Der letzte Wunsch meiner Freundin

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Verzweiflung Feigheit Partnerschaft Tod

Ich (m/Mitte 20) werde meiner Freundin und großen Liebe ihren letzten Wunsch wohl nicht erfüllen. Sie ist vor einigen Monaten mit einer schweren Krankheit diagnostiziert worden, die in den letzten Jahren auffällig oft bei jungen Frauen auftritt, nämlich Multiple Sklerose. Und zwar leider die am schwersten und schnellsten verlaufende Form davon. In spätestens 5-6 Jahren wird sie bettlägerig sein und nicht mehr in der Lage, ihren Willen auszudrücken. Bereits jetzt nach nur einem knappen halben Jahr, kann sie ja trotz Medikamenten kaum mehr gehen. Und ihr Wunsch lautet, dass ich ihrem Leben dann auf sanfte Art ein Ende setze.

Organisationen wie die in der Schweiz können wir uns nicht leisten, und Familie, die so was finanzieren könnte, gibt es nicht. Als Minijobber, der selbst krank ist, bin ich auch nicht kreditwürdig. Ich habe ihr gesagt, ich mache das. Ich kann es aber nicht. Nicht wegen der juristischen Konsequenzen, da steht bei einer Tötung auf Verlangen bei Todkranken schlimmstenfalls Haft auf Bewährung an und das wäre mir egal. Ich kann mir nur einfach nicht vorstellen, ein Leben zu nehmen, egal, wie sehr die Person leidet, und das meiner Liebsten noch am allerwenigsten. Ich will und werde sie bis dahin aber auch nicht hängen lassen, ich liebe sie mehr als alles andere auf dieser Welt und werde sie nicht verlassen. Nur wenn es so weit ist, werde ich feige kneifen, auch wenn sie mich dafür wahrscheinlich hassen wird. Was soll ich nur tun?

Beichthaus.com Beichte #00039269 vom 25.01.2017 um 15:41:54 Uhr (26 Kommentare)

Kann man nur mit einer Beerdigung trauern?

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Verzweiflung Zorn Familie Tod

Mein Opa ist kurz nach Weihnachten verstorben und ich habe mich dazu entschieden, dass ich nicht zur Beerdigung gehen werde. Versteht das nicht falsch, ich habe ihn sehr lieb - aber ich hatte in seinem neuen Leben keinen Platz mehr. Nachdem er sich von meiner Oma trennte, hat er seine Jugendliebe wieder getroffen und sie geheiratet. Er zog um, genau wie ich, und war glücklich mit ihr. Unser Kontakt ist eingeschlafen, wir haben uns Kärtchen zu Ostern und Weihnachten geschickt und ab und an telefoniert. Für mich war das okay, er war endlich glücklich und ich habe mich für ihn gefreut.

Im September hat er eine sehr ungünstige Krebsdiagnose bekommen, er hatte noch ein halbes Jahr. Wir haben telefoniert und ausgemacht, dass ich im Januar zu ihm fahre, damit wir uns verabschieden können. Leider hat er es nicht mehr geschafft. Es tut weh und ich trauere um ihn, aber auf meine eigene Weise - meine Mutter kann das jedoch nicht verstehen und droht mit Enterbung (das ist mir egal, soll sie ihren Kram behalten). Ist es so falsch, nicht hinzugehen? Mein Opa hat nichts mehr davon, seine Frau und den Rest der Familie kenne ich, wenn überhaupt, dann nur oberflächlich. Ich brauche nicht zu sehen, wie eine Urne in der Erde versenkt wird, um mich verabschieden zu können. Wir haben an Weihnachten telefoniert und ich konnte ihm sagen, dass ich ihn liebhabe. Er fehlt mir.

Beichthaus.com Beichte #00039195 vom 10.01.2017 um 10:58:58 Uhr (23 Kommentare)

Opa liegt im Sterben

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Verzweiflung Ignoranz Tod Familie

Mein Opa ist vor einem Monat gestorben. Ich (w/28) muss beichten, dass ich nie wirklich eine gute Enkelin war. Ich war sehr selten zu Besuch und viel mit mir und meiner Depression und meinem Studium beschäftigt. Ich habe es immer gehasst, auf Geburtstagsfeiern zu gehen, die gemeinsamen Jugendherbergswochenenden, wo ich mal nicht Pokemon spielen oder im Internet surfen konnte. Dann, vor etwa fünf Jahren, habe ich versucht, an unserem Verhältnis zu arbeiten. Ich kam öfters zu Besuch und habe versucht, mit ihm und meiner Stiefoma eine wirkliche Beziehung aufzubauen. Das war eher von einem mittelprächtigen Erfolg gekrönt, da es auch mit seiner Gesundheit stetig bergab ging und natürlich die Stiefenkelkinder viel öfter da waren und ihm Gesellschaft leisteten, als meine Schwester und ich. Ihnen hat er Schnitzen beigebracht und generell haben sie mehr Zeit mit ihm verbracht, als ich in meiner Kindheit. Das ist meine eigene Schuld, das weiß ich. Ich habe dann versucht, über seine Frau einen engeren Kontakt zu ihm aufzubauen. Sie war eigentlich ganz in Ordnung. Sie hat versucht, mir Kochen, Nähen, Häkeln und Stricken beizubringen. Von all den Sachen habe ich nur behalten, wie man eine gescheite Reispfanne macht und wie man einen Knopf annäht. Das war es.

Dann haben vor vier Jahren seine Nieren schlappgemacht und ich habe das erste Mal die Nachricht von meinem Vater bekommen "Der Opa liegt im Sterben." Mir wurde heiß und kalt. Ich habe sofort meine sieben Sachen gepackt, den Job links liegen lassen und bin schnell ins Krankenhaus gefahren, wo er wirklich erstaunt war, mich zu sehen. Das hat mir schon einen Schock verpasst, weil ich eigentlich dachte, dass er weiß, dass er mir viel bedeutet. Naja, das Ganze wiederholte sich... Ich bekam zwei Mal pro Jahr die Meldung, dass Opa im Sterben lag, und stumpfte immer mehr ab. Ich besuchte ihn vier Mal im Krankenhaus, mal zu seinem Geburtstag und das war es.

Dann zogen sie um in eine behindertengerechte Wohnung. Mein Freund half beim Umzug, ich musste arbeiten und wollte deswegen nicht extra Urlaub einreichen. Vor zwei Monaten hatte er Geburtstag und ich habe vergessen, ihm zu gratulieren, obwohl mich meine Mutter immer wieder daran erinnert hat. Gratuliert habe ich fünf Tage später und zurück kam nur ein kurzes Danke für die Glückwünsche, mehr nicht. Ich habe mir nichts weiter dabei gedacht. Dann, zwei Wochen später, die Nachricht meines Vaters: "Ja, Opa liegt im Sterben, wir glauben nicht, dass er morgen noch schafft." Ich wollte wieder alles stehen und liegen lassen und sofort nach Hause fahren, aber meine Eltern waren dagegen und waren der Ansicht, dass das den Kindern überlassen bleiben sollte. Also blieb ich, obwohl es nur eine 4-Stundenfahrt für mich gewesen wäre. Und er starb.

Am nächsten Tag war ich kaum einsatzfähig. Ich machte mir wegen jedem Mist Vorwürfe. Warum hatte ich ihm nicht zum Geburtstag gratuliert? Warum war ich als Kind nicht öfters da? Warum war ich trotz Arbeit nicht öfters zu Besuch? Heute war schließlich die Beerdigung. Ich bin am Grab komplett zusammengebrochen und mein Vater musste mich wegzerren. Die Frau meines Opas hat mir und meiner Schwester dann Vorwürfe gemacht, warum wir die beiden nicht in ihrer neuen Wohnung besucht haben. Meine Schwester hat leichten Autismus, ihr geht es am Allerwertesten vorbei. Mir hat das aber zusätzlich zu meinen Selbstvorwürfen stark zugesetzt, weil ich mir so etwas immer zu Herzen nehme.

Jetzt sitze ich hier, nach der Beerdigung, eine halbe Flasche Wodka intus, mit Selbstvorwürfen und versuche mich dazu aufzuraffen, zu meinem verbliebenen Opa und seiner neuen Frau ein halbwegs vernünftiges Verhältnis aufzubauen, wobei ich beide nicht wirklich leiden kann, immer mit dem Hintergedanken, dass es mir leidtun wird, wenn mein Opa tot ist. Zusammengefasst meine Beichte: Ich bin der schlimmste Enkel, den man haben kann. Ich bin unfähig Gefühle zu zeigen, außer es ist zu spät. Es tat gut, das niederzuschreiben.

Beichthaus.com Beichte #00039075 vom 16.12.2016 um 20:59:12 Uhr (13 Kommentare)


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