Ich hätte dir Jahre voller Vergewaltigungen ersparen können!

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Feigheit Verzweiflung Stuttgart

Ich möchte eine Geschichte beichten, die mir einfach nicht mehr aus dem Kopf geht. Ich selbst kann mir niemals dafür Absolution geben, ich beichte nur, da ich diese Geschichte loswerden muss. Sie handelt von einem wundervollen Mädchen. Aber zuerst muss ich noch einiges an Vorgeschichte erklären, also wenn ihr nicht viel lesen wollt, scrollt einfach weiter. Kennengelernt habe ich dieses Mädchen durch meinen besten Freund - als ich 21 Jahre alt war und sie gerade einmal 15. Aus diesem Altersunterschied geht bestimmt schon hervor, dass wir damals kein romantisches Interesse aneinander hatten - was sich übrigens auch nicht geändert hat. Wir waren so etwas wie Bruder und Schwester.

Dieses Mädchen hält mich für den bewundernswertesten Menschen der Welt, aufgrund meiner Vergangenheit bzw. was ich daraus gemacht habe. Als ich ungefähr 16 war, verstand ich mich zunehmend schlechter mit meinem alleinerziehenden Vater, es verging kein Tag, an dem wir uns nicht hasserfüllt anbrüllten. Ich will meinem Vater keinesfalls die Schuld dafür geben, ich war ebenso daran Schuld, aber diese immer schlimmer werdende Situation zu Hause sorgte dafür, dass ich damit anfing, meine Probleme in Alkohol zu ertränken. Mit 18 hatte sich schließlich das Alkoholproblem zu einer Drogensucht entwickelt. Das Ende vom Lied ist, dass ich nach einer Überdosis mein Leben um 180 Grad wendete und mich komplett von der Drogenszene abwendete. Noch heute arbeite ich jede freie Minute um meine Schulden, die durch die Sucht entstanden, abbezahlen zu können.

Ich bin nicht stolz auf meine Vergangenheit und will einfach nicht daran erinnert werden müssen, aber dieses Mädchen bewundert mich dafür, dass ich dafür gesorgt habe, dass mein Leben wieder lebenswert ist. Für sie ist es sozusagen ein Beweis dafür, dass, egal wie scheiße das Leben nun ist, eines Tages alles wieder besser wird. Und diese Hoffnung möchte ich ihr keinesfalls nehmen. Denn im Moment sieht ihr Leben einfach nur beschissen aus - und das ist bloß ein Euphemismus. Vor Kurzem stand sie plötzlich heulend vor meiner Tür und wimmerte nur mehr, dass sie es nicht mehr aushält. Kurz gefasst: in dieser Nacht beichtete sie meinem besten Freund und mir, dass ihr langjähriger Freund sie schon seit Beginn der Beziehung gedemütigt, verprügelt und vergewaltigt hat - und wer weiß was sonst noch. Anscheinend hat sie so lange gebraucht, um sich jemanden anzuvertrauen, da sie einerseits Angst hatte, dass die Polizei ihr nicht glauben würde. Andererseits hat sie tatsächlich geglaubt, dass das alles irgendwie ihre Schuld wäre und wenn sie sich nur genug anstrengen würde und ihm keinen Grund geben würde, wütend zu sein, würde alles wieder gut werden. Ich möchte auch gar nicht mehr dazu schreiben, da es mir das Herz bricht nur darüber nachzudenken, was sie alles durchmachen musste.

Nun zu meiner Beichte: An dem Tag, an dem ich wohl "ein bisschen" zu viel genommen hatte, habe ich mich mit einem Kumpel getroffen, mit dem ich öfters gemeinsam Drogen nahm. Da die Stimmung bei uns ziemlich gut war, lud er noch einige andere Leute ein, wohl auch in der Hoffnung, dass sie noch etwas mitnehmen. Im Laufe der Nacht begannen wir uns "kranke" Sexgeschichten zu erzählen, und zwischen vielen Geschichten rund um Prostituierte fiel eine Geschichte besonders auf. Im Alkohol- und Drogenrausch fehlte uns allen die Fähigkeit über irgendetwas zu urteilen, vermutlich war das auch der Grund, dass der mir unbekannte Typ das erzählte, vielleicht aber auch weil er wusste, dass wir uns nie wieder sehen würden und dass jeder von uns das meiste am nächsten Tag vergessen hätte. Er erzählte von seiner Freundin (von ihm liebevoll "die scheiß Bitch" genannt) und dass diese einfach zu verklemmt wäre und sich weigerte, die ganzen Dinge, die er geil findet, zu tun. Eigentlich wollte sie ja nicht mal Sex haben. Ganz beiläufig, als wäre es keine große Sache, erwähnte er, dass er es sowieso viel geiler findet, wenn sie sie schreit und sich wehrt.

Dieser Typ hatte gerade die Vergewaltigung seiner Freundin gestanden und weil wir alle zu voll waren, realisierten wir es gar nicht. Nach meiner Überdosis konnte ich mich bis vor Kurzem auch nicht an diese Nacht erinnern, oder vielleicht wollte ich es einfach nicht. Und wie es das Schicksal so wollte, konnte ich mich auch erst daran erinnern, als dieses wundervolle Mädchen, wie ein Häufchen Elend vor uns stand und uns anflehte, dass wir ihr irgendwie helfen. Becky, falls du das jemals liest: ich bin nicht dieser bewundernswerte Kerl, für den du mich hältst. Verdammt, dieser Typ hat dir nicht nur deine Unschuld, sondern wie es scheint auch die Lebensfreude genommen. Und ich Vollidiot hätte dir so viele Jahre an Leid ersparen können, hätte ich damals nicht so viel genommen. Ich bin nicht so inspirierend wie du denkst, ich bin einfach nur ein Drogenjunkie, den seine Sucht fast umgebracht hätte und der nur deshalb aufhörte. Seit du uns unter Tränen all das erzählt hast, zerfrisst mich die Schuld. Ich hätte so dir so eine lange Zeit mit diesem widerlichen Menschen ersparen können, ich hasse mich selbst dafür. Ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen, um dafür zu sorgen, dass dieser Untermensch schon viel früher im Gefängnis hätte verrotten müssen. Nicht einmal jetzt kann ich meinen Mut zusammennehmen und dir beichten, wie viel ich hätte verhindern können und es trotzdem nicht getan habe. Ich bin nicht so toll, wie du denkst. Doch trotz allem wünsche ich mir so sehr, dass du die Hoffnung nicht verlierst, dass alles wieder besser wird. Ich verspreche dir, es wird wieder besser.

Beichthaus.com Beichte #00039756 vom 19.05.2017 um 01:56:54 Uhr in Stuttgart (8 Kommentare).

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Kommentare der Beichthaus-Bewohner

PeterPanPie aus Österreich

Ich verstehe die Beichte nicht ganz. Woher willst du wissen, dass der Typ der dir Geschichten über seine Freundin erzählt hat der Freund von deiner Freundin war?

19.05.2017, 11:37 Uhr     melden


RelaXxx aus Wonderland , Deutschland

Mach dich nicht für die Fehler anderer Verantwortlich. Du konntest es nicht wissen, niemand konnte das. Wenn du nicht dieser bewundernswerte Kerl bist dann seih einer. Steh deiner Freundin mit allem was du hast bei. Du bist ein guter Mensch.

19.05.2017, 11:41 Uhr     melden


carassi

Vorweg, je nach Höhe der Schulden wäre es eventuell ne gute Idee, mal in Insolvenzverfahren zu schauen. Die sind nämlich genau für solche Situationen da: man hat richtig Mist gebaut und braucht Hilfe für den Neustart.

Ist der dir unbekannte Typ denn ihr Exfreund?
Ich muss leider sagen, es ist überhaupt nicht sicher, dass du ihr hättest helfen können. Die übliche Reaktion eines Opfers, das noch nicht so weit ist, sieht so aus, dass sie den Täter deckt. Mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit hätte sie abgestritten, dass das alles je passiert ist. Klingt krank, ist es auch, aber so ist die Dynamik. Ohne den Willen des Opfers, sich​ helfen zu lassen, passiert da gar nichts.

Ist aber auch egal eigentlich. Wichtig ist das jetzt. Wichtig ist, dass sie Hilfe bekommt. Das alles ist noch nicht lange her, also dürfte die Anzeige auch gerade erst erfolgt sein. Wendet euch an den Frauennotruf oder eine vergleichbare Einrichtung. Fragt nach drei Dingen: erstens, therapeutischer Unterstützung. Sie braucht unbedingt Hilfe, die nächsten Monate werden hart. Zweitens, anwaltliche Beratung. Manchmal kommt hin und wieder ein Anwalt in solche Einrichtungen. Fragt nach Erfolgsaussichten des Verfahrens. Ich weiß, das ist jetzt hart, aber vor dem Gesetz ist er unschuldig bis zum Beweis der Schuld. Und Schuld zu beweisen kann bei so etwas richtig schwer sein. Frag auch nach, ob deine Erinnerung an diese Erzählung verwertbar ist und falls ja, suche nach weiteren Menschen, die sich vielleicht daran erinnern. Das war im Grunde ein Geständnis.
Drittens, Begleitung durch das Verfahren. Die haben Erfahrung mit diesen Verfahren und können euch helfen und vorbereiten.

Alles Gute

19.05.2017, 11:52 Uhr     melden


Zufallsbeichte



Pizzaschnitte

Ich sage es nur ungern aber zu einer solchen Beziehung (zwischen dem Mädchen und ihrem missbrauchenden Freund) gehören immer zwei. Der Ausnützer und Ausbeuter und das Opfer, welches sich das auch noch gefallen lässt. Wir leben nicht im Iran, sie hätte jederzeit in ein Frauenhaus oder ähnliches gehen können. Ich will nicht seine Taten gutreden oder ihre schlechtreden - sondern dir aufzeigen dass ein Eingreifen deinerseits die Situation nicht unbedingt verbessert hätte.

19.05.2017, 13:14 Uhr     melden


Feuerfüchschen

Wenn du dir sicher bist, dass der Typ, der dir das erzählt hat tatsächlich der selbe ist, dann könntest du ihm wenigstens die Leviten lesen. Auf was für eine Art auch immer.

19.05.2017, 13:23 Uhr     melden


Ragno aus Hier, Deutschland

Die Frage wäre eher ob Du ihr überhaupt hättest helfen können. Es gibt Frauen, die kehren immer wieder zu ihrem Peiniger zurück, weil sie die Schuld für dessen Gewalt bei sich suchen. Gab schon Frauen, wo die Polizei auf deren Anruf eingeschritten ist. Tag später war die verprügelte Frau wieder bei ihm.
Schuld trifft Dich keine. Sei einfach für sie da und lege ihr mal einen Besuch bei einer Fachberatung für misshandelte Frauen nahe. Kannst sie ja begleiten.
Finde es auch toll, dass Du von Deinen Drogenproblemen losgekommen bist!

19.05.2017, 16:11 Uhr     melden


Bolle84 aus Berlin, Deutschland

Wie jetzt, noch keiner, der die ganze Geschichte auf zwei Sätzen zusammengefasst hat? Dann mach ich es: Ich bin ein falsches ´gutes Vorbild´

21.05.2017, 17:36 Uhr     melden


HighFidelity aus schönste Stadt am Bodensee, Deutschland

Hey Beichter, falls du das liest: wie geht es dem Mädchen, ein gutes Jahr später, heute?

07.08.2018, 23:41 Uhr     melden


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