Ein Beruf, der an die Grenzen geht

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Faulheit Verzweiflung Arbeit

Ich (m/27) beichte hiermit, dass ich die meiste Zeit meiner Arbeit vor dem PC verbringe, im Beichthaus lese und sonst irgendwo herumsurfe. Ich arbeite mit schwerst geschädigten Menschen (Intelligenzminderung, geschädigt aus dem Elternhaus oder psychische Behinderung), deren Verstand nicht mal eine kleine Kaffeetasse füllen würde. Ich habe früher sehr gern in diesem Beruf gearbeitet, doch seit ich diese Stelle vor circa 2,5 Jahren angetreten habe, ist mir viel von meiner Freude und meinem Elan in diesem Beruf vergangen.

Die Bewohner streiten sich dauernd wegen nichts und dann müssen wir immer den Scheiß schlichten. Wohl wissend, dass es Morgen genauso weiter geht. Die meisten Bewohner möchten sich vor dem Zimmer aufräumen und ihren Diensten drücken, verstopfen regelmäßig die Toiletten und sind generell hinterfotzig und falsch. Wir bekommen sehr oft extreme Fälle. weswegen wir auch öfters die Polizei im Hause haben. Die Leute rasten aus und schmeißen Geschirr oder Besteck durch die Gegend, schreien herum, beleidigen aufs gröbste und verlangen immer was. Ich mache so gut wie gar nix mehr für diese bestimmten Bewohner, da das Gehalt zum kotzen ist, wir keine Überstunden bezahlt bekommen und weil ein normaler Dienst bei mir circa 17 Stunden lang ist, wobei die Nachtbereitschaft nicht bezahlt wird. Wochenenden, an Feiertagen oder Brückentagen geht mein Dienst sogar 24 Stunden lang. Außerdem beichte ich, dass ich auch seit langem keine Freude mehr in meinem Leben habe. Ich wohne allein in einer Wohnung ohne Internet, habe alle meine Freunde und Bekannten für diese Stelle zurück gelassen und kann so gut wie gar nichts unternehmen, weil ich im hinterletzten Kaff wohne.

Ich fühle mich langsam ausgebrannt und leer und habe die Fantasie bestimmten Leuten eine Denk-Schelle zu verpassen, wenn diese mal wieder anfangen sich dumm aufzuführen. Versteht mich bitte nicht falsch, nur weil man behindert ist, heißt das nicht, dass man dumm ist. Im Gegenteil, diese Menschen haben manchmal eine emotionale Intelligenz wie sie vielen Leuten heutzutage fehlt oder eine Wärme an sich, die man selten findet. Ich schätze solche Menschen und habe diesen Beruf nicht ohne Grund gewählt. Das alles fehlt allerdings den 95 % der Bewohner, die hier wohnen. Ich hoffe, auf Absolution und Verständnis und natürlich auf bessere Bewohner mit denen das zusammenarbeiten natürlich wieder Spaß macht.

Beichthaus.com Beichte #00041300 vom 27.05.2018 um 11:52:40 Uhr (9 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

MissVERSTÄNDNISS aus AnonymeGroßstadt, Deutschland

Ich habe sehr viel Respekt vor dem, was Du machst, das ist ein hartes Brot, keine Frage.
ABER:
Vom Warten allein ändert sich nichts.
Und Deine Unzufriedenheit spüren auch Deine Klienten.

Menschen ändern sich, und vielleicht bist Du jetzt an dem Punkt, wo es Zeit für einen Wechsel ist, bevor Du im Burnout landest (falls Du dort nicht schon bist).

Falls es Dir hilft: meine Absolution hast Du, aber helfen musst Du Dir selbst, indem Du Dir eine Stelle suchst, die Dich wieder erfüllt, sonst kommt es bald zur Eskalation, und das tut niemandem gut und hat schlimmstenfalls weitreichende Konsequenzen für Dich und Deine Laufbahn, von den Bewohnern ganz zu schweigen.

Tu was! Geh dort weg, wenn es Dich so runterzieht, damit Du später nichts bereust, was Du gemacht oder auch nicht gemacht hast.

Den ersten Schritt hast Du mit der Beichte bereits getan: Dir eingestanden, dass Du an Deinen Grenzen bist.
Jetzt werde aktiv. Man lebt nur einmal.

27.05.2018, 23:28 Uhr     melden


Ryasa

Miss hat vollkommen recht!

27.05.2018, 23:32 Uhr     melden


Sauhaufen1

Man muss auch an sich selbst und sein Wohlergehen denken. Wenn du so nicht weitermachen willst, bewirb dich weg und zieh auch in eine Gegend, wo du Freunde hast. Ein gutes soziales Umfeld hilft ungemein, mit stressigem Arbeitsalltag klar zu kommen. Btw, Respekt vor dem, was Du machst.

28.05.2018, 00:55 Uhr     melden



“Beichte


Vicco aus Deutschland

Du bist jung. Mach was anderes. Entweder bewirbst du dich weg oder du machst nochmal eine Ausbildung/Studium.
Wenn das Gehalt so mies ist, dass es nicht mal für Internet in der Wohnung reicht, sollte dich da eigentlich nichts halten. Zumal du ohnehin schon ziemlich Schwermütig rüberkommst. Nicht dass das noch zu ner ausgewachsenen Depression wird...

28.05.2018, 06:57 Uhr     melden


Gauloises19

Such dir eine andere Stelle unter einem anderen Träger. Vergütung ist bei kirchlichen Einrichtung besonders gut. Du weißt warum du diesen Beruf gerne machst, die Rahmenbedingungen sind allerdings bei deinem Arbeitgeber kacke.

28.05.2018, 11:29 Uhr     melden


Christian-gt

Ich rate dir einfach umzuziehen. Es gib genug betreutes Wohnen wo du für Behinderte Menschen sorgen kannst, wenn dir dein Job wirklich ansonsten Spaß macht. Und mit Behinderte Menschen meine Ich nicht Psychopaten, denn das sind andere Menschen.

28.05.2018, 18:19 Uhr     melden


Extreme

wenn du nicht bezahlt wirst mit deinen überstunden die dienste aber so eingeteilt werden geh zum Arbeitsrecht-Anwalt. Lass dir von deinem Arbeitgeber nicht auf der Nase herum Tanzen.

28.05.2018, 21:12 Uhr     melden


jacko87

Wie wäre es mit Jobsuche statt Beichthaus. P.S. ich bin auch auf Arbeit.

29.05.2018, 13:05 Uhr     melden


Magnatio aus ., Deutschland

Wenn dich der Job psychisch so fertig macht, dann musst du dir einen anderen suchen. Ob auf bessere Bewohner hoffen da sinnvoll ist, glaube ich nicht.

01.06.2018, 17:52 Uhr     melden


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