Mein Alltag beim mobilen Pflegedienst

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Morallosigkeit Engherzigkeit Arbeit 50+ Stuttgart

Ich (m/30) arbeite in einem örtlich renommierten Pflegedienst und habe so gezwungenermaßen mit vielen kranken & alten (und jungen) Menschen zu tun. Ich habe diesen Job gewählt, weil ich mit der Ausbildung zum Altenpfleger quasi niemals arbeitslos werden kann. Wie man sich sicher vorstellen kann, habe ich also Kontakt zu vielen Menschen mit Krankheiten und Gebrechen aller Art. Bezogen auf den gewählten Beruf beichte ich folgende drei Dinge:

1) Bei komplizierten, ekelerregenden Pflegefällen, gerade bei massiv dementen Menschen, denke ich mir immer nur "wieso kannst Du nicht einfach sterben". Wenn die Patienten dann mal sterben, bin ich ehrlich gesagt froh, da nicht mehr hin zu müssen und bin froh eine entspanntere Pflegetour zu haben.

2) Viele meiner Kolleginnen zögern immer wieder, beispielsweise bei steigendem Fieber oder einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes des Patienten einen Arzt oder RTW zu rufen. Das hat einen guten Grund - wenn jemand Altes mit multiplen Gebrechen und Krankheiten mal ins Krankenhaus verwiesen wird, kommen sie oft nie wieder zurück. Ich persönlich habe kein Problem damit und rufe stets sofort einen Arzt an - an sich mache ich ja nichts falsch. Oftmals ist die medikamentöse Behandlung des Hausarztes sowieso massiv infrage zu stellen. Wenn die Menschen dann doch wieder heimkommen, sind sie durch das Krankenhaus medikamentös viel besser eingestellt und ihnen geht es sichtlich besser. Die faulen Hausärzte (ich hasse sie) übernehmen stets, ohne Ausnahme, die Medikamentenpläne aus dem KH. Bitte nicht falsch verstehen - ich pflege die Menschen dennoch auf hohen fachlichen Niveau und sehr gewissenhaft. Ich würde niemals die noch vorhandene Gesundheit eines Patienten gefährden. Aber alles andere geht mir quasi am Arsch vorbei. Ich habe nur manchmal ein schlechtes Gewissen, aber nur weil meine Freundin sagt, ich sei herzlos.

3) Da ich ein männlicher Pfleger bin, gehen mir die weiblichen Kundinnen, welche keinen Mann als Pfleger wollen - aus welchen Gründen auch immer - massiv auf den Sack. Meine Chefin ist offensichtlich zu dumm, um diese Kundinnen mir nicht zuzuteilen und mir ist es zu blöd, diese mit meinen Kolleginnen zu tauschen. Angesprochen habe ich das Problem schon oft - interessiert nur keinen. Ich marschiere einfach hin, lasse mich aus der Wohnung "rausschmeissen", dokumentiere "Pflege abgelehnt" und chille dann beim Bäcker bei einem gemütlichen Kaffee. Ein schlechtes Gewissen habe ich nicht. Meiner Meinung ist Pflege geschlechtsneutral. Wer wirklich Hilfe will, lässt sich auch helfen.

Beichthaus.com Beichte #00040390 vom 30.09.2017 um 14:53:06 Uhr in Stuttgart (11 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

Gauloises19

Pflege empfinden gerade Pflegebedürftige nicht als geschlechtsneutral. Dass du deinen Beruf gewissenhaft und qualitativ angemessen machst, glaube ich dir. Daher Absolution erteilt.

01.10.2017, 11:57 Uhr     melden


Freidenker aus Hamburg, Deutschland

Also ich würde ähnlich wie handeln vorallem bei deinen letzten 4 sätzen. Wer nicht will der hat schon...

01.10.2017, 12:35 Uhr     melden


Screwedbyp

Wie kann man sagen, dass man seinen Job gewissenhaft macht, aber dann bewusst Situationen konstruieren in denen man auf die eigene Profession scheißt und einfach die Pflege verweigert/ verweigern lässt.
Kenne viele in Gesundheitsberufen, die die eigene Kompetenz wahnsinnig überschätzen. Ein bisschen mehr Empathie würde dir gut tun!

01.10.2017, 14:26 Uhr     melden


Plinius

Na ja, besser ein empathieloser Pfleger als einer, der seine Wut an Patienten auslässt. Demente Patienten tragen auch nicht gerade dazu bei, dass man entspannt an die Pflege herangehen kann ... Das ist natürlich nicht deren Schuld, aber schwer ist es trotzdem. Ich habe im Leben schon genügend Erfahrungen damit gemacht und hoffe inständig, dass die Medizin in den nächsten Jahrzehnten vorankommt und das Problem löst, denn der Staat wird es nicht tun.

01.10.2017, 14:38 Uhr     melden









chero

Deine Denkweise kann ich verstehen. Aus diesem Grund habe ich eine Patientenverfügung verfasst. Ich werde sicher nicht vor mich hin vegetieren. Sollte ich allmählich dement werden werde ich noch rechtzeitig die Reißleine ziehen und mir einen sauberen Suizid einfallen lassen.

01.10.2017, 16:16 Uhr     melden


ZwergZitrone aus Österreich

Ist doch alles richtig wie du das machst. Solange du deinen job gewissenhaft machst, find ich dran nichts auszusetzen. Mit deiner einstellung wahrst du wenigstens die distanz und läufst weniger gefahr dich von deinem job in den burnout treiben zu lassen, und was den letzten absatz betrifft: ich kenne die problematik der völlig realitätsfernen sesselfurzer die meinen vom bürosessel aus den selben einblick in die situation zu haben wie jemand der direkt am patienten arbeitet. Da hilft kein diskutieren, das kann man nur so lösen wie du es machst.

01.10.2017, 17:50 Uhr     melden


Sauhaufen1

Ich kann schon verstehen, wenn sich eine alte Frau nicht von einem jungen Mann waschen lassen will. Dass Du allerdings trotzdem dafür eingeteilt wirst, ist nicht Deine Schuld.

01.10.2017, 17:59 Uhr     melden


herr_timchen aus Stuttgart, Deutschland

Was Du beschreibst nennt sich "professionelle Distanz" und ist Dein Lebensretter. Du machst alles richtig.

01.10.2017, 19:51 Uhr     melden


mssileas aus Wien, Österreich

Das ist ein wahnsinnig schwieriger Job, den ich selbst kein ganzes Jahr lang machen konnte.
Punkt 1 versteh ich total. Es ist unfassbar wie lange der menschliche Körper vor sich hinvegetieren kann - ich habe Momente erlebt, da sind 90+ Patienten erst nach mehreren Jahren in Pflege natürlicherweise verstorben. Jahre, in denen sie außer Atmen und Stoffwechsel nichts mehr taten. Da sind sogar die Familien erleichtert, dass es 'vorbei' ist und die Person endlich Frieden hat.

Punkt 2 ist fachlich vollkommen in Ordnung, es geht ja deinen Patienten dadurch nicht schlechter

Punkt 3 finde ich schwierig, denn wenn du das Thema angesprochen hast, bleibt dir ja auch nichts anderes, als dem Dienstplan zu folgen. Wenn deine Schichtleitung das nicht einsieht, dann eben auf die Tour. Hat zwar weder der Patient noch du was davon, aber mehr als reden kann man nicht.
Ich möchte aber vielleicht etwas zu bedenken geben - viele dieser Frauen sind vielleicht jetzt alt und du denkst dir, sie machen sich absichtlich wichtig oder stellen sich schwierig an. Ich möchte an der Stelle anmerken, dass du generell bei einer weiblichen Patienten eine Missbrauchsvergangenheit nie ausschließen kannst, ganz abgesehen davon, dass sie noch anders erzogen wurden.
Es ist auch im Seniorenalter bestimmt nicht schön, sich einem Mann ausgeliefert zu fühlen, selbst wenn du ein Profi bist und nie im Traum auf den Gedanken kommen würdest, deine Position auszunutzen. Aber in dem Punkt haben Patientinnen vielleicht berechtigte Vorbehalte. Nimm das nicht persönlich, ärger dich nicht über die, ärger dich über deine Vorgesetzten. Glaub mir, ich hätte damals umgekehrt als weibliche Pflegerin auch gerne so manchen männlichen Patienten abgegeben... leider funktioniert das so rum auch nicht.

02.10.2017, 08:24 Uhr     melden


Truth666 aus Saarland, Deutschland

Erinnert mich an meine Ex. Die hat sich für Trinkgeld begrabschen lassen und sich an großen Altmännerhoden erfreut.

02.10.2017, 11:52 Uhr     melden


Lightkuh

Ich hoffe du bekommst die Zeit die du beim Bäcker verbRingstraße dann wenigstens bezahlt und nicht als Pause gerechnet weil du ja nicht arbeitest.

Das ältere Frauen sich nicht von jungen Männern pflegen lassen wollen hat nur selten eine Missbrauchs-Hintergrund. Wobei man das bei vielen auch nicht weiss da sowas früher tot geschwiegen wurde. Auf der anderen Seite können sich viele männliche Pflegebedürftige das auch nicht aussuchen da die Pflege nunmal vorwiegend von Frauen am Laufen gehalten wird. Die müssen dann auch damit klar kommen und wer weiss was die in ihrem Leben schon so alles erleben mussten.

Letzten Endes muss ich dem Beichter Recht geben: Wer Pflege haben will lässt die auch zu - egal ob von einem Mann oder einer Frau.

01.12.2017, 15:08 Uhr     melden


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