Das Pferdemädchen

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Ungerechtigkeit Tiere Familie Kiel

Ich (w/20) sitze hier und versinke in Hass, Trauer und Reue. Ich war eines dieser kleinen nervigen Pferdemädchen. Ich hatte in meiner Kindheit nur Pferde im Kopf. Mein Opa war ein Landwirt der alten Schule, selbst während seiner Rente bis ins hohe Alter hielt er eine große Herde Mutterkühe, sowie 2 Pferde. Er war begeisterter Reiter und Züchter, er versuchte sein Hobby an einen Nachkommen weiterzugeben. Sein Sohn interessierte sich nicht, also versuchte er es später bei seinen Enkelsöhnen, ebenfalls konnte er sie nicht richtig überzeugen. Wie es sich für einen ordentlichen Patriarch gehört, versuchte er nun aus Verzweiflung die Enkelinnen für den Sport zu begeistern. Meine ältere Schwester hatte Angst vor Pferden und die zwei älteren Cousinen kein ernsthaftes Interesse. Nun kam noch eine Cousine und ich als stark verspätete Nachzügler hinzu. Mein Opa sah hier seine letzte Chance, das Hobby in der Familie zu erhalten. Schlussendlich war ich die letzte, der 7 Enkel, die er für das Hobby begeistern konnte. Zähneknirschend nahm er das hin und versuchte noch das „beste“ daraus zu machen. Jedoch bekam ich es hart zu spüren, das ich nur ein Mädchen sei und dazu noch die letztgeborene, seiner Versager-Tochter.

Ich besuchte meine Großeltern oft. Mit den Pferden verbrachte ich eine tolle Zeit, ich konnte Stunden auf der Weide verbringen und mich mit den Tieren beschäftigen. Unter Anleitung meines Opas ritt ich ein Pferd an, der Wallach und ich waren 8 Jahre alt. Mit diesem Pferd entwickelte ich schließlich eine tolle Freundschaft. Wenn ich zu Besuch kam und der Wallach hörte mich auf dem Hof sprechen, kam er wiehernd in den Stall gerannt, auch wenn er am anderen Ende der Weide stand. Diese wundervolle Zeit und schöne Erlebnisse mit den Pferden, ließen mich über einige Grausamkeiten meines Opas hinwegsehen. Einige Jahre ging dies so weiter, doch plötzlich waren die Pferde weg. Wie ich von der Nachbarstochter meines Opas im Schulbus erfuhr. Sie meinte, dass die Pferde von heute auf morgen einfach verschwunden sind. Alle in meiner Familie wussten es, als ich sie zu Rede stellte, nur ich musste es im Schulbus erfahren. Nach dem Schock wurde ich von meiner Familie vertröstet mit den Worten: die Pferde seien auf einem Gnadenhof. Was Gnadenhof in den Worten eines alten Bauers bedeutet, kann man sich sicher denken.

Irgendwann war auch dieser Schock weitestgehend verdaut, jedoch werde ich dies niemals meinem Opa verzeihen können. Vor allem als ich die Hintergründe des „Verkaufs“ erfuhr und wie meine Eltern dies unterstützten. Meine Eltern wollten das ich endlich aufhöre zu reiten, sie hofften der Fluch würde mit der kommenden Pubertät vorbei sein. Der Fluch war nicht vorbei, heute noch bin ich aktiv in einem Reitverein.

Mein Opa erkrankte vor 2 Jahren schwer, ein schnelles Lebensende war absehbar. Ich bereue das ich damals nicht zu ihm nach Hause geritten bin mit meiner Reitbeteiligung. Ihm hätte es sicher gefallen, in seinen letzten Wochen von einem Enkel auf dem Pferd besucht zu werden. Jedoch besuchte ich meinen Opa nur ein paar mal, wenn ich von den Eltern mitgeschleppt worden bin. Ich wollte diesen Mensch nicht sehen, da er mich in meiner Kindheit so stark verletzte. Ich habe sogar heute noch Hass auf ihn, da ich diese Pferde liebte und sie mir eiskalt genommen worden sind. Jedoch bereue ich heute, einem sterbenden Menschen keine Freude gemacht zu haben. Ich hätte nur zu ihm reiten müssen, er hätte sich vermutlich riesig gefreut zu sehen wie ein Enkel Spaß an seinem Hobby gefunden hat und es weiter führt.

Beichthaus.com Beichte #00041826 vom 29.04.2019 um 19:13:14 Uhr in Kiel (9 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

thinner aus Berlin, Deutschland

Wer die ersten zwei Sätze gelesen hat, kann sich den Rest sparen, denn die sagen alles aus. Keine Reife erkennbar, daher keine Absolution.
Das Leben ist eben kein Ponyhof.

27.05.2019, 07:35 Uhr     melden


BelasBraut aus Frankfurt, Deutschland

Sei nicht so hart zu Dir. Er behandelte Dich nicht gut und ging nicht auf Dich ein, also hast Du Dich ihm nicht weiter ausgesetzt und Dein Ding gemacht- genau wie er selber ja auch- und was völlig in Ordnung ist. Kleiner Trost: seine Liebe zu Pferden lebt in Dir weiter, also bleibt Ihr miteinander verbunden.

27.05.2019, 08:23 Uhr     melden


Rockurti

"Ich war eines dieser kleinen nervigen Pferdemädchen."
"heute noch bin ich aktiv in einem Reitverein."

Keine Absolution für Menschen, die ihr Hobby auf dem Rücken von Tieren austragen.

27.05.2019, 10:13 Uhr     melden


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Offender

Ich kann dich verstehen. Hatte selbst bis vor 3 Jahren ein Pferd, und wenn das einer zum, naja, gnadenhof gebracht hätte, ich könnte das auch nicht vergessen.

27.05.2019, 13:09 Uhr     melden


Sauhaufen1

Naja, so groß kann seine Pferdeliebe ja nicht gewesen sein, wenn er gesunde Tiere zum Schlachter gebracht hat. Scheint mir auch sonst nicht gerade ein sympathischer Typ gewesen zu sein.

28.05.2019, 00:21 Uhr     melden


JammerKazz aus Zürich, Schweiz

ER hätte sich gefreut, wenn Du zu ihm geritten wärest... Schön und gut, aber das bist Du ihm nicht schuldig! Hat ER denn Rücksicht auf Dich genommen und sich gefragt, was Dich gefreut hätte? Es hätte Dich gefreut, wenn Du weiterhin Zeit mit den Pferden verbringen können hättest - und darauf hat er keine Rücksicht genommen. Ich finde es löblich, einem sterbenden Menschen eine Freude zu machen. Aber auch auf dem Totenbett ist die Macht eines Menschen nicht absolut. Ich finde nicht, dass man den letzten Wunsch eines Menschen am Totenbett um jeden Preis erfüllen muss, wenn man es denn psychisch gar nicht fertigbringen kann. Und er hat diesen letzten Wunsch ja nicht mal geäussert, wir vermuten es ja nur, dass er sich gefreut hätte...

29.05.2019, 16:02 Uhr     melden


JammerKazz aus Zürich, Schweiz

Klar ist die Situation am Sterbebett sehr emotional. Ich finde es aber genau so wichtig, den "letzten Wunsch", den innigsten Wunsch eines Menschen zu seinen Lebzeiten zu erfüllen. Natürlich nur, wenn dies nicht zu Selbstaufopferung führt! Du hast ja den innigen Wunsch Deines Opas zu seinen Lebzeiten erfüllt und warst begeisterte Reiterin. Er hat dieses Hobby an Dich weitergeben können.

31.05.2019, 06:05 Uhr     melden


jeeric aus Recke, Deutschland

Ich blick da jetzt nicht ganz durch, wer war denn jetzt wirklich böse, der Opa oder die Eltern?
Da steht ja auch, das die Eltern insgeheim wollten das sie mit den Reiten aufhört. Ist ja gut möglich das die den Opa überredet haben, das relativ "ratz fatz" zu erledigen und er es schweren Herzens getan hat. Dann könnte es ja sogar auch sein, das die Aussage mit den Gnadenhof gar nicht stimmt, und er das gesagt hat weil die Eltern das so wollten (gibt ja wirklich Leute die glauben das so ein Schock gut wäre). So knochige Bauern die für viele Gefühlskalt rüber kommen, sind das meist gar nicht. Beruflich müssen die beim Thema Tiere abgestumpft sein, aber nicht wenn es um ihr Hobby geht. Die würden auch nie einfach Grundlos ihren Hund "entsorgen" oder ähnliches. Daher macht mich der Hinweis auf die Eltern halt Stutzig/Misstrauisch, ob da nicht was ganz anderes ablief das der Beichterin auch nicht so bewusst ist...

01.06.2019, 21:45 Uhr     melden


clarido aus Bern, Schweiz

Was soll das mit dem Gnadenhof? Muss da jeder selber verstehen, dass es ein Schlachthof war? Oder doch nicht? Schreibt doch wenigstens hier endlich Klartext, wenn wir den Quatsch schon lesen sollen!

22.06.2019, 15:33 Uhr     melden


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