Die Zivilcourage eines Kiffers
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Wir sind in den Bus gestiegen und alles lief wie geplant. Wir haben dann, bevor wir den Bus zurückgenommen haben, noch schnell einen gedreht und in einer Ecke nahe der Haltestelle geraucht. Bereits da fiel mir ein Mann auf, der ca. 30 Meter weiter bereits an der Bushaltestelle stand. Er war offensichtlich betrunken, hatte eine Bierflasche in der Hand und pöbelte die dort stehenden Leute an. Er fluchte laut und schüchterte die Leute total ein. Alle schauten weg, doch er ließ nicht locker. Er schrie rum, fuchtelte mit der Flasche und ging auf die Leute zu. Der Bus kam, alle stiegen ein und er natürlich, plötzlich mit Fahrrad, auch. Im Bus belästigte er weiter die Leute. Meine Freundin und ich saßen im hinteren Teil und hatten alles im Blick, mischten uns aber nicht ein. Ich muss dazu sagen, dass wir beide zwischenzeitlich ziemlich high waren. Der Mann war aber eine Gefahr, lief im Bus rum, setzte sich neben Frauen und redete aggressiv wirres Zeug. Keiner sagte etwas, der Busfahrer schaute weg.
Ich sah meine Freundin an und sagte ihr: "Ich rufe jetzt die Polizei." Sie schaute mich irritiert an: "Du kannst doch jetzt nicht die Polizei anrufen. Wir sind beide total dicht, haben knallrote Augen und die Taschen voller Gras!" Dann aber fand sie die Idee irgendwann doch gut und ich wählte die 110. Ich erklärte dem Beamten die Sachlage, dass Fahrgäste massiv belästigt werden und er völlig betrunken und unberechenbar ist. Ich teilte natürlich dann mit, dass wir in einem fahrenden Bus sitzen und er fragte mich noch, an welcher Haltestelle wir uns gerade befinden. Dann sagte der nette Beamte, dass sie sich darum kümmern und legte auf. So langsam begriff ich, was ich getan hatte, fragte mich aber noch, was die Polizei vorhat.
Keine 15 Minuten später hörte ich eine Polizeisirene, die immer lauter wurde, und dachte mir nichts weiter dabei. Es war wie im Film: Der Bus blieb plötzlich stehen, vor ihm ein Streifenwagen. Drei stämmige Beamte stürmen in den Bus. Der Busfahrer hat vielleicht geguckt. Ich, im hinteren Abteil sitzend, winke hackedicht die Beamten herbei. Meine Freundin war erstarrt und hat nichts gesagt. Einer der Polizisten fragt uns, was los war, während sich die anderen zwei den Besoffski zur Brust genommen haben. Ich plauderte drauf los, wie wichtig Zivilcourage ist, dass man hinsehen muss und so weiter. Der Beamte sagte daraufhin: "Wenn doch ein paar mehr Bürger so wären, hätten wir weniger Sorgen", wünschte noch einen schönen Abend, lächelte, gab mir meinen Ausweis wieder und ging zu den anderen. Die drei Polizisten beförderten die Schnapsdrossel, die nun in allen möglichen Sprachen rumfluchte, samt Fahrrad nach draußen und zerrten ihn in den Wagen. Der Bus fuhr kurz darauf weiter und es war Ruhe. Die hatte ich mir auch ganz mutig erkämpft! Mit mehr Glück als Verstand!