vorschuss. Er wunderte sich, fragte mich ob alles in Ordnung sei, doch ich schwieg dazu und sagte lediglich, dass ich nicht fragen würde, wenn ich es nicht brauchen würde. Er gewährte mir den Vorschuss. Ich fuhr am Tag darauf zum Hauptbahnhof, mit 800 Euro in meiner Tasche. Dort traf ich den Mann, der mich in den Jahren immer wieder anrief und bedrohte, obwohl ich nichts mit alledem zu tun hatte. Fast dachte ich zwischendurch immer wieder "er tut ja auch nur seinen Job und weiß, dass das Geld von mir kommt, weil ich nicht anders kann als ihm zu helfen". Krank!


Er bestand darauf, sich in ein Café zu setzen, damit ich ihm das Geld unauffällig unter dem Tisch hindurch übergeben konnte. Das tat ich dann auch. Er bestellte uns einen Tee und ich sagte ihm, dass ich den nicht bezahlen könne. Aus irgendeinem Grund, schwand meine Angst. Ich war einfach nur noch erschöpft und fühlte mich wie ausgehöhlt. Da saß ich also, in einem heruntergekommenen Café am Hauptbahnhof, mit einem Drogenhändler, dem ich gerade meinen Zweimonatsvorschuss überreichte. Wie ich die Miete und existenzielles wie Nahrung bezahlen sollte, wusste ich nicht und es kümmerte mich zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr. Ich wollte nur noch Ruhe, eine Auszeit vom "Leben", das so keines mehr war.
Wir tranken Tee und schwiegen. Dann plötzlich begann er sich, mit seiner schlecht mit einer Mullbinde, verbundenen Hand, eine Zigarette anzuzünden und stellte mir Fragen. Das war der Zeitpunkt an dem ich instinktiv entschied, komplett die Hosen herunter zu lassen und zu erzählen, dass ich nichts mehr zu fressen hätte, dass ich zwei zeitweise drei Jobs, in zwei Tagen meine Abschlußprüfung hätte und in all der Zeit nicht einen Funken dafür hätte lernen können.

In seinen kühlen Augen las ich zwar "professionelle Distanziertheit" aber dennoch auch einen Hauch von Mitleid. Er erzählte mir von seiner Herkunft. Er habe im Kosovokrieg Menschen sterben sehen und wäre seither nicht mehr der Mensch, der er war. Eine Familie habe er nicht mehr. Einzig seine Schwester sei ihm geblieben. Das war mein Stichwort, dachte ich. Also sagte ich ihm frei heraus, dass es bei mir in Zukunft nichts mehr zu holen gebe, dass auch ich nur eine Schwester sei, die aus Liebe handele aber jetzt das eigene Leben und die eigene Existenz komplett aufs Spiel setzte. Ich sagte ihm, dass ich nie wieder Geld besorgen werde, weil ich weiß, dass es dann auch nie ein Ende wird nehmen können. Er schwieg aber nickte und versprach, mich nie mehr wieder anzurufen und zu bedrohen. Er entschuldigte sich sogar und sagte, er hätte nicht ob der Umstände gewusst. Als ob das was geändert hätte, dachte ich nur, sprach es aber nicht aus.


Und so war es dann auch, er rief nie wieder an und ich besorgte auch nie wieder große Geldsummen. Meine Abschlußprüfung bestand ich, nachdem ich zwei Nächte lang nicht geschlafen und versucht hatte mir den Stoff der letzten drei Jahre reinzuprügeln, wie durch ein Wunder. Die mündliche Prüfung sogar mit einer guten zwei. Aber was genau, und das frage ich mich auch heute noch, war nun eigentlich meine größte Sünde? Vielleicht war es das Belügen der Polizei, vielleicht waren es die zahlreichen Lügen und das Schweigen gegenüber meiner Familie und meinen Freunden, vielleicht aber ist meine größte Sünde oder meine größte Schwäche meine Empathie?! Ich bin nicht unfehlbar, niemand von uns ist es. Aber Mitgefühl und Hilfsbereitschaft dürfen, und das habe ich schmerzlich erfahren, niemals in Selbstaufopferung ausarten. Wenn wir alle keine Sünder wären, würden wir in herrlich fließenden und strahlend weißen Gewändern und Flügeln am Horizont herum fliegen. Aber wir stehen doch fest auf dem Boden, auf dem Boden der Tatsachen. Und die sind nicht frei von Sünde, nicht auf diesem Planeten jedenfalls.

Beichthaus.com Beichte #00028728 vom 15.03.2011 um 17:13:59 Uhr (40 Kommentare).

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Kindergeburtstag

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Diebstahl Falschheit Schamlosigkeit Erftstadt

Ich war mit 11 Jahren auf einem Kindergeburtstag eingeladen. Wir spielten mit den Barbies meiner Freundin, die Geburtstag hatte, und deren Schwester. Die beiden hatten total schöne Barbiekleider, und ich ließ, als keiner guckte, die zwei schönsten (eins von meiner Freundin, eins von ihrer Schwester) in meiner Tasche verschwinden. Blöderweise guckte das Kleid meiner Freundin aus der Tasche raus, und sie sah es. Ich meinte, ich habe es wohl aus Versehen eingesteckt, und gab es zurück. Damit war der Fall erledigt. Von der Sache wurde auch nicht mehr gesprochen, bis die Schwester meiner Freundin ihr Barbiekleid vermisste. Sofort guckten alle mich an, und die beiden Gastgeber verlangten, in meine Tasche gucken zu dürfen. Ich heulte wie ein Schlosshund und verbat mir dieses, wohl wissend, dass ich damit aufgeflogen wäre. Die beiden verlangten das immer wieder, dann nahm ich die Tasche und rannte heulend zur Mutter meiner Freundin. Die zwei Mädels kamen mir hinterher und sagten, ich habe bestimmt geklaut, garantiert sei das Kleid in meiner Tasche. Ich bekam mächtig Angst, aber die Mutter der beiden befahl ihren Töchtern, mich in Ruhe zu lassen, und tröstete mich liebevoll. Sie schaute nicht in meine Tasche, und ich durfte mit ihr fernsehen. Am Ende der Party fuhr sie uns alle nach Hause, und ich ließ mir vor meinen Eltern nichts anmerken. Das Mädchen sprach allerdings nie wieder mit mir und lud mich auch nie wieder zu sich nach Hause ein.

Beichthaus.com Beichte #00028727 vom 14.03.2011 um 21:22:37 Uhr in Erftstadt (15 Kommentare).

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Wischi Waschi Ausbildung

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Feigheit Verzweiflung Ungerechtigkeit Arbeit Neulehe

Ich (m/24/Auszubildender Fachinformatiker Anwendungsentwicklung) beichte, dass ich zu feige bin meinem Chef zu sagen, was für einen Schwachsinn wir in der Firma machen und warum reihenweise Mitarbeiter kündigen. Es werden lieber diverse Fremdkomponenten installiert um einem Kunden schnell irgend eine experimentelle Bastellösung zu zeigen, bevor man sich auch nur eine halbe Stunde Gedanken macht, was man eigentlich vor hat. Keiner kümmert sich um ordentliche Methoden zur Softwareentwicklung oder zum Testen, es wird nur ein Haufen Wischi-Waschi-Code an den anderen gebastelt. Was ich in der Berufsschule an relevanten Methoden und Techniken lerne, interessiert keine Seele hier.
Dass ich dieses Jahr schon fast 40 Überstunden gemacht habe und mich einfach nicht traue meinen Freizeitausgleich zu nehmen spricht eigentlich auch Bände. Ich beichte außerdem, dass ich mich, wenn das so weitergeht, bei einem anderen Ausbildungsbetrieb bewerben werde um meine letzten 1,5 Lehrjahre zu absolvieren. Ich glaube einfach nicht, dass ich hier viel Produktives zur Softwareentwicklung mitnehmen kann. Hier bin ich höchstens Codingroboter und kein Entwickler, der sich tatsächlich Gedanken über eine dem Kundenwunsch entsprechende Software machen darf. Ich weiß, dass ich eigentlich glücklich sein sollte einen Ausbildungsplatz zu haben und dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind. Dazu kommt, dass meine Kollegen (die Angestellten) menschlich total in Ordnung sind. Aber mein "Marktwert" mit so einer Ausbildung als Blender-Software-Ersteller und Bugfix-Pfuscher wird eher gering ausfallen und das möchte ich eigentlich nicht riskieren. Jetzt gehts mir irgendwie besser, das musste ich mal los werden.

Beichthaus.com Beichte #00028705 vom 08.03.2011 um 13:37:33 Uhr in Neulehe (14 Kommentare).

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Zufallsbeichte
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Isaac

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Falschheit Hass Internet Emsdetten

Mir (m/20) ist etwas ziemlich krasses widerfahren, an das ich jeden Tag denken muss. Es ist vor über 3 Jahren passiert. Anfang 2008 lag mein stark geschwächter Opa im Sterben, er lag die ganze Zeit über nur noch im Bett und wurde von meiner Oma gehegt, gepflegt, gefüttert usw.. Als er dann eines Tages wieder mehr Nahrung zu sich nahm, schien es ihm wieder etwas besser zu gehen, was mich und meine Familie natürlich sehr gefreut hat - diese Freude blieb jedoch nicht lange. Denn nur einen Tag später an einem Sonntag Abend rief unsere Nachbarin völlig aufgelöst an "Kommt schnell! Bitte kommt schnell! Er hat sich aus dem Fenster rausgestürzt." Aufgeregt und völlig von Sinnen fuhren mein Vater und ich zu meinen Großeltern in einer dunklen, kalten und stürmischen Nacht. Wir sahen schon Blaulicht, Krankenwagen und Polizei beim Haus meiner Oma, die mit ihren Nachbarn selbst völlig fertig vor dem Haus stand. Mein Opa hatte sich umgebracht während meine Oma in der Küche war. Ich sah sogar noch seinen toten Körper auf der Liege, was mir wirklich den Rest gegeben hat. Es war ein riesiger, entsetzlicher Schock und ich bin die nächsten beiden Tage nicht zur Schule gegangen.


Die nächsten Tage vertraute ich dies auch einer sehr guten Freundin, die ich in einem Internetforum kennengelernt habe und zu dem Zeitpunkt schon circa 1 1/2 Jahre kannte und die 250 km von mir entfernt wohnte, an. Sie hatte sehr großes Verständnis, da sie selbst schon schlimme Erfahrungen mit dem Tod machen musste. Bis auf ihre Eltern und ihr Bruder ist so ziemlich der ganze Rest ihrer Familie gestorben, sowohl durch Krankheiten als auch durch Unfälle. Ihr vertraute ich es am meisten an, chatete und telefonierte mit ihr. Sie hat mir viel Trost gespendet, sodass es mir nach einigen Tagen seelisch schon besser ging. 8 Tage nach dem Tod meines Opas wollte ich wieder mit besagter Freundin chaten als mich plötzlich jemand unbekanntes namens "Isaac" bei MSN adden wollte. Ohne zu wissen, wer das war, nahm ich ihn einfach mal an. Er schrieb in englischer Sprache, dass er mich schon seit über einen Monat suchen würde. Er nannte meinen vollständigen Namen, meine Adresse, mein Geburtsdatum, den Namen meiner Eltern usw. In dem Moment wurde ich etwas stutzig, hatte keine Ahnung, was der Typ wollte und schrieb ihm dann auch nicht weiter. Er schrieb, dass er mir unbedingt was schicken müsste, ehe es zu spät ist. Gleichzeitig schrieb ich mit meiner Freundin und erzählte ihr von dem Typen, der mich gerade hinzugefügt hat. Sie bat mich daraufhin, dass ich ihr seine MSN Adresse schicke, damit sie ihn mal etwas maßregelt. Ich hatte den Typen auf meiner Liste mittlerweile blockiert. Auch er schrieb ihr immer wieder, dass er etwas habe, was ich unbedingt sehen muss. Misstrauisch und skeptisch fragte sie mich, ob es für mich in Ordnung wäre, wenn sie es sich schicken lässt. Wohl war mir nicht bei der Sache, hätte ja auch ein Virus sein können. Ich schrieb ihr, dass sie es sich meinetwegen zuschicken lassen kann, es aber nicht unbedingt nötig ist. Gesagt getan - sie ließ es sich schicken.


Auf einmal schrieb sie mir "Ach du Scheiße! Das ist zu krass. Ich weiß nicht ob ich dir das einfach schicken kann, mein Herz. Es wundert mich woher er das weiß!" Mir pocherte das Herz allmählich so stark, dass ich in dem Moment wirklich Angst bekam. Daraufhin schickte sie mir die Datei. Ich öffnete sie nach langem Zögern. Es war ein Bild mit Paint gemalt: es zeigte ein Fenster vor dem ein Stuhl stand, in dem Fenster sah man noch zwei Beine, was so aussah als würde sich jemand kopfüber hinunterstürzen. Die Krönung war, dass dort noch ein Kalender und eine Uhr gemalt worden sind, die das Datum und die ungefähre Uhrzeit des Todes meines Opas zeigte. Es sah so simpel und gleichzeitig so unheimlich aus. Ich schaute noch auf die Eigenschaften der Datei, die anzeigte, dass sie circa einen Monat vor dem Todestag meines Opas erstellt wurde. Gerade DAS hat mich in dem Moment besonders geschockt. Meine Freundin schrieb dann noch, dass "Isaac" ihr geschrieben hätte, dass im Laufe des Jahres auch noch mein Vater aufgrund eines schweren Unfalls sterben würde. Ich war alleine schon wegen des Todes meines Opas so labil, wusste nicht mehr was ich glauben sollte. Ich glaube eigentlich nicht an Hellseherei, aber die Situation hat mir so den Rest gegeben, dass ich nicht mehr klar denken konnte, mich gefürchtet habe, geweint habe und innerlich so zerrissen war wie noch nie. Und ich habe mich immer wieder gefragt - wer tut sowas?


Nach diesem Tag schlief ich sehr unruhig, hatte Albträume, traute mich kaum noch aus dem Haus und fing in der Schule an zu weinen. Man muss sich die Situation einfach mal vorstellen - ich war schon so am Boden, allein der Anblick meines toten Opas war erschütternd genug - und nun das. Zum Glück habe ich Hilfe von anderen bekommen, bis es sich im Laufe der nächsten Woche nach und nach immer weiter aufdeckte. Am Ende kam es raus: meine Internetfreundin hat es geplant und "Isaac" war in Wahrheit ihr Bruder. Sie wusste von allen Details Bescheid, sie fanden es lustig. Hinterher erfuhr ich auch, dass sie ein riesiger Fan einer erfolgreichen Serie auf RTL II ("Heroes") ist, wo auch ein Isaac vorkommt, der anhand von gemalten Bildern anderen die Zukunft voraussagt. Das Erstellungsdatum der Paint-Datei konnte man ohne Probleme manipulieren indem man auf seinem PC einfach das Datum und die Uhrzeit umstellt. Meine Trauer wandelte sich seit der Erkenntnis in unendliche Wut, Hass und Zorn um. Das Mädel gab es weder zu, noch leugnete sie es. Wie krank muss man nur im Kopf sein, um sowas durchzuziehen?! Natürlich bin ich auch zur Polizei gegangen, da ich sonst für nichts garantieren konnte. Nach langem hin und her konnten die sich nicht entscheiden, ob sie die Strafverfolgung aufnehmen - erst wollten sie nicht, dann plötzlich doch, dann wieder nicht. Ich wollte hartnäckig bleiben, doch da ich noch 17 Jahre alt war, brauchte ich eine Einverständniserklärung der Eltern, um weiter für die Anzeige zu kämpfen. Die hatten irgendwann die Nase voll, wollten dass ich die Sache endlich von alleine vergesse und so ist die Anzeige im Sande verlaufen. Egal ob etwas dabei herumgekommen wäre oder nicht - das nehme ich meinen Eltern bis heute übel. Nach über 3 Jahren habe ich noch immer einen unbeschreiblichen Hass auf dieses Mädchen. Ich habe mir geschworen, dass ich mich eines Tages dafür rächen werde. Natürlich will ich keine Straftat begehen, weswegen ich noch nichts in die Tat umgesetzt habe, da jede Vorstellung von mir ein böses Ende nimmt. Ich will es nur einfach nicht hinnehmen, dass die beiden so tun können als wäre nichts passiert, während ich automatisch immer an diese Aktion denken muss, wenn ich eigentlich nur an meinen Opa denken will. Einfach vergessen kann ich es nicht und an manchen Tagen macht es mich immer noch komplett fertig: der Anblick meines toten Opas, die Aktion im Internet und das Davonkommen dieser zwei Psychos. Danke fürs Lesen, trotz des sehr langen Textes.

Beichthaus.com Beichte #00028689 vom 28.02.2011 um 19:44:26 Uhr in Emsdetten (45 Kommentare).

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