Wieso soll ich schwanger werden?

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Verzweiflung Feigheit Schwangerschaft Luzern

Ich beichte, dass ich panische Angst vor einer Schwangerschaft habe. Nein, ich bin kein unerfahrener Teenager, der Angst vor dem Versagen sämtlicher Verhütungsmethoden hat. Ich bin eine erwachsene Frau, Anfang 30, die mit beiden Beinen im Leben steht. Beruflich erfolgreich, glücklich verheiratet. Ich habe wirklich die totale Panik, wenn ich daran denke, schwanger zu werden, ein Kind zu bekommen, eine Geburt erleiden zu müssen. Ja, ich schreibe bewusst erleiden. Bereits als Teenager zeichnete sich ab, dass ich nie Kinder haben will. Ich sah mich nie als Mutter. Weibliche Verwandet prophezeiten mir, das werde sich schon noch ändern. Tat es nicht wirklich. Nur als sich das Ende meiner 20er näherte und die bereits mehrjährige und als sehr stabil zu bezeichnende Beziehung auf eine Hochzeit zusteuerte, lebte ich für eine Weile in einer rosa Zuckerwatte-Welt. In diesem strahlend pinkfarbenen Luftschloss fand ich den Gedanken an eine Familiengründung eigentlich ganz schön.

Nun, drei Hochzeitstage, eine Beförderung und ein Nachdiplomstudium später, ist die rosa Zauberwelt natürlich verschwunden. Wir sind nach wie vor glücklich und genießen unser alltägliches Eheleben. Aber mein Kinderwunsch ist weg. Er ist einer enormen, beinahe schon krankhaften Panik gewichen. Da ich ein Kopfmensch bin, riet mir mein Gynäkologe, mich umfassend mit Fachliteratur über alle Themen rund um Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung zu informieren. Das sollte mir die Angst nehmen, da ich ja dann Bescheid wissen und jederzeit die Kontrolle über die Geschehnisse haben sollte. Leider war das Gegenteil der Fall. Je mehr ich mich auf ganz sachlicher Ebene mit Schwangerschaft und Geburt auseinandersetzte, mit all den Geschehnissen, Risiken und möglichen und definitiv eintretenden Spätfolgen, desto mehr war für mich klar, dass das Ganze meiner Meinung nach an Selbstverstümmelung grenzt. Alleine die Vorstellung, während Stunden halbnackt und völlig ausgeliefert in einem Behandlungsraum zu liegen, begleitet von erniedrigenden Ereignissen wie Stuhlabgang vor Publikum und unkontrollierbarem Gekeuche. Ganz zu schweigen von der Möglichkeit bzw. Wahrscheinlichkeit von reißenden Körperteilen und damit verbundenen medizinischen Risiken. Einfach der blanke Horror. Wieso soll ich mir das antun?

Selbst wenn man das mal alles ausklammert und einfach mal an die darauffolgende Zeit als Familie denkt: Ich bin dann eine Mutter. Meiner Wahrnehmung nach würde ich gesellschaftlich abgestempelt, beruflich auf das Abstellgleis gestellt, per se als unflexibel betrachtet. Ich will das nicht und kämpfe mit Übelkeit und Schweißausbrüchen, wenn ich an all das denke. Das Problem: Ich habe keine Ahnung, wie ich das meinem Mann beibringen soll. Er merkt zwar, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, geht aber wohl nach wie vor davon aus, dass wir in den nächsten 5 Jahren ein Kind bekommen. Das wird nicht geschehen.

Beichthaus.com Beichte #00041669 vom 07.12.2018 um 11:03:46 Uhr in Luzern (16 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

thinner aus Berlin, Deutschland

Es ist Dein gutes Recht, nicht zu wollen. Dafür mußt Du nichtmal Karriere machen, was ja auch freiwillig erfolgt.
Merkwürdig finde ich nur, daß Du Schwangerschaft und Geburt einerseits als erniedrigend empfindest, aber das Gespräch darüber mit Deinem Frauenarzt suchst. Warum nicht mit Deiner Mutter, die eine Frau ist und Dich geboren hat?
Was ist da schiefgelaufen? Die Kommunikation?
Gibt es keine glücklichen, lässigen Mütter um Dich herum, an denen Du sehen kannst, wie easy es laufen kann, wenn man sich nicht verrückt machen läßt?
Ich denke, Du hast zuviele Vorurteile und Ängste gegen Schwangerschaft, Geburt, Kinder und Mütter im Kopf. Du beschäftigst Dich sehr intensiv damit. Warum? Welcher Wunsch steckt dahinter? Rechtfertigung anderen gegenüber a lá „ich habe getan, was ich konnte“ oder Dich selbst immer wieder und nachhaltig davon zu überzeugen, nicht schwanger zu werden?
Deine Panik ist extrem, und Extreme sind nicht gut, weder das eine noch das andere.
Ich wünsche Dir, eines Tages wirklich entspannt und frei von Ängsten und innerem Druck sagen zu können: ich brauche keine Mutterschaft, um ausgefüllt zu sein. Dann wärst Du am Ziel.
Und ich danke an dieser Stelle meiner Frau, daß sie uns frei von Ängsten und anderen inneren Bremsen drei wunderbare Kinder geboren und hat.

25.12.2018, 10:33 Uhr     melden


lahmeriecke

Habt ihr vielleicht mal über Adoption nachgedacht?

25.12.2018, 10:37 Uhr     melden


BloodyKirika

Mit 7,6 Milliarden Menschen ist der Planet schon völlig überbevölkert. Jeder der sich gegen Fortpflanzung entscheidet, tut seinen Teil zum Umweltschutz.

25.12.2018, 11:21 Uhr     melden


RomXD

@BloddyKirika:
Bitte bitte, lass es Sarkasmus sein...

25.12.2018, 11:43 Uhr     melden


derderder3

Nicht jeder muss Kinder kriegen. Krieg gefälligst einfach keine Kinder, wenn du keine willst. Ende, aus, gute Nacht. Sprich mit deinem Mann Klartext und dann komme was wolle. Ehrlichkeit ist das höchste Gut in einer Beziehung.

25.12.2018, 12:26 Uhr     melden


Anonühm;) aus , Deutschland

Ich kann dich gut verstehen. Ich will mal Kinder, habe aber Bammel vor der Geburt und operativen Eingriffen. Gleichzeitig macht mir meine Mutter Mut, weil bei uns 3 Kids das meiste relativ unspektakulär lief. Ich sehe es als große Herausforderung an. Milliarden von Frauen schaffen diesen großen Schritt und ich bin dankbar, dass ich auf der Welt bin. Dieses Glück will ich mal weitergeben.
Wenn du aber generell keine Lust auf die Erziehung von Kindern hast, sprich es bei deinem Mann offen an. Gibt Leute, die gehen in der Mutterrolle total auf und eben Leute, für die das nichts ist. Ich hoffe, dein Mann versteht das.

25.12.2018, 12:35 Uhr     melden


Zufallsbeichte



Donnerdrummel aus Hungen, Deutschland

Kann mir mal einer sagen was die definitiv eintretenden Spätfolgen sind?

25.12.2018, 13:04 Uhr     melden


ZwergZitrone aus Österreich

Ist ok... aber deinem mann hättest du das früher sagen sollen

25.12.2018, 13:41 Uhr     melden


Magnatio aus ., Deutschland

Nicht schon wieder so eine Beichte. Ok du willst offensichtlich keine Kinder, deine Entscheidung. Da dein Mann dies aber offensichtlich anders sieht, werden ihr langfristig getrennte Wege gehen müssen.

25.12.2018, 13:44 Uhr     melden


Niak

Eine Geburt ist für keine einfach. Wer was anderes behauptet lügt.
Es tut richtig übel weh und die ganzen Mittelchen wirken gar nicht, die es angeblich lindern sollen, aber auch diese Zeit der Schmerzen gehen vorbei und das ist nun mal notwendig wenn man ein Kind selbst gebären möchte. Dann beginnt das Leben mit Kind und wer das nicht aus einen Herzenwunsch beginnen möchte, empfehle ich keine Kinder. Kinder kann man nicht nebenbei mal großziehen, sie brauchen rund um die Uhr Aufmerksamkeit.
Natürlich gibt es Kitas, aber wenn dein Kind krank ist, kannst du jegliches anderes was du vorhast absagen, weil dann bist auch du ans Bett gefesselt, nur das du dich dann nicht ausruhen kannst. Es gibt kein Krankenschein wenn du krank bist, funktionieren musst du trotzdem, wenn du niemanden hast, der dir die Kinder abnimmt.

In der heutigen Gesellschaft wird man auch als Mutter ständig als hauptverantwortliche für die Kinder gesehen. Möchte man trotzdem arbeiten, wird das als egoistisch gesehen, dafür sei doch der Mann zuständig. Wenn der Mann zu Hause bleiben möchte, anstatt der Frau, wird der auch gleich als faul bezeichnet.

In einer Beichte schrieb eine Frau das sie mit ihren Mann ausgemacht hatte, da sie überhaupt keine Kinder wollte, dass er sich um die Kinder ausschließlich kümmern muss. Nachdem sie die Geburt durch hatte (und nachdem sie die Schwangerschaft im Job zurückgetreten ist), hat sie genau das eingefordert und fast jeder hat drunter geschrieben das sie das nicht tun könnte und das sie sich um ihr Kind kümmern muss.

Männer ist man schon dankbar, wenn sie nicht die biege machen, wenn sie vom Kindergeschrei in der Nacht wach werden. Frauen müssen dagegen Vollzeitmutter spielen, alles dadrunter wird nicht toleriert. Arbeitgeber sehen das meist genauso.

Kitas fallen auch besonders im ersten Jahr oft aus, weil dein Kind da noch sehr oft krank werden wird (ist noch nicht Immun gegen all die Krankheiten). Arbeitgeber haben auch dafür kein Verständnis.

Trotzdem, die Geburtsschmerzen sind irgendwann vergessen. Das Leben mit Kinder kann sehr erfüllend sein. Kinder lieben dich mehr als es sonst jemanden kann. Ihre Fortschritte machen dich stolz und es ist gibt dein Leben einen Sinn.
Anstatt entspannte Tage ist immer etwas los und Langeweile kommt eigentlich nicht mehr auf.

Es hat Vor- und Nachteile, aber eines ist sicher, du musst das Leben als Kinder wollen.

Für mich waren meine Kinder die beste Entscheidung meines Lebens, ich hatte auch Bedenken, führte aber vorher ein recht langweiliges Leben. Nun genieße ich die ständigen Fortschritte meiner Kinder mitzuerleben, es ist ständig was los und als Freizeit sehe ich meine Arbeitszeit, weil das nun Stunden sind, wo ich wirklich entspannen kann. Wenn ich dann wieder bei meinen Kleinen bin, freue ich mich tierisch wieder bei ihnen zu sein.

Spätfolgen sind, dass man erstmal einen Körper bekommt, der kaputt ist. Der Bauch und die Brüste sind definitiv nicht mehr die, die ich vor der Schwangerschaft hatte. Durch die Kinder hat man auch plötzlich kaum noch Zeit für den Partner, auch dein Partner wird kaum Zeit gerade am Anfang für dich haben. Gerade heutzutage höre ich immer wieder, dass sich Eltern gerade in der Anfangsphase trennen, weil Kinder echt eine (schöne) Belastung auch für die Beziehung ist.

25.12.2018, 13:51 Uhr     melden


SonGoten

Das Problem ist, hätte deine Mutti auch so gedacht gäbe es dich nicht.
Was uns vielleicht diese Beichte erspart hätte.
Sei froh das du überhaupt die Möglichkeit hast, dein Kind in einem hochentwickelten Industrieland zur Welt zu bringen wo alles steril und sauber ist. Kannst dein Kind auch gern in einem indischen Slum zur Welt bringen aber das möchtest du ganz sicher nicht.

25.12.2018, 15:44 Uhr     melden


BelasBraut aus Frankfurt, Deutschland

Zwar kann ich solch eine Einstellung nicht teilen, aber: Du hast das Glück, es hierzulande frei entscheiden zu dürfen - für Dich selber.
Dein Mann hat aber auch das Recht auf Kinder, wenn er welche möchte.
Und da man nunmal zwei dazu braucht, wird er seinen Wunsch eines Tages wohl oder übel mit einer anderen Frau verwirklichen.

25.12.2018, 16:58 Uhr     melden


Gauloises19

Du wirkst sehr selbstbewusst und scheinst eine vertrauensvolle Beziehung zu haben, daher sehe ich kein Problem deinen Wunsch gegenüber deinem Partner zu äußern.
Ganz persönlich finde ich es schade, dass du dich (offenbar) von gesellschaftlichen Zwängen bei der Entscheidungsfindung beeinflussen lässt. Einerseits löblich dass du dich rational mit dem Thema beschäftigst, andererseits ist die Geburt eines Kindes (wahrscheinlich) rational kaum zu beschreiben.

25.12.2018, 17:06 Uhr     melden


Diazepam357 aus granada, Schweiz

vergiss nicht den haarausfall, die arschklöten und die inkontinenz.
aber das leben ist bekanntlich kein wunschkonzert.

26.12.2018, 01:07 Uhr     melden


stefanx86

@BloodyKirika hat eigentlich schon alles gesagt. Und zwar komplett ohne Sarkasmus. Es gibt mehr als genug Menschen für diesen Planeten. Niemand muss Kinder kriegen für den Fortbestand der Spezies. Es wäre sogar sehr gut, wenn die Bevölkerung auf die Hälfte schrumpfen würde.
Und weil wir ja keinen Umbringen möchten (was ich super finde), kann man das Problem der Überbevölkerung ganz einfach lösen, wenn sich Menschen dafür entscheiden, sich nicht fortzupflanzen. Etwas besseres kannst du langfristig gar nicht tun liebe Beichterin, als dein Leben so zu genießen, wie du es möchtest: ohne Kinder.

"Aber wer zahlt unsere Rente?" ... Du selbst - du ganz allein! Wälz deine Sorgen nicht auf andere ab.

27.12.2018, 10:34 Uhr     melden


BadCat aus Duisburg, Deutschland

Ja, die Geburt ist nicht schön. Und wenn dir einer erzählt, man würde die Schmerzen vergessen - stimmt nicht.
Heißt ja auch Wenn weil's weh tut und nicht Guten weil's gut tut.
Ich hatte nach 19 Stunden Wehen einen Notkaiserschnitt. Trotzdem würde ich das nochmal machen, von mir aus gerne auch doppelt und dreifach so lang.
Weil mein Sohn das Beste ist, was mir im Leben passiert ist.
Ich persönlich bin als Mutter glücklicher als vorher, und ich war nicht unglücklich.
Und was die Karriere betrifft - mein Sohn ist 6, ich wurde seit dem befördert und habe zwei dicke Gehaltserhöhungen bekommen. Geht also auch. Man darf sich halt nicht bekloppt machen.
Vielleicht sprichst du wirklich mal mit deiner Mutter, oder mit Freundinnen, die schon Kinder haben.
Mutter sein ist nicht für jede Frau was, aber so schlimme Angst muss man jetzt auch nicht haben.

28.12.2018, 16:33 Uhr     melden


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