Die harte Finanzbranche

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Aggression Hass Stolz Zorn Arbeit Euerdorf

Ich beichte hiermit, dass ich meinen momentanen Job und meinen Chef hasse. Derzeit absolviere ich ein Praktikum in einer Beratungsfirma und bis vor einigen Monaten hatte ich noch Freude an Zahlen und dem Finanzwesen. Bis ich hierhin kam. Ich bin jetzt 24 Jahre alt, sitze täglich locker 12 Stunden im Büro, wobei ich nur etwa vier Stunden wirklich arbeite. Der Rest ist sogenannte "Facetime". Man will sich ja vor dem Chef beweisen. Dann können aber auch gut und gerne 14 oder 15 Stunden aus einem Arbeitstag werden. Ohne, dass es Anlass dazugäbe. Außerdem entsprechen die Arbeiten, die ich erledigen muss, nicht meiner eigentlichen Anstellung. Als Praktikant werde ich dazu verdonnert administrative Arbeiten zu erledigen - man kann sich so gemütlich die Assistentin sparen und den Praktikanten für einen Hungerlohn arbeiten lassen und das Prinzip der Gewinnoptimierung verfolgen.


Das wäre mir eigentlich noch egal, doch sind die Arbeitsanweisungen meines ewig gestressten Chefs so schwammig, dass im Endeffekt sowieso wieder alles falsch ist. Er zieht dann mit genervter Miene davon und erledigt die Dinge selbst. Nicht selten sagt er, ich solle dies so tun, am nächsten Tag soll ich es aber dann doch wieder etwas anders machen. Ich hasse ihn. In einem Monat ist das Zeug zu Ende. Man bin ich froh. Ich hasse ihn. Ich habe schlimme Aggressionen ihm gegenüber entwickelt. Wie gesagt, ich beichte hiermit, dass ich meinen momentanen Job und Chef hasse und die Finanzindustrie mittlerweile langweilig und dämlich finde. Trotzdem habe ich vollen Respekt vor den mehrheitlich sehr intelligenten Personen, die in dieser Branche arbeiten. Allerdings ist es nichts mehr für mich. Weiter möchte ich beichten, dass ich früher nie Respekt vor den Leuten hatte, die wirklich arbeiten. Die Krankenschwester, die Altenpflegerin oder der Maurer um die Ecke, welche vielleicht aus geldtechnischen Gründen nie eine Universität besuchen konnten, hätten die 400.000 Euro jährlich viel mehr verdient, als der Sesselfurzer in seinem Armani-Anzug. Den Kapitalismus verehre ich trotzdem. Nach meinem Praktikum will ich aber ins Marketing. Ich möchte keiner dieser Typen werden, die ihrem Boss für Geld in den Arsch kriechen. Zudem will ich mich nach dem Ende dieses Praktikums bei meinen Freunden entschuldigen. Ich hatte kaum noch Zeit für sie. Lieber etwas weniger Geld und dafür Freunde, als viel Geld und keine Freunde.

Beichthaus.com Beichte #00032170 vom 04.11.2013 um 20:07:27 Uhr in Euerdorf (19 Kommentare).

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