Gefangen in meiner Ehe

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Feigheit Trägheit 50+ Verzweiflung Bünde

Ich bin jetzt seit knapp 20 Jahren verheiratet, habe eine 22-jährige Stieftochter und eine 14-jährige leibliche Tochter. Schon früher war mein Traum alleine in Alaska zu leben. Irgendwie war ich nie wirklich mit anderen Menschen kompatibel. Meine wenigen damaligen Freunde waren sich damals sicher, dass ich irgendwann als Einsiedler irgendwo landen werde. Doch es kam alles anders. Ich lernte 1999 meine jetzige Frau kennen, die damals ihren Mann verlassen hatte und eine kleine Tochter hatte. Es war Liebe auf den ersten Blick und alles, was ich bis dahin geplant hatte, war vergessen. Wir bauten uns ein Leben auf. 2003 kam dann eine gemeinsame Tochter. Vor knapp 10 Jahren wurde meine Frau befördert und musste geschäftlich viel reisen. Daraufhin entschlossen wir uns, das ich meinen Beruf aufgebe und zu Hause bleibe. Meine Frau verdient gut und uns geht es allgemein auch gut. Trotzdem bin ich nicht glücklich. Ich komme mit meinem Leben nicht mehr klar. Ich bin in einem goldenen Käfig gefangen. Beruflich bin ich komplett raus, sodass ich höchstens als Fahrer oder Hilfskraft etwas finden würde. Doch mir geht hier alles so unendlich auf den Zeiger. Jeder Tag vergeht wie der Andere. Ich habe hier einiges zu tun, da wir ein altes Haus haben und außer Hausarbeit, essen Kochen, Wäsche, Einkaufen usw. auch immer wieder renoviert werden muss.

Am allerliebsten würde ich bei Nacht und Nebel abhauen, alles hinter mir lassen und einsam irgendwo den Rest meines Lebens verbringen. Einzelhaft wäre für mich keine Bestrafung! Aus anfänglicher Liebe ist Gewohnheit geworden, ein Leben wie Bruder und Schwester. Dazu kommt das meine Stieftochter extrem an ihrer Mutter hängt und trotz ihrer 22 Jahre immer dabei ist, egal was wir zu zweit auch unternehmen wollen. Mein Selbstbewusstsein ist gleich null. So komme ich auch gar nicht gegen meine Frau oder meine Stieftochter an. Ich funktioniere einfach nur noch. Meine leibliche Tochter macht ihr Ding, hat viele Freunde und ist viel unterwegs. Beginnt jetzt dann eine Ausbildung. Wir haben keinen Freundeskreis. Außer ein Hallo zu den Nachbarn gibt es da nicht viel. Meiner Frau kann es auch keiner recht machen, sodass die Freunde, die wir mal hatten, alle vertrieben und vergrault wurden. Ich hätte schon drei Mal mit gutem Grund hier gehen können, hatte aber nie den Mut. Wohin soll ich auch? Ich habe ja absolut nichts mehr, was wirklich mir gehört. Was kann ich tun in meiner Situation, außer es auszuhalten.

Beichthaus.com Beichte #00040709 vom 29.11.2017 um 14:42:24 Uhr in Bünde (18 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

carassi

Tja, da hast du die Gründe, die zur Emanzipation der Frau führten, ziemlich genau beschrieben. Das gute ist, das bedeutet, es gibt Optionen.

Ob du Freunde hast ist deine Sache, nicht die deiner Frau. Man kann das Haus verlassen, um andere Menschen zu treffen, und schon ist sie raus. Ihr seid verheiratet, nicht zusammen gewachsen.
Nach 10 Jahren wieder in einen Beruf reinzukommen ist nicht leicht aber möglich. Alternativ kann man was neues lernen. Hat meine Mutter auch gemacht, als wir alt genug zum Alleinsein waren, und da wird sie nicht die einzige sein.
Wenn du wirklich gehen willst, dann mach es. Alimente stehen dir zu. Ansonsten harz4. Das positive an einem Sozialstaat ist, der fängt einen immer auf, solange man nicht richtig mist baut. Aber sei deiner Tochter gegenüber so fair und mach es nicht in Nacht und Nebel. Die ist 14, das würde sie ziemlich sicher mitnehmen.

Es ist dein Leben. Nimm es in die Hand. Möglichkeiten gibt es immer. Wer nicht will, findet Gründe. Wer will, findet Wege.

Und.. dieser Grad an antriebslosigkeit, Mangel an Selbstbewusstsein und fatalismus kann (muss nicht, aber kann) ein Indiz für ein tiefer liegendes Problem sein. Falls ja wäre therapeutische Hilfe anzuraten.

30.11.2017, 10:17 Uhr     melden


Mr.Goodkat

Hört sich so an, als hättest du dich sauber kastrieren lassen.

30.11.2017, 10:57 Uhr     melden


Bolle84

Dann mach halt die klassische Hausfrauennummer bei Unzufriedenheit. Trenn Dich, nimm die gemeinsame Tochter mit, verlange Unterhalt und mach einen Malkurs an der Volkshochschule.

30.11.2017, 11:24 Uhr     melden


VcS

Ich kenn deine Situation ansatzweise, ist nicht schön, unter anderem weil der Hausmann genauso wenig Wertschätzung bekommt wie die Hausfrau. Es gibt neben 'geh arbeiten' und 'wander aus' noch mindestens eine dritte Möglichkeit: Such dir deine eigenen privaten Projekte. Das kann Gartenpflege sein, einen Hund abzurichten, eine Sprache zu lernen, ein Buch zu schreiben oder Webseiten zu programmieren. Fang klein an, lass dich von Rückschlägen nicht entmutigen, hol dir Informationen wo du kannst und bau das Projekt aus. Ist ein Prozess von Monaten und Jahren, aber den Aufwand wert.

Wenn dein Leben dann wieder erfüllter ist, flieg nach Alaska, nur mal zu Besuch. Dann wirst du merken, ob es dort so ist, wie du immer wolltest, oder doch eher ernüchternd.

30.11.2017, 12:55 Uhr     melden


loafer aus berlin, Deutschland

Ansätze für eine Lösung gibt es doch viele.
Rede mit deine Frau, schildere dass du dich im Alltag momentan gefangen fühlst.
Mach einen Tag die Woche oder notfalls auch alle zwei Wochen der nur für euch ist, den könnt ihr dann mit Theater, Kino oder Essen etc. verbringen.
Außerdem kannst du auch mal 1-2 Wochen alleine verreisen, wenn man zeitlich flexibel ist, ist es gar nicht so teuer.
Dein Haushalt sollte deine Abwesenheit doch mal für eine Weile aushalten können.
Hobbys sind auch eine weitere Möglichkeit den Trott zu entfliehen, ich empfehle dir Sport - da muss man nicht unbedingt mit Menschen was machen und man stärkt das Selbstbewusstsein.
Das sind alles Ideen die ich in unter 5 Minuten bekam, ich versteht nicht warum Leute sich so leicht mit ihrer Situation abfinden.
Ich hab das Gefühl viele denken "ich habe nichts versucht und trotzdem hat sich nichts verändert!".

30.11.2017, 13:06 Uhr     melden


PeterPanPie aus Österreich

Ganz verstehen tue ich das Problem jetzt nicht. Ein Kind ist bereits über 20 das andere fast erwachsen und wirklich aus dem Gröbsten raus. Was genau hindert dich jetzt daran, nochmal von vorne anzufangen? Such dir Freunde, einen Job der dir Spaß macht, lass dich scheiden, wander nach Kanada aus, theoretisch kannst du doch viel davon machen wenn du es wirklich willst. Alles klingt irgendwie ein bisschen nach Ausreden, echte Hindernisse hast du keine.

30.11.2017, 13:24 Uhr     melden


ZwergZitrone aus Österreich

Blöd, dass du deinen Job aufgegeben hast. Hättest halbtags oder wenigstens geringfügig weiterarbeiten können, so wärst du am Ball geblieben und könntest dir jetzt mit eigenem Job und eigenem Geld was aufbauen.

Mir scheint, du weißt selbst nicht recht was du willst. Redest davon wie gern du allein bist, bedauerst aber auch, dass du keinen Freundeskreis hast. Such dir irgendein Hobby, Sport, Handarbeit, irgendwas was deine tägliche Routine unterbricht. Vielleicht hilft das gegen "Gefangensein".

Außerdem kenne ich Leute, die mit 45, ja sogar 50 Jahren nochmal einen neuen Beruf erlernt haben. Wäre das keine Option? Für deine Töchter daheimbleiben musst du schließlich nicht mehr, die sind alt genug.

30.11.2017, 13:27 Uhr     melden


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Gauloises19

Was hälst du von einem Fernstudium? Vielleicht auf Lehramt an Berufsschulen? Wenn die Kinder autonom werden, bist du nicht ganz so aufgeschmissen und fühlst dich unbrauchbar..

30.11.2017, 13:40 Uhr     melden


Reg12

Mit 14? Eine Ausbildung? Ist klar...


Desoxiribonukleinsäure

30.11.2017, 16:53 Uhr     melden


Magnatio aus ., Deutschland

Wenn dir deine Situation nicht gefällt, musst du sie beenden. Ich sehe auch nicht warum reden hier sonderlich viel bringen würde.

30.11.2017, 17:16 Uhr     melden


Hannibal_I aus Wien, Österreich

Wieso suchst du dir nicht einfach eine unbefriedigte Hausfrau in derselben Lage und vögelst sie tagsüber schön durch ?

30.11.2017, 22:03 Uhr     melden


wandervogel

Du hast ein Kind, also reiß dich zusammen, ey!

30.11.2017, 22:51 Uhr     melden


fjwjfjr

Es aushalten.

Ich bin nur ein Fülltext und putze hier

01.12.2017, 14:01 Uhr     melden


DieBesserwisserin

Dein Problem ist nicht deine Ehe, sondern die Isolation. Für die Familie alle anderen Kontakte fallen zu lassen führt einen direkt in eine Daseinskriese, wenn man nicht zum Einsiedler geschaffen ist. Du kannst deine eigenen Freunde treffen, ohne deine Frau. Such dir ein Hobby oder geh wieder arbeiten. Deine Kinder sind alt genug. Du musst sie nicht bekochen und alle drei Tage sauber machen reicht auch.

01.12.2017, 16:03 Uhr     melden


ichbinshier aus Frankfurt, Deutschland

Waschlappen! Und du willst alleine zurecht kommen? traeum weiter!

01.12.2017, 16:10 Uhr     melden


Candy123 aus Münster, Deutschland

wenn du gehst, komm bei mir vorbei und nimm mich mit.
Ein Einsiedler Leben ist mein Traum. Fern ab all der Menschen, der Zwänge.
Freiheit bedeutet mir sehr viel.

02.12.2017, 10:19 Uhr     melden


jwoow aus Schweiz

@Reg12: Ich weiss nicht wie du das meinst. In der Schweiz fängt die Ausbildung mit 15/16 an jenachdem wann man Geburtstag hat. Allenfalls ist das in Deutschland nicht der Fall aber für mich ist das genannte Alter in der Beichte normal.

03.12.2017, 11:38 Uhr     melden


n3storys aus Stuttgart, Deutschland

„Und nach dem Abendessen sagte er
Laß mich noch eben Zigaretten holen gehn.
Sie rief ihm nach, nimm dir die Schlüssel mit
Ich werd inzwischen nach der Kleinen sehn.
Er zog die Tür zu ging stumm hinaus
ins neonhelle Treppenhaus.
Es roch nach Bohnerwachs und Spießigkeit
und auf der Treppe dachte er
wie wenn das jetzt ein Aufbruch wär.
Ich müßte einfach gehn.
Für alle Zeit.
Für alle Zeit.
Ich war noch niemals in New York.
Ich war noch niemals auf Hawaii.
Ging nie durch San Francisco in zerrissenen Jeans.

Ich war noch niemals in New York.
Ich war noch niemals richtig frei.
Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehn.“

- Udo Jürgens

03.12.2017, 13:56 Uhr     melden


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