Ein befreiender Faustschlag

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Aggression Zorn Gewalt Rache Dorsten

Ich (w/27) bin das, was man allgemein als "Schaf" bezeichnen kann. Oder mit den Worten meines Mannes: Ich habe das Gemüt eines Golden Retriever. Ich kann eigentlich nie "Nein" sagen, was dazu führt, dass ich ständig die Drecksarbeit anderer erledige, seelischen Mülleimer für diverse Freundinnen spiele oder in meiner knappen Freizeit noch bei diversen Unternehmungen helfe. Trotzdem werde ich mich in der zweiten Januarwoche vor Gericht für schwere Körperverletzung verantworten müssen. Ich habe einer Bekannten die Nase und das Jochbein gebrochen. Ich könnte schon wieder losweinen, weil ich mich so sehr dafür schäme, dass ich mich so vergessen habe. Die Eskalation hat sich in den letzten zwei Jahren langsam aufgebaut: Nach acht Jahren Beziehung haben mein jetziger Mann und ich vor zwei Jahren beschlossen, dass wir gerne ein Kind bekommen würden. Nach ein paar Monaten war ich schwanger und wir waren extrem glücklich. Während dieser Zeit machte eine Freundin von mir gerade eine eher unschöne Phase durch, in der sie sich mit einem verheirateten Mann einließ, ihren damaligen Freund betrog und ihre zweite Ausbildung abbrach.
Täglich hörte ich mir ihre Sorgen an, fuhr mit ihr zu verschiedenen Terminen und redete mit Engelszungen auf sie ein, die Finger von dem verheirateten Kerl zu lassen.


Dann kam Weihnachten, ich war inzwischen im vierten Monat schwanger, hatte immer noch mit Übelkeit zu kämpfen und war mehr als froh, als wir am 1. Weihnachtstag abends endlich zu Hause auf der Couch lagen. Da klingelte mein Handy, die besagte Freundin war dran: Alles wäre rausgekommen, sie hätte sich die Pulsadern aufgeschnitten und wüsste nicht mehr weiter. Den Rettungsdienst alarmiert, ins Auto gesprungen und zu ihr gefahren. Es hat bis vier Uhr nachts gedauert, bis sie der Aufnahme in einer psychiatrischen Einrichtung zugestimmt hatte. Aber als sie dann entlassen wurde, ging es erst richtig rund. Ich sah mich mit dem Vorwurf konfrontiert, ihr immer ein Alibi gegeben zu haben und ständig kamen weitere Lügen raus, in die sie mich mit reingezogen hat. Anstatt irgendwann die Notbremse zu ziehen, habe ich trotzdem immer noch zugehört und Ratschläge gegeben. Mitte Januar bekam ich auf einmal Blutungen und wollte gerade los zum Arzt, als die besagte Freundin anrief und mir weinend erzählte, dass sie wohl schwanger sei, nicht wüsste von wem und was sie nun tun könne. Ich habe sie abgewimmelt und ihr gesagt, dass ich wegen Blutungen dringend zum Arzt müsse. Es kam, wie es kommen musste, ich hatte eine Fehlgeburt.


Ich habe mich danach total eingeigelt und monatelang niemanden außer meiner Familie an mich rangelassen. Im März kam dann noch eine Mail dieser "Freundin", in der sie mir mitteilte, dass sie abgetrieben habe und sie sauer wäre, dass ich sie in ihrer schweren Zeit alleine gelassen habe. In der ganzen Zeit bin ich nicht einmal wütend, ausfallend oder unfreundlich geworden. Ich traf sie dann aber im letzten August auf einem Stadtfest wieder und sie erzählte mir freudestrahlend, dass sie und ihr Freund nun auch probieren würden, Kinder zu bekommen. Als sie dann auch noch durchblicken ließ, dass die Tatsache, dass ich bisher nicht wieder schwanger geworden bin, "Karmasache" sei, bin ich ausgerastet. Ich habe ihr mit der Faust ins Gesicht geschlagen, mich umgedreht und bin gegangen. Das war das allererste Mal in meinem Leben, dass ich jemanden geschlagen habe und ich hoffe, es war auch das letzte Mal. Sie hat mich angezeigt, ich werde mich vor Gericht verantworten. Ich schäme mich so furchtbar, aber manchmal, wenn ich nachts im Bett liege, muss ich doch ein wenig lächeln.

Beichthaus.com Beichte #00034501 vom 04.12.2014 um 17:00:46 Uhr in 46286 Dorsten (Alte Landstraße) (40 Kommentare).

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