Schwanger mit einem Trisomie-Kind

34

Mord Verzweiflung Schwangerschaft Mannheim

Ich bin im vierten Monat schwanger und weiß sicher, dass mein Kind eine Form der Trisomie hat und vielleicht die Schwangerschaft nicht überleben wird und noch im Mutterleib sterben könnte. Nun denken wir als Eltern daran, es abtreiben zu lassen, wofür ich sofort die Genehmigung der Ärzte bekommen würde. In mir ist trotzdem noch ein Rest Hoffnung geblieben. Außerdem habe ich Angst davor, mir später Vorwürfe deswegen zu machen, wenn mich die Geschichte einholt, und das wird sie irgendwann, so kommt es doch immer. Mein Mann hat sich klar gegen das Kind ausgesprochen, aber in mir melden sich Zweifel daran, unserem Kind geplant das Leben zu nehmen. Für mich wäre das Mord!

Wir hatten uns so darauf gefreut! Ich bin unendlich traurig und hin und hergerissen. Meinem Mann traue ich zu, dass er mich und das Kleine früher oder später verlässt, sofern ich es gegen seinen Willen behalte. Vielleicht wäre ich total überfordert mit der Situation, aber manchmal denke ich, man kann alles schaffen, wenn man es wirklich will. Gespräche darüber blockt er ab, weil er sich klar und eindeutig dazu geäußert hat und unsere Eltern raten uns auch mehr oder minder davon ab, die Schwangerschaft fortzusetzen, aber es ist doch MEIN Körper! Und ohne die pränatale Diagnostik hätten wir gar nichts von der Behinderung gewusst. Ich wünschte, ich hätte diese ganzen Untersuchungen nie zugelassen.

Beichthaus.com Beichte #00041277 vom 18.05.2018 um 23:55:57 Uhr in Mannheim (34 Kommentare).

In WhatsApp teilen
Zufallsbeichte

Kommentare der Beichthaus-Bewohner

rotetiger90

Das ist wahrscheinlich die schwierigste Entscheidung deines Lebens. Ich habe Familie mit Trisomie und kann dir nur sagen daß es eine lebensverändernde Entscheidung ist. Man wird sich ein Leben lang um sein Kind kümmern müssen. Selbstständigkeit ist bei solchen Kindern nur zu einem gewissen Grad zu erreichen. Dies kann aber die erfüllendste Aufgabe deines Lebens werden. Es kann aber auch erdrückend sein. Neben dieser Aufgabe wirst du nicht sehr viele andere Aufgaben (evtl. Karriere) machen können. Außer natürlich du hast Personal.
Letztlich musst du auch wissen wieviel dir deine Beziehung wert ist und auf wieviel Unterstützung du von deinem Umfeld zählen kannst, falls die Beziehung Mal nicht mehr ist.

20.05.2018, 00:10 Uhr     melden


Psychobold aus Blechwerk Happendorf, Deutschland

Was gibts denn da großartig zu überlegen? Willst du dich dein restliches Leben als Alleinerziehende, denn genau das wird passieren, um einen Pflegefall kümmern? Wenn die Medizin heute schon soweit ist, das man solche Defekte vorneweg feststellen kann, dann sollte man das auch nutzen. Bin da ganz bei deinem Mann und den Eltern. Lass es wegmachen.

20.05.2018, 01:33 Uhr     melden


230163 aus Deutschland

Du hast nicht das falsche Kind, sondern den falschen Mann! Lass dir nichts einreden, tief in deinem Inneren weißt du schon, was das Richtige ist.

Wenn dein Mann dich früher oder später verlassen würde, weil du euer Kind liebst und ihm das Leben gönnst, dann wird er dich früher oder später auch wegen irgendetwas anderem verlassen. Und dann stehst du da mit der Schuld und musstest das Leben deines Kindes opfern, um einen Mann zu halten, mit dem du gar nicht mehr zusammen bist.

Was dein Mann von dir verlangt, ist grausam. So etwas einer Mutter zu verlangen, ist einfach herzlos. Er scheint ein Egoist zu sein (wie viele Menschen in der heutigen Gesellschaft), du scheinst aber ein guter Mensch zu sein. Höre auf dein Herz, sonst wirst du es sicher bereuen.

20.05.2018, 01:38 Uhr     melden


Wintersun aus Köln, Deutschland

Wie realitätsfern bist du denn? @ Poil-du-Pubis
Was hat denn "Kein Bock sein leben an ein behindertes Kind zu verschwenden und dazu zu stehen und das offen zu sagen" mit "Seine Frau für irgendetwas anderem zu verlassen" zu tun?!
Setzt du den Grund mit dem Kind gleich mit Gründen wie "Meine Frau furzt ständig" oder "ich hab ne nette Kellerin gesehn" oder wie darf man das verstehen?

Davon das Ihr Mann es verlangt hat sie übrigens kein Wort geschrieben.

Ihr Körper, ihre Entscheidung. Sein Leben, seine Entscheidung.
Fertig.

20.05.2018, 02:22 Uhr     melden


Luke89 aus Schweiz

verstehe ich nicht ganz. man kann ja jederzeit ein neues machen. man vergiebt sich ja wirklich nichts mit einer abtreibung...

20.05.2018, 02:23 Uhr     melden


gackgaga

Moderner Genozid. 
Die Einstellung vieler Eltern, die ihr Kind nur wegen einer Behinderung abtreiben wollen, kann ich nicht verstehen und nachvollziehen. Wenn man sich für ein Kind entscheidet, dann auch dafür, unabhängig ob es blaue Augen hat, ob es kein besonders hohes IQ hat, ob es eine stolze Perönlichkeit hat, ob es irgendeine andere Eigenschaft hat, oder eben auch Trisomie. 

Oder hat jemand schon mal deswegen eine Abtreibung vorgenommen?! Wegen Blaue Augen? 

Das Problem der Gesellschaft ist eben der Nazi-Gedankengut, das bei uns unterschwellig und unbewusst hängen geblieben ist. Deutschland ist ein sehr rückständiges Land, wenn es um Menschen von Behinderung geht. Weil Menschen mit Behinderung schon sehr früh, also bereits im Kindergarten separiert werden. Das haben die Nazis eingeführt. Inklusion findet bei uns viel zu spät statt. Ich bin mal neugierig, wieviele Kommentatoren hier überhaupt mal einen selbstverständlichen Umgang mit einem Menschen mit Behinderung hat/te. Egal ob Down, Rolli, Blind oder Taub. Ich wette, es sind etwa 5-10 %. Der Rest hat gar keine Ahnung, wie man mit denen umgehen soll. Weil eure Mütter es euch nicht gezeigt haben. Und eure Omas eure Mütter auch nicht. Eher wird beschämend weggeschaut, nachdem man angestarrt hat. Das ist das wahre Problem. Und das hat viele Folgen: Das System hat nach all der Zeit kein vernünftiges System aufgebaut, Familien, die ein Kind mit Behinderung bekommen, aufzufangen und professionell zu unterstützen. Dazu kommt, dass alle unbedingt ein Politiker-, Anwalts oder Ärzte-Kind haben wollen. Die eigene Träume auf sie projizieren. Heli-Eltern. Da passt die Behinderung nicht ins Konzept bzw. Projekt. 

Inklusion wäre eine gute Chance dafür, und Inklusion bedeutet nicht unbedingt, dass man alle Kinder regelbeschult oder so. Inklusion bedeutet, dass Eltern die Wahlmöglichkeiten haben: Soll es regelbeschult werden? Oder braucht es doch Schutzraum? Das ist individuell, wie auch andere Kinder mit blaue Augen die unterschiedliche Bedürfnisse haben und das ist das wahre Inklusion. Was öffentlich palavert wird ist so beschämend. 90% aller Downies werden abgetrieben. Einfach nur traurig. Sonst gäbe es Pablo Pineda nie. 

@Beichterin: Ich habe oft genug davon gehört, dass die pränatale Diagnostik doch falsch lag. Je nach Art von Diagnostik, kann hier doch eine Fehldiagnose sein. Dann wäre das ein "grundloser" Mord.

Ach ja. Ich bin taub. Scheisse, bin ich glücklich so geboren zu sein und die schönste Sprache der Welt als Muttersprache zu haben, die Gebärdensprache!

20.05.2018, 04:31 Uhr     melden


Deadfire

Das Problem ist, dass Trisomie auch extrem breit gefächert ist. Manche machen Abitur während Andere zu überhaupt Nichts in der Lage sind. Ich habe länger im Behindertenbereich gearbeitet und mit schwerst Behinderten, also den "Härtefällen", zusammengearbeitet und sehe hier eine schwere Entscheidung. Schlussendlich kannst nur du entscheiden, jedoch könnte ich hier eine Abtreibung und sogar deinen Mann zumindest verstehen.
@gackgaga Ich glaube nicht, dass du die Separierung von Behinderten mit den Nazis gleichsetzen kannst. Inklusion ist zwar in vielen Fällen, aber nicht in allen Möglich. Eugenik ist auch kein Thema mehr, daher ist das ein schlechter Vergleich. Viele Menschen können nicht mit Behinderten umgehen, aber dass ist auch menschlich, wenn man keine Erfahrung hat.

20.05.2018, 05:39 Uhr     melden


carassi

Gackgaga taub kannst du nicht mit trisomie vergleichen. So gar nicht. Ein tauber Mensch ist in der Regel in der Lage, ein selbstständiges, selbstbestimmtes Leben zu führen. Down-syndrom gibt es von "bekommt man irgendwie hin" bis zu "wird im Leben niemals das Heim ohne Begleitung verlassen können". Wir reden sowohl von körperlichen fehlbildungen als auch kognitiven Einschränkungen. Und die können beliebig schwer sein. Ich vermute, dass das Klischee der Behinderung, so wie es in vielen köpfen existiert, zumindest zum Teil auf downsyndrom zurückgeht. Der sabbernde missgestaltete Idiot oder so.

Ich bin autistin. Das verursacht keinerlei körperliche Veränderungen, aber die Einschränkungen im Leben können ähnlich gravierend sein. Und ich will die Entscheidung, die die beichterin gerade treffen muss, niemals treffen müssen. Ich werde deswegen (hoffentlich..) keine Kinder bekommen. Ich könnte das nicht.

Richtig und falsch gibt es hier nicht. Jede Entscheidung kann so richtig falsch sein. Aber verstehen kann ich beide Seiten.

Und.. beichterin.. sei froh über die Diagnostik. Am Tag der Geburt plötzlich ohne Vorwarnung vor einem schwerstbehinderten Kind zu sitzen ist noch furchtbarer, wäre aber im Bereich des möglichen gewesen. Aber das ist dir jetzt erspart. Falls du dich für das Kind entscheidest, bist du auf all das vorbereitet, was kommen kann.

Alles gute. Es tut mir leid.

20.05.2018, 06:55 Uhr     melden


Christian-gt

Ich persöhnlich würde mir diese Last auch nicht aufbürden und auch für das Kind würde es mir Leid tun so leben zu müßen.

20.05.2018, 07:32 Uhr     melden


Sheldon

Leute, ihr redet hier in den Kommentaren von Trisomie21 = Down Syndrom, aber die Beichterin meint höchstwahrscheinlich Trisomie der Chromosomen 18 oder 13, bei denen die meisten im Mutterleib sterben oder kurz nach der Geburt! Das macht ja nochmal einen Unterschied bei der Entscheidung...

20.05.2018, 08:04 Uhr     melden


carassi

Stimmt hast Recht sheldon. Hab den ersten Absatz nicht genau genug gelesen.

Mein Wissensstand zu den trisomie-arten ist gering. Es beschränkt sich im großen und ganzen auf "das wahrscheinlichste ist, dass das Kind im Mutterleib oder kurz nach der Geburt stirbt. Selbst wenn es überlebt, wird es sich nicht normal entwickeln und allerspätestens mit 15 sterben. Die Pflege ist hart"

Da kommt dann noch ein Faktor hinzu, nämlich wie geht das Kind damit um. Ich zumindest hätte mich mit 10 nicht mit "bald bin ich tot" auseinandersetzen wollen.

20.05.2018, 08:19 Uhr     melden


killerbienchen

Überleg es dir gut. Eine Abtreibung kann tramatisch sein. Eine Totgeburt noch traumatischer. Wenn man in der 30.-40.SSW ein totes Baby gebähren muss, würde mir persönlich es deutlich mehr zu schaffen machen.
Rein rational hat das Kind kaum Überlebenschancen.Aber ob man da rational rangehen kann? Warum habt ihr die Nackenfaltenmesdung gemacht? Warst du dir der Konsequenzen nicht bewusst? Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, weil ich gar nicht erst in die Situation kommen wollte.

20.05.2018, 09:57 Uhr     melden


Gauloises19

Trisomie ist nicht gleich Trisomie. Es gibt Menschen mit Down Syndrom die eine leichte Intelligenzminderung haben und welche mit schwerstmehrfach Behinderung. Erstere können mit Förderung ein normales Leben führen, zweiteres benötigen dazu umfangreiche Unterstützung. Das kann dir die Pränatale Diagnostik nicht sagen. Mein Rat: informiere dich ausgiebig über dieses Behinderungsbild und entscheide dann! Alles Gute.

20.05.2018, 10:58 Uhr     melden



“35.000

“Beichte


Menace aus Deutschland

@Gackgaga
Völlig kranker Vergleich. Und weit weg von irgendeiner Logik. Schon vor tausenden Jahren wurden Kinder mit Behinderungen oft dem Tod überlassen, oft ging es auch einfach gar nicht anders. Keine Möglichkeit zur Pflege, nicht genug Ressourcen und zu wenige medizinische Kenntnisse. Aber als Huldigerin des Schuldkults kann man sich ja nur auf die 12 Jahre NS-Regime beziehen bei allem was unschön ist auf der Welt. Dann auch noch das Wort Genozid... Hättest nur noch irgendwo Holocaust mit einbauen müssen für das komplette Cringefest. Erst Dank des Fortschritts der Technologie ist man überhaupt dazu in der Lage, dass es heute Sozialstaat und Betreuungsmöglichkeiten gibt, damit Familien trotz schwerbehinderter Kinder, die ein leben lang Pflege benötigen, ein vernünftiges Leben führen können. Und natürlich wünschen sich alle Eltern möglichst schöne, erfolgreiche, anerkannte Kinder, warum denn auch nicht? Welche Eltern wollen nicht das Beste für ihr Kind? Bei einer schweren Behinderung wird es aber zu einer Lebensaufgabe die das eigene Leben und Zukunft schwer beeinflusst. Eventuell stirbt das Kind auch früh. Die Vorstellungen als Eltern die Kinder zu Grabe zu tragen ist für viele erschütternd und belastend. Auch die Vorstellung den Rest des Lebens Sorge für ein Kind zu tragen, dass nie in der Lage sein wird ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

@Beichter
Abschließend möchte ich dazu sagen, die Entscheidung ist unglaublich schwer, ich maße mir nicht an zu wissen wie ich in einer solchen Situation entscheiden würde, denn das Gefühl dabei, die äußerlichen Umstände sind zu schwer nachzuvollziehen und die emotionale Umgebung in Familie etc. unterscheidet sich individuell so schwer voneinander, sodass es maximal möglich ist zu erahnen wie sich jemand in der Situation fühlt. Ich rate dir nach bestem Gewissen zu entscheiden in Absprache mit deinem Partner, es ist euer Kind, ihr habt es zusammen gezeugt. Wenn du es unbedingt behalten möchtest und er nur zur Abtreibung tendiert, wäre es wohl besser zu behalten. Auch er wird sich dann freuen sobald es auf der Welt ist bei allen möglichen alltäglichen Situationen. Zu einem Schritt nur zu tendieren reicht bei einer so schwerwiegenden Entscheidung nicht aus. Bei Eltern oder Bekanntenkreis würde ich die Meinung bestenfalls zur Kenntnis nehmen. Mit eurem Alltag werden sie nämlich nicht viel zu tun haben, ihr müsst damit glücklich werden.

20.05.2018, 11:00 Uhr     melden


-Humungus-

@gackgaga war klar das jetzt noch ein Nazi-Vergleich kommen musste. Du hast wohl selber keine Kinder oder welche in Planung? Dann wüsstest du auch was das von einem abverlangt. Schau dir andere Länder an, da wird es genauso gehandhabt.

20.05.2018, 11:04 Uhr     melden


Gauloises19

Danke Sheldon, wer lesen kann ist klar im Vorteil. Andere Trisomie Formen haben den großen Nachteil dass sie nicht umfangreich erforscht sind. Mein Rat bleibt da weiterhin, dich bei einer unabhängigen Beratungsstelle beraten zu lassen.

20.05.2018, 11:17 Uhr     melden


Bruenhilde aus Deutschland, Deutschland

War ja klar, dass hier wieder die üblichen Verdächtigen mit Vergleichen aus der schlimmsten deutschen Vergangenheit kommen. Ohne solche unnützen Kommentare geht es wohl nicht.

20.05.2018, 11:32 Uhr     melden


Truth666 aus Saarland, Deutschland

Erinnerz mich an einen SZ-Artikel mit anderem Thema aber Kindern.Da wurde geschrieben, wie Frauen klar den Samenraub planen sollen und dann später einen Papa suchen. Der voll romantisch nicht seine Gene durchdrückt(machen Mütter ja nicht).

20.05.2018, 12:43 Uhr     melden


gackgaga

Das Problem aller Kommentatoren hier ist, das die meisten sich gar nicht mit dem Thema Behinderung und historischer Hintergrund auskennen. Und VOR ALLEM auch nicht, wie Menschen mit Behinderung und deren Angehörige vom Staat systematisch ignoriert werden. Alle meine Argumente und Sichten sind wissenschaftlich belegt.

Dagmar Hänsel hat in einer wissenschaftlichen Arbeit darlegen können, dass die Separierung von Menschen mit Behinderung von der Gesamtgesellschaft auf der Nationalsozialismus basiert. Einige behindertenfeindliche Gesetze existieren bis dato noch (!). U.a. dass Menschen mit Behinderung keine Kassenzulassung als Therapeuten erhalten dürfen. Dieses Gesetz wurde 1937 eingeführt und existiert heute noch. Und noch viele andere mehr.

Eine Bertelsmann Studie hat auch belegen können, dass Eltern von Kinder mit Behinderung quasi eine halbe bis 1/4 Stelle ausfüllen, um den Papierkrieg mit Sozialämtern, Krankenkassen und andere öffentliche Stellen zu führen, die eigentlich für eine nahtlose, entlastende und menschenwürdige zuständig sind. Die meisten wollen einfach gar nicht zahlen. Aber: Man zähle hier nicht die Versorgung und Betreuung für Kinder mit Behinderung dazu. Die kommen noch dazu. Es ist daher wenig verwunderlich, wieso die meisten hier ein negatives Bild von einem Leben mit einem Kind mit Behinderung haben. Weil ihr bisher noch nie in der Praxis eine umfassende Unterstützung und Förderung mitbeobachten konntet.

Dazu kommt auch: Ich habe unzählige Geschichten von Eltern erfahren, dass die Ärzte sie regelrecht zu einer Abtreibung drängen, ohne ihnen die Alternative aufzuzeigen, indem sie jemanden Fachkundigen einladen, der/die ihnen dann auch aufzeigt, welche Rechte und Möglichkeiten es gibt, ein glückliches Leben mit Kinder mit Behinderung zu führen. Das ist für mich ein klarer Hinweis von Genozid. Egal ob Trisomie oder Blindheit oder Taubheit. Alle solche Babies werden zu einer Abtreibung empfohlen. Oder bei Befruchtungen vorher aussortiert, um ein perfektes Baby einzusetzen.

Ich erfahre oft von anderen Menschen mit Behinderungen, die ERFOLGREICH sind, dass deren Eltern sie unerbittlich und mit richtiger Einstellung gefördert haben, ohne Unterschiede zu ihren Geschwistern und anderen Menschen. Eine überbehütete Erziehung ist eine Folge der fehlenden systematischen Unterstützung. Daher gibt es immer wieder Menschen mit Behinderung, die damit aufwachsen und wenig Selbstvertrauen entwickeln.

Ich mache keinen Unterschied zwischen Trisomie, Taubheit, Blindheit oder sonst was. Alle Menschen sind gleich lebenswert. Damit sage ich auch nicht, dass man bei jedem den Teufel komm raus zu Tode therapiert. Es gibt natürlich auch Grenzen. Ihr wärt aber als GESUNDER Mensch bereit über uns zu richten, wer das Leben verdient und wer nicht. Wer darüber richten darf, sind nur Eltern mit professionellen und menschenwürdigen Support und die Betroffenen selbst. Sonst niemand!

Ein wenig Weisheit für die Welt: „Großer Geist, bewahre mich davor, über einen Menschen zu urteilen, ehe ich nicht eine Meile in seinen Mokassins gegangen bin.“ (Sioux-Gebet.)

20.05.2018, 13:59 Uhr     melden


nooP!!

Typischer Fall von "Frau hat sonst nix zu sagen und nimmt jede Chance wahr, ihren Willen durchzudrücken". Na los, bring das Kind zur Welt, kümmer dich dein Leben lang darum und wenn du Pech hast, ist es so fit dass es dich deprimiert fragen kann, warum es behindert ist und ob man das nicht wegmachen kann. Heutzutage wissentlich ein behindertes Kind zur Welt zu bringen ist Quälerei und sollte verboten werden. Du verwehrst einem Menschen, sein Leben in VOLLEN Zügen zu genießen, anstatt dessen wird er sein ganzes Leben lang zu sehen kriegen, was er NICHT kann / darf.

Treib ab und gib einem gesunden Menschen die Chance. Du kannst nichts morden, was noch nicht richtig lebt.

20.05.2018, 15:45 Uhr     melden


VcS

Die Untersuchung war schon richtig, da geb ich carassi recht. Auch wenn die Entscheidung jetzt schwer ist und dich belastet, hast du so wenigstens die Chance, sie zu treffen. Auf mich wirkt es, als hättest du dich bereits für das Kind entschieden, nur die Meinung der Anderen (Mann, Ärzte, Eltern) hält dich bisher davon ab, das auch durchzuziehen.

Ich kenn im Freundeskreis ein Paar mit schwerbehindertem Kind - und bin froh, dass ich so eine Entscheidung nicht treffen muss.

20.05.2018, 17:33 Uhr     melden


carassi

Kurz gesagt, gackgaga, du regst dich darüber auf, dass der Staat die diversen Vorteile, die behinderte erhalten, nicht wie bonbons verteilt (und bevor du dich jetzt aufregst, vergiss nicht, ich bin auch behindert..). Das es anstrengend ist.

Gleichzeitig verlangst du von den Eltern, ein Kind zur Welt zu bringen, das nie gesund sein wird. Das ein Leben voller "geht nicht" führen wird. Das vermutlich mehr Zeit im Krankenhaus als zu Hause verbringen wird. Das dauerhafte Pflege verlangt. Das alle Beteiligten (inklusive dem Kind selbst) an die Grenzen der körperlichen und seelischen Belastung bringen wird. Dem man aber trotzdem Sicherheit und Ruhe vermitteln muss, wenn es fragt "Mama, warum muss ich sterben?"

Recht auf Leben.. Das Kind wird sterben. Punkt. Es ist biologisch nicht möglich, dass es überlebt. Es wird entweder jetzt sterben oder in ein paar Jahren nach einem langen, qualvollen und von vornherein aussichtslosen Kampf. WENN es die Geburt überlebt, was fraglich ist.
Ich würde abtreiben. Ganz klar. Und zwar, weil ich meinem Kind dieses Leben ersparen wollen würde. Manchmal heißt lieben auch loslassen.

20.05.2018, 19:19 Uhr     melden


gackgaga

@carassi Schade, dass du scheinbar nur selten auf Menschen mit Behinderung getroffen hast, die glücklich sind. Ich habe z.B. jemanden kennengelernt, der aufm Rollstuhl sitzt, komplett unbeweglich und brauchte ne Atemmaschine un Vollzeitassistenz/pflege. Und er sagte mir, dass er glücklich ist. Und er war auf einem Behindertenkongress unterwegs mit mir und wir sind für Belange von Menschen mit Behinderung aktiv. Dann wünsche ich dir alles Gute mit deiner Weltsicht.

20.05.2018, 19:47 Uhr     melden


Freidenker aus Hamburg, Deutschland

In der Theorie ist so vieles machbar in der Praxis sieht es immer anders aus. Ach ich persönlich traue den Arzten nicht.

20.05.2018, 20:52 Uhr     melden


Freidenker aus Hamburg, Deutschland

Die frage ist wird dass kind leiden? Wenn ja dann ist eine Abtreibung sinnvoller. Ich finde ein lebewesen sollte nicht leiden. Was machst Du bei einem Hund der leidet?

20.05.2018, 20:57 Uhr     melden


gackgaga

@Poil-du-Pubis: Genau. Irgendwie kann ich nun ein Stück weit verstehen, warum es so einfach war, damals Menschen mit Behinderung als "unwertes Leben" zu verkaufen. An den Propaganda-Plakate standen u.a.: "60.000 RM (Reichsmark) kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit. Volksgenosse, das ist auch Dein Geld." Daneben saß ein Mensch mit Behinderung und hinter ihm steht ein Arzt. Beängstigend! Lustigerweise ist dies den wenigsten Menschen in Deutschland bewusst: "Mit 86 % wurde der überwiegende Teil der Behinderungen durch eine Krankheit ver­ursacht. 4 % der Behinderungen waren angeboren beziehungsweise traten im ersten Lebensjahr auf. 2 % waren auf einen Unfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen."

Also ja. Ich bin dafür, dass man euch direkt euthanasiert, wenn ihr eine Behinderung durch eine Krankheit erhaltet. Ist ja ein schlimmes Leiden. *ironie off*

20.05.2018, 22:50 Uhr     melden


carassi

Macht der glückliche behinderte auch drei Atemzüge und krepiert dann an multiplen organversagen? Tolles Leben. Fünf Sekunden voller Angst und vermutlich schmerz und dann tot. Die durchschnittliche Lebenserwartung der Kinder, die auf die Welt kommen, ist eine Woche. Plusminus. Aber ja, ist bestimmt ne tolle Woche. Ganz viele blinkende lichter undso. Begeisterung! Lebensfreude!
Ernsthaft, das geht ein paar Tage durch seine eigene kleine Hölle und hat danach endlich Frieden. Nahezu sicher. Und ob der vordere Teil wirklich sein muss, das mit dem ziemlich schnell verrecken, darauf habe ich Einfluss.

Ich bin ein glücklicher behinderter. Aber ich weiss, dass ich damit viel Glück habe, und dass viele andere das nicht haben.
Das Leben ist nicht fair. Es gibt nicht jedem eine Chance.

20.05.2018, 23:42 Uhr     melden


DEX123

Dein Leben ist so oder so schon verbaut. Kinder= keine Lebensqualität mehr

21.05.2018, 11:30 Uhr     melden


Niak

Beichterin, ich hatte mich mit dem Thema auseinandergesetzt, als bei mir die Untersuchung bevorstand. Ich überlegte, ob ich wissen möchte, wenn mein Kind eine Behinderung hätte und wie ich darauf reagieren würde.
Ich bin nach gründlichen Überlegen dazu gekommen, dass ich nicht entscheiden könnte, wie ich in dieser Lage reagieren würde, da man eben trotz des Überlegens nicht in dieser Lage steckt.

Warum ich diese Entscheidung so schwer finde, weil ich für das Kind entscheiden wollen würde. Mein Leben geht mir nach das meines Kindes, allerdings wie entscheidet man, wenn man für das Kind entscheidet?

Ich muss dir sagen, bei Downsyndrom würde ich vermutlich das Kind behalten, weil es dann noch ein lebenswertes Leben bekommen kann. Aber in deinen Fall, würde ich vermutlich abtreiben, wegen dem Kind. Ein Leben mit dauerhaften Arzttermine, Ängste, Untersuchungen, Tränen, tut mir leid und es tut mir wirklich sehr leid. Wenn ich mir vorstelle, dass mein kleiner Liebling, den ich über alles liebe, nichts im Leben geboten bekommt, nur Angst, Schmerz würde ich die Geburt rückgängig machen, um ihn das zu ersparen. Und glaube mir, es mangelt mir da nicht an Liebe. Oder das ich es zu anstrengend finden würde, mich um ein pflegebedürftiges Kind zu kümmern, es geht alleine um das Kind und das ich ein Kind was keine Aussicht auf richtiges Leben hat nicht durch die Hölle schicken wollen würde.

Es ist alleine deine Entscheidung, niemand kann sie dir abnehmen. Höre auf dich selbst und überlege dir genau, welche Entscheidung du treffen müsstest um für das Kind zu entscheiden. Und suche dir ein Therapieplatz, dass was du durchmachen musst (so oder so), bedarf es.

Ich wünsche dir sehr viel Kraft.

21.05.2018, 14:34 Uhr     melden


230163 aus Deutschland

Liebe Beichterin,
ich kann nur noch einmal betonen, dass ich wirklich hoffe, du nimmst die Kommentare von den egozentrischen, lebensunfähigen Teenies hier nicht ernst. Das sind größtenteils unreife Leute, die vom Leben keine Ahnung haben und deswegen besserwisserische Kommentare im Internet abgeben. Höre allein auf deine innere Stimme. So, wie sich deine Beichte liest, wird sie dir den richtigen Weg zeigen.
Alles Gute für dich und dein Kind!

21.05.2018, 22:45 Uhr     melden


HugoBruno

Wirklich schwierige Entscheidung, die du hier treffen musst! Niemand kann sie dir abnehmen, auch wenn manche hier wieder alles ganz genau wissen. Ich kann dir nur versichern: Wie immer du dich auch entscheidest, es ist richtig! Es gibt für dich überhaupt keinen Grund, dir nachher Vorwürfe zu machen! Spüre in dich hinein, warte, bis in dir eine klare und eindeutige Entscheidung kommt - und dann mache das so und stehe dazu. Und mache deinem Mann und deinem Umfeld auch keine Vorwürfe - auch deren Haltung ist verständlich.

22.05.2018, 17:44 Uhr     melden


nooP!!

@gackgaga: dann frag deinen glücklichen Behinderten doch mal, ob er nicht lieber nichtbehindert und frei von gesundheitlichen Sorgen wäre. Ich glaube, keiner, der genügend Intelligenz hat, um die Komplexität des Lebens bis zu einem bestimmten Prozentsatz zu überschauen, würde ein Leben mit Behinderung einem gesunden vorziehen.

23.05.2018, 17:39 Uhr     melden


Vicco aus Deutschland

Schwierige Entscheidung. Was ist egoistischer: Abtreiben, weil man sich selbst und dem Kind viel leid ersparen möchte, oder nicht abtreiben, weil man sich selbst ein schlechtes Gewissen ersparen möchte.
Huch, klingt aufeinmal doch nicht mehr so schwer...!
Der Sinn des Lebens ist in meinen Augen Glück zu maximieren und Leid zu minimieren. Daher ist meine Sicht klar.

23.05.2018, 22:26 Uhr     melden


Meiling aus Oldenburg, Deutschland

Das ist eine wirklich schwere Entscheidung. Aber wenn du jetzt schon damit haderst dann kannst du davon ausgehen dass du ein schlechtes Gewissen haben wirst, und dass dich das auf Dauer richtig fertig macht. Du wärst nict die erste Frau die nach sowas furchtbar leidet und im Worst-case sogar richtig psychisch erkrankt.
Was dein Mann dann wohl tut?

Auf der anderen Seite steht ein Leben, bei dem du dich wirklich sehr für dein Kind wirst opfern müssen. Oder das traumatische Erlebnis dein Kind früher oder später zu Grabe zu tragen oder sogar tot zu gebären.

Ich glaube um so eine Entscheidung zu treffen braucht man entsprechende Beratung. Such passende Beratungsstellen, such Menschen die die Entscheidung schonmal getroffen haben - am besten welche die so, udn welche die anders entschieden haben. Mach dir ein Bild und entscheide dann für dich - unabhängig was dein Mann oder deine Eltern sagen. DU musst den Großteil Konsequenzen tragen, nicht sie. Ic wünsche dir viel Glück und alles Gute, egal wie du dich entscheidest. LAss dich auf jeden Fall nicht beschimpfen und nicht beledigen, egal von welcher Seite - Jeder darf zu solchen Themen eine Meinung haben, das ändert aber nichts daran dass man die Meinung anderer akzeptieren sollte. Zumindest bei allem was sich im gesetzlichen Rahmen bewegt. Wenn man meint das die Gesetze da absolut verkehrt sind dann sollte man losgehen udn versuchen politisch etwas zu bewegen - und nicht Menschen beschimpfen die sich grade in einer wahnsinnig schwierigen Situation befinden und nach Rat fragen.

31.05.2018, 11:36 Uhr     melden


Jetzt anmelden, um auch einen Kommentar zu schreiben.

Facebook Kommentare

Ähnliche Beichten

Ignoranz mit Folgen

Wir hatten tollen Sex und am nächsten Morgen war er einfach so traumhaft. Ich dachte wirklich, dass es nun soweit ist, das wir endlich zusammen kommen, …

Als Vater das fünfte Rad am Wagen

Ich (35) habe mit meiner Freundin bereits einen dreijährigen Sohn. Nun ist sie im sechsten Monat schwanger und nur noch mit dem Kleinen bzw. ihrer Schwangerschaft …


Aggression   Begehrlichkeit   Betrug   Boshaftigkeit   Diebstahl   Drogen   Dummheit   Ehebruch   Eifersucht   Eitelkeit   Ekel   Engherzigkeit   Falschheit   Faulheit   Feigheit   Fetisch   Fremdgehen   Geiz   Gewalt   Habgier   Hass   Hochmut   Ignoranz   Lügen   Manie   Maßlosigkeit   Masturbation   Missbrauch   Misstrauen   Morallosigkeit   Mord   Neid   Neugier   Peinlichkeit   Prostitution   Rache   Schamlosigkeit   Selbstsucht   Selbstverletzung   Sex   Stolz   Sucht   Trägheit   Trunksucht   Ungerechtigkeit   Unglaube   Unreinlichkeit   Vandalismus   Verrat   Verschwendung   Verzweiflung   Völlerei   Vorurteile   Waghalsigkeit   Wollust   Zorn   Zwang   Zwietracht  

“35.000