Leidensgenossen auf getrennten Wegen

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Ungerechtigkeit Engherzigkeit Gesellschaft Rosenheim

Seitdem ich im Jahr 2016 aufgrund mehrerer psychischer (inzwischen anerkannter) Störungen einige Monate in stationärer Behandlung war, dürfte ich die Bekanntschaft einiger Leidensgenossen machen. Wir haben die harten Therapien gemeinsam durchgestanden. Das war nicht einfach und verlangte viel vom Einzelnen ab. Gruppenarbeit war angesagt, die nicht immer geglückt ist. In den Therapiestunden wurde das Dank der therapeutischen Moderation stets gut gelöst. Danach war so gut wie jeder in ambulante Therapien vermittelt worden und wir gingen in Vertrautheit und Wehmut auseinander.

Wir Patienten haben über Wochen und Monate hin miteinander geweint, gelacht, gearbeitet und gehofft! Doch kaum waren nicht einmal drei Monate nach dem Klinikaufenthalt vorbei, kriegen wir kein gemeinsames Treffen mehr auf die Reihe, weil einige auf Nachrichten nicht mehr reagieren und andere einen dahingehend nur vertrösten. Mich verletzt das sehr. Ich beichte somit mein Misstrauen in vermeintliche Leidensgenossen und wünschte, ich hätte mich ihnen niemals geöffnet.

Beichthaus.com Beichte #00041729 vom 26.01.2019 um 01:06:42 Uhr in Rosenheim (16 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

Magnatio aus ., Deutschland

Du bereust deine Therapie weil ihr kein gemeinsames Treffen hin bekommt ?

29.01.2019, 21:59 Uhr     melden


DieBesserwisserin

Es handelt sich dabei leider um das gleiche Phänomen wie bei Klassenkameraden und Arbeitskollegen. Es sind keine echten Freundschaften, sondern Peergroups. Ihr wart nämlich gezwungenermaßen "Leidensgenossen", wurdet in eine Gruppe gesteckt, in der jeder die gleichen Grundvorraussetzungen hat. Man hat niemand anderen in der gleichen Lage, darum bilden sich Zweckgemeinschaften. Das ist aber etwas völlig normales, worüber du dir nicht zu viele Gedanken machen darfst. Es wird dich sicher keiner von denen "verraten" oder so, da sie ja unter den gleichen Dingen leiden.
Eine echte Freundschaft entsteht dann, wenn man aus freien Stücken mit dem anderen zu tun hat, weil man von seine Charakter fasziniert und berührt ist. Nicht weil er zwingend das Gleiche durchgemacht hat oder gar um etwas zu bekommen.

Abgesehen davon musst du auch akzeptieren, dass einige ja vielleicht auch in Ruhe genesen bzw. nach vorn schauen wollen und dabei behindern solche Kontakte unter bestimmten Umständen.
Das Problem mit psychisch Kranken kann manchmal auch sein, dass zu viele von ihnen auf einen Haufen sich gegenseitig runterziehen, wenn sie nicht gerade zusammen in Behandlung stecken.

29.01.2019, 22:46 Uhr     melden


derderder3

Keiner hat die Pflicht sich nachher noch treffen zu wollen.
Es war sicher für alle Beteiligten eine wertvolle Zeit, aber einige wollen sich einfach ihren eigenen Weg gehen.
Also lass sie das auch machen. Triff dich mit denen, die auch wollen. Wenn keiner von denen will, dann Pech gehabt.

30.01.2019, 06:52 Uhr     melden


Outcast aus Cassel, Deutschland

Such Dir lieber gesunde Menschen mit denen du was unternehmen kannst. Leute die du dir als Vorbild nehmen kannst und die dich nicht runterziehen.

30.01.2019, 08:33 Uhr     melden


Sauhaufen1

Bin nicht sicher, ob so ein Treffen gut wäre. Ihr würdet Euch gegenseitig an „schlechte“ und kranke Zeiten erinnern. Stattdessen tut es gut, nach vorne zu blicken und an der eigenen Gesundheit zu arbeiten.

30.01.2019, 10:55 Uhr     melden


carassi

Was hast du denn erwartet? Gemeinsam in den Sonnenuntergang reiten?
Das war ne Gruppentherapie. Ihr solltet einander helfen, mit euren Problemen umzugehen. Nicht mehr, nicht weniger. Und das habt ihr getan.
Ich kenne ein paar Leute, die zeitweise stationär waren. Keiner von denen hat noch Kontakt mit den Mitpatienten. Man kehrt zurück in sein Leben und lässt den Aufenthalt hinter sich. Zeitmangel, nicht an die Zeit denken wollen, Scham weil nach der Rückkehr in alte Gewohnheiten gefallen.. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Offen gesagt, du kannst dich glücklich schätzen, dass anscheinend ein paar Kontakt halten. Es war ne zweckgemeinschaft, die ihren Zweck erfüllt hat.

30.01.2019, 12:21 Uhr     melden









Schüchtern

Vielleicht ist das ja deren Weg, ihre schlechte Vergangenheit abzuschließen und hinter sich zu lassen. Oder sie sind abgestürzt und schämen sich denen gegenüber, die es geschafft haben.

30.01.2019, 13:41 Uhr     melden


RelaXxx aus Wonderland , Deutschland

Ey das ist ne Therapie keine Freundschaftsvermittlung. Natürlich kann ich nachvollziehen das du dich gekränkt fühlst weil du vielleicht etwas anderes erwartet hattest. Aber so ist das nunmal. Und alles was da so passiert ist im Prinzip "nicht echt". Oder zumindest jetzt kannst du sagen das es nicht echt ist. Grundsätzlich kann man nicht sagen das man gute Beziehung führt nur weil man am gleichen Ort ist. Ich kenne selbst viele Menschen deren Partner und Freundschaften eben in Therapien, Klappsmühlen aufenthalten und Entzugskliniken entstanden sind. Nicht jeder fühlt das gleiche, außerdem wer weiß auch schon was die für Probleme haben? Freundschaften entstehen durch ein gegenseitiges verlangen und vertrauen. Man muss sich gegenseitig wichtig genug sein und wenn das nicht der Fall ist muss man akzeptieren und vergessen.

30.01.2019, 15:26 Uhr     melden


Truth666 aus Saarland, Deutschland

Das ist doch normal. Die meisten "Freundschaften" sind nicht von Dauer. Das sieht man ja auch in Settings wie Schule. Man ist zwangsweise zusammen und befreundet sich so. Die meisten Kontakte erledigen sich da mit Ende der Schulzeit.
Trotzdem denken viele an die Schulzeit oder Studienzeit zurück und empfinden es als die tollste Zeit überhaupt.

30.01.2019, 18:40 Uhr     melden


Dshafar aus Berlin, Deutschland

Dass du so denkst zeigt, dass du wirklich krank bist!

30.01.2019, 21:48 Uhr     melden


-petaQ- aus München, Deutschland

@truth ich habe noch viele Freunde aus Schul-, Studien- und Promotionszeiten. Man verliert diese nicht.

30.01.2019, 22:29 Uhr     melden


WernerF

Vergiss eines auch nicht: Viele mit psychischen Erkrankungen, Depressionen, Angststörungen etc haben ein sehr großes Problem, zu so einem "Termin" zu erscheinen...
In der Klinik hatten alle ein abgesichertes Umfeld, da ist man eher mal gut drauf. Im Alltag sieht das anders aus.

31.01.2019, 01:22 Uhr     melden


nooP!!

Die echte Klapse ist eben nicht wie Netflix's "Maniac", von wo man sich ne Süße mitnimmt wenns vorbei ist. Ich hoffe, du findest Freunde, die nicht nur situationsbedingt mit dir zusammen sind.

31.01.2019, 02:14 Uhr     melden


Truth666 aus Saarland, Deutschland

-petaQ- ich nehme bei Schule noops Wort situationsbedingt.
Was heißt "man verliert diese nicht..." du vielleicht nicht.
Ich habe die meisten aus der Schule nie wieder gesehen. Ein paar sind mir die letzten ein oder zwei Jahre zufällig über den Weg gelaufen. 99% der Leute (auch ein paar aus anderen Klassen, mit denen ich befreundet war, habe ich danach nie wieder gesehen) .

31.01.2019, 05:57 Uhr     melden


John_Preston

Krankenhausfreundschaften, besondern im psychiatrischen Bereich, halten oft nicht. Dort kommt man an, hat Angst Unsicherheiten usw und ist daher froh wenn andere mit demselben Problem dort sind und daher ist man auch empfänglicher für Freundlichkeit und Hilfe anderer Patienten. Ausserdem ist es dort trotz allem langweilig und man ist um die Gesellschaft froh. Aber, der erste Gedanke wenn man rauskommt ist doch, auch bei Misserfolgen bei der Therapie IMMER "Ich bin froh,dass es vorbei ist" und man geht in den eigenen Alltag zurück. Und dann stellt man schnell fest, dass Freundschaften, mit denen man nur über Krisen spricht, nicht alltagstauglich sind... Also hör auf, etwas unrealistischem nachzuheulen und konzentriere dich auf dein jetziges Umfeld...

01.02.2019, 14:02 Uhr     melden


Leser08

Als ob dir die Leute jetzt sonstwielang was schuldig wären.
Das war 'ne Therapie, keine Symbiose ...

09.02.2019, 22:56 Uhr     melden


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