Thermit auf dem Fahrrad

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Vandalismus Rache Schule Süderlügum

Thermit auf dem Fahrrad
Damals in der Schule musste ich mir den Klassenraum mit einem richtigen Arschloch teilen. Er war ein absoluter Klischee-Schläger: Groß, fett, aggressiv, verwöhnt und mit einem Gehirn ausgestattet das Gott wohl aus alten Nasenrammeln zusammengeklebt hatte. Gerade im letzten Jahr war er besonders stinkig, da er dabei war sein Zeugnis zu versauen, was für ihn sitzenbleiben bedeutete. Und am wem lies er seine aufgestaute Wut aus? Richtig, an mir. Dem kleinen, schwächlichen Schüchterling der eine Akne-Kolonie im Gesicht hatte. Ich wurde von ihm und seinen Mitläuferfreunden durch die Gegend geschubst, verspottet, hin und wieder verprügelt und einmal schlitzte er meinen Turnbeutel sogar mit einem Messer auf. Mein Schulleben war also die Hölle und meine sowieso nicht sonderlich schönen Noten litten unter den Schikanen. Eines Abends schaute ich mir nach einem weiteren nervenzerfressenden Tag im Fernsehen eine Dokumentation an, in der Experimente mit Thermit vorgeführt wurden. Thermit ist ein Pulver, das wenn man es anzündet sich in eine bis zu 3.000 Grad heiße Suppe verwandelt die alles verbrennt was ihr im Weg steht. Aber das beste an Thermit ist, das jeder Affe sich das Zeug zusammenmixen kann! Also fasste ich einen Plan wie ich mich an meinem Peiniger rächen konnte.

Ich kaufte mir von meinem Taschengeld die benötigten Materialien, mischte mir Zuhause eine große Ladung Thermit zusammen und füllte diese in eine alte Erdnussdose. Am nächsten Montag ging ich mit dem Thermit in die Schule. Wir hatten Montags immer Religionunterricht, welchen ich jedoch aussetzten konnte da ich ohne Bekenntnis bin. Ich nutzte die Freistunde und ging mit meiner Dose zu dem abgelegenen Fahrradabstellplatz hinter der Schule. Schnell versicherte ich mich das keine unerwünschten Zeugen anwesend waren, ging zu dem teuer aussehenden Fahrrad meines Peinigers, klebte die Thermitdose unterhalb des Sattels mit Panzerband an und entzündete das Pulver anschließend mit einer Wunderkerze. Das feurige Spektakel konnte ich leider nicht mehr sehen, da ich schon wieder verschwunden war, bevor die Show überhaupt erst richtig losging, aber eine dicke schwarze Rauchsäule verkündete mir, dass mein Plan ein voller Erfolg war. Kurz darauf war ein riesiger Aufruhr in der Schule. Da der Rauch auch durch die Gangfenster eindrang wurde das Gebäude evakuiert und die Feuerwehr gerufen. Ich konnte mich drinnen zum Glück noch schnell einer Gruppe von Schülern anschließen und so den Eindruck erwecken das ich die ganze Zeit im Schulgebäude war. Was ich jedoch schade fand war das die Feuerwehr das verbrannte Fahrrad entfernte bevor ich einen Blick drauf werfen konnte, Gerüchten zufolge wurde der Drahtesel jedoch richtig schön in zwei Teile geschmolzen. Natürlich ging es in den nächsten Tagen drunter und drüber in unserer Hauptschule. Es wurde nach dem Täter gesucht, der Direktor hielt uns eine Strafpredigt, mein Feind war wütender denn je. Auch ich wurde verdächtigt, weil ich zu dem Zeitpunkt eine Freistunde hatte. Da ich jedoch nicht der einzige war der in dieser einen Stunde frei hatte, ich nicht den Eindruck eines verrückten Feuerteufels machte, und es einfach keine Zeugen gab, wurden die Anschuldigungen wieder fallen gelassen. Heute fast 12 Jahre später kann ich sagen, das dass die dümmste Aktion war die ich in meinem Leben je geleistet habe. Jedoch kann ich nicht sagen das es mir die Sache sonderlich Leid tut, denn dafür ist die Genugtuung auch heute noch einfach zu groß.

Beichthaus.com Beichte #00029473 vom 28.10.2011 um 16:33:45 Uhr in Süderlügum (25 Kommentare).

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