An der Kasse ist es am Schönsten

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Betrug Diebstahl Arbeit Shopping Braunschweig

Jedem sei nahegelegt, sich nicht auf mein Niveau abzugeben. Ich (m) war einmal als Aushilfe in einer bekannten Einzelhandelskette tätig. Jeder macht das einmal durch und weiß, dass diese Arbeit, gerade hinsichtlich der Arbeitgeber, wirklich keine schöne Sache ist. Ist man zu langsam, fliegt man raus. Bei mir war es so, dass ich nach Feierabend teilweise unbezahlt weiterarbeiten musste, um die Regale noch fertig einzuräumen etc. pp. - Ergo, es war eine wahrliche Tortur. Manchmal wurde ich am einzigen freien Tag in der Woche um Eins aus dem Bett geklingelt (ihr kennt es: Einziger freier Tag, also säuft man sich am Tag zuvor erst einmal einen an), mit den liebreizenden Worten: „Du wirst in einer Stunde arbeiten.“
Dort zu widersprechen brachte nichts, ich wurde eingetragen und mir wurde mit Kündigung gedroht, wäre ich dort nicht angetanzt. Dann hieß es noch einmal sieben Stunden Schicht, um am darauffolgenden Tag pünktlich um Sechs vor dem Laden zu stehen. Nahezu all meine Kollegen waren unausstehlich.

An der Kasse war es am Schönsten - denn ich konnte, zusammen mit meinen Kunden, immer schön über den Laden ablästern. Den Kunden, allem voran den Durchreisenden, fiel es hingegen nicht immer auf, wie viel Geld man ihnen zurückgab. In hübschen Münzbeträgen gehen also gerne mal 50 Cent oder ein Euro unter. Sehr interessant wird es bei sehr gestressten Fernfahrern, die sich nur zwei Schachteln Kippen kaufen wollen und prompt mit hundert Euro zahlen. Im Scheingewusel bleibt dann schon gerne mal ein Zwanziger vermisst. Da die Kassen am Ende des Tages abgerechnet werden, wie es in jeder Kette so üblich ist, habe ich mir, kurz, bevor der Laden dicht machte und die restlichen Erledigungen durchgezogen wurden, ganz spontan das Sümmchen in die Tasche gesteckt. Binnen eines Monats kamen ein paar hundert Euro zusammen.
Mir tut diese ganze Sache leid, zumal ich Kunden betrogen hatte, in sehr großer Zahl. Bei Freunden, Familie und netten Bekannten habe ich das nicht gemacht, selbstverständlich auch nicht bei den älteren Herrschaften, die zitternd ihre Geldbörse geöffnet haben und mich darum baten, den ausstehenden Betrag hinauszuholen. Da bleibt noch halbwegs das Moralverständnis vorhanden.

Nach drei Monaten habe ich bei diesem Drecksladen aufgehört und mir von meinem schwarzen Trinkgeld ein paar schöne Wochenenden geleistet. Da ich mich selbst gut genug kenne und genau weiß, dass ich diese Aktionen wieder starten würde, würde ich im Einzelhandel arbeiten, werde ich mir andere Jobs suchen, wo ich diese Gelegenheit gar nicht erst ergreifen kann. Probiert das am besten gar nicht erst aus: Der Adrenalinkick, den man beim ersten Erfolg bekommt, ist suchterregend.

Immer, wenn ich heute in den Laden gehe, um dort Kleinigkeiten für Feiern einzukaufen, lasse ich unbemerkt ein, zwei Flaschen Bier oder auch eine Pizza in der hintersten Tasche meines Rucksacks verschwinden. Wenn die Kassierer/innen in den Rucksack schauen, werfen sie nur einen halbherzigen Blick hinein. Ich bin also zusätzlich noch Kleptomane, allerdings auch nur bei dieser einen Filiale. Was dies betrifft, bitte ich nicht um Absolution - diese Ansammlung an Hauptschulabbrechern hat es nicht anders verdient.

Beichthaus.com Beichte #00041321 vom 05.06.2018 um 14:59:14 Uhr in Braunschweig (10 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

shurem44-7

Die Kunden können wohl am wenigsten etwas dafür dass du diesen scheiß Job machen durftest, für das Bestehlen dieser natürlich keine Absolution. Wenigstens bist du nicht ganz so grenzdebil wie ähnliche Beichter und möchtest nicht weiter in diesem Job tätig sein.

06.06.2018, 11:50 Uhr     melden


HugoBruno

DBD - steht in dem Fall für: Dieb bleibt Dieb. Ich fürchte, auch bei dir helfen keine Pillen.

06.06.2018, 12:17 Uhr     melden


Magnatio aus ., Deutschland

Schon wieder jemand der seine Diebstähle mit Kleptomanie rechtfertigen will. Dieb bleibt Dieb !

06.06.2018, 12:50 Uhr     melden



Gauloises19

Vor dem einzig freien Tag säuft man sich natürlich einen an? Ich bin dem Alkoholkonsum nicht abgeneigt, aber so selbstverständlich wie Du sehe ich das nicht. Deine Ansicht im letzten Satz bezüglich der Hauptschulabbrecher kann ich nicht unterstützen, das verstärkt jedoch meinen Eindruck, dass du viel nimmst und wenig gibst und an jeder Misere andere schuld sind.

06.06.2018, 13:28 Uhr     melden


Freidenker aus Hamburg, Deutschland

Solche Ausbeute ist nur in Faschistischen Staaten möglich so wie die EU. Wird Zeit das, dass korrupte system zusammenbricht.

06.06.2018, 13:42 Uhr     melden


Christian-gt

Wenn du zwischendurch mal 1-2 Produkte "vergessen " hättest zu scannen dann hätte Ich dir Absolution erteilt, da du dann dem Laden geschadet hättest und nicht den Kunden.

06.06.2018, 15:30 Uhr     melden


Ragno aus Hier, Deutschland

Die Kunden dürfen also dafür hinhalten, dass Du einen miesen Chef hast und die Kollegen auch nicht besser sind. Es gibt da so ein magisches Wort, welches Kündigung heisst! Ich hatte auch mal so einen Chef, irgendwann hat es mir gereicht und ich bin wortlos gegangen und hab gekündigt und was Neues gesucht. Aber den Kunden abzuziehen finde ich unmöglich genauso wie andere Läden zu bestehlen. Keine Absolution!

06.06.2018, 15:54 Uhr     melden


Niak

Solange es genug blöde gibt die diese Arbeitsbedingungen akzeptieren wird daran auch nichts geändert. Ich verstehe nicht wieso sich jemand sowas überhaupt bieten lässt, es gibt nicht umsonst gesetzliche Arbeitsbedingungen und wenn Arbeitgeber sich nicht daran halten möchte, einfach darauf bestehen und dann halt notfalls fliegen und sich was neues suchen.

06.06.2018, 20:33 Uhr     melden


Truth666 aus Saarland, Deutschland

@Niak kenne das von mir. Hatte bei solchen Sachen immer erstens die Hoffnung es wird besser.
Außerdem suche ich immer an mir bei sowas. Denke, viele sehen sich da selbst als Verursacher.
Als letzter Punkt ist oft auch Existenzangst.

06.06.2018, 20:37 Uhr     melden


230163 aus Deutschland

"Jeder macht das einmal durch" - Äh nö, ich wäre nie im Traum auf die Idee gekommen, bei so einem minderwertigen Job anzuheuern.

06.06.2018, 23:51 Uhr     melden


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