Ich lebe schon seit Jahren im gleichen Trott

3

anhören

Aggression Zwang Neurosen Basel

Als ich (m/22) zehn Jahre alt war, bekam ich extreme Gedankenzwänge und litt darunter sehr. Ich musste alles richtig machen und wurde zu einer Art Muttersöhnchen. Meine Eltern waren auf eine Art konservativ; strenge Regeln, keine Musik die man außerhalb des Zimmers hören konnte, kein Smartphone bis ich 18 wurde, etc. In den Ausgang ging ich praktisch nie. Als ich 16 wurde, schickte man mich ins Heim, da ich nicht genug für die Schule lernte und zu mühsam war. Sehr paradox, da ich im Umfeld als liebenswürdig galt und nie große Probleme machte. Alles was rebellisch und jugendlich war, verabscheute ich zutiefst. Ich kam mit meinen Mitmenschen in meiner Altersgruppe nicht zurecht. Unter anderem verstand ich meine Eltern und ihre Ansichten, aber wollte zugleich auch jung sein und mich so fühlen.

Ich bekam Wutzustände und schlug, wenn ich in meinem Bett war, mit dem Rücken auf und ab, später wurde de Aggression so stark, dass ich mit mit meinem Oberkörper auf und ab bewegte und teils dem Tisch zu nahe kam, sodass ich bis jetzt, schon ungefähr acht Mal am Kopf Wunden nähen musste, ausgeschlossen andere Wunden im Kopfhaarbereich, die ich nicht behandeln ließ. Gedanklich gingen bei mir Situationen durch den Kopf, wie ich mich bei Ungerechtigkeit oder Benachteiligungen wehre, u. a. mit Gewalt. In der Schule und in der Ausblidung war ich oft unkonzentriert und gedanklich abwesend. Ich war schon oft beim Psychologen, aber das war eher ein nettes Gespräch als eine wirkliche Hilfe. Natürlich kommen noch etliche Faktoren dazu, aber das würde den Rahmen sprengen.

Ich beichte, dass ich trotz guter Eigenreflexion nicht in der Lage bin, mich mit der Situation abzufinden und mich nicht verändern kann und seit Jahren im gleichen Trott lebe. Obwohl ich oberflächlich mit den meisten Menschen klarkomme, innerlich verabscheue ich diese. Ich lasse meine Pflichten schleifen und schäme mich zugleich, da ich es verglichen mit anderen Menschen sehr gut habe und trotzdem psychisch einbreche.

Beichthaus.com Beichte #00040235 vom 28.08.2017 um 01:57:02 Uhr in 4001 Basel (3 Kommentare).

In WhatsApp teilen
Zufallsbeichte

Kommentare der Beichthaus-Bewohner

RelaXxx aus Wonderland , Deutschland

Weißt du was dein Problem ist? Du hast nie wirklich gelebt. Ich würde dir empfehlen auf eine Art selbstfindung zu gehen. Wichtig ist dabei das du unvoreingenommen bleiben musst. Egal wie sehr du es hasst rebellisch zu sein würde ich dir raten die Sau rauszulassen und den verrücktesten Sche*ß zu machen. Wenn es dir nicht gefällt ist es ok aber versuch es. Passt es nicht dann mach was anderes. Man muss seine Jugend nicht wild durchgefeiert haben, man muss spass haben und zwar das ganze leben lang. Such dir nette Menschen, fühl dich frei, schau dir die Welt an, entspann dich und lebe.

29.08.2017, 00:05 Uhr     melden





VcS

Die überstrenge Erziehung hängt dir immer noch nach. Lies einfach nochmal den letzten Absatz. Du lässt deine Pflichten schleifen? Du schämst dich für dein Versagen? Du hast es vergleichsweise gut?

Ich nenn dir mal ein paar Alternativen: Du kannst dir deine Pflichten im Leben zum großen Teil selbst aussuchen. Versagen ist ein natürlicher Teil des Bemühens, und eine Chance zum Lernen. Nein, du hast es mit deiner Störung nicht gut - materiell vielleicht, aber psychisch nicht.

Wenn du dich selbst verletzt, die Eigenreflexion nichts bringt und die Sitzungen beim Therapeuten auch nicht - dann brauchst du eine abrupte, deutliche Änderung. RelaXxx's Vorschläge sind durchaus mehrere Versuche wert. Ansonsten gibts für zwanghafte Menschen exzessiven Sport als Möglichkeit - ein guter Freund hat sich mal mit Ausdauersport selbst aus der Depression gehievt. Wichtig ist, dass du bei der Änderung immer Sicherheit in Reichweite hast - sonst zwingt dich die Angst beim ersten Problem wieder zurück in alte Verhaltensmuster.

29.08.2017, 00:51 Uhr     melden


Bolle84 aus Berlin, Deutschland

Deine Eltern haben jeden Eigenimpuls, den Du als Kind und Jugendlicher aufgebracht hast, unterdrückt. Sie haben es sogar geschafft, bis in Dein Denken vorzudringen, so dass Du Verständnis für ihr Handeln aufbringst. Das hat bei Dir zu den Gewaltphantasien und den körperlichen Reaktionen, Zwängen, geführt, um diese Unterdrückung irgendwie zu kompensieren. Bevor Du ein normales Leben führen kannst, wirst Du den Konflikt mit Deinen Eltern angehen müssen. Du solltest über eine Psychotherapei nachdenken, Dein Fall ist geradezu lehrbuchartig klassisch.

29.08.2017, 09:39 Uhr     melden


Jetzt anmelden, um auch einen Kommentar zu schreiben.

Facebook Kommentare

Ähnliche Beichten

Lichtschalter und Kokain

Ich (m/36) habe seit einigen Monaten ein Problem, in das ich mich immer mehr reingesteigert habe. Ich weiß nicht, wie es angefangen hat, aber ich muss …

Persönlichkeitsstörung und Familien-Hass

Ich bin 19 Jahre alt, habe etwas sehr Grauenvolles zu beichten, und weiß, dass man mir hier keine Absolution erteilen wird. Und viele werden mich nach …


Aggression   Begehrlichkeit   Betrug   Boshaftigkeit   Diebstahl   Drogen   Dummheit   Ehebruch   Eifersucht   Eitelkeit   Ekel   Engherzigkeit   Falschheit   Faulheit   Feigheit   Fetisch   Fremdgehen   Geiz   Gewalt   Habgier   Hass   Hochmut   Ignoranz   Lügen   Manie   Maßlosigkeit   Masturbation   Missbrauch   Misstrauen   Morallosigkeit   Mord   Neid   Neugier   Peinlichkeit   Prostitution   Rache   Schamlosigkeit   Selbstsucht   Selbstverletzung   Sex   Stolz   Sucht   Trägheit   Trunksucht   Ungerechtigkeit   Unglaube   Unreinlichkeit   Vandalismus   Verrat   Verschwendung   Verzweiflung   Völlerei   Vorurteile   Waghalsigkeit   Wollust   Zorn   Zwang   Zwietracht